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DJI Robomaster S1 im Test: macht Lust auf Programmieren

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Der Drohnenhersteller DJI hat seinen Roboter Robomaster S1 in Europa vorgestellt. Wir haben ihn zusammengebaut und ausprobiert, wie sich das Hightechspielzeug in der Praxis schlägt.

Wem der Robomaster zu teuer und zu aufwändig erscheint, der findet in unserer Marktübersicht Roboter: Vom Spielzeug bis Hightech weitere interessante Modelle.

Der Robomaster S1 vom Drohnenhersteller DJI ist ein futuristisch aussehender, vierrädriger Roboter mit einem aufgesetzten, drehbaren Turm inklusive Kanone und Kamera.

Ein ferngesteuerter Roboter mit Kamera und Bordkanone – da bekommen nicht nur Kinder leuchtende Augen.

Um sich beim Steuern bequem orientieren zu können, bekommt der Pilot ein Livebild aus Sicht des S1 auf sein Smartphone oder Tablet gestreamt. Dazu setzt DJI auf eine Kamera mit 1080p-Auflösung und einem Sichtfeld von 120 Grad; die Übertragung des Livebilds und der Steuerdaten erfolgt über WLAN. Das Livebild hat in der Standardeinstellung eine Auflösung von 720p; damit läuft die Übertragung deutlich flüssiger als mit Full-HD. Wer möchte, kann das Geschehen auch direkt im Robomaster auf eine Micro-SD-Karte aufzeichnen.

Die Reichweite liegt, je nach Verbindungsart, zwischen 90 und 300 Metern. Zwar sind mit einem zwischengeschalteten Router größere Reichweiten möglich als bei der Direktverbindung mit dem Smartphone, in stark frequentierten Netzwerken kommt es aber schneller zu Verbindungsproblemen. Neben der Kamera sind auch ein Lautsprecher und vier Berührungs- und Infrarotsensoren verbaut. Der aufgesetzte Kanonenturm schießt entweder grünes Licht oder kleinen Gel-Kügelchen.

Statt normaler Räder kommt ein sogenannter Mecanum-Antrieb zum Einsatz. Dieser besteht im Falle des S1 aus zwölf gelagerten Einzelrollen, die schräg zur Fahrtrichtung um den Motor angeordnet sind. Zwar sind die Fahreigenschaften ähnlich wie mit herkömmlichen Reifen, allerdings funktioniert diese Art von Antrieb auch ganz ohne bewegliche Lenkachse. Je nachdem, welches Rad in welche Richtung dreht, kann der S1 auf der Stelle drehen, seitwärts oder schräg fahren. Wie das genau funktioniert, zeigt folgende Grafik.

Zur Steuerung kommen Smartphone, Tablet, Windows-PC oder die optional erhältliche Fernsteuerung zum Einsatz. Der 12,6-V-Akku hat eine Kapazität von 2400 mAh, mit voller Ladung rennt der S1 eine Laufzeit knappe halb Stunde. Die von DJI angegebenen 35 Minuten erreichen wir im Test nur, wenn wir langsam und wenig herumfahren. Wer nur programmiert und nicht fährt, erreicht eine Akkulaufzeit von über eineinhalb Stunden.

Der Robomaster S1 kommt als Bausatz zum Kunden. Zwar sind einige Teile bereits vormontiert, trotzdem dauert der Zusammenbau gut zwei bis zweieinhalb Stunden. Vorkenntnisse sind nicht nötig, bei dem Roboter handelt es sich um ein komfortables Plug&Play-Sytem in Baukastenmanier. Die Kabel werden ausnahmslos gesteckt und müssen nicht verlötet werden. Außer dem beigelegten Schraubendreher ist keinerlei zusätzliches Werkzeug notwendig.

Der Robomaster S1 kommt als großes Puzzle zum Kunden.

Die beigelegte Anleitung ist zwar nur dünn, aber absolut ausreichend. Die insgesamt gut 70 einzelnen Arbeitsschritte sind ordentlich bebildert und selbsterklärend. Selbst die Auswahl der richtigen Schrauben ist denkbar einfach. Der fertig aufgebaute Robomaster ist 32 cm lang, 24 cm breit und etwa 27 cm hoch. Das Gewicht liegt bei 3,3 kg – erstaunlich viel im Vergleich zu dem, was man schätzt, wenn man ihn sieht.

Wir haben den kompletten Zusammenbau Schritt für Schritt dokumentiert. Die folgende Bilderstrecke zeigt den Weg zum fertigen Roboter.

Die Möglichkeiten zur Steuerung des Robomasters sind vielfältig. Grundsätzlich reichen ein Smartphone oder ein Tablet mit der Robomaster-App. Wer möchte, kann zusätzlich die optional erhältliche Fernsteuerung einsetzen. Auch eine Bedienung von einem PC mit WLAN ist möglich. Bei der Windows-Software handelt es sich derzeit allerdings noch um eine Beta-Version. Während des Tests hatten wir allerdings keine Probleme – und die Steuerung mit Tastatur und Maus wie im 3D-Shooter ist viel genauer und intuitiver als über virtuelle Joysticks auf dem Handy-Touchscreen.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Die linke Hand ist für die Steuerung des Roboters zuständig; die rechte für den Kameraturm. Drücken wir den Stick nach oben, fährt der S1 vorwärts. Ziehen wir den Stick nach unten, legt der Robomaster den Rückwärtsgang ein. Nun kommt der Mecanum-Antrieb ins Spiel. Wird der Stick nach links oder rechts gedrückt, fährt der Roboter nicht eine Kurve, sondern direkt seitlich. Wer eine Kurve fahren will, muss nach vorne fahren und sich gleichzeitig mit der rechten Hand nach links oder rechts steuern. Das klingt komplizierter, als es in der Praxis ist, denn in den Standardeinstellungen dreht sich das Fahrgestell automatisch mit dem Turm mit. Wer möchte, kann Turm und Unterteil auch getrennt ansteuern. Nach wenigen Minuten hat man sich an die Steuerung gewöhnt. Dann lässt sich der S1 sehr präzise durch die Gegend manövrieren.

Gerade am Anfang ist erstmal der Solo-Modus interessant. Hier kann der Nutzer seinen Robomaster einfach durch die Gegend fahren und sich mit der Steuerung vertraut machen.

Deutlich spannender ist der Kampf-Modi, für den man allerdings mindestens zwei der nicht ganz billigen Roboter braucht. Hier bekämpfen sich die Piloten gegenseitig. Das funktioniert entweder rein virtuell mittels Infrarot-Kanone oder durchaus realistisch mit kleinen runden Gel-Kügelchen. Diese muss man allerdings rechtzeitig selbst herstellen. Dazu wird das im Lieferumfang enthaltene Granulat in Wasser geschüttet, wo sich die winzigen Kügelchen dann langsam vollsaugen. Die so entstehenden Gel-Kugeln sind elastisch und zerplatzen beim Aufprall. Falls sie heil bleiben, springen sie in Flummi-Manier kreuz und quer durch die Gegend. Gefechte mit den Kugeln sind ein riesen Spaß und hinterlassen eine noch viel größere Sauerei. Wir empfehlen in geschlossenen Räumen deshalb die Nutzung der Infrarot-Kanone. Zum Schutz des Piloten packt DJI eine Schutzbrille in den Lieferumfang. Zusätzlich wirft der S1standardmäßig keine Gelkugeln aus, sobald der Turm über zehn Grad nach oben gerichtet ist – Schüsse auf Augenhöhe sind so nicht möglich; allerdings lässt sich diese Einschränkung aushebeln. Statt Kämpfe um Lebenspunkte sind auch Rennen untereinander möglich.

Dank Kamera und Funkübertragung weiß der Pilot immer, was der Roboter gerade macht.

Der spannendste Modus ist das sogenannte Labor. Hier kann der Nutzer den Robomaster S1 programmieren. Das funktioniert entweder klassisch per Coding mit der Programmiersprache Python oder, sehr viel anfängerfreundlicher, per Scratch 3.0. Diese grafische Entwicklungsoberfläche erlaubt das Zusammenklicken von Programmen im Baukastenprinzip. Einzelne Befehle werden einfach aneinandergereiht und mit eigenen Variablen befüllt. Dieses System richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an all jene, die mit klassischen Programmiersprachen nichts am Hut haben. Ein ähnliches System steht auch für die Mini-Drohne DJI-Tello (Testbericht) zur Verfügung. Die Möglichkeiten des Robomasters sind allerdings deutlich vielfältiger.

Das Programmieren des Robomaster S1 ist für unerfahrene Anwender erstmal sehr fordernd. Allein die große Auswahl an Bausteinen sorgt zu Beginn für Verwirrung. Abhilfe versprechen zahlreiche im Internet verfügbare Tutorial-Videos. Diese stehen derzeit allerdings Großteils nur in englischer Sprache zur Verfügung.

Wer sich erst in die Materie eingearbeitet hat, findet schnell Spaß daran, dem S1 bei vorprogrammierten Manövern zuzuschauen. Von wirklich komplexen Programmen sind unsere ersten Ergebnisse zwar noch weit entfernt, aber was wir sofort bemerken: Jeder kleine Erfolg motiviert und macht Lust auf mehr.

Letztlich kann man die Robomaster so programmieren, dass die Roboter autonom gegeneinander antreten – per Schuss, im Fußball oder als Rennen. Ziel ist es, dem S1 automatische Angriffsszenarien und Ausweichmanöver beizubringen. Neben dem Erkennen anderer Robomaster sind auch Interaktionen mit Nummerntafeln möglich. So ist es beispielsweise denkbar, dass sich die Lebensenergie regeneriert, sobald der Roboter ein vordefiniertes Kärtchen mit der Kamera anvisiert. Kinder und Jugendliche, die bisher nichts mit Programmieren am Hut hatten, waren in unseren Tests nach kürzester Zeit angefixt.

Mittlerweile gibt es bereits eine ganze Reihe an interessantem und praktischem Zubehör für den S1.

Mit über 500 Euro ist der DJI Robomaster S1 alles andere als günstig. Hinsichtlich der verbauten Technik und der vielfältigen Möglichkeiten ist der Preis aber gerechtfertigt. DJI definiert den S1 auch nicht als Spielzeug, sondern als intelligenten Bildungsroboter. Und das trifft auch zu. Wer Lust hat sich mit Python oder einfacher Baukasten-Programmierung auseinanderzusetzen, bekommt mit dem Robomaster ein großartiges Werkzeug an die Hand.

Kurzfristig machen die Schlachten untereinander besonders viel Spaß, allerdings ist der S1 dafür – und für den Einsatz im Klassenzimmer – zu teuer. Insbesondere wenn man bedenkt, dass hierfür mindestens zwei Roboter nötig sind.

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