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Bose Quietcomfort 35 II: ANC-Kopfhörer mit Alexa im Test

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Bose gilt als Mutter der ANC-Kopfhörer. Der Quietcomfort 35 II ist das jüngste Familienmitglied und hat Alexa an Bord. Wie gut das klingt, verrät der Test.

Beim Bose Quietcomfort 35 II handelt es sich um einen Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauweise. Das bedeutet, dass bereits ohne aktivierte Geräuschunterdrückung der Außenlärm ganz ordentlich abgeschirmt wird. Das Design des Headsets darf getrost als klassisch oder zeitlos bezeichnet werden – um nicht „ein wenig langweilig“ zu benutzen. In den vergangenen Jahren hat Bose kaum etwas am Aussehen seiner akustischen Flaggschiffe geändert, immerhin gibt es den Quietcomfort 35 II in drei Farben: Silber, Schwarz und Dunkelblau.

Der Verarbeitung des Kopfhörers ist dem Preis entsprechend erstklassig. Dank des verstellbaren Bügels und der schenkbaren Hörmuscheln lässt er sich perfekt für unterschiedliche Kopfgrößen einrichten. Laut Bose ist der bei Bügel und Hörmuschel verwendete Kunststoff stoßfest und das verwendete Metall korrosionsbeständig. An der Bügelunterseite sorgt Alcantara-Mikrofaserstoff für einen bequemen Sitz, allerdings zieht dieser auch wie ein Magnet Fussel und Staub an.

Die Bedienelemente fügen sich harmonisch in die Hörmuschel ein: Auf der linken Seite befinden sich und die Multifunktionstaste und die Lautstärkeregelung, außen der Powerschalter. Auf der linken Seite befindet sich ein Push-Button, mit dem die Spracherkennungsdienste Alexa oder Google Assistant aufgerufen werden. Zudem wird hierüber die drei Stufen der Lärmreduzierung ausgewählt. Die Lage der Bedienelemente ist gut gewählt, die Haptik ist perfekt. Selbst mit Handschuhen lassen sich damit die Funktionen aufrufen und aktivieren.

Kunstleder und ein weiches Polster sorgen wiederum dafür, dass die Hörmuschel auch nach langem Hören nicht stört. Insgesamt schwiegt sich der Kopfhörer so an den Kopf an, als wolle er den ganzen Tag einfach nur kuscheln. Eine witzige Idee ist die Links-Rechts-Kennzeichnung: Direkt auf der Stoffbespannung innerhalb der Muschel prangen groß ein L und ein R.

Neben einer Schutztasche sind ein Micro-USB-Kabel zum Aufladen des Headsets und ein Audiokabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker in der Verpackung. Letzteres ist auch sinnvoll, da die Bluetooth-Lösung nicht optimal umgesetzt ist: Steckt zum Beispiel das zuspielende Smartphone in der Hosentasche, kann es immer mal wieder zu Verbindungsabbrüchen kommen. Steht die Verbindung allerdings, werden selbst die großen Datenmengen beim High-Res-Sound gut per Funk übertragen.

Es ist unüberhörbar, dass Bose einen möglichst optimalen Klang aus den Quietcomfort 35 II herausholen will. Der Sound ist in der Tat prima – wenn auch nicht perfekt. Aktuelle Chart-Musik klingt per Stream sehr gut, eher akustische Songs dagegen ein wenig flach. Elektro ist wie gemacht für die Quietcomfort 35 II, Klassik und Live-Musik fehlt wiederum ein Stück weit die Atmosphäre. Obwohl Musik insgesamt sehr rund und fast klinisch klingt, schwächelt der Kopfhörer im Detail. Ein wenig kraftlos kommt der Bass daher, während die Höhen nicht wirklich differenziert sind. Die exzellente Mitte gleicht diese leichten Defizite sehr gut aus.

Insgesamt verursacht der Sound des Quietcomfort 35 II kein wirkliches Aha-Erlebnis und hinterlässt daher keinen bleibenden Eindruck. Das bedeutet aber nicht, dass der Klang schlecht ist. Am besten lässt sich der Sound mit ordentlich zusammenfassen. Ohne das ANC-Feature wäre das für einen Kopfhörer dieser Preisklasse allerdings deutlich zu wenig, andere Hersteller können da mehr überzeugen.

Beim Noise Cancelling zeigen sich dagegen keinerlei Schwächen, im Gegenteil: In dieser Disziplin spielt der Quietcomfort 35 II seine Stärke voll aus. Während der Nutzung im Büro werden Tipp-Geräusche an der Tastatur gut – wenn auch nicht komplett – ausgeblendet, auch die Telefonate der Kollegen dringen nur noch gedämpft ans Ohr. An einer viel befahrenen Straße sorgt der Kopfhörer wiederum dafür, dass die vorbeifahrenden Autos fast wie E-Mobile klingen. Dennoch fühlt man sich bei aktivierter Geräuschunterdrückung nicht komplett von der Umwelt abgeschnitten. Der Grund dafür: Zwei Mikrofone an den Hörmuscheln erkennen die Umgebungsgeräusche. Der eingebaute Soundfilter produziert in Echtzeit ein Kontergeräusch in bestimmten Frequenzen, wodurch vor allem monotone Lärmquellen akustisch eliminiert werden.

Die aktivierte Geräuschunterdrückung wirkt sich auch positiv auf die Musik aus. Auch wenn sich der Klang dadurch eigentlich nicht verbessert, sorgt die Abschirmung für einen runderen Gesamteindruck.

Laut Hersteller hält der Akku mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung bis zu 20 Stunden durch – abhängig davon, mit welcher Lautstärke Musik gehört und in welcher Stufe das Noice Cancelling genutzt wird. Im Test mit jeweils mittlerer Einstellung wurde dieser Wert tatsächlich leicht erreicht. So lässt sich der Fluglärm auch auf längeren Reisen ohne Probleme abstellen. Und geht der Akku doch einmal zur Neige, lässt sich dieser fix wieder aufladen: Schon 15 Minuten am Strom verlängert die Laufzeit um mehr als zwei Stunden. Außerdem ist es auch mit leerem Akku möglich, per Kabel weiterhin Musik zu hören – nur auf die Geräuschunterdrückung muss der Nutzer dann verzichten.

Mit der Smartphone-Software „Bose Connect App“ für iOS und Android lässt sich der Kopfhörer nach eigenen Wünschen und für individuelle Einsatzszenarien optimieren. Zu den wichtigsten Features der App zählt die Möglichkeit, die Geräuschunterdrückung einzustellen. Zur Wahl stehen „Hoch“, „Niedrig“ und „Aus“. Auch lässt sich hierüber festlegen, welcher Sprachassistent bei Druck der Aktionstaste aktiviert wird. Neben vielen Standard-Funktionen wie der Möglichkeit, die Kopfhörer zu benennen, ist besonders die Musikfreigabe zu nennen: Hierüber lassen sich weitere Bose-Kopfhörer per Bluetooth mit dem Quietcomfort 35 II verbinden, auf die dann ebenfalls die abgespielte Musik übertragen wird. Dies wäre auch der einzige Grund, die Bose-App nach der Ersteinrichtung zu nutzen, da sich die wichtigsten Funktionen direkt am Kopfhörer auswählen lassen.

Es ist wohl eher einem Trend geschuldet, dass Bose beim Quietcomfort 35 II die direkte Verbindung zu Alexa oder dem Google Assistant eingebaut hat – schließlich findet man die Services inzwischen in einer unüberschaubaren Anzahl an Gadgets. Schwer vorstellbar, dass Nutzer unterwegs häufig auf den Button an der Hörmuschel drücken, um mit den Diensten zum Beispiel übers Wetter zu plaudern. Wer Musik von Amazon oder Google streamt, mag Gefallen daran finden, den nächsten Song per Sprachbefehle auszuwählen. Auch Vieltelefonierer, die das Smartphone in der Tasche lassen wollen, werden sich über das Feature möglicherweise freuen, da der andere Teilnehmer auf Zuruf angerufen wird. Auch wenn die Anbindung gut funktioniert, ist Alexa & Co. in diesem Fall vor allem ein Marketing-Gimmick.

Der UVP des Quietcomfort 35 II liegt bei 379,95 Euro. Der Straßenpreis liegt allerdings bereits deutlich darunter und spiegelt auch besser die Qualität des Kopfhörers wider.

Bose Quietcomfort 35 II

Schwarz

Bose Quiertcomfort 35 II

Silber

(Kein Produktbild vorhanden)

Blau

Als reiner Musikspieler macht der Quietcomfort einen guten Job – auch wenn es hier noch Luft nach oben gibt. Bei einem Kopfhörer in dieser Preisklasse hat der Sound perfekt zu sein. Allerdings ist es ein Klagen auf hohem Niveau: Auch wenn beim Sound ein paar Körnchen fehlen, spielt der Quietcomfort 35 II seinen Trumpf bei der Geräuschunterdrückung aus. Hier merkt man deutlich, dass Bose seine gesamte Erfahrung in diesem Bereich in die Kopfhörer gesteckt hat. Als Lärmabschirmung auf Reisen oder im Büro gibt es kaum ein besseres Gerät. Wer nur für diesen Zweck einen ANC-Kopfhörer sucht, ist mit dem Quietcomfort 35 II sicher bestens bedient.

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