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Asus Zenfone 6: Topmodell mit Flip-Kamera im Test

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Mit einer schwenkbaren Kamera und einem Kampfpreis will das Asus Zenfone 6 der Flaggschiff-Killer werden. Im Test überzeugt das Smartphone.

Asus hat es in Deutschland nicht leicht. Jeder kennt vermutlich die PC-Komponenten, auf diesem Sektor hat sich der Hersteller hierzulande einen Namen gemacht. Bei Smartphones ist das anders, Asus-Modelle gelten hier als Exoten. Dabei baut das Unternehmen gute Smartphones, wie es bereits im vergangenen Jahr mit dem Zenfone 5 (Testbericht) als ordentliches Budget-Modell bewiesen hat. Schon damals durfte man die Richtigkeit einiger Entscheidungen bei dem Modell anzweifeln, das ist auch beim neuen Zenfone 6 nicht anders. Immerhin sind Z- und Lite-Version entfallen und das Portfolio wird entschlackt.

Unser Testgerät in der Farbe „Midnight Black“ sieht unspektakulär aus. Die Front überzeugt mit guter Display-zu-Gehäuse-Rate, die Ränder rings um den Screen sind ausreichend schmal geraten. Eine Notch gibt es nicht, die Frontkamera hat der Hersteller auf der Rückseite untergebracht. Das kling widersinnig, doch die Kamera schwenkt dank eines motorbetriebenen Mechanismus von der Rückseite auf die Front. Das lässt sich beim Blick auf die Rückseite nur erahnen. Zwar sieht man – wenn man es weiß – die Stelle, an der die Schwenkmechanik ins Gehäuse versenkt ist, doch das könnte auch als Designmerkmal der ansonsten eher schmucklosen Rückseite durchgehen. Außer einem vergleichsweise kleinen Fingerabdrucksensor und einigen metallisch blauen Schriftzügen gibt es hier nämlich nichts zu sehen.

Schlichte Rückseite. Die Schwenkkamera erkannt man erst auf den zweiten Blick.

Den bläulichen Farbton findet man als hauchfeine Einfassung der Power-Taste wieder, die mittig auf der rechten Seite des Metallrahmens mit schicker Schliffkante platziert wurde. Sie ist mit dem Daumen gut zu erreichen. Sowohl diese, als auch die darüber installierte Lautstärkewippe und die nochmals höher positionierte Assistant-Taste wackeln nicht und weisen einen optimalen Druckpunkt und Tastenhub auf. Die oberste Taste lässt sich allerdings nur mit Verrenkungen erreichen. Die generelle Verarbeitungsqualität ist hoch, der Schwenkmechanismus der Hauptkamera war bei unserem Testgerät allerdings nicht ganz mittig installiert, sodass sich im eingefahrenen Zustand auf der Rückseite leicht unterschiedliche Spaltmaße zeigten.

Blau eingefasste Power-Taste, in der MItte die Lautstärkewippe, rechts die Smart-Taste.

Das Display-Glas auf der Front ist zu den Rändern hin leicht abgerundet. Das Glas der Rückseite ist spür- und sichtbar gewölbt und passt sich damit der natürlichen Form der Hand an. Im Zusammenspiel mit dem angeschliffenen und ansonsten abgerundeten Rahmen liegt das Asus Zenfone 6 trotz seines hohen Gewichts von 190 Gramm und der Größe von 159,1 × 75,4 × 9,1 Millimeter gut in der Hand. Die Kameraeinheit auf der Rückseite steht leicht hervor, scheint aber mit der mitgelieferten Schutzhülle abzuschließen. Dem ist leider nicht ganz so – auf flacher Oberfläche liegt die Kamera immer noch leicht auf.

Das IPS-LCD des Zenfone 6 hat eine Display-Diagonale von 6,4 Zoll und bietet eine Auflösung von 2340 × 1080 Pixel. Damit erreicht der Screen eine ordentliche Bildschärfe von knapp über 400 Pixel pro Zoll. Neben einer 96-Prozentigen Abdeckung des NTSC-Farbraumes verspricht der Hersteller auch HDR10-Unterstützung. Geschützt wird das Panel von Gorilla Glas 6. Im Vergleich zu OLED-Displays erscheint die Farbwiedergabe auf den ersten Blick etwas blass, tatsächlich wirkt sie damit aber sehr natürlich. Farbintensität und Farbtemperatur dürfen ansonsten an die eigenen Wünsche angepasst werden, für die Nachtstunden gibt es außerdem einen Blaufilter.

Randloses Design ohne Notch und ein ordentliches Display.

Ein echtes Always-on-Display fehlt, neue Nachrichten werden aber zumindest einige Sekunden lang im Standby eingeblendet. Die vom Hersteller angegebene Display-Helligkeit können wir nicht bestätigen, statt der 600 cd/m² haben wir im Display-Zentrum rund 470 cd/m² gemessen. Zudem ist uns eine recht ungleichmäßige Helligkeitsverteilung aufgefallen, die je nach Position auf dem Display zwischen 430 und 470 cd/m² schwankte. Im Alltag reicht aber die Helligkeit dank guter Blickwinkelstabilität auch im Freien aus.

Es wurde bereits angesprochen: Die Kamera des Zenfone 6 von Asus ist zweifelsfrei das Highlight. Das liegt weniger an der Kamera selbst, sondern viel mehr daran, dass sie per Motor nach vorne klappt und dann zur Frontkamera wird. Doch der Reihe nach: Die Kamera besteht aus einer Hauptkamera mit 48 Megapixel, f/1.8-Blende und effektiver Pixelgröße von 1,6 µm. Der Sensor stammt von Sony, es handelt sich um den IMX586, der auch in in Modellen wie dem Honor 20 Pro oder dem Oneplus 7 Pro steckt.

Mit der Hauptkamera werden Fotos normalerweise mit 12 Megapixel geknipst, mittels Quad-Bayer-Technologie werden immer die Informationen aus vier Pixel in einem Pixel zusammengefasst. Das soll die Bildqualität besonders bei wenig Licht verbessern. Fotos mit vollen 48 Megapixel sind auch möglich. Die zweite Kameralinse erlaubt Ultra-Weitwinkelaufnahmen mit 125 Grad Blickfeld, einer Bildgröße von 13 Megapixel und Verzerrungskorrektur in Echtzeit. Ein Dual-LED-Blitz erhellt die Szenerie bei zu wenig Licht auf kurze Distanz.

Die Hauptkamera ist gleichzeitig Frontkamera, sie lässt sich stufenlos per Motor schwenken.

Da beide Kameralinsen nach vorne geklappt werden können, wird keine zusätzliche Frontkamera benötigt. Das sorgt dafür, dass Selfies, die sonst bei Smartphones qualitativ immer schwächer als Bilder der Hauptkamera sind, richtig gut aussehen. Die Bokeh-Funktion ist in Ordnung, treibt man es mit der künstlichen Unschärfe des Hintergrundes auf die Spitze, schleichen sich schnell Bildfehler ein. Einziger Unterschied zwischen Haupt- und Frontkameraposition: Als Rückkamera lassen sich automatisierte Panoramas erstellen, außerdem kommen bis zu 16 KI-Funktionen zur Verbesserung der Bildqualität zum Einsatz. Beim Einsatz als Frontcam ist das nicht so.

Insgesamt sind Aufnahmen mit der Hauptkamera bei ordentlichem Licht richtig klasse. Dank HDR+ stimmt die Bilddynamik meistens, nur gelegentlich brennen helle Bildbereiche aus. Die Bildschärfe ist auf den ersten Blick hoch, vergrößert man einzelne Bereiche nachträglich, fällt hier die sehr homogene Nachbearbeitung der Kamera-Software auf. Dadurch wirken Fotos nicht überzeichnet, gleichzeitig aber auch nicht so scharf. Die zweifache Vergrößerung lässt wie bei Huaweis Hybridzoom wenig Qualitätsverlust erkennen. Mit der Weitwinkellinse sinken Bildschärfe und Detailreichtum im Vergleich zur Hauptlinse klar ab, zudem kommt selbst bei gutem Licht erkennbares Bildrauschen hinzu. Das fällt vor allem in der Vergrößerung auf, im Vollbild geht die Qualität noch in Ordnung.

Gute Werte, aber bei wenig Licht kaum zu gebrauchen: Die Schwenkkamera des Zenfone 6.

Mit schwindendem Licht nimmt auch die Bildqualität rapide ab – da kann auch der spezielle Nachtmodus nichts dran ändern, der eine Dauerbelichtung vornimmt. Fotos werden damit zwar aufgehellt, die Bildschärfe wird aber selbst mit Stativ nur wenig besser und es schleicht sich starkes Bildrauschen ein. Bisweilen sehen dann sogar Fotos im normalen Modus besser aus, weil sie weniger Bildrauschen produzieren und dadurch natürlicher wirken. Sie geraten aber meist zu dunkel. Der Pro-Modus erlaubt wie immer nachts bei unbewegten Motiven und unter Zuhilfenahme eines Statives die besten Aufnahmen, verlangen aber einiges an Rumprobieren.

Kamera komplett ausgefahren in Selfie-Stellung (mit gedrehtem Display-Inhalt).

Gut gefallen haben uns Videos mit dem Asus Zenfone 6. Die lassen sich in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen und sind dann schön scharf. Mangels optischem Bildstabilisator setzt der Hersteller in allen Videoformaten auf elektronische Bildstabilisierung – und die ist richtig gut! Hinzu kommt ein überraschend voller Ton bei Videos. Lediglich auf motorisierte Schwenks der Kamera sollte man verzichten, da die Motorgeräusche von den empfindlichen Mikrofonen mit aufgefangen werden.

Apropos Schwenkkamera: Es lassen sich damit „automatisch“ Panoramen aufnehmen und auch eine Objektverfolgung bei Videos ist möglich – zumindest in eine Richtung. Zudem darf man die Kamera in der Kamera-App entweder per Soft-Button oder über die Lautstärkewippe in jede beliebige Position ausfahren. Das soll eine Erleichterung für den Fotografen sein. Wirklich nötig ist dieses Feature allerdings nicht.

Lediglich Nutzer, die oft Selfies oder Videos von sich aufnehmen, profitieren wegen der guten Bildqualität von diesem Feature des Zenfone 6. Demgegenüber steht allerdings die berechtigte Befürchtung, dass dieser Mechanismus vor Ablauf der Smartphone-Lebenszeit den Dienst quittiert. Tatsächlich machte der Schrittmotor unseres ersten Testgerätes in der jeweiligen Endposition der Kamera Geräusche, als wolle der Motor trotzdem noch weiter drücken. Ein zweites Testgerät wies dieses Verhalten nicht mehr auf. Hoffnung auf große Langlebigkeit macht das aber nicht. Immerhin wird die Kamera blitzschnell eingefahren, wenn das Smartphone anhand diverser Sensoren bemerkt, dass es sich im freien Fall befindet.

Das Zenfone 6 reiht sich in die schnelle Riege der Snapdragon-855-Smartphones ein. Der aktuelle Spitzenchip verhilft dem Smartphone zu grandiosen 398.000 Punkten im Antutu-Benchmark, das ist ein Spitzenwert. Je nach Version 6 oder 8 GByte RAM sind ebenfalls ordentlich und eines Topmodells angemessen. Multitasking ist damit kein Problem, derzeit gibt es nichts, was den Chipsatz an seine Grenzen bringen würde. Apps kommen in den – ebenfalls je nach Version – 64, 128 oder sogar 256 GByte großen internen UFS-2.0-Speicher. MicroSD-Karten werden bis zu einer Größe von 2 TByte unterstützt, auch wenn es aktuell nur Speicherkarten bis 1 TByte zu kaufen gibt. Wer eine passende Speicherkarte sucht, sollte einen Blick in unsere Kaufberatung zu Speicherkarten für Android werfen.

Bei den meisten Verbindungsstandards ist das Asus Zenfone 6 grundsätzlich gut aufgestellt. Es gibt WLAN ac mit 2,4 und 5 Ghz, Bluetooth 5.0, NFC und ein Ortungsmodul, das sich auf GPS, GLONASS, BDS, GALILEO und QZSS versteht. GPS, BDS und QZSS unterstützen sogar die genauere Dualband-Ortung. Nützlich ist die Möglichkeit, zusätzlich zur MicroSD-Karte zwei Nano-SIMs in den fragil wirkenden Kartenschlitten einlegen zu können. Leider wird dieser Vorteil durch die geringe Zahl unterstützter LTE-Frequenzen wieder relativiert, gerade in Asien und den USA ist das Band-Angebot deutscher Geräte eingeschränkt. Der USB-Typ-C-Anschluss beherrscht nur USB-2.0-Geschwindigkeit.

Trotz seiner geringen Größe verrichtet der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite seine Arbeit vorbildlich. Falscherkennungen gab es im Testzeitraum so gut wie gar nicht, er entsperrte das Smartphone schnell und direkt. Die Möglichkeit, das Zenfone 6 per Gesichtserkennung zu entsperren, sollte man sich aus zwei Gründen gut überlegen: Einerseits ist so eine 2D-Gesichtserkennung vergleichsweise unsicher, zudem dauert die beim Asus-Modell etwas länger als sonst, weil die Kamera erst noch ausklappen muss. Der Assistenz-Knopf am oberen rechten Gehäuserand, von Asus „Smart-Taste“ genannt, ist zwar ohne Umgreifen oder zweite Hand nicht zu erreichen, kann aber durchaus hilfreich sein. Er ist dreifach belegt: einmal Tippen ruft den Google Assistant auf, zweimal Drücken zeigt persönliche Termine und Meetings, Gedrückthalten macht das Gerät bereit für Spracheingaben. Alternativ schaltet ein Druck Anrufe und Benachrichtigungen Stumm, auf Vibration oder aktiviert den Ton, doppelter Druck schaltet die Taschenlampenfunktion an oder aus und Gedrückthalten erstellt einen Screenshot. Eine freie Belegung ist nicht möglich.

Energie bezieht das Asus Zenfone 6 aus einem 5000 mAh starken Akku – das ist eine ganze Menge. Anzusehen ist es dem Smartphone nicht, die Zeit pummeliger Akkumonster ist zum Glück vorbei. Insgesamt zeigt das Asus-Modell starke Laufzeiten, die für Normalnutzer gute zwei bis drei Tage ohne Nachladen bedeuten. Selbst Poweruser werden problemlos über den Tag kommen, sofern sie die Leistung des Prozessors nicht ständig voll abfragen. In unserem Videotest hielt das Topmodell von Asus fast 15 Stunden durch – stark. Ein so großer Akku braucht Zeit zum Laden: Trotz Quickcharge 4.0 dauert eine vollständige Ladung etwas über 2 Stunden. Kabellos nimmt das Zenfone keinen Strom auf.

Das Asus Zenfone 6 (ZS630KL) gibt es in Schwarz und Silber in Konfigurationen ab 6 GByte RAM und 64 GByte internem Speicher zur UVP von 500 Euro. Weiterhin gibt es das Zenfone 6 mit 6/128 GByte und 8/256 GByte Speicher für 560 und 600 Euro. Zum Testzeitpunkt war nur die Version mit 6/128 GByte verfügbar und kostete ab 549 Euro.

ASUS ZenFone 6 ZS630KL 128GB midnight black

ASUS ZenFone 6 ZS630KL 128GB twilight silver

Asus hat mit dem Zenfone 6 ein richtig tolles Smartphone auf die Beine gestellt. Bei einem überraschend niedrigen Herstellerpreis bietet es viel Technik. Gerade für Instagrammer oder Tiktoker, die sich oft selbst filmen oder knipsen, ist das Modell dank seiner schwenkbaren Kamera hervorragend geeignet. Für alle anderen ist sie entweder ein cooles Gimmick oder ein weiteres Teil, das kaputt gehen könnte – das muss jeder selbst entscheiden.

Trotz der Schwenkkamera, die bei gutem Licht tolle Aufnahmen macht, des ordentlichen Displays, viel Speicher und dem aktuell schnellsten Prozessor ist das Zenfone 6 aber kein echter Flaggschiff-Killer – zumindest keiner, der Huawei P30 Pro (Testbericht), Samsung Galaxy S10+ (Testbericht) und Co. gefährlich werden könnte. Langsamer USB-Port, kein perfektes Display, keine Spitzenkameraqualität, zu wenige LTE-Bänder – im Detail reicht das einfach nicht, wenn man die derzeitigen Spitzen-Phones der Marktführer als Vergleich heranzieht.

In letzter Konsequenz ist auch der niedrige Preis für eine bedenkenlose Kaufempfehlung nicht ausreichend. Denn die Technik des Asus-Modells gibt es bis auf die schwenkbare Kamera im Xiaomi Mi 9 (Testbericht) schon für unter 300 Euro, das Honor 20 Pro (Testbericht) bietet zum Zenfone-Preis deutlich bessere Technik.

Für sich allein gesehen ist das Asus Zenfone 6 ein gutes Smartphone, in Relation zur Konkurrenz bleibt letztendlich aber vor allem die coole Schwenkkamera das Kaufargument. Besser wäre es wohl gewesen, entweder noch mehr Technik zum gleichen Preis in das Gerät zu stecken, oder einen niedrigeren Preis für das Modell aufzurufen. Der Mittelweg, für den sich Asus entschieden hat, war keine glückliche Entscheidung.

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