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Aria Pro im Test: Bester ANC-Kopfhörer unter 100 Euro?

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Der Kopfhörer Aria Pro von Avantree lockt mit einem Preis von unter 100 Euro, AptX LL, AptX HD und einer aktiven Geräuschunterdrückung. TechStage hat ihn getestet.

Die besten ANC-Kopfhörer, wie der Testsieger Sony WH-1000XM4 (Testbericht), sind mit Preisen jenseits der 300 Euro sehr teuer. Das es auch günstiger geht, zeigen wir im Ratgeber ANC-Kopfhörer unter 100 Euro: Das können die Budget-Modelle. In diesem Einzeltest setzten wir uns mit den Mittelklassemodell Avantree Aria Pro auseinander. Der On-Ear-Kopfhörer hat trotz seines moderaten Preises einige interessante Features an Bord. Wir testen, ob sich der Kauf lohnt.

In der Verpackung des Aria Pro liegt neben der Anleitung die Transporttasche inklusive Kopfhörer und Zubehör. Die Kunstledertasche schützt den ANC-Kopfhörer beim Transport und bietet ausreichend Platz für das beigelegte Micro-USB-Kabel zum Aufladen, das Klinkenkabel und den abnehmbaren, flexiblen Mikrofonarm.

Die beiden Ohrmuscheln des schwarz-grauen On-Ear-Kopfhörers sind dreh- und klappbar, was ein kompaktes Packmaß ermöglicht. Das geringe Gewicht von 231 Gramm ist darauf zurückzuführen, dass der Kopfhörer hauptsächlich aus Kunststoff besteht. Lediglich ein Teil des Kopfbandes und die Drehgelenke bestehen aus Metall. So sind die am meisten belasteten Teile ausreichend stabil und der Aria Pro angenehm leicht.

Das durch eine Kunststoffabdeckung und ein Kunstlederpolster geschütztes Kopfband ist beidseitig in der Länge verstellbar. Die nicht austauschbare Polsterung der Ohrmuscheln ist sehr weich und ebenfalls mit Kunstleder überzogen.

ANC-Kopfhörer: Avantree Aria Pro (9 Bilder)

So kommt der Kopfhörer beim Kunden an.

Auf der Unterseite des Kopfhörers sitzen Taster für die Bedienung, die Buchsen für das Micro-USB-Kabel und die Klinkenbuchse für Audioübertragung oder Mikrofon. Da nur ein Klinkenanschluss vorhanden ist, muss sich der Nutzer entscheiden, ob er das externe Mikrofon oder das Klinkenkabel anschließen will. Beides gleichzeitig ist nicht möglich. Im Kabelbetrieb funktioniert auch das interne Mikrofon nicht, denn der Betrieb per Kabel ist letztendlich nur eine Notlösung bei leerem Akku. Auf der rechten Seite sitzen der USB-Anschluss, die Tasten für Lautstärke, Play/Pause und ein Schiebeschalter zum Ein- und Ausschalten. Ein langer Druck auf die Lautstärketasten spult ein Lied vorwärts oder zurück.

Unterhalb der linken Ohrmuschel sind eine Mute-Taste, eine Taste für Anrufe und Sprachassistenten, die Klinkenbuchse und ein Schiebeschalter für die Aktivierung der ANC-Funktion zu finden.

Insgesamt erinnert das Design des Kopfhörers an die WH-1000XM-Serie von Sony. Von einem Klon würden wir allerdings nicht sprechen, dafür sind die Unterschiede, wie die Hersteller-Logos auf den Seitenteilen, zu offensichtlich. Die Verarbeitung des Aria Pro ist insgesamt ausreichend, aber nicht hochwertig. So sitzt beispielsweise die Stoffbespannung der Lautsprecher nicht straff, was einen billigen Eindruck hinterlässt. Der matte Kunststoff hat zudem keine besonders hochwertige Haptik und Fingerabdrücke sind schnell sichtbar. Immerhin ist die Gesamtkonstruktion stabil und es klappert nichts.

Der Aria Pro verfügt über ein internes Mikrofon und das ansteckbare Boom-Mikro, welches für eine bessere Sprachqualität sorgen soll. Für die Audioübertragung ist entweder ein klassisches 3,5-mm-Klinkenkabel oder Bluetooth 5.0 zuständig.

Neben der aktiven Geräuschunterdrückung stechen die in dieser Preisklasse nur selten verfügbaren Audio-Codecs hervor. Neben dem Standard-Codec SBC sind auch AptX HD und AptX LL verfügbar. Um die annähernd latenzfreie Übertragung jener Codecs nutzen zu können, müssen diese auch vom Abspielgerät unterstützt werden.

Die Einrichtung der Bluetooth-Verbindung funktioniert im Test mit verschiedenen Endgeräten problemlos. Das gilt ebenfalls für die Bedienung, wobei wir die Reaktion der Tasten als einen Tick zu empfindlich einschätzen.

Gerade bei elektronischer Musik gefällt uns der Sound des Avantree-Kopfhörers sehr gut. Bei Christian Löfflers Sun oder The Vanishing Of Peter Strong von Yellow ist der Kopfhörer voll in seinem Element und kann mit warmen und druckvollen Bässen auch bei voller Lautstärke überzeugen. Hoch- und Mitteltonbereich setzen sich ausreichend gut durch und so kommt hier richtig Stimmung auf.

Auch Hiphop und R&B machen mit dem Aria Pro viel Freude – allerdings nur bis knapp unterhalb der maximalen Lautstärke. Bei Say You Love Me von Chris Brown beispielsweise kommt der Bass bei höchster Lautstärke an seine Grenzen und beginnt dann unsauber zu klingen. Zwar scheppert hier nichts, aber schön ist anders.

Bei klassischer Musik oder großem Orchester schneidet der Aria Pro mit den Standard-Settings nur mittelmäßig gut ab. Hier können sich insbesondere die mittleren Tonregionen nicht ausreichend durchsetzen und so fehlt es an Differenzierbarkeit.

Am Ansteck-Mikrofon ist ein zusätzlicher Mute-Schalter vorhanden.

Zum Zocken ist der Kopfhörer dank der Codecs AptX HD und AptX LL sehr gut geeignet. Wer ein entsprechend ausgestattetes Gerät, in unserem Fall ein Huawei P20 Pro, nutzt, spürt keinerlei Verzögerungen. Zum Fernsehen mit einem entsprechenden Bluetooth-Adapter ist der Aria Pro somit ebenfalls bestens geeignet. Bei Smartphones ohne die AptX-Codecs kommt es zu einer spürbaren Latenz, was sowohl beim Gaming als auch beim Ansehen von Filmen störend ist.

Die Soundqualität des Aria Pro ist alles in allem sehr ordentlich. An die in allen Situationen erstklassige Soundqualität eines Sony WH-1000XM4 oder eines Momentum 3 von Sennheiser kommt dieses Mittelklassemodell aber nicht heran. Bei nur knapp einem Drittel des Preises ist dies wenig verwunderlich. Insgesamt ist der Kopfhörer sehr basslastig. Das muss nicht schlecht sein, ist aber von der Musikrichtung und dem jeweiligen Song abhängig. Bei Bedarf kann man problemlos per Equalizer gegensteuern und so noch deutlich mehr Soundqualität herausholen.

Die Sprachqualität des internen Mikrofons ist ausreichend aber ganz klar im unteren Mittelfeld anzusiedeln. Zum Zocken nutzen wir deshalb das sogenannte Boom-Mikrofon, welches die Sprachqualität spürbar verbessert. Mit dem externen Mikrofon wirkt die Stimme klar und natürlich. Lediglich beim Herausfiltern von lauten Hintergrundgeräuschen kann weder das interne noch das aufsteckbare Mikrofon überzeugen.

Die aktive Geräuschunterdrückung funktioniert bei monotonen tiefen Hintergrundgeräuschen spürbar und erfreulich gut. Die Wachmaschine, das Brummen des Rasenmähers drei Häuser weiter oder Ähnliches sind dann nur noch minimal bis gar nicht zu hören. Beim Unterdrücken von lauten Stimmen oder des laufenden Fernsehers tut sich der Aria Pro allerdings schwer und schneidet klar schlechter ab als die Highend-Geräte von Sony oder Sennheiser. Im Vergleich zur Geräuschunterdrückung von True-Wireless-Kopfhörern, wie dem Sennheiser Momentum True Wireless 2 (Testbericht), funktioniert das ANC des Aria Pro trotzdem gut. Das liegt allerdings hauptsächlich an der Bauform und der stärkeren Dämpfung durch die dicken Ohrpolster. Insgesamt macht der Kopfhörer in dieser Disziplin einen ordentlichen Job.

Die Kopfhörer sind auch über einen längeren Zeitraum bequem.

Durch das geringe Gewicht und die sehr weiche Polsterung ist der Kopfhörer sehr unauffällig und bequem. Auch mehrstündige Musiksessions sind mit dem Gerät problemlos möglich. Die Durchlüftung der Polsterung ist ausreichend und so kommt es beim Test trotz sommerlicher Temperaturen zu keiner Schweißbildung. Allerdings sollten die Ohren nicht extrem groß ausfallen, denn dafür sind die Polster nicht ausreichend dimensioniert, was dann unbequem sein dürfte.

Der interne Lithium-Akku soll laut Hersteller gut 24 Stunden lang durchhalten. In der Praxis mit gelegentlicher Nutzung von ANC sind es allerdings eher 15 bis 20 Stunden. Für den Alltag ist das locker ausreichend. Ein echter Langläufer ist der Aria Pro damit allerdings nicht. Das vollständige Aufladen per Micro-USB-Kabel dauert knapp über eineinhalb Stunden.

Die Reichweite des Kopfhörers liegt bei knapp 10 Metern auf freiem Feld. Innerhalb von Gebäuden kann sie allerdings deutlich geringer sein. Ein Gang ins Nebenzimmer klappt während des Tests ohne Abbruch oder auftretende Störungen.

Die Sprachübertragung funktioniert nur bei der Nutzung von Bluetooth.

Der Avantree Aria Pro ist zum Testzeitpunkt für 90 bis 100 Euro erhältlich und gehört somit zu den Mittelklassekopfhörern. Die Ausstattung mit ANC und AptX-Codecs ist in dieser Preisklasse eine Seltenheit.

Uns gefällt der Aria Pro trotz minimalen Schwächen bei hoher Lautstärke und der Haptik sehr gut. Insbesondere die sehr gute Ausstattung hinsichtlich der Codecs, der ordentliche Sound und die Möglichkeit, im Falle eines leeren Akkus auf Klinkenkabel auszuweichen, machen den Kopfhörer zu einem echten Multitalent zum fairen Preis.

Wer einen bezahlbaren Allrounder für Musik, Gaming und Telefonie sucht, bekommt hier ein erfreulich gutes Gerät, welches den Preis von knapp unter 100 Euro wert ist.

Kommt es hauptsächlich auf erstklassige Klangqualität und perfekt harmonische Soundmischung an, sind Markengeräte von echten Audio-Spezialisten vorzuziehen. Hier würden wir beispielsweise den Sony WH-1000XM3 (Testbericht), unseren Testsieger in der Klasse unter 250 Euro, als Beispiel nennen. Auch wer auf hochwertige Optik und Haptik Wert legt, ist mit anderen Geräten besser bedient und sollte einen Blick auf unseren Artikel Testsieger: Diese Kopfhörer sind die Besten ihrer Klasse werfen.

Geht es lediglich um die aktive Geräuschunterdrückung in Kombination mit einem möglichst niedrigen Preis, empfehlen wir den Artikel ANC-Kopfhörer unter 100 Euro: Das können die Budget-Modelle.

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist In the name of the review zu finden.

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