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Devolo Access Point One im Test: Besser als WLAN-Mesh?

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Mesh-Systeme vergrößern das WLAN elegant, sind aber teuer. WLAN-APs kosten meist weniger, brauchen aber ein LAN-Kabel zum Router. Wir testen den Devolo Access Point One.

Gerade in größeren Wohnungen oder Häusern reicht das WLAN des Routers nicht mehr – vor allem, wenn dieser ungünstig positioniert ist. Die Lösung ist entweder ein WLAN-Mesh oder ein zusätzlicher Access Point. Damit der schnell genug ist, sollte er aber per LAN an den Router angeschlossen sein, denn sonst verliert man zu viel Durchsatz.

Wir testen, wie sich der Devolo Access Point One (AP1) im Vergleich zu einer Mesh-Lösung verhält. Anders als bei den Funksystemen gibt es kein drittes Funkband, in dem der interne Datenverkehr fließt. Stattdessen erfolgt die Datenübertragung per Gigabit-LAN vom AP1 zum Router, einer Fritzbox 7590 (Testbericht). Wer kein LAN-Kabel legen kann oder möchte, kann den Daten-Traffic entweder per Dual- oder Tri-Band-Mesh oder per Powerline übertragen lassen.

In unserer Themenwelt sind bereits folgende Artikel erschienen:

Seit Juni 2019 bietet Devolo mit seinem Access Point One einen Dual-Band-AP um 100 Euro UVP. Er hat fünf Ethernet-RJ-45-LAN-Buchsen, davon 4x 100 Mbps und 1x 1000 Mbps. Dazu kommen zwei WLAN-Funkmodule mit folgendem Brutto-Speed:

  1. Im 2,4 GHz Band bis zu 300 Mbps dank 2x2-MIMO
  2. Im 5 GHz Band bis zu 1733 Mbps dank 4x4-MIMO

Wie auf dem Foto zu erkennen ist, hat das Gerät in schwarzer Klavierlack-Optik eine eigenwillige Form. Steht es aufrecht, dann braucht es nicht mehr Platz als ein dickes Buch. Der AP1 von Devolo unterstützt Wifi-5 und funkt die WLAN-Normen 802.11a, b, g, n, ac, aber noch kein Wifi-6 alias 11ax.

Der Devolo Access Point One. (Bild: Harald Karcher).
Im Prinzip kann der Devolo AP1 die WLAN-Zugangsdaten eines anderen APs ganz elegant übernehmen. Mit unserer Fritzbox 7590 FW 7.11 hat das aber nur „halb“ im 2,4-GHz-Band geklappt (Screenshot: Harald Karcher / Devolo Software).

Sobald das LAN-Kabel von der Fritzbox 7590 kommend im Devolo steckte, funkte der AP1 das Internet der Fritzbox durch die Luft. Allerdings strahlte er „nur“ seinen eigenen SSID „devolo-7ad“ und auch „nur“ seinen eigenen WLAN-Schlüssel aus.

Schöner wäre es natürlich, man könnte den SSID und den WLAN-Schlüssel aus der 7590 automatisch in den Devolo AP1 herüber synchronisieren und hätte dann im ganzen Heim ohne großen Konfigurationsaufwand ruckzuck einheitliche WLAN-Zugangsdaten.

Tatsächlich hat der Devolo AP1, dank WiFi-Clone-Funktion im 2,4-GHz-Band, wie gewünscht die WLAN-Zugangsdaten der Fritzbox 7590 übernommen. Im 5 GHz Band blieb der AP1 dagegen hartnäckig bei seinen eigenen Devolo SSID- und WPA-Kürzeln. Diese halbe Synchronisation nur eines von zwei Frequenzbändern ist natürlich die denkbar schlechteste Lösung überhaupt.

Also haben wir den Devolo AP1 mehrmals in den Auslieferungszustand zurückgesetzt, die Clone-Versuche x-mal wiederholt, und am Ende dann doch mit den Devolo-Default-SSIDs und WPA-Keys im 2,4 und im 5 GHz Band getestet. Die meisten Wifi-Mesh-Systeme sind an dieser Stelle eben doch schon etwas komfortabler als der Access Point One.

Der Devolo AP1 ist per LAN-Kabel mit einer Fritzbox 7590 verbunden. Der Router liefert den Zugang zum Internet, von dort kommt aber nicht genug Speed, um die WLAN-Grenzen der Testkandidaten auch in den Spitzen auszuloten. Deshalb hängt die 7590 zusätzlich per LAN-Kabel an einem 10-Gigabit-NAS-System Synology DS1618 Plus. Auf diesem liegen unter anderem 30x 1 GB Dateien, die wir in Messwanderungen mit einem Laptop und einem Smartphone über die Funkzellen der Fritzbox 7590 und des Devolo AP1 herunterladen.

Im DG Links funkt eine AVM FRITZ!Box 7590. Im OG Links funkt ein Devolo Access Point One. Die Messung mit einem Razer Blade 15 Laptop beginnt links oben im DG und endet rechts im OG-Zimmer 4. Die Test-Dateien (30x 1GB) werden aus einem Synology DS1618+ NAS Server zugespielt, rechts oben (Bild: Harald Karcher).

Als Messgerät dient ein Razer Blade 15 mit 11ac-Wave-2-WLAN-Adapter vom Typ Intel Dual Band Wireless-AC 9560 mit einem offiziellen Durchsatz bis 1733 Mbps. Zusätzlich messen wir mit einem Sony Xperia XZ Premium. Dieses 11ac-Wave-2-Smartphone hat einen offiziellen Speed von 866 Mbps.

Mit diesen WLAN-Geräten wandern wir surfend vom DG (links oben) bis in das OG-Zimmer 4 (rechts mittig) und wieder zurück. Die beiden WLAN-Stationen Fritz 7590 und Devolo AP1 stehen vorsätzlich ungünstig am linken Rand der Wohnung, damit die Teststrecke möglichst schwierig wird.

In den folgenden zwei Messungen war der Laptop zuerst mit der Fritzbox 7590 mit Firmware 7.11 (Blaue Kurve) und danach mit dem Devolo AP1 (Rote Kurve) verbunden. Und zwar jeweils gewollt nur bei 5 GHz, denn bei 2,4 GHz kommen in der konkreten Testwohnung viel schlechtere Werte.

Aber machen wir uns nichts vor: Egal ob 2,4 oder 5 GHz: Zehn Messwanderungen bringen zehn unterschiedliche Messergebnisse, egal wie stabil das Internet (oder eben der NAS-Server) die Testdateien zuspielt. WLAN ist halt ein launisches Medium, vor allem in überfüllten Umgebungen.

Blau zeigt den Netto-Speed an der Fritzbox 7590 FW 7.11. Rot den Durchsatz des Devolo AP1 (Bild: Harald Karcher).

In der konkreten Testwohnung brachte der 1733 Mbps Razer Blade 15 Laptop an einem 1733 Mbps Devolo AP1 ähnlich gute Netto-Speed-Werte wie an der 1733 Mbps Fritzbox 7590. Die Messkurve des Devolo AP1 sieht aber schöner aus, auch weil der AP1 im OG einen besseren Standplatz hat als die 7590 im DG. Würde sich der Laptop immer in die jeweils bessere Funkzelle einloggen, dann brächte der Devolo AP1 einen echten Mehrwert in der konkreten Wohnung. Alternativ könnte man das WLAN der 7590 auch gleich komplett abschalten oder die 7590 an den besseren Platz im OG stellen und den AP1 dort komplett sparen.

In der Tabelle sieht man sehr schön, wie der Rückkanal per Ethernet gerade in den schwierigen Räumen seine Vorteile gegenüber WLAN ausspielen kann.

WLAN Durchsatz
Produkt Dachgeschoss OG Zimmer 1 OG Zimmer 2 OG Zimmer 3 OG Zimmer 4
Devolo Access Point One 571 610 521 399 233
Linksys Velop, einzeln 599 491 248 173 124
Linksys Velop, 2er Set 599 498 261 205 112
Devolo Magic 2, einzeln 311 276 266 114 38
Devolo Magic 2, 2er-Set 333 333 140 140 122
AVM 7590 (Firmware 7.12) 606 272 216 179 25
AVM 7590 & AVM 1200 591 572 249 155 94
Zyxel Multy U, einzeln 452 420 147 122 78
Zyxel Multy U, 2er Set 546 469 209 88 19
Asus Asus RT-AX92U, einzeln 630 595 224 175 133
Asus Asus RT-AX92U, 2er Set 672 630 420 696 210
AVM 7590, einzeln 481 461 222 29 129
AVM 3000 & 7590 473 471 404 418 322
Google Wifi, einzeln 509 285 22 21 12
Google Wifi, 2er Set 482 264 180 184 94
D-Link Covr, einzeln 405 386 33 31 10
D-Link, Covr 2er Set 356 356 378 320 311
Durchsatz in MBit/s

Es folgt die Messung mit dem Smartphone am Fritzbox-WLAN. Der Razer-Laptop funkt offiziell 1733 Mbps, das Sony-Handy „nur“ 866 Mbps. In der Praxis ist der Unterschied aber viel geringer. Wir betanken das Sony Xperia XZ Premium 11ac-Wave-2-Handy mit der FRITZ!App WLAN von AVM. Diese App misst die Geschwindigkeit zwischen Handy und Basis-Station. Vorsicht: Das ist nicht der komplette Ende-zu-Ende-Durchsatz vom NAS-Server über eine Basis-Station bis zum Handy, sondern nur die kürzere Strecke zwischen Handy und AVM 7590, oder zwischen Handy und Devolo AP1.

Die beiden folgenden Grafiken zeigen: Der Speed zwischen Sony-Handy und AVM 7590 fiel bei der Wanderung vom DG in das OG-Zi-4 relativ schön ab. Bei der Rückwanderung stieg der Durchsatz auch wieder sehr schön hoch. Klebeeffekte wie bei den Mesh-Tests 7590 & 1750E (Testbericht) sowie 7590 & AVM 3000 (Testbericht) sind nicht aufgetreten.

Fritzbox 7590 FW 7.11 & Sony Xperia XZ Premium: Messung vom DG ins OG-Zi-4 : Der Speed am Sony-Handy fällt schön gleichmäßig ab. Kein Kleben, kein Zellwechsel, kein Bandwechsel (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).
Fritzbox 7590 FW 7.11 & Sony Xperia XZ Premium: Mesung vom OG-Zi-4 ins DG : Der Speed am Sony-Handy klettert wieder schön gleichmäßig und sehr zeitnah hoch. Kein Kleben, kein Zellwechsel, kein Bandwechsel (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).

Die nächste Messung erfolgt mit dem Smartphone am WLAN des AP1. Die beiden folgenden Grafiken machen deutlich: Die Leistung zwischen Sony-Handy und Devolo AP1 fiel bei der Wanderung vom DG in das OG-Zimmer 4 erst kurz vor Ende deutlich ab. Bei der Rückwanderung stieg die Geschwindigkeit auch wieder sehr schön und extrem zeitnah hoch. Klebeeffekte im 2,4-GHz-Band traten nicht auf.

Devolo Access Point One & Sony Xperia XZ Premium: Messung vom DG ins OG-Zi-4: Der Speed am Sony-Handy bleibt lange hoch und fällt erst im hintersten Zimmer ab. Kein Kleben, kein Zellwechsel, kein Bandwechsel (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).
Devolo Access Point One & Sony Xperia XZ Premium: Messung vom OG-Zi-4 ins DG: Der Speed am Sony-Handy springt gleich nach dem hintersten Zimmer wieder sehr zeitnah hoch. Kein Kleben, kein Zellwechsel, kein Bandwechsel (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).

Frisch aus der Schachtel, ohne angeschlossene Geräte, zog die Fritzbox 7590 etwa 7,2 bis 8,4 Watt aus unserem Strom-Messgerät. Mit mehreren verbundenen LAN-, WLAN- und USB-Geräten, aktivem VDSL-100 sowie vier aktiven DECT-Telefonen ging der Verbrauch auf 13 bis 16 Watt hoch.

Der Devolo Access Point One dagegen zog bei geringer Last 6,15 bis 6,72 Watt aus unserer 230-Volt-Dose. Dabei war er mit 1 Gbps Brutto per LAN-Kabel mit der Fritzbox 7590 verbunden. Außerdem war ein Sony 11ac-Wave-2-Handy per WLAN mit dem Devolo AP1 gekoppelt. Das passt zum Datenblatt, laut dem verbraucht der AP1 maximal 16,2 Watt, typisch 9,1 Watt und im Stand-By 6,5 Watt.

Bei geringer Last zog der Devolo Access Point One etwa 6,5 Watt aus der 230-Volt-Steckdose (Screenshot: Harald Karcher).

Der Devolo Access Point One (AP1) brachte im 5 GHz Band guten Durchsatz und gute Reichweite auf dem Niveau einer circa ebenso starken AVM Fritzbox 7590. Ähnlich wie die 7590 hat auch der AP1 fünf Ethernet-RJ-45-Buchsen, von denen aber nur eine 1000 Mbps beherrscht und die vier weiteren „nur“ 100 Mbps. Zum 4K-Video-Streaming sind aber auch 100 Mbps mehr als genug.

Die automatische Übernahme der WLAN-Zugangsdaten aus der 7590 in den AP1 hat in unserem Test nur im 2,4 aber nicht im 5 GHz Band geklappt. Ob das an der AVM-Firmware, am Devolo AP1 oder am Autor dieser Story lag, war nicht final zu klären.

Ansonsten lässt sich der Devolo AP1 als reiner AP ruckzuck in Betrieb nehmen. Für einen UVP von knapp 100 Euro ist die WLAN-Leistung recht brauchbar für alle, die ein LAN-Kabel zwischen Access Point und Router ziehen können.

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