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Cat S52 im Test: Hart aber ideenlos

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Cat-Smartphones sind für ihre Robustheit und neckische Features bekannt. Das aktuelle Cat S52 kommt im Test vergleichsweise gewöhnlich daher und droht unter der Masse an Alternativen unterzugehen.

Die Marke Cat steht für schweres Baugerät: Schaufelbagger, Planierraupen, Kipplaster. Aber auch für sogenannte Rugged-Smartphones, die schon seit einigen Jahren von der Bullitt Group gefertigt werden. Einst galten die vom Lizenznehmer auch anderer bekannter Marken wie Land Rover oder Kodak herausgebrachten Geräte als exotisch. Nur wenige andere Unternehmen wagten den Verkauf von klobigen und auf funktionales Design bedachten Haudrauf-Smartphones. Heute fluten chinesische Hersteller den Online-Handel mit ihren günstigen, vermeintlich robusten Geräten und setzen etablierte Marken wie Cat gehörig unter Druck.

In dieser existenzbedrohenden Situation bringt Cat mit dem S52 ein arg gewöhnliches Smartphone heraus, das bei Amazon und Co. in ähnlicher Form hundertfach vertreten zu sein scheint. Uns fehlen trotz der stolzen UVP von 499 Euro echte Highlights - Wärmebildkamera und Mess-Laser aus dem Oberklassemodell S61 (Testbericht) von Cat bleiben dem direkten Nachfolger S62 Pro vorbehalten. Das ist verständlich, um die Ober- von der Mittelklasse abzugrenzen, auf der anderen Seite wünschte man sich dann aber doch zumindest ein oder zwei Gimmicks, die das Cat S52 besonders machen.

Das S52 ist gut einen Zentimeter dick und wiegt 210 Gramm. Der Rahmen besteht aus Aluminium, die Rückseite aus leicht gummiertem Kunststoff. Auf die aus Gorilla Glas 6 gefertigte Front pappt der Hersteller ab Werk eine Panzerfolie – auch ein Rugged-Smartphone kann wohl nicht sicher genug sein. Das Smartphone liegt trotz seines Gewichts gut in der Hand, die verwendeten Materialien machen es griffig und lassen es robust erscheinen. Der Power-Knopf ist spürbar geriffelt und lässt sich daher blind von den darüberliegenden Lautstärketasten unterscheiden. Die Druckpunkte sind exzellent. Eine bei Rugged- und Outdoor-Smartphones eigentlich übliche Sondertaste, die sich mit einer Funktion oder einer App belegen ließe, hat das S52 nicht.

Das Cat-Phone ist gemäß IP68 vor Staub und bei einer Tiefe von bis zu 1,5 Metern für 35 Minuten vor eindringendem Wasser sicher. Darüber hinaus gibt der Hersteller einen Sturzschutz aus einer Höhe von bis zu 1,5 Metern auf Beton sowie Thermoschock-, Vibrations- und Feuchtigkeitsbeständigkeit gemäß Militärstandard MIL-810G an.

Metallrahmen und gut bedienbare Tasten

Der USB-C-Anschluss unten und der Klinkeneingang oben liegen frei, lediglich der mit bis zu zwei SIM- und zusätzlich einer microSD-Karte belegbare Schlitten muss mit einem Deckel abgedichtet werden. Zwar ist der Kartenträger dafür ausgelegt, ohne Hilfsmittel aus dem Gehäuse gezogen zu werden, jedoch steckt der so fest, dass akute Fingernagelbruchgefahr besteht. Mit einer Heftklammer lässt er sich aber leicht heraushebeln. Die Rückseite des Smartphones lässt sich leider nicht abnehmen, der Akku kann nicht einfach ausgetauscht werden. Weniger für den Nutzer als für die Werkstatt hilfreich sind die sichtbaren Torx-Schrauben im Rahmen, die immerhin von einer potenziell guten Reparierbarkeit zeugen. Hinten finden sich eine einfache Kamera mit Blitz, sowie ein durch die Versenkung gut spürbarer und ziemlich flotter Fingerabdrucksensor.

Alle Bilder zum Cat S52 aus dem Test (12 Bilder)

Der IPS-Bildschirm des Cat S52 hat eine Diagonale von 5,65 Zoll und ein Seitenverhältnis von 2:1. Die Auflösung von 1.440 x 720 Pixel (285 Pixel pro Zoll) ist selbst für ein Smartphone mit Mittelklassetechnik nicht mehr zeitgemäß, Full-HD sollte es heute schon sein. Entsprechend grob ist Schrift auf dem Display, Symbole sehen matschig aus. Außerdem neigt es zur Schlierenbildung. Beim Scrollen zeigt sich vor allem bei kontrastreichen Inhalten ein Hinterherzieheffekt.

Immerhin ist die Anzeige angenehm hell, sie lässt sich also auch im Freien gut ablesen. Wird der Handschuhmodus in den Einstellungen des Geräts aktiviert, kann das S52 auch mit Arbeits- oder Winterhandschuhen bedient werden, zudem erkennt es Eingaben mit nassen Fingern. Die Unterwassernutzung des Touchscreens ist – wie bei allen wassergeschützten Smartphones – aber nicht möglich.

Das Herzstück des Cat S52 bildet der Mediatek-Chipsatz Helio P35. Dessen Octa-Core-Prozessor basiert auf ARMs Cortex A53 und arbeitet mit bis zu 2,3 GHz. Hinzu kommen eine PowerVR-Grafikeinheit GE8320 und 4 GByte RAM. Dieser Komponentenkonstellation fehlt es offensichtlich an Zugkraft, besonders flink arbeitet das S52 nämlich nicht. Das macht auch das Ergebnis des Geekbench-5-Testlaufs deutlich: Der Single-Core-Wert liegt bei mageren 162 Punkten, zusammen schaffen es die Rechenkerne auf 1.024 Punkte. Herkömmliche Mittelklasse-Smartphones um 300 Euro schaffen in der Regel doppelt so hohe Werte, ruckeln nicht beim Scrollen und starten Anwendungen schneller als das Cat-Phone.

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Der interne Speicher ist 64 GByte groß und per microSD-Karte erweiterbar. Im Auslieferungszustand ist ein Viertel des Speichers belegt. Das Cat S52 unterstützt Bluetooth 5.0, LTE Cat. 6, WLAN ac, NFC sowie neben GPS und Glonass auch die Ortungssysteme BeiDou und Galileo. Der USB-Anschluss ist OTG-fähig. Mit an Bord ist außerdem ein Empfänger für UKW-Radio, das Kabel eines – nicht beiliegenden – Klinkenheadsets dient dabei als Wurfantenne.

Als Betriebssystem ist Android 9 Pie auf dem Smartphone vorinstalliert. Von dem vom Hersteller garantierten Update auf Android 10 fehlt nach wie vor jede Spur, auch das Sicherheits-Patch-Level ist Ende Juli mit Mai 2020 etwas veraltet. Die Benutzeroberfläche entspricht weitestgehend der von Google, einen eigenen Launcher hat das Cat S52 nicht. Die kontroverse und im Vergleich zu Android 10 halbgare Gestensteuerung, die der Megakonzern mit der Pie-Version eingeführt hat, lässt sich glücklicherweise durch traditionelle Onscreen-Buttons ersetzen – sofern man die entsprechende Einstellung auch findet (System / Bewegungen / Auf Startbildschirmtaste nach oben wischen).

Link in den Play Store statt Spezial-Software

Der Verzicht auf ein eigenes, die Leistung des Smartphones womöglich noch weiter beeinträchtigendes Interface ist durchaus löblich. Ein paar mehr Features hätten es dann aber dann doch sein dürfen – wenn schon nicht bei der völlig gewöhnlichen Hardware, dann wenigstens bei der Software. Tatsächlich aber reduzieren sich die Sonderfunktionen auf eine App zur anonymen Datenerfassung für die „Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit“ sowie in der App-Übersicht verstaute Verknüpfungen zu Support- und Registrierungswebseiten des Herstellers. Selbst bei der auf den ersten Blick vielversprechenden Toolbox-Anwendung öffnet sich lediglich der Browser, nur um den Nutzer dann nach dem Auswählen einer empfohlenen Survival-, Fitness-, Grundriss- oder Milchviehverwaltungs-App wieder in Googles Play Store zu leiten.

Apps von anderen Anbietern als von Google – beispielsweise eine Office Suite sowie Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp – werden dem Nutzer bei der Einrichtung des Cat S52 zwar zum Download angeboten, das Angebot lässt sich aber auch ausschlagen.

Keine Tele-, keine Ultraweitwinkel- oder Wärmebildkamera: Das Cat-Phone hat eine einfache 12-Megapixel-Hauptkamera. Die verwendete Linse hat einen für die Dokumentation von Handwerksarbeiten in geschlossenen Räumen vielleicht etwas zu eng bemessenen Aufnahmewinkel von 28 Millimeter – mehr Weitwinkel hätte es schon sein dürfen. Die Blende ist mit f/1.8 überraschend groß, zudem verfügt das Cat S52 über einen flinken und auch bei wenig Licht erstaunlich akkuraten Dual-Pixel-Autofokus.

Die Kamera ist bestenfalls zweckmäßig

Die Kamera-App ist spartanisch gehalten: Neben den Standard-Aufnahmemodi für Fotos und Videos gibt es lediglich einen weiteren für Porträtbilder mit aufgesetzter Hintergrundunschärfe. Zuletzt genannter Modus übertreibt es beim künstlichen Bokeh und schneidet etwas unsauber aus – gerne werden im schrägen Seitenprofil bereits das weiter hinten liegende Auge oder ein Ohr unscharf gezeichnet.

Zwar produziert die Kamera des S52 keine besonders schönen Fotos, ein Totalausfall ist sie aber nicht. Die Bilder zählen sicherlich nicht zu den schärfsten, der Detailgrad vor allem rund um den Fokuspunkt herum geht aber in Ordnung. Da die Kamera in kontrastreichen Situationen zur Überbelichtung neigt und Aufnahmen grundsätzlich etwas blass erscheinen, empfiehlt sich der Dauereinsatz von HDR. Aber auch damit lassen sich leichte Farbsäume ausmachen, Mitteltöne und Schatten sind mitunter zu matschig. Entsprechend ernüchternd sind Nachtaufnahmen, die farblos und detailarm daherkommen.

Alle Fotos mit der Kamera des Cat S52 aus dem Test (10 Bilder)

Mehr Ausschuss erzeugt die 8-Megapixel-Selfiekamera: In nicht ideal ausgeleuchteten Situationen sitzt der Fokus häufiger daneben. Zudem rauscht das Bild sichtbar. Videos nimmt das Cat S52 mit Haupt- und Frontkamera in Full-HD auf. Für erstere steht eine Softwarestabilisierung bereit, die den Bildausschnitt erwartungsgemäß beschneidet. Bei wenig Licht neigen Videos in Schwenks zum Geistereffekt, bei Tageslicht ist die Qualität annehmbar. Für den Ton gilt das nicht, trotz lautloser Umgebung ist bei der Wiedergabe ein störendes Rauschen zu hören.

Das Cat S52 hat einen fest verbauten Akku mit einer Nennleistung von 3.100 mAh. Das ist für ein Smartphones dieses Kalibers arg wenig, Billig-Konkurrenten bieten mitunter doppelt so große Batterien. So hält das Gerät zwar seinen Tag auf der Baustelle durch, wer sein Rugged-Phone aber gerne einmal für ein paar Tage ins Gelände entführen möchte, der kommt nicht um das Mitführen einer Powerbank herum. Im Battery Test von PCmark reicht es nicht einmal für 11 Stunden, das ist generell ein ordentlicher Wert, für ein Outdoor-Smartphone aber etwas wenig. Da im S52 kein Chipsatz von Qualcomm steckt, kommt der Mediatek-Schnellladestandard Pump Express Plus 2.0 zum Einsatz. Damit lädt das Smartphone in rund 2 Stunden.

Das Cat S52 gibt es ausschließlich in der Farbkombination Schwarz/Silber, andere Ausstattugsvariationen fehlen ebenfalls.

Das Cat S52 ist ein überraschend planloser Versuch der Bullitt Group, den Rugged-Billigheimern aus China zu begegnen. Der Hersteller spricht sehr eindeutig – man ist fast geneigt zu sagen: ausschließlich - Fans der Marke Cat an, und dabei lediglich solche, denen das technische Grundgerüst ziemlich unwichtig ist.

Für alle anderen ist der Prozessor zu langsam, das Display zu grob, die Kamera zu schlecht und die Laufzeit zu durchschnittlich, um das S52 tatsächlich in Erwägung zu ziehen. Geradezu unverschämt hoch erscheint hinsichtlich des Gebotenen der Herstellerpreis von fast 500 Euro. Das Smartphone ist robust, ja. Aber beim Versuch, der Konkurrenz etwas entgegen zu setzen, gerät das Cat S52 laut knirschend unter die Räder.

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