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Basis Peak im Test: komplexe Sportuhr für Jogger und Radler

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Nachdem Intel die Entwicklung im Mobilfunkmarkt völlig verpennt hat, versucht der Chiphersteller, beim Internet of Things und bei den Wearables ganz vorne mit dabei zu sein. Eine dieser Speerspitzen ist die Peak, die von der 100-prozentigen Intel-Tochter Basis gebaut wird. Ab dem 18. August wird die Sport-Smartwatch nun endlich auch im deutschen Handel erhältlich sein. Ob und für wen das ein Grund zur Freude ist, erfahrt Ihr im Testbericht.

Rein optisch bewegt sich die Basis Peak irgendwo zwischen den aktuellen Smartwatches, den klassischen Pulsuhren und den Casio-Digitaluhren der 90er Jahre. Hinzu kommen wertige Materialien, die man bei einem anvisierten Kaufpreis für den deutschen Markt von 229,99 Euro allerdings auch erwarten darf: Das Gehäuse besteht oben aus gehärtetem Aluminium 6061; die Unterseite ist aus den Kunststoffen PC und PBT sowie aus Edelstahl gefertigt. Um den Schutz des Touchscreens sorgt sich Gorilla Glass 3.

Die Basis Peak gibt es wahlweise mit schwarzem oder silbernem Gehäuse, passend dazu ist das mitgelieferte Silikon-Armband schwarz oder weiß eingefärbt. Im Zubehör bietet der Hersteller allerdings auch noch diverse Sportarmbänder und Lederarmbänder in jeweils fünf verschiedenen Farben an. Die Sportarmbänder sollen in Deutschland ab Oktober für 34 Euro im Handel erhältlich sein, die Lederarmbänder im späteren Verlauf dieses Jahres. Daneben passt aber auch jedes Standard-23-Millimeter-Armband an die Peak.

Das Armband der Basis Peak lässt sich mit diesem kleinen Hebel unkompliziert aushängen und durch ein beliebiges 23-Millimeter-Band ersetzen.

Unterm Strich fühlt sich die Uhr hochwertig verarbeitet an. Dank ihres Gewichts von 27 Gramm (ohne Armband) und mit der Dicke von 11 Millimetern ist sie nicht größer oder schwerer als viele „normale“ Armbanduhren. Buttons gibt es an der Uhr keine – die Bedienung läuft ausschließlich über den 1,26 Zoll großen Touchscreen ab. Hierbei handelt es sich um ein Schwarzweiß-LCD mit 144 × 168 Pixeln. Das ergibt eine Pixeldichte von 176 dpi und ja: Man kann die einzelnen Bildpunkte deutlich erkennen, wenn man genauer hinsieht.

Allerdings soll man sich auf dem unbeleuchteten Monochrom-Bildschirm ja auch keine Filme angucken, sondern nur ein paar Statusinformationen und die Uhrzeit abrufen. Die Ablesbarkeit ist auch im direkten Sonnenlicht hervorragend. Im Dunkeln steht eine simple Displaybeleuchtung zur Verfügung, die sich über einen Wisch von unten nach oben am rechten Bildschirmrand an- und abschalten lässt.

Das Display der Basis Peak ist „always on“. Um die Uhrzeit ablesen zu können, muss man also nicht erst wiederholt an irgendeiner krampfigen Armbewegung scheitern oder den Bildschirm antippen. Dennoch hält der Akku in der Peak laut Hersteller vier Tage lang durch. Wir können dieser Wert nach knapp zwei Wochen Nutzung bestätigen. Ein Ladevorgang auf 100 Prozent Kapazität dauert vier Stunden, wobei 90 Prozent der 190 mAh bereits nach der Hälfte der Zeit erreicht sind. Das Aufladen geschieht mit Hilfe eines proprietären Docks, das sich magnetisch an der Rückseite der Uhr festhält.

Die Basis Peak ist mit 11 Millimetern nicht dicker als eine gewöhnliche Armbanduhr.

Die Basis Peak ist laut Hersteller bis 5 ATM wasserdicht. Damit hält sie den Druck aus, der in 50 Metern Wassertiefe herrscht. In der Praxis ist das allerdings nicht so spektakulär wie es zunächst scheint: Beim Schwimmen an der Wasseroberfläche treten nämlich aufgrund der Armbewegungen unter Umständen höhere Drücke auf – und hier empfiehlt sich daher ein Schutz bis mindestens 10 ATM. Duschen, Händewaschen & Co. sollten mit der Peak jedoch kein Problem sein.

Die Titanium-Edition der Basis Peak kommt übrigens zunächst nicht nach Deutschland. Informationen zu einem möglichen Marktstart und Preis hierzulande konnte uns der Hersteller nicht nennen.

Die Bedienung der Basis Peak gestaltet sich als sehr einfach – und läuft über Tippen und Wischbewegungen auf dem Touchscreen ab. Der „Homescreen“ zeigt die Uhrzeit an, ein einfacher Fingertipp blendet zusätzlich das Datum ein. Ein Wisch von rechts nach links springt zum aktuellen Puls, einen Bildschirm weiter rechts zeigt die Peak die zuletzt erkannte Aktivität an. Hier kann der Nutzer nun weiter nach unten scrollen und sieht die Gesamtaktivität des Tages. Ein Doppeltipp auf das Display springt stets zurück zum Homescreen mit der Uhrzeit.

Von hier aus gesehen links gibt es ein paar Status-Infos und Optionen. Hier zeigt die Peak den Bluetooth-Verbindungsstatus und den aktuellen Software-Stand an. Außerdem lässt sich hier die Uhr auch neustarten. Und schließlich gibt es noch einen „Nicht stören“-Modus, der die Vibrationen zur Benachrichtigung bei eingegangenen Nachrichten deaktiviert. Aber dazu später mehr.

Hier läuft gerade die Stoppuhr. Wischt man von links nach rechts, legt die Uhr eine neue Runde an. Ein Fingerwisch in die andere Richtung pausiert die Zeitmessung und zeigt die vorherigen Runden an.

Vom Homescreen nach unten gescrollt gibt es noch einen Wecker sowie eine auf den ersten, zweiten und mindestens auch noch dritten Blick ziemlich kompliziert zu bedienende Stoppuhr. Nach dem Aufrufen startet ein Wisch nach rechts den Zähler, jeder weitere Wisch nach rechts fügt eine Runde hinzu. Ein Wisch nach links pausiert den Zähler. Von hier aus gesehen lässt sich die Stoppuhr mit einem Wisch nach rechts wieder weiterlaufen, zum Anhalten und Beenden muss sich der Anwender durch alle aufgezeichneten Runden komplett nach links zurückwischen. Mit einem Doppeltipp aufs Display springt der Nutzer wieder zurück zur Uhrzeit und kann auf die weiteren Funktionen der Basis Peak zugreifen, während die Stoppuhr im Hintergrund weiterläuft.

Leider zeigen weder die Uhr noch die App die per Stoppuhr aufgezeichneten Zeiten später irgendwo an, und offenbar speichert sie die Peak auch sonst nirgendwo. Wer die Daten nicht verlieren möchte, muss also nach Ende der gestoppten Aktivität seine Rundenzahlen irgendwo anders notieren.

Um die Rechenleistung bei der Basis Peak kümmert sich eine 48 MHz schnelle CPU auf ARM-Cortex-M4-Basis. Was auf dem Papier irgendwie nach 1997 klingt, reicht in der Praxis absolut aus: Die Nutzeroberfläche reagiert erfreulich verzögerungsfrei auf alle Eingaben.

Außerdem hat die Basis Peak einen ganzen Stapel an Sensoren an Bord: Die Uhr misst neben den beiden mittlerweile branchenüblichen Standards Puls und Bewegung des Trägers auch die Hautleitfähigkeit sowie die Hauttemperatur.

Auf der Rückseite der Basis Peak sitzt eine ganze Batterie an Sensoren.

Die Basis Peak verfügt über einen integrierten Flash-Speicher von 16 MByte. Damit kann sie für bis zu sieben Tage Daten sammeln, ohne sich zwischenzeitlich mit dem Smartphone synchronisieren zu müssen. Wer länger außerhalb der Reichweite des verknüpften Mobiltelefons ist, muss mit einem Datenverlust leben.

Einen GPS-Empfänger wie beispielsweise die FitBit Surge hat die Basis Peak übrigens nicht an Bord.

Wie bei den diversen anderen Pulsuhren, die die Herzfrequenz am Handgelenk erfassen, funktioniert die Messung in Abhängigkeit der ausgeübten Sportart mal besser und mal schlechter. Beim geradlinigen Fahrradfahren oder Joggen beispielsweise, wo sich die Handgelenke nicht übermäßig stark bewegen und der Puls üblicherweise keine drastischen Veränderungen durchläuft, funktioniert die Messung erfreulich präzise.

Bei Intervall-Trainings mit stark variierenden Herzfrequenzen macht sich allerdings eine deutliche Verzögerung bei der Messung bemerkbar. Das liegt daran, dass die am Handgelenk gemessenen Pulsdaten ein deutliches Rauschen aufweisen, das über einen gewissen Zeitraum herausgefiltert wird. Bei rasanten Pulsanstiegen hinkt die Basis Peak so immer etwa 10 bis 15 Sekunden hinter einem Brustgurt hinterher. Das ist zwar nicht besonders tragisch, sorgt aber auf das gesamte Workout gesehen dennoch für eine gewisse Ungenauigkeit.

Noch komplizierter wird es beispielsweise bei Crossfit-Sessions, die so Späße wie Liegestütze oder Burpees enthalten. Hier sind sehr starke Handgelenkbewegungen involviert, die die Blutzirkulation beeinflussen, und der Sensor liefert dann keine brauchbaren Werte mehr. Der am Handgelenk gemessene Puls liegt dann häufig zwischen 20 und 50 (!!) Schlägen pro Minute unterhalb der per Pulsgurt erfassten Werte. Damit ist die Basis Peak allerdings beileibe nicht alleine: Exakt das gleiche Verhalten lässt sich beispielsweise auch bei der FitBit Surge beobachten.

Zweimal das gleiche Agilitätsworkout. Unten hat der Sigma RC Move den Puls aufgezeichnet, der ein Maximum von 175 Schlägen pro Minute erreicht. Bei der Basis Peak erreicht der Puls (rot) maximal 162, und das auch nur gelegentlich. Sehr interessant ist aber der Schweißausbruch im Rahmen des Workouts (grün). Im Verlauf des Trainings „erkennt“ die Peak dann irgendwann auch mal ein Gehen-Workout (grauer Bereich).

Unabhängig von der Sportart absolut exakte Werte konnten wir bisher nur mit Brustgurt-Systemen erzielen – oder mit Sport-Ohrhörern, die die Herzfrequenz im Ohr messen, wie beispielsweise der Jabra Sport Pulse Wireless oder der BioSport von SMS Audio, bei dem übrigens ebenfalls Intel seine Finger im Spiel hat.

Basis verspricht, dass die Peak Gehen, Joggen und Fahrradfahren automatisch erkennt und passend dazu Workouts startet. Das funktioniert in der Praxis auch tatsächlich gut, und die Uhr stellt dann auf dem Display die erkannte Disziplin, die aktuelle Herzfrequenz, die verbrannten Kalorien sowie die verstrichene Zeit dar. Beim Gehen und Joggen startet bereits nach wenigen Sekunden das Trainingsprogramm auf der Uhr, beim Fahrradfahren dauert es ein paar Minuten. Der Trainingsstart wird aber rückwirkend berücksichtigt. Kleine Pausen sind dabei in Ordnung – erst nach zwei Minuten Ruhe beendet die Basis Peak das Workout. Sportelt man dann weiter, legt die App allerdings eine neue Trainingssession an.

Bloß keine Anstrengung bei dieser Hitze: In acht Minuten Fahrradfahren habe ich der Basis Peak zufolge 38 Kilokalorien verbrannt.

Sportarten außerhalb dieser drei Disziplinen werden leider nicht erkannt – oder wenn, dann eher zufällig und logischerweise falsch. Rollerbladen beispielsweise registriert die Peak aufgrund der langsamen und rhytmischen Armbewegungen als „Gehen“ und lässt sich auch von einem Puls von 157 nicht davon überzeugen, dass es sich zumindest um ein etwas sportlicheres Joggen handelt. Hardcore-Nordic-Walking halt. Ein Core-Training mit Flexi-Bar wird dagegen als Fahrradfahren registriert.

Und auch bei einer einstündigen HIIT-Einheit, primär mit Agilitätsübungen, springt immer mal wieder ein Jogging-Workout an, wenn die Armbewegungen einigermaßen dazu passen. Oft genug blicke ich dann aber auch während der Einheit auf die Uhr, und die Peak sagt mir durch Anzeige der aktuellen Zeit und Ignorieren meines Gehampels mehr oder weniger, dass ich gerade mit Puls 170 auf der Couch sitze. Schade. Ein manuelles Starten und Beenden eines Workouts ist leider ebensowenig möglich wie das Editieren oder Zusammenfassen der automatisch aufgezeichneten Workouts.

Leider ist es auch nicht möglich, für die Trainingssessions in der Basis-Peak-App Pulsbereiche als (Intervall-)Ziele festzulegen und sich ermahnen zu lassen, wenn man außerhalb des gewünschten Bereichs trainiert. Auf der Gegenseite soll sich die Basis Peak allerdings dank Erfüllung der erforderlichen Bluetooth-GATT-Voraussetzungen auch in Verbindung mit anderen Fitness-Apps als Pulsmesser nutzen lassen. In der Praxis hat das bei mir leider auch nur etwas durchwachsen funktioniert: Ich konnte die Peak weder mit der Runtastic-App noch mit Strava, Runkeeper oder UE Record auf dem Galaxy S4 verbinden, auf einem iPhone 6 dagegen hat die Runkeeper-App auf Anhieb die Verbindung hergestellt und zuverlässig den Puls eingebunden.

Nett ist zu guter Letzt noch die Funktion namens „Fotofinish“. Entgegen der ursprünglichen Bedeutung kann man hier nach Beendigung einer Aktivität ein Selfie aufnehmen, das dann mit der jeweiligen Trainingseinheit verknüpft wird.

Die Basis Peak trackt automatisch den Schlaf des Trägers. Im Gegensatz zum Jawbone UP3 will die Fitness-Uhr dabei nicht in einen Schlafmodus geschaltet werden, sondern erkennt den Zeitpunkt des Einschlafens automatisch. Im Schlaf selbst unterscheidet die Uhr zwischen den drei Schlafphasen „leichter Schlaf“, „Tiefschlaf“ und „REM-Schlaf“.

Eine derart detaillierte Aufschlüsselung des Schlafes bietet beispielsweise auch der Jawbone UP3. Wir haben die Ergebnisse von Peak und UP3 miteinander verglichen, wobei der Jawbone UP3 hier im Test die präziseren Daten liefert: Ich schicke den UP3 nämlich immer händisch in den Schlaf- und Wachmodus und benötige in der Regel keine zehn Minuten, um einzuschlafen – und das wird dann eben auch sehr adäquat so abgebildet.

Die Basis Peak nimmt dem Nutzer diese Arbeit ab, liegt dafür aber auch gerne mal etwas daneben. 40 Minuten regungslos auf dem Sofa liegen, kaputte Finger desinfizieren und Kochvideos schauen hat die Peak beispielsweise gestern Abend bereits als leichten Schlaf gewertet.

Außerdem hat die Basis Peak während des etwa zweiwöchigen Testzeitraums mehrere Schlaf-Sessions aufgezeichnet, die keine waren. Jene am vergangenen Samstagabend von 20.17 bis 21.06 Uhr beispielsweise ist eher auf ein gezieltes Verfaulen auf der Couch als auf tatsächlichen Schlaf zurückzuführen.

Darüber hinaus gehen die Meinungen bezüglich der verschiedenen Schlafphasen bei den beiden Fitness-Trackern teilweise ein ganzes Stück auseinander. Wer hier unterm Strich recht hat, ist schwer zu sagen. Wir planen derzeit einen Test im Schlaflabor, der uns eine bessere Bewertung ermöglichen wird.

Einen Bug hat die Peak-App dann noch mit den Zuordnungen der Schlafaufzeichnungen. In der Nacht von Montag auf Dienstag beispielsweise hat die Basis Peak mich zwischen 5 und 6 Uhr morgens für 19 Minuten als wach registriert – und den Schlaf vorher Montagnacht und den Schlaf danach bereits Dienstagnacht zugeordnet.

Die Basis Peak hat den Schlaf in diesem Fall zerstückelt und auf zwei Nächte aufgeteilt. Die Einschlaf- und Aufwachzeiten stimmen halbwegs überein, und mit etwas Phantasie kann man auch Überschneidungen bei den erkannten Schlafphasen erkennen. Deckungsgleich sieht aber anders aus.

Der Schrittzähler in der Basis Peak tut, was er verspricht: Er zählt die Schritte. Und wenn ich testweise einen Spaziergang mache, dann kann ich auf dem Display mitverfolgen, wie die Uhr zuverlässig meine Schritte trackt. Etwas diffuser wird es dann beim Zähneputzen, beim Kochen, beim Staubsaugen und so weiter. Wie alle anderen Fitness-Tracker, die ich bislang getestet habe, zählt auch die Basis Peak mit den alltäglichen Aktivitäten eine gewisse Schrittzahl mit.

Je nach Hersteller zählen die Tracker mal optimistischer und mal pessimistischer. Die FitBit-Geräte beispielsweise werten die alltäglichen Aktivitäten übermäßig stark, bei der Withings Activité Pop dagegen muss der Nutzer deutlich härter arbeiten, um die gleiche Schrittzahl zu erreichen. Die Basis Peak bewegt sich mit ihrem Schrittzähl-Algorithmus hier in der Mitte zwischen diesen Extremen.

Unterm Strich bleibt hier nur das zu sagen, was ich in den bisherigen Fitnesstracker-Tests auch geschrieben habe: Wichtig ist nicht, dass am Ende des Tages eine absolut korrekte Schrittzahl herauskommt. Stattdessen zählt, dass der Nutzer seine faulen und fleißigen Tage erkennt – und sich gegenüber seinen eigenen Werten steigern kann.

Neben Puls und Schritten misst die Basis Peak auch die elektrodermale Aktivität und die Hauttemperatur. Die elektrodermale Aktivität gewährt über die Hautleitfähigkeit, gemessen in Microsiemens pro Zentimeter, einen Rückschluss über den Schwitzlevel des Trägers. Das ist aktuell in den Graphen in der App und im Webinterface nett anzusehen, wenn ich nach einem Workout noch einmal bewundern kann, wie ich bei den aktuellen Temperaturen praktisch zerflossen bin. Aber viel mehr holt zumindest Basis selbst aus den Daten aktuell nicht heraus.

Ganz ähnlich verhält es sich bei der Hauttemperatur. Diese bewegt sich bei mir im Tagesverlauf meistens irgendwo zwischen 31 und 35 Grad Celsius und gewährt Rückschlüsse beispielsweise auf den Stresslevel des Trägers. Auch das ist nett anzusehen, doch eine Auswertungsmöglichkeit oder beispielsweise gar eine Routine für Entspannungstraining bietet die Basis-Peak-App leider nicht.

Immerhin: Basis ist sehr offen mit den Daten und erlaubt sowohl eine Verknüpfung mit Google Fit als auch einen Export der Daten als CSV-Datei zur weiteren Verwendung in Third-Party-Anwendungen. Die Programme zur Auswertung von elektrodermaler Aktivität oder Hauttemperatur, die ich finden konnte, kamen allerdings alle aus dem professionellen Bereich oder der Forschung – und dürften für die meisten Peak-User wenig interessant oder unerschwinglich sein.

So sieht das Dashboard der App aus.

Die App der Basis Peak sieht schick aus, ist aber leider etwas unübersichtlich, insbesondere im direkten Vergleich mit den Anwendungen von Jawbone oder FitBit wirkt sie sehr kleinteilig. Auf dem Homescreen namens „Dashboard“ zeigt die Anwendung unterhalb des Datums den aktuellen Ruhepuls, die bisher an diesem Tag geleistete Schrittzahl sowie die verbrannten Kalorien anzeigt.

Darunter finden sich die Ergebnisse der sogenannten „Routinen“ – dazu später mehr. Und darunter wiederum zeigt die Anwendung die letzten Aktivitäten an, also die Workouts des Tages sowei den Schlaf der vergangenen Nacht. Ein Fingertipp auf einen der Punkte fördert mehr Details zutage, beim Schlaf die diversen Schlafphasen, bei den Workouts ein Diagramm das die Schrittzahl, den Puls sowie die pro Minute verbrannten Kalorien über die Zeitachse anzeigt.

Neben dem „Dashboard“ gibt es aber auch noch die „Aktivitätsübersicht“, in der alle aufgezeichneten Aktivitäten gelistet sind, sowie den Punkt „Grafik“, der die Messwerte grafisch aufbereitet. Hier kann sich der Nutzer neben dem Puls, den zurückgelegten Schritten und den verbrannten Kalorien auch die Hauttemperatur sowie die elektrodermale Aktivität („Schweißlevel“) anzeigen lassen. Das sieht zwar irgendwie alles spektakulär aus, aber viel Nutzen lässt sich daraus (noch) nicht ziehen. Man sieht halt, dass man während einem Workout stärker geschwitzt hat als beim Serienmarathon am Wochenende auf der Couch. Aber ein Workout-Intensitätslevel wird daraus beispielsweise ebensowenig errechnet wie die App dem Nutzer zu mehr Flüssigkeits- und Salzaufnahme ermahnt, weil er stark geschwitzt hat.

Hier ist die Peak mit der zugehörigen App zu sehen.

Apropos: Eine Möglichkeit, die Ernährung zu tracken, bietet die Peak-App derzeit ebensowenig wie eine Möglichkeit, über den GPS-Empfänger des Smartphones die präzise Geschwindigkeit beim Joggen oder Radfahren zu ermitteln. Schade.

Einen Kritikpunkt gibt es dann noch an der App: Derzeit ist die Liste der offiziell unterstützten Geräte noch recht überschaubar, und Android 5.0 ist offiziell noch nicht unterstützt. Das soll ein Update jedoch bald ändern, so der Hersteller auf Nachfrage. Einen genauen Zeitpunkt konnte man uns nicht nennen. Mit einem Samsung Galaxy S4 mit Android 4.4.2, das offiziell in der Liste der unterstützten Smartphones aufgeführt ist, treten bei uns keinerlei Verbindungsprobleme auf. Mit einem Huawei Ascend Mate 7 dagegen wollte sich die Basis Peak nur genau ein einziges Mal synchronisieren und dann nie wieder.

Das Webinterface unter app.mybasis.com bietet im Wesentlichen die gleichen Auswertungsfunktionen wie die App. Sie nutzt allerdings den auf dem größeren Bildschirm zur Verfügung stehenden Platz und bereitet die Daten optisch ansprechender auf. Zusätzliche Funktionen, die über den Umfang der App herausgehen, gibt es hier leider nicht. Es macht aber trotzdem Spaß, sich durch die vergangenen Tage und Wochen zu klicken und seine mehr oder weniger vorhandenen Aktivitäten und Errungenschaften zu bewundern.

Das Webinterface bietet ein paar spannende Möglichkeiten, sich noch einmal die Errungenschaften der vergangenen Tage und Wochen anzusehen.

Eine weitere wirklich nette Idee von Basis sind die Routinen. Dabei handelt es sich quasi um Ziele, die sich der Nutzer stecken kann, beispielsweise „Sitze nicht herum“. Hier soll sich der Nutzer regelmäßig bewegen, und bekommt, so er das in die Praxis umsetzt, regelmäßig lobende Worte von der Anwendung. Außerdem gibt es Routinen, die zum früheren Einschlafen, regelmäßigeren Bewegen oder höheren Kalorienverbrauch animieren.

Für jede erfüllte Routine bekommt der Nutzer Punkte gutgeschrieben und kann schließlich hochleveln und bekommt mit fortschreitenden Levels mehr Slots für Routinen. Fitness-Gamification sozusagen. Die Idee ist sehr nett, in der Anwendung aber leider viel zu unübersichtlich umgesetzt. Man sieht gar nicht genau, wie viele Punkte es für was gibt, und auch der erreichte Level ist nur in der Browseransicht des Accounts sichtbar. Eine detaillierte Erklärung, wie das mit dem Fortschritt funktioniert, gibt es hier leider auch nicht.

Die Basis Peak zeigt diverse Benachrichtigungen vom verknüpften Smartphone an, beispielsweise zu eingehenden Anrufen oder SMS. Außerdem erhält der Nutzer Infos auf die Uhr, wenn er bestimmte Routinen erfüllt hat. Zur Benachrichtigung dient jeweils ein Vibrationsalarm, der sich aber auch abschalten lässt. Einen Lautsprecher hat die Basis Peak nicht integriert.

Keine Frage: Für 229 Euro bekommt der Nutzer bei der Basis Peak ausgezeichnete Hardware. Und so viele tolle Ideen der Hersteller auch bei der Software hat, so viele Schwächen gibt es leider auch noch. Sowohl die Smartphone-App als auch das Webinterface schöpfen bei weitem nicht die Möglichkeiten aus, die sich anhand all der gemessenen Daten eigentlich ergeben.

Für diejenigen, deren sportlicher Horizont Laufen, Joggen und Radfahren übersteigt, ist die Basis Peak derzeit leider auch noch eher enttäuschend. Es gibt keinerlei Option, händisch Workouts hinzufügen oder auch nur die automatisch angelegten Trainingssessions zu bearbeiten.

Wer mit den im Testbericht genannten Einschränkungen leben kann, findet in der Basis Peak sicherlich eine gelungene Fitness-Smartwatch. Allen anderen würde ich empfehlen, mit dem Kauf zu warten. Der Hersteller hat uns gegenüber zwar Software-Updates bestätigt, doch wann und mit welchen Neuerungen diese kommen, ist derzeit noch völlig unklar.

Eine interessante Alternative zur Basis Peak ist die FitBit Surge. Die Smartwatch überzeugt mit einer übersichtlicheren App, ermöglicht ein händisches Anlegen von Workouts und bietet dank integriertem GPS-Modul auch die Möglichkeit, die Lauf- oder Radlgeschwindigkeit zu messen. Wenn die Intel-Tochter bei der Software noch nachlegt, sieht die Welt aber schnell wieder anders aus.

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