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Devolo Home Control im Test: Heimautomation aus der Cloud

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Der Aachener Hersteller Devolo startet im Bereich der Heimautomation kräftig durch. Das hauptsächlich für seine Netzwerk-über-die-Stromleitung-Adapter dLAN bekannte Unternehmen hat vor ein paar Wochen ein komplettes Portfolio an Komponenten für die nachträgliche und kabellose Automatisierung von Haus, Wohnung, Geschäft oder Büro vorgestellt. Wir haben die Produkte ausführlich unter die Lupe genommen.

Die Home Control Zentrale stellt die Verbindung zwischen den Z-Wave-Funkkomponenten und dem Internet her. Außerdem sind hier alle Regeln und Programme gespeichert.

Hauptbestandteil ist die Home Control Zentrale. Das Gerät erinnert an ein etwas zu groß geratenes Steckernetzteil und wird mit dem Stromnetz und dem Internet verbunden. Das Devolo-eigene Powerline-Netz dLAN ist integriert – man muss die Zentrale also nicht zwangsläufig per Netzwerkkabel mit dem DSL-Router verbinden, wenn man bereits Powerline benutzt. Sinnvoll ist ein zentraler Aufstellungsort im Haus, um einen möglichst großen Bereich für die Funkverbindung zu Aktoren und Sensoren herzustellen. Die Zentrale kostet einzeln knapp 130 Euro; im Set mit Schaltsteckdose und Magnetkontakt für Tür oder Fenster kostet sie knapp 200 Euro.

Bei der Zentrale laufen alle Signale zusammen. Wenn ein Bewegungsmelder anspricht, eine Taste auf der Funkfernbedienung oder dem Funkwandschalter gedrückt wird oder der Rauchmelder anschlägt, schicken die Sensoren ein Funksignal. Anhand der Programmierung entscheidet die Zentrale, was dann passiert.

Das Anlernen der Komponenten und das Programmieren einfacher Wenn-Dann-Verknüpfungen (wenn der Schalter gedrückt wird, schalte das Licht an, wenn der Bewegungsmelder anspricht, schicke eine E-Mail) erfolgt per Webbrowser. Im Gegensatz zu anderen Heimautomationslösungen wie etwa dem Loxone Miniserver programmiert man die Devolo-Lösung allerdings nicht über einen integrierten Webserver oder ein spezielles Programm, sondern über den Cloud-Dienst des Herstellers. Das hat viele Vor-, aber auch einige Nachteile.

Lichtschalter nötig? Wand aufstemmen muss man bei Devolo Home Control nicht. Dieser Taster steuert vier Funktionen, bekommt seiner Energie aus der Knopfzelle und hält mit doppelseitigem Klebeband an Wand, Schrank oder Tisch.

Die Ersteinrichtung ist so einfach, dass es eine wahre Freude ist. Zentrale in die Steckdose, Netzwerkkabel rein und fertig. Software installieren? IP-Adressen finden? Braucht man nicht. Browser öffnen, die Devolo-Webseite aufrufen und ein Konto anlegen – dann entdeckt der Cloud-Service die Zentrale automatisch, wenn sie mit dem gleichen Netzwerk verbunden ist wie der Rechner, von dem aus man sich eingeloggt hat.

Im nächsten Schritt gilt es dann, einige Daten festzulegen – darunter Zeitzone und Ort, an dem die Zentrale installiert ist. Diese Informationen nutzt Devolo unter anderem für eine Wettervorhersage, die aktuell aber leider nicht in Regeln einbaubar ist. Fahre die Markise ein, wenn es regnet – das wäre ein schöner Anwendungszweck.

Gesteuert und Konfiguriert wird per Web-Interface in der Cloud. Die Apps für iOS und Android greifen auch „nur“ auf dieses Web-Interface zu und zeigen es in der Mobil-Ansicht.

Apropos Daten: Genau das ist ein Haken am Cloud-Service. Ohne Devolo seine Postleitzahl und E-Mail-Adresse zu verraten, geht bei der Einrichtung der Zentrale nichts. Für mich persönlich ist es okay, eben diese Daten herauszurücken, aber wer schon aus Prinzip nicht seine Postleitzahl herausrückt, hat ein K.-O.-Kriterium. Außerdem bleibt es nicht dabei. Schließlich bekommt die Cloud jeden einzelnen Schaltvorgang und jede Bewegung mit – und somit beispielsweise auch, ob jemand zu Hause ist oder nicht.

Auf der Haben-Seite bietet die Cloud-Lösung dafür eine überwiegend einfache Konfiguration mit klaren Anweisungen, Online-Hilfe und regelmäßigen Updates und Funktionsergänzungen, ohne, dass man als Nutzer zu Hause irgendetwas machen müsste.

Nach der Ersteinrichtung im Browser lernen wir die Komponenten an. Das klappt wie am Schnürchen. Oder anders: Besser kann man das kaum lösen. Das Webinterface hat einen Reiter für Geräte, dort gibt es ein Plus-Zeichen. Der Service fragt, was für ein Gerät wir hinzufügen wollen – also etwa Funksteckdose, Rauch- oder Bewegungsmelder, Magnetkontakt oder Fernbedienung – und zeigt in einem kurzen Videoclip, was zu tun ist.

Vorbildlich: Besser als so kann man das Anlernen von Komponenten kaum realisieren.

Meist muss man einen Knopf mehrmals kurz drücken, um die jeweilige Funkkomponente in den Lernmodus zu bringen. Sobald die Zentrale das entsprechende Funksignal erhalten hat, geht es im Webinterface automatisch weiter. Wir geben den Ort der Installation an (etwa Vorraum, Wohnzimmer oder Bad) und legen einen eindeutigen Namen fest (Rauchmelder Wohnzimmer, Fernbedienung Daniel, Steckdose Stehlampe Vorraum).

Angelernte Komponenten interagieren sofort mit dem Webinterface und der Smartphone-App. Eine Funksteckdose beispielsweise lässt sich sofort per Fingertipp oder Mausklick schalten, zugehörige Daten wie Stromverbrauch stehen zur Ansicht bereit.

Komplexer wird es beim „Programmieren“ – wobei das Wort ziemlich falsch ist. Anstelle kryptischer Codes erfolgt das Zusammenbauen von Regeln, Szenen oder Zeitprogrammen komfortabel per Drag & Drop. Wenn das Licht aus ist und Taste 1 auf der Fernsteuerung gedrückt ist, dann mache das Licht an. Oder schalte das Licht Montag bis Freitag von 7:30 Uhr bis 20:30 Uhr an. Oder sende eine E-Mail, wenn das Licht aus ist und der Bewegungsmelder anspricht.

Diese Regel schaltet das Licht bei Bewegung ein und nach fünf Minuten wieder aus.

In der Praxis erweist sich das Programmieren gelegentlich aber leider nicht so intuitiv wie das Anlernen von Komponenten. Möchte ich etwa per Bewegungsmelder das Licht einschalten und ziehe ihn in das entsprechende Wenn-Feld des Browser-Fensters, muss ich auswählen, wann die Regel stattfindet. Beim Bewegungsmelder gibt es dafür die Stati OK und Alarm. Dass jede Bewegung ein Alarm ist, habe ich per Trial-and-Error-Sebstversuch herausgefunden.

Wenn ich möchte, dass das per Bewegungsmelder automatisch eingeschaltete Licht nach einer gewissen Zeitspanne wieder ausgehen soll, kommen dafür verschiedene Optionen in Betracht. Man kann beim Bewegungsmelder einen Zeitraum festlegen oder bei der Schaltsteckdose ein Zeitlimit oder wählen „Wenn beendet, dann zurück zu Ausgangszustand“.

Inzwischen habe ich die Logik einigermaßen kapiert. Aber vorübergehend, beim Experimentieren und Hin- und Herlaufen zwischen Computer, Bewegungsmelder und Licht – es kann einen fast bis zur Weißglut treiben, bis alles funktioniert, wie gedacht. Das Positive daran: Sind die Regeln einmal erfolgreich zusammengeklickt, muss man nichts mehr ändern. Alles funktioniert automatisch. Übrigens auch ohne Internet-Verbindung, denn die Verarbeitung der Wenn-Dann-Abfolgen läuft lokal in der Zentrale.

Magnetkontakt links, Bewegungsmelder rechts. Verwechslungsgefahr: Beide Module sind erstaunlich klein und im identischen Gehäuse verbaut. Der Bewegungsmelder zeigt mit der roten LED an: Ich habe gerade etwas erkannt.

An Sensoren bietet Devolo derzeit einen Bewegungsmelder und einen Magnetkontakt an. Beide übertragen neben ihrem Status auch Temperatur und Helligkeit. So kann der Tür- und Fensterkontakt beispielsweise mehrere Aufgaben übernehmen: Er verschickt eine E-Mail, wenn die Türe geöffnet wurde oder eine bestimmte Temperatur unterschritten ist und schaltet das Licht ein, wenn es dunkel wird. Gemein: Die beiden Sensoren stecken im gleichen Gehäuse. Ich bin direkt darauf reingefallen und habe den Magnetkontakt für einen Bewegungsmelder gehalten. Also: Aufpassen. Die Montage erfolgt je nach Umgebung entweder mit den mitgelieferten Schrauben oder per Klebestreifen. Gefühlt ist übrigens die Reichweite unseres Bewegungsmelders etwas gering – den kompletten Vorraum unseres Büros (circa 20 Quadratmeter) erfasst er nicht. Wir klären derzeit mit dem Hersteller, woran das liegen könnte.

Die Funkfernbedienung erinnert an die Zentralverriegelung fürs Auto. Sie ist erfreulich hochwertig gefertigt.

Außerdem gibt es eine Funkfernbedienung in Schlüsselanhänger-Form, mit der sich Aktoren schalten oder Regeln auslösen lassen. Sie ist erstaunlich klein und schwer – und wirkt dadurch sehr hochwertig. Für die Wand hat Devolo einen flachen Vierfach-Taster im Programm, der ähnlich funktioniert, aber eben aussieht wie ein normaler Lichtschalter. Eben diesem normalen Schalter hat er ordentlich etwas voraus: Man kann ihn mit doppelseitigem Klebeband auf Glas, Stein oder Putz kleben, oder sogar am Schrank oder auf dem Schreibtisch platzieren.

Devolo hat außerdem einen Rauchmelder im Programm. Er funktioniert wie ein „normaler“ Rauchmelder, hat eine Alarmsirene also bereits eingebaut. Zusätzlich verschickt er ein Funktelegramm, wenn er ausgelöst hat. Die integrierte Sirene kann man leider nicht für andere Zwecke benutzen, um beispielsweise einen Alarm auszulösen, wenn eine Bewegung erkannt wurde.

Der Zwischenstecker schaltet beliebige Verbraucher wie eine Kaffeemaschine oder eine Stehlampe und misst den Energieverbrauch.

Zum Schalten gibt es derzeit lediglich einen Zwischenstecker. Daran kann man Kaffeemaschine, Steh- oder Nachttischlampe und beliebige andere Verbraucher anschließen. Einen Dimmer oder Unterputzaktoren, die man beispielsweise bei einer Hängelampe oder hinter einer Steckdose anbringen könnte, hat der Hersteller bislang nicht im Programm.

Zusätzlich bietet Devolo auch eine Heizungssteuerung an mit Antriebsmotoren für die Heizkörper, davon abgekoppeltem Raumthermostat und natürlich Funk-Anbindung an die Home Control Zentrale an. In Anbetracht der sommerlichen Umgebung konnten wir diese Komponenten allerdings nicht ausprobieren.

Zur Funkkommunikation setzt Home Control auf einen Funk-Standard namens Z-Wave. Im vergangenen Jahr gab es 250 Hersteller, die entsprechende Produkte herstellten oder daran arbeiteten – über 1000 Z-Wave-kompatible Geräte soll es aktuell geben.

Der Rauchmelder arbeitet Stand-alone und sendet beim Auslösen zusätzlich ein Funksignal an die Zentrale.

Dabei agieren die Sensoren und Aktoren herstellerunabhängig miteinander. Somit sollte es auch möglich sein, die vorher schon erwähnten Dimmer oder Unterputzschalter eines anderen Herstellers zu kaufen und mit Devolo Home Control anzusteuern. In der Praxis konnten wir das bisher nicht ausprobieren, man findet aber erfolgreiche Erfahrungsberichte im Netz.

Die Reichweite der Funkkomponenten ist von der Z-Wave-Allianz mit 40 Metern im geschlossenen Raum angegeben. Diese Entfernung haben wir nicht erreicht. Eine zuverlässige Verbindung klappte bei uns durch zwei Wände und einen Abstand von 15 bis 20 Metern. Der Standard sieht vor, dass alle Komponenten mit 230-Volt-Versorgung – im Falle von Devolo Home Control also die Funksteckdose – als Repeater arbeiten und die Reichweite somit erhöhen.

Devolos Home Control ist eine durchdachte und in Teilen sogar geniale Heimautomationslösung. An anderer Stelle, etwa bei der Programmierung von Regeln, gibt es dafür noch Optimierungsbedarf. Aber wie gesagt: Hat man sich einmal ein paar Stunden damit beschäftigt, läuft's problemlos – und man muss so bald nicht mehr an die Konfiguration. Und das Thema ist einfach komplex. Andere Automationslösungen sind nicht unbedingt leichter zu durchschauen.

Ob man die Vorteile der Cloud-Lösung feiert oder sich von den Nachteilen abschrecken lässt, muss jeder Käufer für sich entscheiden. Ich persönlich könnte gut damit leben.

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