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DJI Osmo im Test: Actioncam mit Gimbal und App

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Habt Ihr schonmal eine Actioncam an einen Fahrradlenker geschraubt? Oder seid mit einer Kamera durch die Gegend gerannt? Die resultierenden Videos sind ziemlich Brechreiz-induzierend. Mit dem Osmo bietet DJI eine kompakte und superstabilisierte Kamera an – und wir haben sie ausführlich getestet.

DJI ist eigentlich eher bekannt für Multicopter – und die haben meistens Kameras unten dran, idealerweise mit Stabilisierung. Jetzt hat sich der chinesische Hersteller entschlossen, anstelle eines Quadrocopters an dieses Kamera-Gimbal-Konstrukt einen Handgriff zu schrauben – ét voilà, heraus kommt der DJI Osmo.

Im betriebsfertigen Zustand sieht das ganze dann zwar etwas nach Kraut und Rüben aus, erweist sich aber als gut durchdacht. Ganz oben auf dem Osmo sitzt die Kamera, die über einen Drei-Achsen-Gimbal mit dem Handgriff verbunden ist. An dem Handgriff selbst gibt es die nötigsten Bedienelemente. Tiefgreifendere Funktionen bietet die App, die auf dem seitlich am Griff angebrachten Smartphone läuft.

DJI Osmo im Test – bildstabilisierte Actioncam mit Gimbal

Der Handgriff besteht aus Kunststoff und ist auf der Rückseite mit einem gummierten Überzug versehen, was für einen recht guten Sitz in der Hand sorgt. Wenn jedoch ein Phablet in der Smartphone-Halterung steckt, wird das ganze Konstrukt etwas linkslastig – es fühlt sich dann nicht allzu sicher an, den Daumen vom Griff zu nehmen, um die rückseitigen Bedienelemente zu nutzen.

Auf der Rückseite des Handgriffs befinden sich ein Joystick zum Anpassen der Gimbal-Ausrichtung sowie ein Foto- und ein Videoauslöser. An der rechten Seite gibt es einen Ein/Aus-Schieber. Die Bedienelemente sind allesamt erfreulich hochwertig ausgeführt und machen einen langlebigen Eindruck. Aufgrund des asymmetrischen Aufbaus ist der Osmo übrigens nur sehr eingeschränkt für eine Bedienung mit der linken Hand geeignet.

Hier ist das Herzstück des DJI Osmo zu sehen: der Drei-Achsen-Gimbal.

Auf der linken Seite des Handgriffs befindet sich die Smartphone-Halterung, die auch Phablets wie das iPhone 6s Plus oder das Huawei Ascend Mate 7 im Querformat aufnimmt. Die Halterung ist hochwertig verarbeitet und machen einen äußerst soliden Eindruck – um das eingesteckte Smartphone habe ich mir jedenfalls niemals Sorgen gemacht. Außerdem ist es möglich, das eingesteckte Handy in einen beliebigen Winkel zu bringen.

Die Smartphone-Halterung macht einen außerordentlich soliden Eindruck.

Und auf dem Handy finden sich dann alle weiteren Bedienelemente und Einstellungsmöglichkeiten. Die Verbindung zwischen Osmo und Mobiltelefon erfolgt über WLAN. Die Kamera öffnet nach dem Einschalten ein Drahtlos-Netzwerk, in das man sich dann einfach mit dem Smartphone einloggt. Das hat im Test stets einwandfrei funktioniert.

Die Anwendung DJI Go erinnert ansonsten an die üblichen Smartphone-Kamera-Apps: Es gibt einen Umschalter zum Wechseln zwischen Foto- und Videomodus. Ersterer bietet auch HDR-, Serienbild- sowie Belichtungsreihenmodus, eine Intervallaufnahmefunktion, zwei Gimbal-unterstützte Panorama-Modi (Normal und Selfie) sowie eine Zeitraffer-Funktion. An Fotoformaten steht neben JPEG auch RAW zur Verfügung – hier setzt DJI erfreulicherweise auf Adobes offenes DNG-Format.

Im Videomodus gibt es noch einen speziellen Slow-Motion-Modus, der Full-HD-Videos mit 120 fps einfängt – also mit vierfacher Zeitlupe. An Videoauflösungen stehen weiterhin 4096 × 2160 Pixel (25/24 fps), 3840 × 2160 Pixel (25/24 fps), 2704 × 1520 Pixel (50/48/25/24 fps), 1920 × 1080 Pixel (50/48/25/24 fps) sowie 1280 × 720 Pixel (50/48/25/24 fps) zur Verfügung.

Sowohl für Stand- als auch für Bewegtbilder bietet die App ansonsten volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten zu Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich und Belichtungskorrektur. Eine Möglichkeit zur Regelung der Blende ist mangels ND-Filter oder Iris nicht gegeben. Daneben gibt es noch eine Verschlusszeitpriorität und auch einfach einen automatischen Modus.

Die Verbindung zum Smartphone über WLAN geschieht mit einer relativ geringen Verzögerung beim Sucherbild. Wenn man mit der Hand vor der Linse herumwedelt, ist sie zwar sichtbar, doch während des Testzeitraums hat uns das keine Aufnahme vermiest. Allerdings konnten wir gelegentlich kurze Bildaussetzer beobachten.

Die gleiche Kamera setzt DJI auch bei seinem Quadrocopter Inspire 1 ein.

Die Kamera selbst ist eigentlich nichts Neues. Es handelt sich hierbei um die gleiche X3/FC350H, die beispielsweise auch unter dem DJI-Quadrocopter Inspire 1 hängt. Die Kamera basiert auf einem 1/2,3 Zoll großen Exmor-R-Sensor von Sony mit einer Auflösung von 12,76 Megapixeln. Zur Orientierung: Solche Bildsensoren finden sich auch in Einsteiger- und Mittelklasse-Kompaktkameras – und hier sortiert sich auch die Bildqualität ein.

Das Objektiv bietet eine Realbrennweite von 3,6 Millimetern – im Kleinbildäquivalent entspricht das 20 Millimetern beziehungsweise einem Bildwinkel von 94 Grad, was schon sehr weitwinkelig ist. Für eine Actionkamera ist das aber definitiv ein Vorteil – man hat schließlich nicht ständig Zeit, anständig zu zielen. Und ein starker Weitwinkel sorgt dann eben dafür, dass das Motiv auch garantiert noch im Bild ist.

Die Videos landen auf der microSD-Karte, die in die Kamera eingesteckt wird.

Aber noch einmal zurück zur Bildqualität: DJI kitzelt aus dem kleinen Bildsensor bei Tageslicht eine sehr schöne Bildqualität heraus. Die Aufnahmen in bis zu 4K-Auflösung sehen klar und scharf aus, die Farben gelingen ebenfalls gut. Ein Bildrauschen können wir auf den Aufnahmen ebensowenig entdecken wie Rolling-Shutter-Effekte oder dergleichen. Auch die Slow-Motion-Aufnahmen mit bis zu 120 fps bei Full-HD-Auflösung sehen bei Tageslicht wirklich beeindruckend aus.

Bei schwierigen Lichtverhältnissen sieht die Lage dann leider schnell anders aus. Man merkt dem kleinen Bildsensor an, dass er nicht mehr genug Licht bekommt – und mit höheren Empfindlichkeiten gegensteuern muss. Das resultiert in einem teilweise sehr deutlichen Bildrauschen, insbesondere im Slow-Motion-Modus mit 120 fps. Aber kein Wunder, sind angesichts der hohen Bildfrequenz hier auch entsprechend kurze Belichtungszeiten erforderlich.

Anspruchsvolle Videofilmer werden allerdings die Möglichkeit vermissen, mit einem Flat-Color-Profil aufzunehmen, das für nachträgliches Grading am Rechner besser geeignet ist. Die GoPro-Kameras bieten hier beispielsweise mit den ProTune-Optionen deutlich mehr Spielraum, um ein Maximum an Qualität herauszuholen und bei Multi-Kamera-Projekten für eine konsistente Farbdarstellung zu sorgen.

Hier ist der 3,5-Millimeter-Mikrofoneingang zu sehen. Wer einen brauchbaren Ton mit der Osmo aufnehmen möchte, sollte hier tunlichst ein Mikrofon anstecken. Eine Möglichkeit zum Pegeln vermissen wir schmerzlich.

Der Klang ist die wohl größte Schwachstelle des DJI Osmo. Das Hauptproblem ist hier, dass der Gimbal selbst einen ziemlichen Lärm veranstaltet. Beim Filmen fällt dieser zwar kaum auf, wird aber offenbar durch Vibrationen oder durch die bloße Nähe sehr stark vom integrierten Mikrofon aufgezeichnet. Hinzu kommt, dass der aufgezeichnete Ton extrem leise und zudem auch noch verrauscht ist. Ein manuelles Auspegeln des Tons ist leider nicht möglich.

Die gute Nachricht ist, dass es auf der Vorderseite des Handgriffs einen 3,5-Millimeter-Klinkeneingang gibt. Verbinden wir hier ein Mikrofon, belohnt uns der Osmo mit einer soliden Klangqualität – leider ist auch hier kein Pegeln möglich. Mit unserer Sennheiser-Funkstrecke war ein leicht übersteuerter Ton das Ergebnis. Apropos: Wer eine kompakte Sennheiser-Funkstrecke verwendet, wird entzückt sein, dass sich diese (zumindest beim Einsatz eines Phablets) hervorragend an die Smartphone-Halterung anklipsen lässt. Einen Kopfhörerausgang zur Kontrolle des aufgenommenen Klangs gibt es jedoch leider nicht.

Der Gimbal in der Osmo ist wirklich beeindruckend – selbst wildes Verwackeln bei hektischem Herumgerenne wird ausgebügelt, und auch bei Sprüngen über Topfpflanzen & Co. (siehe Video) beschreibt die Kamerafahrt einfach einen sanften Bogen. Wenn man allerdings wild um Ecken rennt oder mit dem Joystick mal nach unten über einen Abgrund schwenkt, verliert der Osmo gelegentlich die Orientierung und hängt dann dauerhaft schief.

Was in dieser Situation hilft, ist ein Neuausrichten des Gimbals durch einen Doppelklick auf den Trigger. Ein dreifacher Klick wechselt übrigens mit einem schnellen Schwenk zwischen normalem Modus und Selfie-Modus. Das ist sehr cool, wenn man gerade etwas Spektakuläres gefilmt hat und dann auf Video einen Kommentar dazu abgeben möchte. Dieser Doppel- beziehungsweise Dreifachklick will allerdings bedächtig und mit genau der richtigen Geschwindigkeit durchgeführt werden – sonst wird das Kommando schlicht ignoriert.

Der Trigger auf der Vorderseite hat noch eine weitere Funktion: Während der Osmo im Normalbetrieb stets bemüht ist, sich Richtungsänderungen des Kameramanns anzupassen und Schwenks rund um Gegenstände mitzumachen, behält die Kamera den Blickwinkel stur bei, hält man während des Filmens den Trigger gedrückt. Das ist beispielsweise für eine seitliche Kamerafahrt über einen Tisch praktisch, bei der man seine Sitzposition nicht verändern kann oder möchte.

Mit dem DJI Osmo lassen sich auch andere Gimbals von DJI nutzen, beispielsweise aus der ZenMuse-X5-Serie.

Der Gimbal eignet sich prinzipiell auch hervorragend für butterweiche Kameraschwenks – allerdings entweder in der Horizontalen oder in der Vertikalen. Die Bewegung ist auf eine Achse beschränkt. Diese Einschränkung besteht natürlich auch bei der Blickwinkel-Korrektur während des Filmens – macht die Bedienung andererseits aber auch weniger fummelig.

In den Einstellungen gibt es noch ein paar Möglichkeiten, das Ansprechen des Gimbals sowie des Joysticks anzupassen. Neben den vorgefertigten Programmen Fast, Medium und Slow gibt es hier auch zwei Slots für benutzerspezifische Einstellungen. Und hier lassen sich dann beispielsweise auch die Totzone des Gimbals sowie die Reaktionsgeschwindigkeit anpassen und der Horizont manuell kalibrieren.

Wer viel mit seiner Osmo filmt, wird dieses Ladegerät häufiger sehen, als ihm lieb ist.

Ein weitere Kritikpunkt am Osmo ist die Akkulaufzeit. Ein voll geladener Stromspeicher reicht – bei aktiver Verbindung zum Smartphone und einem Mischmasch aus unterschiedlichen Videoauflösungen – für gerade einmal 27 Minuten Videomaterial und eine Handvoll Fotos. Der Aufnahmezeitraum betrug dabei knapp eine Stunde, während der die Kamera stets mit dem Smartphone verbunden war.

Der DJI Osmo funktioniert zwar auch ohne Handy und dürfte so auf eine deutlich längere Laufzeit kommen. Allerdings ist man dann mangels Display im Blindflug unterwegs. Die Kamera hat sich übrigens bereits bei einer Restanzeige von zwei Prozent abgeschaltet.

Das Aufladen des 980 mAh starken Akkus dauerte im Test übrigens ebenfalls gut eine Stunde. Ich würde jedem, der sich für den Osmo interessiert, einen Zweit- oder sogar Dritt-Akku wärmstens empfehlen – auch wenn die Stromspeicher mit rund 40 Euro kein billiges Vergnügen sind.

Der Osmo hätte durchaus auch einen stärkeren Akku vertragen – 980 mAh sind nicht besonders viel.

Um die aufwändige Mechanik sicher zu transportieren, legt DJI dem Osmo eine hochwertige Tragetasche bei, die an einen kleingeratenen Gitarrenkoffer erinnert. Hier lässt sich die Kamera sicher verstauen, sobald man es geschafft hat, den Gimbal korrekt zu sperren – die einzelnen Achsen wollen nämlich in der korrekten Reihenfolge in die Arretierungsposition bewegt werden.

Etwas lästig ist außerdem, dass man die Schraubbefestigung des Smartphone-Halterung jedes Mal gelöst werden möchte, damit der Osmo in den Koffer passt. Das verzögert die Einsatzbereitschaft des Geräts in der Praxis einfach um ein paar Sekunden. Der Kompaktheit zu gunsten lässt sich das aber wohl kaum anders lösen.

Der Osmo kommt mit einem echt schicken und erfreulich hochwertigen Hartschalenköfferchen.

DJI bietet für den Osmo noch einiges an Zubehör an, darunter beispielsweise eine Halterung zur Montage am Fahrrad oder eine Saugnapfhalterung für glatte Oberflächen wie beispielsweise Autokarosserien. Außerdem gibt’s noch eine Selfie-Stick-Verlängerung, ein Stativ sowie ein Add-on zur Montage von zusätzlichem Zubehör wie etwa LED-Licht oder Funkmikrofon.

Erfreulicherweise verbirgt sich unter der Halterung für das Smartphone ein Standard-Stativgewinde und kein proprietärer Scheiß – damit ist es prinzipiell möglich, die DJI Osmo mit so ziemlich allem zu verbinden, was man irgendwie in der Foto- und Videowelt findet. Dickes Lob an dieser Stelle.

Actionfreaks werden ihre Skateboard-, Snowboard- und Mountainbike-Stunts hier in großartiger Qualität auf YouTube bringen, und anspruchsvolle Amateur-Filmer werden von den Kamerafahrten wie auf Schienen begeistert sein. Vorausgesetzt, der Geldbeutel spielt bei den 749 Euro Anschaffungskosten mit.

Für den professionellen Einsatz gibt es allerdings deutliche Einschränkungen. Das fängt beispielsweise bei der Tonaufnahme an – mangels Kopfhörerausgang, manueller Pegelung oder auch nur Pegelanzeige gibt es keine Möglichkeit, den Ton zu kontrollieren. Und einigermaßen vernünftigen Ton bekommt man leider auch nur mit Ansteckmikro aus der Kamera. Schade ist auch das Fehlen von Farbprofilen für eine flexiblere nachträgliche Farbkorrektur.

Unterm Strich macht die DJI Osmo im Hobby-Einsatz einfach richtig Spaß – ich bin jedenfalls schon ein wenig traurig, dass ich die Kamera jetzt wieder zurückschicken muss. Aber wie gesagt: Für den Profi-Einsatz sind die Einschränkungen derzeit leider einfach noch zu schwerwiegend.

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