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E-Klapprad Fiido D2S für 500 Euro im Test: geschrumpfter Flitzer

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Das E-Klapprad Fiido D2S ist ein Zwerg. Trotzdem bietet es mit Motor, Hinterradfederung und Gashebel mehr als die meisten anderen E-Klappfahrräder für 500 Euro. Wir haben es im Test.

Erst kürzlich testeten wir das Fiido M1 (Testbericht) und waren vom vollgefederten E-Fatbike zum Einklappen begeistert. Doch während das Fiido M1 der Monstertruck unter den E-Klapprädern ist, entspricht das Fiido D2S eher einem Fiat 500. Denn das D2S setzt auf besonders schmale Maße, ist für kurze Strecken konzipiert und wirkt irgendwie knuffig – ganz besonders, wenn ein ausgewachsener Mann auf dem zu klein geratenen Zweirad durch die Gegend flitzt. Doch die kompakten Maße des elektrischen Klappfahrrads mit Gangschaltung und Hinterradfederung haben ihre Vorteile. Wir haben uns das ab 500 Euro erhältliche Fiido D2S im Testbericht ganz genau angeschaut. Gleich vorneweg: Das D2S hat wie die meisten E-Bikes aus China einen Gashebel, der unter anderem dafür verantwortlich ist, dass man den E-Zwerg nicht auf deutschen Straßen fahren darf.

Zugegeben: Erwachsene wirken auf zu kleinen Fahrrädern ulkig. Mit diesem Problem kämpfen alle Klappräder. Das massige Fiido M1 und Konsorten bildet die Ausnahme. Wer mit neugierigen Blicken seiner Mitmenschen leben kann, dem bietet die geringe Größe des Fiido D2S einige Vorteile. Aufgeklappt ist es gerade einmal 1,3 Meter lang. Zum Vergleich: Ein Mountainbike mit XL-Rahmen kratzt hier auch mal an der 2-Meter-Marke. Dank der kurzen Bauweise kann das Fiido D2S so zum Beispiel problemlos in der S-Bahn stehen, ohne Mitfahrern den Weg zu versperren. Zusammengeklappt halbiert sich die Länge beinahe auf 0,75 Meter. In der Breite misst es dann 0,45 Meter, in der Höhe 0,65 Meter. So passt es auch in den 0,48 Meter tiefen Kofferraum des oben erwähnten Autozwergs Fiat 500.

Fiido D2S (25 Bilder)

Der Klappmechanismus wirkt stabil und ausgereift. Mittig öffnet der Käufer einen gegen versehentliches Lösen gesicherten Schnellverschluss und faltet das Fiido D2S mittig zusammen. Der Rahmen gibt so den Blick auf den in seinem Inneren fest eingebauten Akku frei. Mit weiteren Schnellverschlüssen fährt man den Sattel ein, klappt die Lenkstange um und löst auf Wunsch werkzeugfrei den kompletten Lenker von der Lenkstange. Nun noch die Pedale anklappen – fertig.

Winzig! Zusammengeklappt nimmt das Fiido D2S kaum Platz weg.

Auch wenn seine geringen Faltmaße beeindrucken, macht der Transport so nur wenig Spaß. Zum einen ist es mit 20 Kilogramm recht schwer, zum anderen kann man es zusammengeklappt nicht über Haken oder Magnete fixieren. Derart wird das Tragen des Fiido D2S trotz praktischem Griff schnell zur Tortur, gerade wenn es Treppen hoch und runter muss. Hier wäre ein Wechselakku wie man ihn beim Fiido M1 (Testbericht) findet gut. So könnte man das Rad unten ansperren und den Akku oben in der Wohnung laden.

Dass sich das Fiido D2S für kleine Menschen eignet, versteht sich von selbst. Dank des bis auf eine Höhe von einem Meter ausfahrbaren Sattels fühlen sich aber auch große Personen darauf wohl. Diese dürfen laut Datenblatt bis zu 120 Kilogramm wiegen.

Die festgeschraubte Schutzfolie abzufummeln artet in Arbeit aus.

Dabei ist die Verarbeitungsqualität des E-Klapprads gemessen am niedrigen Preispunkt hoch. Gerade die massige Mittelstrebe des Alurahmens, die bei Klapprädern häufig als Schwachstelle gilt, wirkt hier, als ob sie so einiges aushält. Die ungefederte Gabel vorne besteht aus Stahl, die Felgen sind aus einem Metall.

Die Schutzbleche halten zuverlässig Schmutz und Spritzer vom Fahrer fern. Sie sind etwas unpassend in einem dunklen Bordeaux-Rot lackiert, während der Rahmen in unserem Fall eher grau ist. Etwas ärgerlich: Auf den Schutzblechen befindet sich zunächst eine Schutzfolie, die sich jedoch nur mit Aufwand löst, da Fiido verschiedene Elemente einfach darüber geschraubt hat.

Die Hinterradfederung des Fiido D2S bügelt zuverlässig Schlaglöcher glatt.

Das Fahren mit dem Fiido D2S ist spaßig. Man sitzt auf dem breiten und weichen Sattel dank Hinterradfederung butterweich, holprige Abschnitte bügelt sie zuverlässig glatt. Wegen der langen Lenkstange sitzt der Lenker nicht so stabil, wie man es von normalen Fahrrädern gewohnt ist. Dieses Problem ist typisch für Klappräder. Die Luftreifen auf den 16-Zoll-Rädern tragen ebenfalls dazu bei, die Fahrt angenehm zu gestalten. Einen vorderen Stoßdämpfer gibt es im Gegensatz zum Fiido M1 (Testbericht) nicht.

Das „S“ in Fiido D2S steht für Shift, also Schaltung. Wer die nicht will, kann auch zum ansonsten baugleichen Fiido D2 greifen und ein paar Euro sparen. Wir empfehlen jedoch klar das Modell mit der einfachen 6-Gang-Schaltung von Shimano. Man würde sie spätestens dann vermissen, wenn der Akku leer ist und das schwere E-Klapprad ohne Motor mit reiner Muskelkraft bewegt werden will.

Der niedrigste Gang ist dabei klein genug, um bequem anzufahren. Im höchsten Gang dagegen tritt man bei 25 km/h schon recht abgehetzt in die Pedale. Doch dieses Problem haben die meisten Klappräder. Eine anständige Übersetzung stößt bei derart kleinen Rädern an ihre physikalische Grenze.

LEDs statt Display: Hier hat Fiido an der falschen Stelle gespart.

Für eine Motorunterstützung schaltet man das Fahrrad zunächst an der Bedieneinheit an. Diese ist recht rudimentär, es gibt lediglich fünf Lämpchen für eine ungefähre Akkustandsanzeige und drei Lämpchen, die den gerade gewählten Fahrmodus verraten. Die bereits zurückgelegte Strecke in Kilometern oder die aktuelle Geschwindigkeit sieht man nicht. Schade, hier hat Fiido unserer Einschätzung nach an der falschen Stelle gespart.

Bei jedem Start befindet sich das Fiido D2S in Stufe 1. Hier unterstützt der Motor beim Treten bis 10 Kilometer pro Stunde. In Stufe 2 schiebt er bis 15, in Stufe 3 bis 20 Kilometer pro Stunde an. Dabei muss der Fahrer ungewöhnlich lange in die Pedale treten, bis der ausreichend starke 250-Watt-Heckmotor loslegt. Er scheint dabei nur die Zustände Ein und Aus zu kennen und schiebt entsprechend auch bei zartem Pedaltritt ordentlich an. Das nervt immer dann, wenn man mal nicht Vollgas fahren will. Außerdem ärgerlich: Beschleunigt man nicht mehr über die Pedale, läuft der Motor etwa 1,5 Sekunden nach. Das ist viel zu viel. Hier hilft es, die Bremse anzutippen, dann stoppt der Motor sofort.

Der Gashebel, oder eher Gasring, sitzt kaum sichtbar auf der linken Seite des rechten Griffs.

Das volle Potenzial entfaltet das Fiido D2S erst mit dem auf deutschen Straßen illegalen Gashebel, der eher ein mit dem Motorrad vergleichbarer Gasring ist. Dieser sitzt neben dem rechten Griff und wird zum Beschleunigen zum Fahrer gezogen. Dabei dürfte er gerne etwas größer, griffiger und leichtgängiger sein.

Der Gashebel leistet das, was wir uns von der Tretunterstützung erhofft hatten: Sie dosiert die Motorleistung sehr fein. Eine zaghafte Drehung schiebt das D2S entsprechend zart an. Dreht man bis zum Anschlag, dreht auch der Motor voll auf. Auch läuft der Motor hier bis zu den maximal in Deutschland erlaubten 25 Kilometern pro Stunde mit, bevor er sich abschaltet. Wer googlet, findet eine Entsperroption, mit der das E-Klapprad seine ursprünglich vorgesehene maximale Geschwindigkeit von 31 Stundenkilometer erreicht.

Wie oben erwähnt: Der Gashebel ist in Deutschland nicht erlaubt. Wer sich mit ihm auf öffentlichen Straßen erwischen lässt, riskiert rechtliche Konsequenzen. Neben dem Gashebel ist außerdem die recht laute, elektronische Hupe verboten. Direkt über der Hupe sitzt der Knopf für das Vorderlicht. Hinten gibt es einen Reflektor.

Vorne und hinten nutzt das Fiido D2S mechanische Scheibenbremsen, die man vor der ersten Fahrt mit dem mitgelieferten Werkzeug nachjustieren sollte. Einmal geschehen, greifen sie straff und zuverlässig. Wahrscheinlich muss man sich jedoch auf regelmäßiges Nachjustieren gefasst machen.

Hier versteckt sich der Akku. Entnehmen kann man ihn leider nicht.

Der fest eingebaute Akku hat eine Kapazität von 270 Watt-Stunden. Zum Vergleich: Das Fiido M1 (Testbericht) bietet 450 Watt-Stunden, hat aber wegen der sehr breiten Reifen einen deutlich höheren Rollwiderstand. Fiido gibt unter optimalen Bedingungen eine Reichweite von 40 bis 50 Kilometern an. Realistisch sind eher 15 bis 25 Kilometer, welche vor allem bezüglich des aufgerufenen Preises in Ordnung gehen.

Faktoren wie das Gewicht des Fahrers, der gewählte Unterstützungs- oder Vollautomatikmodus, die Temperatur, die Straßenbeschaffenheit und die bewältigten Höhenmeter beeinflussen die Reichweite maßgeblich. Einmal leer braucht das mitgelieferte Netzteil etwa fünf Stunden, den Akku wieder vollzupumpen.

Das Testgerät wurde und von dem Händler Geekmaxi (Kauflink) zur Verfügung gestellt. Dort kostet es mit dem Gutscheincode 89IKV7M4 knapp 500 Euro. Aktuell ist das Modell vergriffen. Geekmaxi nimmt jedoch Vorbestellungen an. Der Händler hat uns versprochen, sie ab dem 25.06.2020 aus einem europäischen Lager zu liefern. Alternativ findet man auf Amazon und Rakuten Händler, die das Fiido D2S vorrätig haben, allerdings einen höheren Preis aufrufen.

Wer auf die Gangschaltung verzichten kann, sollte sich das ansonsten baugleiche und etwas günstigere Fiido D2 anschauen. Wer dem ganzen noch einen draufsetzen will, sollte sich das klappbare, vollgefederte Fatbike Fiido M1 (Testbericht) anschauen. Es war nach dem Veröffentlichen unseres Testberichts schnell ausverkauft, kann jedoch aktuell auf Geekmaxi (Kauflink) mit dem Gutscheincode a2Khw6Ln für 860 Euro vorbestellt werden. Ausgeliefert wird am 07.07.2020.

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Fiido D2S grau

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Fiido D2 grau

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Wie schade, dass das elektrische Fiido D2S einen Gashebel hat und unter anderem dadurch auf deutschen Straßen nicht erlaubt ist. Denn im Grunde macht es vieles richtig. Da wäre zunächst der Preis ab 500 Euro. Üblicherweise zahlt man hierzulande für ein qualitativ vergleichbares Klapprad ohne Motor einen ähnlichen Preis. Wir sind überrascht von der stabilen Bauweise und den superschmalen Klappmaßen. Die Bremsen sind gut und die Gangschaltung hilfreich. Das Fahrgefühl dank Hinterradfederung angenehm sanft. Optisch wirkt ein ausgewachsener Mann darauf eher ulkig – wie auf so ziemlich jedem kleinen Klapprad. Die Tretunterstützung des Motors ist elektronisch nicht gut geregelt, die „verbotene Frucht“ Gashebel macht dafür umso mehr Spaß.

Wer sich dagegen für legale E-Scooter interessiert, dem empfehlen wir unsere Themenseite E-Scooter. Zu langsam? Dann könnten ausgewachsene Elektroroller (Kaufberatung) das richtige sein. Was wir für all diese Lösungen empfehlen ist ein Helm, zum Beispiel den Lumos Street (Testbericht) mit integriertem Blinker.

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