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D-Link Covr 2202: Tri-Band-Mesh-Set im Test

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D-Link verspricht mit dem Covr 2202 ein schnelles Tri-Band-Mesh, das WLAN in alle Bereiche des Hauses bringt. Wir testen das System.

WLAN-Mesh verspricht eine schnelle und weitreichende WLAN-Versorgung, ohne die Nachteile von Repeatern oder Powerline. Wir starten mit dem Test zum D-Link Covr 2202 eine neue Themenwelt rund um Mesh-Systeme. In den nächsten Wochen sehen wir uns die Lösungen von AVM, Netgear und weiteren Anbietern an. Neben dem Durchsatz widmen wir uns der Reichweite, dem Setup und dem Zellwechsel. In unserer Themenwelt sind bereits folgende Beiträge erschienen:

Das „D-Link Covr 2202 Tri-Band Whole Home Wi-Fi System AC2200“ verspricht laut Hersteller „lückenlose WLAN-Abdeckung für Ihr ganzes Zuhause”. Das Starter-Set umfasst zwei weiße „Covr 2200“-Funkstationen, auch Mesh-Points genannt. Dazu kommen zwei weiße Netzteile, ein weißes LAN-Kabel mit Gold-farbigen LAN-Steckern sowie eine Quick-Install-Card, also ein Mini-Handbüchlein in der Größe einer Visitenkarte. Alles schaut schick aus und fühlt sich hochwertig an, auch die Verpackung.

Tri-Band bedeutet: Jeder Mesh-Point funkt auf drei WLAN-Bändern, mit folgendem Brutto-Speed:

  • Im 2,4 GHz Band bis zu 400 Mbps
  • Im unteren 5 GHz Band bis zu 866 Mbps
  • Im oberen 5 GHz Band nochmal bis zu 866 Mbps

Die Bänder 1 und 2 stehen dem WLAN-Verbraucher zum drahtlosen Surfen, Mailen, Streamen, Gaming und so weiter zur Verfügung. Das dritte Band ist für den Enduser tabu: Es dient nur der System-internen Vernetzung der beiden Mesh-Access-Points, dem Backhaul, der drahtlosen Infrastruktur, ist also quasi eine Art LAN-Verkabelungsersatz.

In einer WLAN-losen Isolierkammer schalten wir den ersten Mesh-Point ein und können dadurch seine drei Funk-Zellen isoliert sichtbar machen, was im normalen Strahlungs-Getümmel einer dicht besiedelten Nachbarschaft so explizit nicht möglich wäre:

Die Installation des D-Link Covr 2202 Mesh-Systems ist eine wahre Freude: Wir stecken das Netzteil des ersten D-Link-Funkers mit dem Aufkleber „Covr Point A“ in eine 230-Volt-Stromdose. Dann stecken wir ein Internet-zuführendes LAN-Kabel in eine der beiden LAN-Buchsen und schalten den Mesh-Funker mit einem kurzen Druck auf den Tipp-Taster ein.

Kurz davor – oder auch danach – installieren wir die „D-Link Wi-Fi“ App für iOS oder Android. Wir tippen auf „Neues Gerät installieren“ und lassen uns von der App ganz elegant durch das restliche Setup führen. Dank Bluetooth erkennt das Handy das D-Link-Mesh vollautomatisch.

Natürlich will D-Link seine Kunden in die Cloud locken: Als Belohnung für die Registrierung der zwei Mesh-Geräte mit einem D-Link-Konto verspricht die Smartphone-App die Steuerung und Verwaltung des Funksystems mittels Sprache über ein Amazon-Alexa-oder-Google-Assistant-fähiges Smart-Speaker-System mit eingebauten Mikrofonen.

An dieser Stelle können wir bereits Laptop, Fernseher, Drucker, Handy und so weiter per WLAN mit dem ersten Mesh-Point verbinden und drahtlos im Internet surfen. Die D-Link-App meldet einen Internet-Speed von 470 Mbps beim Herunterladen und 49 Mbps beim Hochladen und meint, das sei „Hervorragend“. Mehr dazu weiter unten.

Wir lassen uns von der App noch ruckzuck durch die Installation des zweiten Mesh-Points führen. Dann stellen wir den ersten Mesh-Point A im Dach und den zweiten Mesh-Point B im OG-Zimmer-1 an ihre finalen Wirkungspunkte.

Bild: Harald Karcher D-Link COVR 2202 WLAN-Verstärker-Set: Zwei Mesh-Funkstationen, zwei Netzteile, ein LAN-Kabel, ein Quick Install Kärtchen. Das ist der Lieferumfang.

Die App bietet Gäste-WLAN, Zeitplan für den WLAN-Zugang, Kindersicherung und weitere nützliche Features. Die Geräte-Verwaltung meldet per Testschluss 25. April 2019: Hardware A1. Software 1.02. Klingt jungfräulich, wirkt aber ausgereift.

Wer seine WLAN-Funker lieber herkömmlich am Laptop- oder PC-Monitor konfiguriert, kann die beiden Covr-Points auch via Webbrowser ab IE10, Firefox28, Safari6 oder Google Chrome28 bedienen. Dazu tippt man http://covr.local/ oder die IP in die Adresszeile des Browsers.

Im Webserver des Covr 2200 finden sich auch Profi-Features wie:

  • Quality of Service (QoS) Engine
  • Firewall Settings
  • Demilitarized Zone (DMZ)
  • Stateful Packet Inspection (SPI)
  • IPv6 Ingress Filtering
  • Port Forwarding
  • Virtual Server
  • Website Filter
  • System Log
  • PPTP, IPSec VPN, RTSP, SIP und mehr.

Wer das System dabei komplett verkorkst oder es später mal gebraucht verkaufen will, kann am Gerät ein Reset durchführen. Dazu sucht man mit der Lupe das winzige Loch am Fuße des Mesh-Points, drückt mit einer Nadel hinein und startet damit einen Hardware-Reset.

Bild: Harald Karcher Der Testaufbau für die Durchsatzmessung des Covr 2202

Ein Kabel-500-Internetanschluss von Vodafone, rechts oben in der Grafik, liefert stabile Download-Raten von knapp über 500 Mbps. Die in der Grafik rechts oben aufrecht stehende AVM Fritzbox 6590 Cable und die links daneben liegende AVM Fritzbox 7590 leiten den Internet-Datenstrom per LAN-Kabel zuerst an den roten Netzwerk-Analysator in der Mitte und danach an den WLAN-Mesh-Point Nummer 1 weiter. Der Allegro Network Multimeter 1000 ist ein 10-Gigabit-Netzwerk-Analysator. Er schleift den Datenstrom zum ersten Mesh-Point durch und misst dabei Geschwindigkeit und die Qualität aller in das Mesh-WLAN durchrauschenden Daten. Der Allegro 1000 speichert die Messwerte in seinem 16-GB-RAM und archiviert sie auf einer Samsung EVO NVMe SSD.

Der Mesh Point Nummer 1 im Dachgeschoss bekommt das Internet vom Allegro 1000 per LAN-Kabel angeliefert und funkt es dann kreuz und quer durch die zweistöckige Wohnung. Falls der Mesh-Point Nummer 2 im OG eingeschaltet ist, werden die Funkstrahlen des Mesh-Points Nummer 1 dort aufgenommen und verstärkt. Falls nicht, muss der Mesh-Point Nummer 1 die beiden Stockwerke allein versorgen. Wir messen beide Szenarien, damit der Leser grob einschätzen kann, ob er überhaupt zwei Mesh-Points braucht, oder vielleicht ein Gerät ausreicht.

Die beiden Mesh-Points stehen absichtlich am linken Rand der Wohnung, damit im OG möglichst viele Wände und Hindernisse auf der Mess-Strecke liegen. Und jetzt die Messung: Mit einem 11ac-Wave-2-Smartphone wandern wir vom Dachraum oben links kommend durch die vier Räume vom OG-Zimmer-1 bis ins OG-Zimmer-4. In Summe also fünf Messpunkte. Im „hintersten“ Zimmer, im OG-Zi-4, hat es der Funk am schwersten, den WLAN-User noch zackig zu versorgen. Wir messen die Mesh-Points in einer Wohnung mit normalem WLAN-Umfeld. Im 2,4 GHz-Band funken quasi immer mehr als 10 nervige Fremd-WLANs herein. Im 5 GHz-Band machen sich meist nur zwei bis drei fremde Störer mit eher geringen Sendestärken breit.

Unser Test-Smartphone beherrscht 2x2-MIMO, kann also maximal 2x433 Mbps Brutto im 5 GHz-Band senden und empfangen, im Summe also 866 Mbps. Fast alle 11ac-WLAN-Mesh-Points unserer Test-Serie, von Asus über D-Link bis Zyxel, können ebenfalls maximal 866 Mbps Brutto senden und empfangen. Tri-Band-Systeme beherrschen auf dem dritten Band zwar zusätzlich 866, oder bei einigen Modellen sogar 1733 Mbps Brutto. Diese schnelle Funkstrecke ist aber für den WLAN-Nutzer tabu: Sie dient nur der System-internen Verbindung zwischen den Mesh-Points.

Auf der Mess-Wanderung machen wir in jedem Raum mehrere Durchsatz-Messungen mit der Handy-App Breitbandmessung. Sie wurde im Auftrag der Bundesnetzagentur entwickelt und wird seit dem Jahr 2015 betrieben, um die Leistungsfähigkeit der stationären oder mobilen Internetzugangsdienste zu erfassen und zu bewerten. Nach unserer bisherigen Erfahrung ging die App sogar bei 500 Mbps Netto-Durchsatz noch nicht in die Knie, was beim Betreiber sehr schnelle Server-Anbindungen erfordert.

Da wir keiner Speed-App blind vertrauen, vergleichen wir die auf dem Handy angezeigten Ergebnisse mit den Protokollen des Netzwerk-Analysators Allegro 1000. Beide Werte müssen sich ähneln. Natürlich hängen an den zwei Fritzboxen im echten Leben weitere WLAN- und DECT-Geräte wie NAS-Server, PC, Laptop, TV, Lautsprecher, Steckdosen, Kameras, Heizkörper, Telefone. Die eingebauten WLAN-und-DECT-Funk-Sender der zwei Fritzboxen schalten wir bei den Mesh-Messungen ab, damit das Mesh-Test-Paar nicht gleich von den eigenen Fritzboxen niedergefunkt wird.

Ansonsten wären auch Durchsatzmessungen vom NAS-Server, einer Synology DiskStation DS1618+, über die Mesh-Points auf Handys und Laptops interessant, zumal der NAS-Server die Daten deutlich schneller als „nur“ mit 500 Mbps zuspielen kann. Aber Datenströme weit oberhalb von 500 Mbps Netto (!) kann sowieso kein getestetes 2x2-MIMO-11ac-Mesh-System transportieren, selbst wenn auf einigen Mesh-Verpackungen sagenhafte Gigabit-Werte versprochen werden. Wir beschränken uns hier auf 500-Mbps-Internet-Messungen, zumal das Internet-Verhalten die meisten Leser interessieren dürfte.

In unserer relativ normalen (WLAN-)Luftverschmutzung muss sich auch das Mesh-Paar von D-Link durchsetzen. Die Herausforderung ist der permanente Kampf der konkurrierenden WLANs in der lokalen Umgebung. Die Übertragbarkeit der WLAN-Messungen auf andere Wohnungen ist damit nicht 1:1 möglich, Tendenzen lassen sich aber erkennen. Die blaue Kurve zeigt, was ein einzelner Cover 2200 über zwei Etagen und fünf Räume hinweg leistet. Die rote Kurve gibt den Durchsatz an, wenn das Set aufgestellt und eingerichtet ist.

Bild: Harald Karcher Diese zwei extremen Messverläufe zeigen deutlich: Ein Covr 2200 allein ist am Anfang schnell, hat aber begrenzte Reichweite. Das 2-Point-Mesh kann das Internet auch über eine längere Strecke mit hohem Durchsatz tragen

Dabei fällt auf: Bei kurzen Distanzen zwischen Mesh-Point 1 und Handy war das Covr-System mit nur einem Mesh-Point meistens schneller. Bei zunehmender Schwierigkeit und Entfernung, oft schon ab dem dritten Messpunkt, spätestens aber am fünften Messpunkt, konnten D-Link mit zwei Covr-Mesh-Points seine Stärken entfalten.

Unser Test-Handy verbleibt nur in seltenen Fällen über alle 5 Messpunkte hinweg in der gleichen WLAN-Funkzelle. Irgendwann wechselt es von Mesh-Point 1 in den Mesh-Point 2. Manchmal wechselt das Handy auch vom 5 GHz-Band in das 2,4-GHz-Band.

Die Frage, ob nun das Handy, oder das Mesh-System, oder beide zusammen den Zellwechsel auslösen, ist den meisten WLAN-Nutzern vermutlich egal. Wichtig ist dagegen, ob es beim Zellwechsel zu Verbindungslücken kommt. Beim Surfen und Mailen spürt man kurze Aussetzer sowieso kaum. Bei YouTube oder Netflix bleiben sie ebenfalls oft unbemerkt, weil solche Video-Streaming-Dienste genau deshalb ständig versuchen, ein paar Sekunden Film als Reserve vozupuffern.

Bei Real-Time-Anwendungen wie WLAN-Telefonie allerdings, egal ob mit oder ohne Video-Bild, werden auch sehr kurze Aussetzer meist sehr unangenehm wahrgenommen. Solche WLAN-bedingten Aussetzer beim Zellwechsel haben wir in unserem Testaufbau nicht erlebt. In der folgenden Messgrafik hat das Handy zwar beim Eintritt in das hinterste Zimmer vom 5-GHz-WLAN in das 2,4-GHz-WLAN herunter geschaltet, aber derart schnell, dass keine spürbare Schaltpause entstand.

Bild: Harald Karcher Beim Übergang von Gelb auf Rot hat das Handy in das langsamere 2,4 GHz-Band herunter geschaltet. Allerdings blitzschnell, ohne spürbare Schaltpause.

Das „User Manual“ nennt eine „Power Consumption“ von 20 Watt. Damit geht D-Link wohl auf die sichere Seite, oder es ist ein Fehler. Denn unser ELV EA 8000 Strom-Messgerät meldet keine 6 Watt pro Mesh-Point. Dabei waren die beiden Mesh-Points schon über das 5 GHz-Band miteinander gekoppelt und ein Smartphone zog gerade einen Download mit 500 Mbps per WLAN aus dem Internet.

Das D-Link Covr 2202 Tri-Band Whole Home Wi-Fi System AC2200 ist ein erfreulich schickes, schnelles und weit reichendes WLAN-Mesh-System. Dank Bluetooth lässt es sich über die Handy-App leicht und elegant installieren.

Falls wir denn wirklich einen Fehler finden müssen: Der mittlere Gigabit-LAN-Port im Fuße des Mesh-Points ist zwar halbwegs gut bedienbar, aber an den zweiten LAN-Port kommt man relativ schlecht heran. Ansonsten wundert sich der Autor, warum dieses feine Produkt bisher fast keine ausführlichen Testberichte im Internet bekommen hat.

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