TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Bowers & Wilkins PX im Test: Kabelloser Kopfhörer mit ANC

1
von  //  Facebook Twitter

Mit seinem ersten kabellosen ANC-Kopfhörer will B&W perfekten Sound ans Ohr lassen – und störende Außengeräusche ausblenden. Wie gut das gelingt, verrät der Test.

Seit Ende der 1960er Jahre sorgen die Lautsprecher von Bowers & Wilkins nicht nur Klang-technisch für Furore: Die Briten verpacken exzellenten Sound in außergewöhnliches Design. Erst 2011 wagte sich das Unternehmen an Kopfhörer. Der Grund: Man wollte warten, bis die eigenen Ansprüche an Soundqualität auch auf kleinsten Raum erfüllt werden konnten. Die verschiedenen aktuellen Modelle der P-Serie zeigen eindrucksvoll, dass sich Geduld lohnt. Mit dem PX setzt B&W nicht nur auf Sound, sondern auf dessen Reduzierung: Erstmals zieht eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC) in einen Kopfhörer des Traditionsherstellers ein.

Beim Design macht B&W keine Experimente: Die Bauform passt nahtlos in die Reihe der anderen Modelle – und die Verarbeitung ist gewohnt erstklassig. Der PX liegt mit seinem Gewicht von 335 g schwer und stabil in der Hand. Man fühlt geradezu, dass es sich um ein Stück Hightech handelt. Die Over-Ear-Muscheln in geschlossener Bauweise und auch der Bügel sind von außen mit einem robusten und unempfindlichen Nylon umspannt. Die per Magnet arretierten Lederpolster sind relativ dünn auf einem festen Rahmen gespannt. Das gibt dem Polster zwar einen guten Halt, auf dem Kopf sitzt der Kopfhörer dafür eher unbequem – ein wenig, als würde man sich eine mit einem Tuch umwickelte Tasse übers Ohr stülpen. Nach längerem Tragen fühlt sich der PX ein wenig unbequem an. Im Gegensatz zu vielen anderen Kopfhörern wurden die Treiber schräg in die Muscheln eingebaut, wodurch diese innerhalb der Muschel fühlbar an der äußeren Seite ein wenig abstehen. Das hat den Vorteil, dass der Schall noch besser und direkt ins Ohr gelenkt wird. Die Ohrmuscheln selbst sind an einem gut durchdachten und äußerst stabilen Scharniersystem aus Metall und im Bügel versteckten Schienen befestigt, wodurch das Headset für jede Kopfform passend eingestellt werden kann. Das System hat allerdings den Nachteil, dass sich der PX nicht klein zusammenfalten lässt. Für den Transport lässt er sich durch ein Drehen der Ohrpolster flach machen. Dafür passt er in das Notebook-Fach einer Tasche.

Die Bedienelemente befinden sich rechts an der Metallabdeckung für den Treiber. Die oberen drei Tasten dienen zur Lautstärkeregelung, der Musiksteuerung und der Annahme von Telefonaten. Darunter sitzen die Taste für den akustischen Umgebungsfilter und der Powerschalter, mit dem die Bluetooth-Funktion aktiviert wird. Die verschiedenen Tasten lassen sich gut mit den Fingern erfühlen und selbst mit Handschuhen gut bedienen. Zusätzlich erkennt ein Sensor, wenn der Kopfhörer ab- oder aufgesetzt wird – und startet oder stoppt die Musikwiedergabe. Allerdings funktioniert die Erkennung zumindest in diesem Test nicht immer einwandfrei: Häufig spielte die Musik nach dem Absetzen weiter. Wer sich nicht auf dieses Feature verlassen möchte, kann es über die App deaktivieren.

Neben einem 3,5-mm-Klinkenkabel liegen der Box noch ein Etui und ein USB-C-Kabel zum Aufladen des Akkus bei. Der Clou: Ist der Kopfhörer per USB mit dem Computer verbunden, kann darüber bei ausgeschaltetem Bluetooth Musik gehört werden. Der beiden verfügbaren Farbvarianten des PX heißen Space Grey und Soft Gold, wobei in der zweiten Variante die Bezüge aus dunkelblauem Nylon bestehen.

Statt in den Club zu gehen, kann man sich einfach den PX aufsetzen: Der Sound ist fett. Der starke Bass ist hier kein Selbstzweck, sondern ordnet sich größtenteils harmonisch ins gesamte Klangbild ein. Besonders deutlich zeigt sich die Klasse des Kopfhörers, wenn in kurzer Abfolge ganz unterschiedliche Genres abgespielt werden. Ein gutes Beispiel sind die Alben „mea culpa“ und „Vernissage My Heart“ von Bilderbuch. Die Österreicher wildern in allen Stilen und experimentieren mit Klängen. Der PX stellt den Sound dar, als wäre man vor Ort. Knacken, Knistern, Gitarren-Soli, Verstärker-Sirren: Der Klangmix wird über den Kopfhörer gut wiedergegeben. Doch von Soundperfektion kann man leider nicht sprechen. Bei „This Land“ von Gary Clark Jr., per Highdef-Stream in Master-Qualität abgespielt, wird dies noch deutlicher: Während die Stimme des Sängers klar und fein abgestimmt ans Ohr gebracht wird, versucht ihn der voluminöse Sound immer wieder zu übertrumpfen. Seine volle Klangpracht entfaltet der PX bei klassischer Musik: Die Moll-Vorliebe des Kopfhörers kommt bei „Sleep“ von Max Richter hervorragend zur Geltung.

Im Gegensatz zu vielen anderen ANC-Kopfhörern lässt sich der Sound nicht per App individuell optimieren, hierfür muss zum Beispiel ein eingebauter Equalizer des Abspielers genutzt werden. Das erklärt das klangliche Gesamtbild des PX: Es wurde offenbar versucht, ein Sounderlebnis zu schaffen, der allen Hörvorlieben und Genres gerechnet wird. Daran ist erst einmal nichts falsch, im Ergebnis erhält man einen klaren und präzisen Mainstream-Sound mit Bass-Tendenz. Die Bluetooth-Verbindung ist tadellos und unterstützt die Codecs aptX HD, SBC und AAC.

Die Geräuschunterdrückung schafft erst einmal Geräusche: Je stärker diese inklusive der Pass-Through-Funktion eingestellt ist, desto auffälliger wird das Kontergeräusch eingespielt. An stärkster Position klingt es fast wie das Fernsehrauschen nach Sendeschluss (ältere Leser werden sich erinnern). Am Kopfhörer lässt sich die Funktion per Knopfdruck aktivieren und deaktivieren, die Stärke wiederum lässt sich per App einstellen. Zur Auswahl stehen Umgebungsfilter für Büro (schwach), Stadt (mittel) und Flug (stark). Doch erst in Verbindung mit Pass-Through wird es interessant, denn diese Funktion bestimmt, wie viel externe Geräusche ans Ohr dringen dürfen, um zum Beispiel Durchsagen oder Telefonklingeln nicht zu überhören. Insgesamt ist die Geräuschabschirmung ordentlich gelöst, auch wenn es zu keinem richtigen Abkapselung-Effekt kommt. Das Filtergeräusch kann nerven und reduziert die Soundqualität deutlich. Man muss sich also entscheiden: Will man seine Ruhe – oder in Ruhe seine Lieblingsmusik hören. In den jeweiligen Einzeldisziplinen macht der PX einen guten Job, beides zusammen ist in optimaler Qualität nicht wirklich möglich.

Der nicht wechselbare Akku hält im Bluetooth-Modus und mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung gut 20 Stunden durch. Hört man per Kabel Musik, sind sogar bis zu 50 Stunden drin. In drei Stunden ist ein leerer Akku voll aufgeladen.

Mit der Smartphone-Software „Bowers & Wilkins Headphones“ für iOS und Android lässt sich die Geräuschunterdrückung nach persönlichen Vorlieben optimieren. Dafür stehen beispielsweise drei Modi „Büro“, „Stadt“ und „Flug“ zur Verfügung. Zudem wird hierüber die Pass-Through-Funktion aktiviert und reguliert, um festzulegen, ob und wie viel Außengeräusche ans Ohr dringen dürfen. Viel mehr Features bietet die App nicht, lediglich der Bewegungssensor wird damit noch aktiviert und die Firmware des Headsets aktualisiert.

Die UVP des PX-Kopfhörers liegt bei 399 Euro, der Straßenpreis nur unwesentlich darunter. Aufgrund der exzellenten Verarbeitungsqualität, des guten Klangbildes und der ordentlichen Geräuschunterdrückung geht der Preis gerade noch in Ordnung.

B&W PX

Grau

B&W PX

Gold

Der PX ist für Bowers & Wilkins ein guter Einstieg in die Welt der Geräuschunterdrückung. Auch wenn der Sound an einigen Stellen nicht perfekt ist, reicht er doch recht nah an diese Auszeichnung ran. Die Hardware fühlt sich wertig an, allerdings wären weichere Ohrpolster und damit ein etwas bequemere Sitz gerade bei längerer Nutzung die bessere Wahl gewesen. Die fehlende Möglichkeit, den Kopfhörer zusammenzufalten, ist dagegen zu verschmerzen. Die Geräuschabschirmung funktioniert recht ordentlich, ohne aber letztendlich vollends zu überzeugen. Die Filtergeräusche sind zu dominant, die Abschirmungseffekte dagegen insgesamt zu gering. Wer möglichst alle Geräusche ausblenden will, sollte den PX meiden, wer aber Bürolärm und Reisegeräusche nur ein wenig reduzieren möchte, kann getrost zugreifen. Denn bei dieser guten Kombination von Design und Sounderlebnis ist das ANC-Feature eher als ein feines Extra zu betrachten.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige