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Beats Studio 3 Wireless: Apples ANC-Kopfhörer im Test

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Vom akustischen Lifestyle-Accessoire für Rapper und Fußballer zum High-End-Headset: Der Test verrät, ob dieser Spagat mit der dritten Version des Studio Wireless gelingt.

Seit fast zehn Jahren mischt Beats mit seinen kabellosen Kopfhörern den Markt auf. Anfangs von Sound-Puristen als reiner Lifestyle-Kopfhörer für Bass-Liebhaber belächelt, sind die aktuellen Modelle inzwischen erwachsen geworden und viel mehr als modische Accessoires für hippe Jugendliche. Dabei bleibt beim Studio 3 Wireless auf den ersten Blick erst einmal alles wie bisher – zumindest optisch: Plastik ist Trumpf. Sowohl Hörmuscheln als auch der Bügel bestehen aus Kunststoff, wirken aber dadurch wie aus einem Guss und alles andere als billig verarbeitet. Die Schienen im Bügel, mit dem die Passform eingestellt wird, sind wiederum aus Metall gefertigt. Die Aufhängung der Hörmuscheln sorgt nur für ein wenig Spielraum beim Justieren, dafür ist der mit Kunstleder ummantelte Polster dick und damit bequem. Der Over-Ear-Kopfhörer in geschlossener Bauform und mit immerhin 260 g Gewicht sitzt perfekt auf dem Kopf – auch wenn es nach einer Weil warme Ohren gibt, stört der Studio 3 Wireless selbst bei längerem Tragen kaum. Wird der Kopfhörer nicht benutzt, lässt er sich dank der Metallscharniere recht klein zusammenfalten.

Bedient wird der Kopfhörer über das Bedienfeld am linken Ohr: Im drahtlosen Betrieb werden durch Druck auf Taste mit dem b-Markenlogo die Musik gesteuert und Anrufe verwaltet – und bei iOS-Geräten Siri aktiviert. Die Tasten darüber und darunter passen wiederum die Abspiellautstärke an. An der rechten Seite befindet sich der Powerbutton. Wird dieser doppelt gedrückt, lässt sich so die Geräuschabschirmung an- oder ausstellen. Da alle wesentlichen Funktionen direkt am Kopfhörer genutzt werden können, wird keine dezidierte App benötigt.

Schnell ist klar, dass sich um einen Apple-Kopfhörer handelt, schließlich ist Einrichtung und Nutzung für die Produkte des iPhone-Herstellers optimiert. Der von Apple entwickelte W1-Chip sorgt für eine schnelle und stabile Bluetooth-Verbindung: Wird der eingeschaltete Kopfhörer zum Beispiel an iPhone gehalten, erscheint auf dem Bildschirm ein Bild des Studio 3 in korrekter Farbgebung. Wird die Verbindung bestätigt, lässt sich der Kopfhörer sofort am Smartphone – aber auch an allen anderen mit der eigenen iCloud verbundenen Apple-Geräten nutzen. Wer den Beats-Kopfhörer per Bluetooth mit anderen Geräten verbinden will, drückt den Powerbutton ein paar Sekunden und wählt ihn dann im jeweiligen Bluetooth-Menü aus.

Neben einem 3,5-mm-Klinkenkabel mit integrierter Fernbedienung befindet sich in der Box ein Etui mit Karabinerhaken und ein Micro-USB-Kabel zum Aufladen des Akkus. Ein wenig seltsam ist es, dass kein Kabel mit Lightning-Anschluss beiliegt: Mit einem Klinkenkabel können Nutzer aktueller Apple-Smartphones nur mit einem zusätzlichen Adapter etwas anfangen. Auch Entscheidung gegen USB-C erschließt sich nicht, wenn selbst Macbooks und aktuelle iPads auf diesen Standard setzen.

Den Studio 3 Wireless gibt es inzwischen in unzähligen Farbkombinationen und Special Editions – womit die Lifestyle-Gene wieder deutlich zum Vorschein kommen.

Ja, der beliebte Bass-Sound der Beats ist noch da. Doch wo vor zehn Jahren die ersten Modelle übertrieben haben, um ein Club-Feeling zu erzeugen, hält sich der Tiefenbereich des Studio 3 angenehm zurück. Hier will der Bass nicht erschüttern, sondern weiß zu begeistern. Harmonisch verbinden sich die tiefen Töne mit den Höhen und Mitten und ergeben ein rundes und gut abgestimmtes Gesamtbild. Die treibenden Beats von Poppy Ackroyd kommen in „Resolve“ gut zur Geltung, ohne den Rest zu überstrahlen. Bei ruhigen Stücken wie „The Blower’s Daughter“ von Damien Rice offenbaren sich aber alte Schwächen: Es fehlt an Klarheit, der Sound wirkt distanziert und unscharf wie durch eine Bauwolldecke gehört. Der warme Bass unterstreicht zwar den Song perfekt, der Rest bleibt ein wenig ausdruckslos. Das gleich gilt für das Album „All Melody“ von Nils Frahm. Am Anfang des ersten Songs hört man Schritte, die von rechts nach links wandern. Wo andere Kopfhörer einen unvermittelt akustisch mitten in die Szene versetzt, bleibt man mit dem Beats-Kopfhörer ein wenig außen vor. Auch als der eigentlich glockenklare Chor einsetzt, hört es sich ein wenig gedämpft an. Die Hoffnung, dass es sich „Run“, dem Opener des letzten Foo Fighter Albums darstellt, hat sich schnell erübrigt. Freude macht dagegen „Persona“ von Rival Consoles. Bei den elektronischen Soundgemälden zeigt der Studio 3 Wireless mit seinen Muskeln. Wer ein möglichste große Bandbreite an musikalischen Genres mit einem Kopfhörer optimal und in höchster Qualität will, wird mit dem Studio 3 Wireless nur bedingt glücklich. Der grandiose Bass täuscht nicht über die Defizite im Gesamtbild hinweg und ist daher nur als Effekthascherei zu bezeichnen. Doch damit ist es kein schlechter Kopfhörer in Einzeldisziplinen: Elektro-Fans und Freunde fetter Beats dürfen getrost zugreifen.

Bei Beats heißt Geräuschunterdrückung „Pure ANC“, gemeint ist damit, dass sich die Abschirmung dynamisch anpassen soll. Angeblich werden die zu filternden Geräusche und die abgespielte Musik mit mehreren Mikrofonen bis zu 50.000 Mal pro Sekunde gemessen und automatisch aufeinander abgestimmt – was zu einem nahezu perfekten Noice-Cancelling-Erlebnis führen soll. Wahrscheinlich hält es Beats aus diesem Grund nicht für nötig, dass sich die Stärke der Abschirmung regulieren lässt. An oder aus – mehr geht nicht. Wird keine Musik abgespielt und ANC per doppelten Knopfdruck aktiviert, ist die Abschirmung zwar deutlich wahrnehmbar, aber gleichzeitig ist ein starkes Rauschen zu hören. Im Büro werden Tastaturanschläge gut ausgeblendet, an der Straße rauschen Autos viel leiser vorbei. Andere Geräusche wie ein Telefonklingeln oder das Husten eines Kollegen bleiben gut hörbar. In Verbindung mit Musik ist das Rauschen nicht mehr wahrnehmbar, was aber nicht zu einer Verbesserung der Musikqualität führt. Doch trotz kleiner Kritikpunkte überzeugt die Geräuschdämmung. Im Vergleich mit anderen ANC-Modellen braucht sich der Studio 3 – zumindest in dieser Hauptdisziplin – nicht zu verstecken.

Bis zu 22 Stunden hält der nicht wechselbare Akku im Bluetooth-Modus und mit eingeschalteter Geräuschunterdrückung durch. Ist ANC deaktiviert, sind bis zu 40 Stunden Musikgenuss drin. Nur zehn Minuten an der Stromquelle sorgen für drei Stunden Wiedergabe, in etwa drei Stunden ist ein leerer Akku voll aufgeladen.

Obwohl es für die Studio 3 Wireless keine dezidierte App gibt, lässt sich die ANC-Funktion per Smartphone steuern: Auf dem iPhone wird dafür bei bestehender Verknüpfung einfach im Bluetooth-Menü beim Kopfhörer auf das Info-Icon getippt. Nun lässt sich der Geräuschunterdrücker an- oder ausschalten. Auch ein Name für die Kopfhörer kann hier eingetragen werden.

Der UVP des Beats-Kopfhörers liegt bei 349 Euro, der Straßenpreis nur deutlich darunter. Und in dem niedrigeren Preis spiegelt sich auch das Preis-Leistungs-Verhältnis besser wider: Die Verarbeitung ist prima, der Sound hat deutliche Schwächen, dafür ist die Geräuschabschirmung gut umgesetzt.

Beats Studio 3 Wireless

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Der Studio 3 Wireless von Beats überzeugt mit neuen Stärken, zeigt aber auch alte Schwächen. Es tut den Kopfhörern gut, dass der Fokus weniger auf dem Bass liegt als bei Vorgängermodellen. Für mehr Ausgewogenheit sorgt das allerdings nicht, der Sound ist an vielen Stellen alles andere als perfekt. So ist der Beats kein Generalist für viel Zwecke, sondern vor allem ein Spezialist für ausgewählte Musikstile. Trotz viel Kunststoff fühlt sich die Hardware wertig an, der Sitzkomfort ist dank dicker Polster gut. Die stärke Geräuschabschirmung lässt sich zwar nicht manuell justieren, doch die Automatik funktioniert einwandfrei und sorgt beim Beats-Kopfhörer dafür, dass der Lärm draußen bleiben darf. Das Design wirkt auch nach zehn Jahren noch frisch. Doch der Lifestyle-Faktor hat einen hohen Preis – zu hoch, wenn man das Gesamtpaket betrachtet.

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