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Bose Frames im Test: Kopfhörer trifft Sonnenbrille

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Die Sonnenbrille Bose Frames besitzt in die Bügel integrierte Lautsprecher. Wir testen, ob das einen ordentlichen Klang liefert.

Mit den Frames zielt Bose auf eine neue Zielgruppe: Der Kopfhörer-Hersteller integrierte mehrere Lautsprecher in die Bügel einer Sonnenbrille. Die Idee dahinter: Ohne die Ohren zu verschließen, sollen die Nutzer ordentlich Musik hören können. Solche Konzepte gibt es bereits, die Aftershockz Trekz Air (Testbericht) setzen etwa auf Knochenschall.

Wir testen die Bose Frames im Rahmen unserer Themenwelt rund um Bluetooth-Kopfhörer. Folgende Artikel sind bereits erschienen:

Bose biete zwei unterschiedliche Designs: Alto und Rondo. Die Alto-Variante ist größer und eckiger, Rondo kommt mit kleineren, runden Gläsern. Ansonsten unterscheiden sich die beiden Typen nicht, die Bügel mit den integrierten Lautsprechern sind bei beiden gleich wuchtig. Für den Test haben wir uns für die Alto-Variante entschieden. Die ist mit 47 g Gewicht viel leichter, als sie aussieht. Die Bügel sind sehr breit, anders als bei vielen klassischen Sonnenbrille.

Aber auch der Rahmen um die Gläser ist massiver, als man das von den meisten anderen Sonnenbrillen gewohnt ist. Deswegen sollten die Bose Frames vor dem Kauf unbedingt aufgesetzt werden, um sicherzustellen, dass sie zur eigenen Gesichtsform passen. Insgesamt wirkt sie zu sehr nach billiger Plastik und vor allem in Anbetracht des hohen Preises zu wenig wie ein Premium-Produkt.

Die Bose Frames, hier in der Version "Alto". Die breiten Bügel sind gut zu sehen, hier ist die Technik untergebracht.

Das Einrichten der Frames ist simpel: Es gibt einen goldenen Knopf am rechten Bügel, der ist das einzige Steuerelement. Ein Druck darauf schaltet die Frames an, ein langer Druck versetzt sie in den Koppelungsmodus. Die Bose Frames unterstützen zwei gleichzeitige Verbindungen.

Bei der Wiedergabe stoppt beziehungsweise startet ein einzelner Druck die Wiedergabe, zweimal schnelles Drücken springt zum nächsten Lied mit dreimal Drücken geht es einen Song zurück. Im Alltag haben wir allerdings eine Möglichkeit zur Lautstärkensteuerung vermisst. So muss man immer das Smartphone zücken, um die Lautstärke anzupassen.

Nimmt man die Gläser ab und dreht sie um, schalten sie sich nach zwei Sekunden ab. Ansonsten kann man mit der App Bose Connect oder der Bose-Music-App die Geräte weiter konfigurieren oder anpassen. Tatsächlich war das im Test nicht nötig, die Sonnenbrille war aus der Packung heraus gut eingestellt.

Bedient werden die Frames über diesen goldenen Knopf.

Die erste Reaktion beim Aufsetzen der Bose Frames ist fast immer die gleiche: Die Hände bewegen sich langsam von den Bügeln und in den Gesichtszügen zeigt sich positive Überraschung. Kein Wunder, denn die integrierten Lautsprecher klingen sehr gut. Bei einer Lautstärke zwischen 60 und 80 Prozent hüllen sie den Hörer ordentlich ein, ohne dass etwa der Bass oder die Höhen den Ton verzerren.

Ein sehr schönes Hörbeispiel für die Frames ist „Walk This Way” von Run-DMC und Aerosmith. Joe Perrys typische Gitarrenriff für diesen Song kommt samt dem von Run-DMC dazu gemixtem Beat glasklar rüber. Die Frames schaffen es sehr gut, die verschiedenen Klangspuren des Lieds zu trennen. Mit etwas Konzentration kann man sich auf den Beat, die Gitarre oder den Gesang fokussieren und so jeden Bereich klar hören. Auch insgesamt gibt es keineswegs einen Sound-Brei, sondern einen sauber abgemischten Song, den man einfach gerne hört. Wer etwas härtere Musik mag, „Fear of the Dark” von Iron Maiden hüllt den Zuhörer ebenfalls komplett ein, die Gitarrenriffs geben die Frames kraftvoll wieder, ohne dabei den Gesang auszuklammern.

Die Lautsprecher sind im Bügel untergebracht und strahlen auf den Nutzer ab. Die Außenwelt bekommt minimal etwas ab.

Wo die Frames dann aber etwas nachlassen, ist bei Bässen, die Autos wackeln lassen. „I know you want me (Calle Ocho)” von Pitbull etwa schafft es beim Bass nicht, den Kopf beben zu lassen – wobei die Qualität deswegen nicht schlechter ist. Das kann aber auch Abmischen des Songs liegen, denn bei „Get Lucky” von Daft Punk bekommt man den Bass deutlich besser mit (hier ist er aber auch nicht so extrem eingesetzt).

Alles in allem sehen wir die Bose Frames vor allem fürs Easy Listening. Sauber abgemischte Songs, gitarrenlastige Lieder (”Shallow” etwa klingt damit richtig gut) oder alles, was man an der typischen Strandbar spielt, gibt die Brille sauber wieder. Wer eher auf Bass steht und wenn der Kopf so richtig beben soll, dann sind die Bose Frames nicht die richtigen Geräte. Hier würden wir eher zu einem Over-Ear-ANC raten (Übersicht).

Anders als etwa bei den Knochenschallkopfhörern Aftershockz Trekz Air (Testbericht) gilt der gute Klang auch für reine Sprache. Mit Ausnahme von wirklich stark befahrenen Kreuzungen konnten wir mit den Kopfhörern problemlos Podcasts anhören.

Sehr gut gefallen hat uns, dass der Klang tatsächlich kaum nach außen dringt. Bei einer Lautstärke von 60 bis 80 Prozent (die für einen guten Sound mehr als ausreicht) hört das Gegenüber nur etwas, wenn man sich wirklich darauf konzentriert und die Umgebung leise ist.

Videos lassen sich mit den Frames ebenfalls ansehen. Es wird zwar kein AptX-Codec unterstützt, dennoch gibt es keine merkliche Verzögerung zwischen Audio und Video. Allerdings fühlt man sich etwas dämlich, durch eine Sonnenbrille einen Film auf dem Smartphone anzusehen.

Die Bose Frames unterstützen folgende Bluetooth-Profile und Codecs:

  • A2DP
  • AVRCP
  • HFP
  • HSP
  • SPP
  • AAC
  • SBC

Neben der einfachen Audiowiedergabe und dem Google Assistant bieten die Bose Frames eine „Augmented Reality”. Diese wird normalerweise mit optischen Überlagerungen in Verbindung gebracht, etwa bei den mehr oder weniger gescheiterten Google Glasses. Bose verzichtet auf visuelle Überlagerungen und setzt auf Audio. Die meisten der hinterlegten Apps auf der Demo-Seite sind nette Spielereien, im Alltag braucht man sie nicht wirklich. Es gibt aber ein SDK für interessierte Entwickler. Laut Bose sind zahlreiche Sensoren in die Brillen integriert, so dass man etwa durch die Bewegung des Kopfes Optionen auswählen könnte. Derzeit fehlen aber noch wirkliche Knaller-Apps, die das Feature im Alltag sinnvoll nutzen. Da Bose die Funktionen aber offenbar auch für andere Produkte plant, sind wir gespannt, was da noch kommt.

Die Bose Frames kommen mit getönten, aber nicht polarisierten Gläsern. Diese filtern laut Bose bis zu 99 Prozent der UVA- und UVB-Strahlen heraus. Die Gläser sind aus Kunststoff und lassen sich mit etwas Gefühl herausdrücken. Bose bietet ein paar alternative Gläser an, die etwa blau oder rosegold eingefärbt sind.

Was es aktuell nicht gibt, sind Gläser mit Sehstärke. Laut einem befreundeten Optiker sollte es aber machbar sein, die Brillengläser anpassen zu lassen. Laut Bose arbeitet das Unternehmen an einer möglichen Lösung, aktuell gibt es dazu noch keine Aussage.

Im Alltag sind die Bose Frames überraschend gute Begleiter. Der Klang ist klar und gut verständlich, ohne dass man damit die komplette Umgebung beschallt. Das gilt auch fürs Telefonieren: Das Gegenüber versteht uns im Normalfall gut (die Ausnahme ist auch hier wieder eine stark befahrene Kreuzung) und auch wir verstanden den Anrufer.

Die Bose Frames ersetzen allerdings keine Kopfhörer komplett. Sobald keine Sonne da ist, etwa in der U-Bahn oder bei Regen, kommt man sich mit der Sonnenbrille auf der Nase arg seltsam vor.

Ein richtig gutes Anwendungsfeld ist die Navigation beim Radfahren. Im Test hat uns die App OSMAnd sauber über die Sprachangabe geleitet, während wir uns gleichzeitig problemlos mit den Mitfahrern unterhalten konnten. Auch im Alltag beim Radeln durch die Stadt sind die Bose Frames eine gute Alternative zu Kopfhörern. Die Ohren bleiben frei und man nimmt weiter den Verkehr wahr, während man Musik oder einen Podcast hört.

Die Kopfhörer sind laut Bose gegen Spritzwasser geschützt. Eine Dusche würde wir damit nicht nehmen, aber Schweiß oder ein leichtes Nieseln sollte ihnen nichts ausmachen.

Bei der Laufzeit punktet die Sonnenbrille leider weniger. Im Dauertest bei 100 Prozent Lautstärke halten sie rund fünf Stunden durch, sie sind damit vergleichbar mit den Sportkopfhörern Bose Soundsport Wireless (Testbericht). Auch bei den Bose Frames ist es so, dass die Akkuladung ab 50 Prozent gefühlt enorm schnell nach unten geht. Andere Kopfhörer, etwa die Anker Soundcore Spirit Pro (Testbericht) laufen fast doppelt so lange.

Das Ladesystem der Frames. Hier wäre USB-C schön gewesen.

Zum Aufladen liefert Bose einen Magnetadapter mit, der seitlich am Bügel angeschlossen wird. Die andere Seite ist ein klassischer USB-A-Stecker, der entsprechend in USB-Ladegeräte passt. Leider ist der Ladevorgang mit 90 bis 120 Minuten deutlich langsamer als über einen USB-C-Anschluss. Hier sollte Bose bei der nächsten Auflage über einen Wechsel nachdenken. Oder alternativ auf eine kabellose Ladefunktion setzen, so dass sich das Brillen-Etui zum Aufladen nutzen lässt, wie bei True-Wireless-Kopfhörern (Übersicht).

Bose Frames Alto

Bose Frames Alto

Bose Frames Rondo

Bose Frames Rondo

Bose Lenses Alto Style blau (834061-0500)

Bose Alto Gläser, Blau

Bose Lenses Rondo Style rosegold (834059-0800)

Bose Rondo Gläser, rosegold

Die Bose Frames lassen uns zwiegespalten zurück. Was den Klang angeht, gibt es keinen Zweifel: Er ist sehr gut. Die Ohren blieben frei und dennoch kann man Musik oder Sprache exzellent verstehen.

Doch die Frames können keinen klassischen Kopfhörer ersetzen. Im Inneren, in der U-Bahn oder bei Regen will man sie nicht aufsetzen, man kommt sich einfach dumm vor. Dazu fehlen Optionen beim Glas, etwa um die Sehstärke anzupassen.

Wir empfehlen die Bose Frames allen, die nach einer guten Sonnenbrille mit einem cleveren Soundsystem suchen. Vor allem Radfahrer und Pendler können sie ein nettes Zusatzgadget sein.

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