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Devolo Magic 2 im Test: WLAN-Mesh per Powerline

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Das Devolo Magic 2 Multiroom Kit will die Reichweite von LAN und WLAN im Heim durch sein schnelles Powerline 2400 Mbps vergrößern. Im Test zeigen wir Stärken und Schwächen.

Im Rahmen unserer WLAN-Mesh-Themenwelt hatten wir bereits mehrere Ansätze im Test. Tri-Band-Systeme nutzen ein dediziertes Funkband für den internen Datenverkehr, Systeme wie das Asus RT-AX92U (Testbericht) bietet an, den Rückkanal per LAN-Kabel zu erledigen. Devolo geht einen anderen Weg – die Stromleitung. Kein Wunder, schließlich ist das Unternehmen oft das Synonym für die Datenübertragung per Powerline. Interessant ist das für alle, deren WLAN-Luft durch andere Funker überlastet ist oder die einfach nicht durch ihre Wände vernünftig funken können.

Der Test zum Devolo Magic 2 erscheint im Rahmen unserer Themenwelt WLAN-Mesh. Folgende Artikel und Einzeltests sind bereits veröffentlicht:

Das Devolo Magic 2 WiFi Multiroom ist ein Kit, das aus drei Adaptern besteht. Die Daten laufen zwischen diesen über die hauseigene 230-Volt-Stromleitung, die Technik nennt sich Powerline, kurz PLC, alias Power Line Communications. Manche Hersteller sagen dazu auch PowerLAN.

Der erste Adapter aus diesem 3er-Kit versteht nur Powerline und Ethernet-LAN, aber kein WLAN. Er wird per Kabel direkt mit einem Modem-Router (bei uns eine Fritzbox 7590) oder einem NAS-System (bei uns eine Synology DS1618+) verbunden.

Der linke Devolo-Adapter versteht nur Powerline. Die beiden Rechten funken zusätzlich WLAN auf 2,4 und 5 GHz. Verkoppelt werden alle drei über die 230-Volt-Stromleitung (Bild: Harald Karcher).

Steckt der erste PLC-Adapter nun in einer 230-Volt-Dose, dann schickt er die Nutzdaten über die Stromleitung an zwei weitere Steckdosen innerhalb der gleichen Wohnung weiter. Dort stecken die zwei weiteren Devolo-PLC-zu-WLAN-Adapter. Diese verstehen neben PLC auch WLAN-11a-b-g-n-ac bei 2,4 bzw. 5 GHz. Das heißt, sie funken die Daten aus der Fritzbox, oder aus dem NAS oder einem anderen Daten-Zuspieler bis an die WLAN-Endgeräte weiter und wieder zurück.

Frisch aus der Schachtel haben die drei Devolo-PLC-Adapter drei verschiedene PLC-MAC-Adressen und drei verschiedene Security-IDs. Die stehen auch fein sauber auf der Rückseite der Adapter. Zwei der drei Adapter sprechen zusätzlich auch WLAN, und haben demzufolge zusätzlich zwei unterschiedliche Schlüssel mit jeweils 16 Zeichen. Wie soll aus dieser bunten Mischung nun ein einheitliches Netz mit einem für alle WLAN-Endgeräte einheitlichen Netzwerknamen und einheitlichen Zugangsschlüssel werden?

Voilà: Wir haben alle drei Adapter gleichzeitig in eine lange Steckdosenleiste gesteckt. Nach einigem Blinken und Flackern an den LEDs konnten wir im WLAN-Analyzer auf einem Sony-11ac-Handy beobachten, dass die vormals zwei verschiedenen SSID-Netzwerknamen (devolo-850 und devolo-450) sich freiwillig zu einem gemeinsamen Namen (devolo-850) in der Luft vereinigt hatten.

Die zwei Devolo-PLC-WLAN-Adapter haben den gleichen Namen (devolo-850) angenommen. Im 2,4 GHz Band haben sie sich rund um Kanal 6 in den Frequenz-Dschungel geworfen (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).

Fragt sich nur noch: Mit welchem der zwei WLAN-Schlüssel der zwei Adapter kommen wir über die Luft in das vereinheitlichte Netz hinein? Ausprobieren! Der erste Key war falsch, der zweite hat funktioniert. Mit einheitlicher SSID und einheitlichem Schlüssel war dann schon mal ein grundlegender Tatbestand des WLAN-Mesh erfüllt.

Im 5 GHz Band haben sich die zwei Devolo-PLC-WLAN-Adapter rund um Kanal 42 breit gemacht (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).

Übrigens: Laut Devolo soll man PLC-Adapter niemals in Steckdosenleisten stecken und immer nur in Einzelsteckdosen. Also bitte nicht nachahmen.

Mit einer aufgebogenen Büroklammer haben wir die drei schön synchronisierten Devolo-Adapter per Hardware-Reset wieder in den Werkszustand zurückversetzt, um sie alternativ mit der Android App „Devolo Home Network“ neu einrichten zu können.

Hier sind drei Devolo Adapter über die Stromleitung miteinander gekoppelt (Screenshot: Harald Karcher / mit Devolo Home Network Android App).

Diese App redet nicht über Bluetooth, sondern über WLAN mit den Adaptern. Ein Teil der App wirkt jung, modern und frisch, so ähnlich wie bei Google Wifi (Testbericht). Klickt man auf die Geräte-Symbole in der plakativen Devolo-Netzwerk-Grafik, dann erscheinen detailliertere Geräte-Webseiten im alten Browser-Stil von anno dazumal. Die werden dann auf dem Handy derart winzig dargestellt, dass man sich über die Zoomfunktion freut, die Devolo netterweise neben den winzigen Schriften einblendet.

Die Software „devolo Cockpit“ wirkt im Vergleich zur Handy-App „Devolo Home Network“ ein bisschen angestaubt (Screenshot: Harald Karcher / mit Devolo Cockpit Software).

Der große Vorteil dieser App ist unter anderem die Aufforderung zum Firmware-Update von der angelieferten Version 5.0.1 (2018-10-11) in die per Anfang August 2019 jüngste Version 5.2.1 (2019-02-19). Im Zweifel also lieber gleich nur diese App „Devolo Home Network“ zum FW-Update verwenden. Andere Methoden hatten uns zuvor die Adapter ordentlich verhagelt.

Bevor wir die App entdeckten, wollten wir die Firmware der Devolo-Adapter über den PC Browser mit der Software „Devolo Cockpit“ updaten. Die Erfahrungen damit waren durchwachsen. Ansonsten funktionieren die Geräte-Web-Seiten trotz winziger Schriften an einem großen Monitor ganz gut. Irgendjemand müsste bei Devolo mal einen einheitlichen Stil in die vielen gewachsenen Apps bringen.

Praktische Zusatzfunktion für alle, die eine aktuelle Fritzbox nutzen: Auf Wunsch synchronisieren sich die Adapter mit dem Router und übernehmen dessen SSID samt WLAN-Schlüssel. Es wurden aber nicht alle WLAN-Settings so konsequent in die Devolos überspielt, wie das bei einigen AVM-eigenen WLAN-Repeatern oder Powerline-Adaptern bereits funktioniert. Zum Beispiel wurde das Gastnetz der 7590 in unserem Test Anfang August 2019 noch nicht in die Devolos hinein synchronisiert.

Die Fritzbox 7590 hat das Devolo Powerline Netzwerk erkannt und alle drei Adapter angezeigt (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!OS 07.12 Software)

Das aus der Fritzbox zugespielte Internet kann am hintersten PLC-zu-WLAN-Adapter natürlich nie schneller sein als die Powerline-Verbindung zwischen Fritzbox und den Devolo-Mesh-Stationen es dorthin tragen. Theoretisch schafft der von Devolo verbaute Chip 2400 Mbps Brutto. Die Apps am PC und auf dem Handy gaukelten in der realen Testumgebung immerhin Backbone-Werte bis über 1500 Mbps vor.

In unserer Münchener Umgebung kamen bei kurzem Abstand zwischen zwei Devolo-2400-Mbps-Adaptern immerhin recht konstante 500 Mbps Netto-Durchsatz mit sehr großen Dateien über die PLC-Strecke. Dabei war der Datenstrom sehr stabil, bei weitem nicht so schwankend wie sonst über WLAN-Strecken.

Allerdings hat auch Powerline, genau wie WLAN, bei zunehmender Entfernung mit starken Verlusten zu kämpfen: Auf der anderen Seite der Wohnung, jenseits des Sicherungskastens, kam überhaupt kein brauchbarer Datenspeed mehr aus irgendeiner Steckdose per PLC-LAN-Adapter in den Laptop. Die Wohnung ist etwa 30 Jahre alt. Bei jüngeren Immobilien mögen die Netto-Werte erheblich besser sein. Also bitte nicht wundern, wenn in älteren Immobilien ohne Generalsanierung der Elektrik auch Powerline nicht alles halten kann, was Brutto auf der Schachtel steht.

Mesh Point 1 im DG ist ein Devolo-Magic-2-PLC-LAN-WLAN-Adapter. Mesh Point 2 im OG exakt der Gleiche. Die Messwanderung mit einem Razer Blade 15 Laptop beginnt links oben im DG und endet rechts im OG-Zimmer 4. Die Test-Dateien (30x 1GB) werden aus einem Synology DS1618+ NAS Server via Fritzbox 7590 Switch und Devolo-PLC-Adapter per Stromleitung zugespielt, rechts oben (Bild: Harald Karcher).

Den WLAN-Durchsatz messen wir wie immer: Die Daten liefert eine Synology DS1618+ mit 10-GBit-Anbindung. Auf dem NAS liegen unter anderem 30x 1-GByte-Dateien, die wir in Messwanderungen binnen weniger Minuten über die Funkzellen der beiden Devolo-WLAN-PLC-Adapter herunterladen.

An den einzelnen Messpunkten greifen wir die Daten mit einem Razer Blade 15 Notebook ab, dieses besitzt einen schnellen 11ac-Wave-2-WLAN-Adapter bis 1733 Mbps Brutto. Zudem messen wir mit einem Sony Xperia XZ Premium (Testbericht). Das 11ac-Wave-2-Smartphone verspricht einen Speed von 866 Mbps Brutto.

Mit diesen WLAN-Endgeräten wandern wir vom DG (links oben in der Hausgrafik) bis in das OG-Zimmer 4 (rechts mittig) und wieder zurück. Die beiden Mesh-Stationen stehen für eine möglichst schwierige Teststrecke absichtlich ungünstig am linken Rand der Wohnung.

Wanderung durch 5 Räume mit einem Razer Blade 15 Laptop vom DG bis zum OG-Zimmer 4: Blau zeigt den Netto-Speed mit einem Devolo-PLC-WLAN-Funker. Rot mit zweien von der Sorte (Bild: Harald Karcher).

Die Tabelle bestätigt den Eindruck: Mit dem Infrastruktur-Kanal per Powerline bewegt sich das Devolo-System im soliden Mittelfeld.

Mesh Durchsatz
Produkt Dachgeschoss OG Zimmer 1 OG Zimmer 2 OG Zimmer 3 OG Zimmer 4
Devolo Magic 2, einzeln 311 276 266 114 38
Devolo Magic 2, 2er-Set 333 333 140 140 122
AVM 7590 (Firmware 7.12) 606 272 216 179 25
AVM 7590 & AVM 1200 591 572 249 155 94
Zyxel Multy U, einzeln 452 420 147 122 78
Zyxel Multy U, 2er Set 546 469 209 88 19
Asus Asus RT-AX92U, einzeln 630 595 224 175 133
Asus Asus RT-AX92U, 2er Set 672 630 420 696 210
AVM 7590, einzeln 481 461 222 29 129
AVM 3000 & 7590 473 471 404 418 322
Google Wifi, einzeln 509 285 22 21 12
Google Wifi, 2er Set 482 264 180 184 94
D-Link Covr, einzeln 405 386 33 31 10
D-Link, Covr 2er Set 356 356 378 320 311
Durchsatz in MBit/s

Anschließend gehen wir alle Punkte mit dem Smartphone ab um zu sehen, wann und wie schnell das Devolo-Mesh zwischen 2,4 GHz und 5 GHz umschaltet:

Fazit aus den vier gezeigten Kurven: Die Devolo-PLC-WLAN-Adapter haben das WLAN-Handy offenbar gerne und lange in einer bestimmten Funk-Zelle festgehalten. Schaltet das System erst mal in das langsame 2,4 GHz Band, dann hat es sich nur widerwillig zurück in das schnellere 5 GHz Band hinauf geschwungen. Dieses Kleben scheint auch bei neuen Mesh-Systemen oft vorzukommen. Bei den Mesh-Repeatern AVM 1750E (Testbericht) und AVM 3000 (Testbericht) haben wir es noch bemängelt, aber nun scheint das Phänomen des langen Klebens ja doch bei etlichen Mesh-Systemen ganz normal zu sein.

Der Devolo-PLC-Adapter ohne WLAN zog im Standby nur 2,5 Watt aus unserer 230-Volt-Dose. Beim Downstream großer Dateien vom NAS-Server via PLC auf einen Laptop waren es 4,7 Watt. Ein Devolo-PLC-Adapter mit WLAN zog im Standby fast 6 Watt aus unserer 230-Volt-Dose. Beim Downstream großer Dateien vom NAS-Server via PLC auf einen Laptop waren es gut 8 Watt.

Je nach Auslastung haben die drei Devolo-Adapter zusammen um die 14 bis 21 Watt benötigt.

Der Devolo-PLC-Adapter ohne WLAN hat im Test 2,57 bis 4,72 Watt gezogen (Screenshot: Harald Karcher / mit FRITZ!DECT 200 Software).
Der Devolo-PLC-Adapter mit WLAN hat im Test 5,86 bis 8,08 Watt benötigt (Screenshot: Harald Karcher / mit FRITZ!DECT 200 Software).
devolo Magic 2 WiFi Multiroom Kit, G.hn, 2.4GHz/5GHz WLAN, 2x RJ-45, 3er-Pack (8391/8419/8396)

Devolo Magic 2, Starterkit

devolo Magic 2 WiFi Starter Kit, G.hn, 2.4GHz/5GHz WLAN, 2x RJ-45, 2er-Bundle (8383/8418/8388)

Devolo Magic 2, 2er-Set

devolo Magic 2 WiFi, G.hn, 2.4GHz/5GHz WLAN, 2x RJ-45 (8375/8417)

Devolo Magic 2, einzeln

Das Devolo Magic 2 Multiroom Kit verspricht "weltschnellstes Powerline" mit 2400 Mbps Brutto-Speed. In unserer 30 Jahre alten Testwohnung gingen maximal 500 Mbps Netto über die 230-Volt-Stromleitung, und das auch nur auf kurze Distanz.

Zwei der drei Adapter aus dem 3er-Set funken WLAN Brutto bis zu 300 Mbps auf 2,4 GHz und 866 Mbps bei 5 GHz. Netto kamen in der Spitze 333 Mbps via Powerline und WLAN in einem Ende-zu-Ende-Setup auf einem schnellen Laptop an. Auch dies ist nicht schlecht, das Set liefert aber keine Rekordwerte.

Die wichtigsten WLAN-Einstellungen aus einer Fritzbox 7590 (Testbericht) wurde ruckzuck in das Devolo-System übernommen. Das ist ein angenehmer Mesh-Komfort, sofern man das Multiroom Kit hinter einer modernen Fritzbox als Reichweitenverlängerung betreiben will. So muss man SSID und WLAN-Key eines einheitlichen Fritzbox-Netzes nicht selber händisch in die Devolo-Adapter einpflegen.

Alle drei Devolo-Adapter haben konsequenterweise Durchsteckdosen. Das ist ein echter Vorteil, weil man doch selten genug freie Steckdosen in der Wohnung haben dürfte. Die Verarbeitung aller drei Adapter ist rundum solide.

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