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Chuwi Hi9 Pro im Test: günstiges Android-Tablet mit 2K und LTE

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Zu den Highlights des Chuwi Hi9 Pro gehören ein hochauflösendes 8,4-Zoll-Display, ein LTE-Modem und eine CPU mit zehn Kernen. Wo Stärken und Schwächen des ab 120 Euro erhältlichen Tablets liegen, verrät unser Test.

Die Zeiten, in denen günstige China-Geräte standardmäßig Verarbeitungsmängel aufwiesen, sind vorbei. Wir hatten schon lange kein Tablet oder Smartphone aus dem Reich der Mitte mehr in den Fingern, das aufgrund des niedrigen Preises auch optisch und haptisch auf den ersten Blick als solches zu erkennn war. Auch das Chuwi Hi9 kann sich diesbezüglich sehen lassen und würde auch als wesentlich teureres Tablet durchgehen. Einzig bei Power-Button und Lautstärkewippe auf der rechten Seite gibt es ein klein wenig Grund zur Kritik: Zwar haben beide Tasten einen guten Druckpunkt, in den entsprechenden Ausfräsungen aber etwas zu viel Spiel.

Bild: Techstage Das Gehäuse des Hi9 Pro besteht aus Aluminium mit Kunststoffelementen unten und oben.

Das Gehäuse des Chuwi Hi9 Pro besteht aus Aluminium, auf der Rückseite unten und oben gibt es längs verlaufende Kunststoffelemente. Das Tablet ist in mattem Schwarz gehalten und somit recht unempfindlich gegen Fingerabdrücke. Die Abmessungen des komfortabel und angenehm in der Hand liegenden Gerätes betragen 217,4 × 128,9 × 7,9 mm. Das Hi9 Pro wiegt knapp 380 g.

Auf der Rückseite finden sich im linken oberen Eck die Hauptkamera und im linken unteren Eck der Lautsprecher. USB-Type-C-Anschluss, Kopfhörerbuchse (3,5-mm-Klinke) und Kartenslot sitzen oben. Die Frontkamera befindet sich oberhalb des Displays links von der Hörmuschel. Eine Benachrichtigungs-LED hat das Tablet nicht.

Der im Inneren werkelnde Prozessor des Typs Helio X20 von Mediatek hat zehn Kerne. Bei den potentesten davon handelt es sich um zwei Cortex-A72-Kerne mit 2,3 GHz Maximaltakt. Außerdem gibt es vier Cortex-A53-Kerne mit 1,4 und vier Cortex-A53-Kerne mit 1,85 GHz Taktfrequenz. Neben 3 GByte RAM hat das Hi9 Pro 32 GByte internen Speicher mit der Möglichkeit, diesen per Micro-SD-Karte zu erweitern. Statt einer Speicherkarte kann der Hybrid-Slot auch eine zweite SIM-Karte aufnehmen. Unterm Strich kommt dabei eine für diese Preisklasse überdurchschnittliche Rechenleistung heraus, aber dazu später mehr.

Bild: Techstage Das Tablet hat einen USB-Typ-C-Anschluss und eine Kopfhörerbuchse.

Im mobilen Internet ist das Tablet mit LTE-Geschwindigkeit unterwegs, wobei es alle in Deutschland genutzten Frequenzen unterstützt. Die Verbindung zu einem Router erfolgt per WLAN nach 802.11 a, b, g, n und ac im 2,4- und 5-GHz-Frequenzband. Auf Konnektivitätsseite gibt es noch Bluetooth, GPS und Glonass, NFC ist nicht an Bord. Der fest verbaute Akku hat eine Kapazität von 5000 mAh, eine Schnelladetechnologie bietet das Gerät nicht.

Das 8,4 Zoll große Display des Tablets löst 2560 × 1600 Pixel auf und bietet mit seiner daraus resultierenden Pixeldichte von 359 ppi eine hohe Schärfe bei der Darstellung von Inhalten. Blickwinkelstabilität und Farbwiedergabe des Panels sind gut, die oft bei Geräten mit Mediatek-CPUs vorhandene Option Miravision in den Systemeinstellungen erlaubt außerdem die manuelle Anpassung von Kontrast, Sättigung und Farbtemperatur. Der Bildschirm des Chuwi Hi9 Pro bietet aber auch Grund zur Kritik: Er liefert nur eine verhältnismäßig geringe maximale Helligkeit und reagiert nicht immer präzise auf Eingaben. Im Test kam es immer mal wieder vor, dass ein Fingertipp nicht beim ersten Mal angenommen wurde – das nervt.

Bild: Techstage Das Display des Tablets leuchtet nicht allzu hell und reagiert manchmal nicht sofort auf Eingaben.

Die Hauptkamera des Chuwi Hi9 Pro löst 8, die Frontcam 5 Megapixel auf. Für ein solch günstiges Tablet geht die Qualität von Fotos in Ordnung, Meisterwerke darf man natürlich nicht erwarten. Während Schärfe und Kontrast bei guten Lichtverhältnissen stimmig sind, erscheinen Fotos in der Regel etwas zu blass. Alles in allem waren wir jedoch von der Kameraqualität positiv überrascht.

Bild: Techstage Der Lautsprecher des Hi9 Pro bietet nur dünnen und flachen Klang.

Im Antutu-Benchmark kommt das Chuwi Hi9 Pro auf knapp 103.000 Punkte. Das ist ein guter Wert für ein so günstiges Tablet. In der Praxis schlägt sich das Gerät allerdings nicht so gut, wie es die Messungen erwarten lassen: Schon bei der Navigation durch das User-Interface fällt auf, dass alles ordentlich ruckelt und zuckelt – bei einem Helio-X20-Prozessor sollte dies eigentlich nicht der Fall sein. Auch der Wechsel zwischen Apps geschieht mit merklichen Haklern und Denkpausen. Großen Spaß macht die Bedienung des Chuwi Hi9 Pro so nicht. Wir vermuten eine schlechte Abstimmung von Soft- und Hardware. Eventuell kann der Hersteller mit kommenden Updates diesbezüglich noch nachbessern – ob er das aber auch tut, steht auf einem anderen Blatt.

Auch in Puncto Akkulaufzeit kann das Hi9 Pro nicht überzeugen. Bei reger Nutzung kommt man kaum über den Tag, ohne das Gerät zwischendurch mal wieder an die Steckdose zu hängen. Die Batterie komplett aufzuladen nimmt zwischen drei einhalb und vier Stunden in Anspruch. Der auf der Rückseite sitzende Lautsprecher konnte uns ebenfalls nicht überzeugen, er klingt flach und blechern.

Auf dem Chuwi Hi9 Pro läuft Android 8.0 Oreo mit Vanilla-Oberfläche – also einer vom Hersteller nicht zusätzlich angepassten Ausführung von Googles mobilem Betriebssystem. Chuwi verzichtet auch fast komplett auf auf Bloatware, mal abgesehen von einem Dateimanager und einem Soundrecorder. Stand der Sicherheitsupdates war zum Testzeitraum der 5. Juni 2018. Auch das ist typisch für günstige China-Smartphones und Tablets, denn Updates kosten Geld. Möglich, dass Chuwi Updates nachliefert, darauf verlassen würden wir uns aber nicht – und die Wahrscheinlichkeit, dass es mal ein offizielles Update auf Android 9 geben wird, ist gleich null.

Das Chuwi Hi9 Pro hat uns im Test nicht überzeugt. Vor allem die zähflüssige Performance fällt negativ ins Gewicht, aber auch die kurze Akkulaufzeit, die geringe Helligkeit und das ab und an nicht sofort reagierende Display sind nicht unerhebliche Kritikpunkte. Da reißt es auch der geringe Preis von 120 Euro beim Kauf in manchen China-Shops nicht raus.

Was sollte man also sonst kaufen? Wenn es China sein soll oder darf, empfehlen wir einen Blick auf den Bruder des Hi9 Pro, das Hi9 Air (Testbericht). Das hat uns deutlich besser gefallen und ist mit Preisen ab gut 150 Euro – allerdings bei chinesischen Händlern mit Versand aus China – der sinnvollere Kauf. Bevor man das Gerät aber für weit über 200 Euro in Deutschland bestellt, kann man auch gleich zu Tablets wie dem Huawei Mediapad M5 Lite (Testbericht) zum vergleichbaren Preis ordern.

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