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Arcade-Feeling: Retro-Konsole Pandora's Box im Test

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Zocken wie früher an den Arcade-Automaten im Italienurlaub: Dieses Feeling verspricht die Retro-Konsole Pandora's Box. Ob die verhältnismäßig teure Konsole tatsächlich für Arcade-Atmosphäre sorgt, haben wir getestet.

Unser Testmodell hört auf den Namen Pandora's Box 4S. Fast oder oder ganz baugleiche Konsolen gibt es allerdings auch unter anderen Namen und Versionsbezeichnungen wie beispielsweise 5S oder schlicht Plus. Auch die Designs unterscheiden sich. Die Ausstattung ist aber vergleichbar.

Unsere Box ist 64 Zentimeter breit, 22 Zentimeter tief und gut 12 Zentimeter hoch – ein Riese im Vergleich zu modernen Konsolen wie PlayStation Slim oder Nintendo Switch. Das Gehäuse besteht aus Metall, die mit einem Kung-Fu-Kämpfer verzierte Oberplatte aus Kunststoff. Auf der Oberseite sitzen zwei einfache Arcade-Sticks und jeweils acht Drucktaster. Da die Konsole für zwei Spieler konzipiert ist, stehen jedem Player ein Joystick, sechs Aktionstasten, ein Start-Button und eine Coin-Taste für den virtuellen Münzeinwurf zur Verfügung.

Der Lieferumfang umfasst sogar alle nötigen Anschlusskabel.

Links und rechts hat das Gehäuse Öffnungen zur Kühlung der Hardware. Auf der Rückseite der Konsole sitzen alle verfügbaren Anschlüsse: zwei USB-Ports, HDMI- und VGA-Schnittstellen sowie der Anschluss für das beiliegende 12-Volt-Netzteil. Der Ein-Aus-Schalter, ein Rädchen zur Lautstärkeregelung und der kleine Menü-Button sind ebenfalls hier verbaut. Das Gewicht ist erstaunlich hoch und sorgt dafür, dass die Konsole auch bei intensiven Zock-Runden sicher und stabil steht.

An Zubehör liegen ein USB-Kabel für Updates, ein HDMI- und ein VGA-Kabel sowie das passende Netzteil bei; für einen guten Eindruck sorgen die zwei Ersatzknöpfe im Lieferumfang der sehr ordentlich verpackten Konsole. Die Verarbeitung ist wirklich hochwertig, die Haptik der Knöpfe und Sticks wirken zu 100 Prozent authentisch. Wer die Konsole sieht, geht auch im ausgeschalteten Zustand fast zwangsläufig darauf zu und drückt einfach mal die Knöpfe. Das laute Klicken weckt alte Erinnerungen.

Die Verarbeitung ist gut. Die Anschlüsse sind einfach zu erreichen.

Die Konsole emuliert alte Arcade-Automaten aus den 80er und 90er Jahren. Auf unserem Modell sind kaum fassbare 800 Spiele installiert, andere Modelle bieten sogar noch Games. Bei unserer Version haben wir schon alle uns bekannten Arcade-Lieblinge wiedergefunden. Bubble Bubble, Boulder Dash, Frogger, Gunsmoke, Pac-Man in verschiedensten Varianten, Donkey Kong, Karate Kid, Magic Puzzle, 1944 und Nachfolger, Dr. Mario, Turtles oder die komplette Metal-Slug- oder Street-Fighter-Reihe sind nur einige der Titel, die uns sofort ins Auge springen.

Der Anschluss der Konsole ist selbsterklärend und einfach. Für den Betrieb wird das Netzteil eingesteckt und angeschlossen und die Konsole per HDMI an einen Fernseher oder per VGA an einen Monitor angesteckt. Los geht's. Genau das ist auch der Vorteil gegenüber Bastellösungen mit Emulatoren auf dem PC oder dem Raspberry: Kein basteln, sondern einschalten und loslegen – mit dem richtigen Gefühl in den Händen.

Jeder der zwei Spieler hat die selben Bedientasten und einen Joystick.

Ob die verwendeten Spiele durch den Hersteller lizenziert sind oder ob sich das Unternehmen frei an zum Download bereitstehenden ROMs im Internet bedient hat, können wir aktuell nicht beantworten. Unsere Anfragen an verschiedene Händler aus dem In- und Ausland sowie an den Hersteller blieben bislang unbeantwortet. Durch die unterschiedlichen Bezeichnungen der Konsole ist auch unklar, wer der tatsächliche Hersteller der Pandora's Box ist.
Auch alte Spiele unterliegen dem Urheberrecht; Raubkopien sind nicht zulässig – und das gilt selbst dann, wenn die Titel nicht mehr erhältlich sind. Da die Arcade-Box fast zehnmal so teuer ist wie beispielsweise die China-Kopien von SNES Mini und NES Mini, besteht zumindest die realistische Möglichkeit, dass es sich um legale Kopien der Spiele handelt.

Bei der Nutzung eines PC-Monitors per VGA-Kabel ist es praktisch, dass im Inneren der Box ein kleiner Lautsprecher verbaut ist. Dessen Klangqualität ist zwar eher mittelmäßig, bei dem schrägen Arcade-Sound ist das aber zu vernachlässigen. Beim Betrieb am Fernseher erfolgt die Übertragung des Tons per HDMI auf externe Lautsprecher. Der interne Speaker bleibt aber aktiv und zeigt ein nerviges Verhalten: Die Audioausgabe von TV und Konsole sind nicht ganz synchron. In diesem Modus haben wir den Lautstärkeregler der Box auf null gedreht, er beeinflusst nur den eigenen Lautsprecher, aber nicht die Ausgabe per HDMI. Wichtig ist aber, dass der Sound überhaupt eingeschaltet ist. Ohne ihn geht ein Teil der Spielhallen-Atmosphäre verloren. Außerdem überdecken die Klänge den nicht gerade flüsterleisen Lüfter der Pandora's Box.

Direkt nach dem Einschalten braucht die Konsole etwa 20 Sekunden, bis sie betriebsbereit ist. In dieser Wartezeit erscheinen Szenen von eher neuartigen Videogames auf dem Bildschirm. Anschließend landet der Nutzer in der Spiele-Übersicht. Auf der linken Bildschirmseite ist eine Liste aller Spiele zu sehen, auf der rechten Bildschirmhälfte erscheint ein kurzes Vorschauvideo des aktuell ausgewählten Spiels.

Beim Durchblättern der großzügigen Auswahl finden sich sowohl bekannte als auch viele unbekannte Titel. Bei vielen Spielen stehen auch verschiedene Teile oder Varianten zur Verfügung. Die Games, die wir ausprobiert haben haben, liefen alle problemlos; die Sprache der Titel war immer englisch. Verwirrung wegen unklarer Beschriftung mit asiatischen Schriftzeichen wie bei der mobilen Retro-Konsole für 40 Euro (Testbericht) gibt es bei Pandora`s Box nicht.

Die Steuerung mit den analogen Sticks und den kräftig klickenden Tastern klappt gut und präzise. Das Klackern im laufenden Spiel sorgt für freudige Gesichter und echte Retro-Atmosphäre. Egal ob gegeneinander oder miteinander: zu zweit macht das Zocken noch mehr Spaß.

Design und Haptik sorgen für echtes Arcade-Feeling.

Nach einiger Zeit fällt auf, dass irgendetwas fehlt. Nach langer Überlegung ist klar, dass es die unbegrenzte Anzahl an Versuchen ist, die uns irritiert. Am Campingplatz im Urlaub hatte man lediglich ein paar Münzen für einige wenige Runden am Automaten zur Verfügung. Jetzt reicht ein Druck auf die Coin-Taste, damit es weiter geht. Das, was wir uns früher gewünscht haben, ist nun Realität – fühlt sich aber nicht so gut an wie in unseren Jugendträumen. Gerade die Begrenzung durch das Budget macht das Spielen noch spannender und sorgt für einen gewissen Erfolgsdruck.

Wer zumindest einen Teil dieses Feelings herstellen möchte, drückt die Menütaste auf der Rückseite der Box. Hier kann der Nutzer die maximale Anzahl an Wiederholungen begrenzen oder den Schwierigkeitsgrad individuell einstellen. Auch die Spieleliste lässt sich ändern, um beispielsweise Favoriten anzulegen oder Spiele auszublenden. Für den Nutzer uninteressante Titel tauchen dann in der Liste einfach nicht mehr auf. Das Wiederfinden eines Spiels oder die Auswahl eines Games fallen dann sehr viel leichter. Wer Kinder zu Hause hat, profitiert auch davon, da er beispielsweise gewalttätige Titel ausblenden kann. Diese Individualisierung ist nicht nur gut umgesetzt, sondern bietet einen echten Mehrwert.

Neben der guten Verarbeitung der Hardware hat uns auch die Software positiv überrascht.

Pandora\'s Box 4S Arcade

Arcade Konsole

(Kein Produktbild vorhanden)

Arcade Konsole

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Arcade Konsole

Wer in seiner Jugend viel Geld in Spiele-Automaten gesteckt hat, bekommt mit der Pandora's Box die Konsole seiner Träume. Nicht nur das Konzept stimmt, auch die sehr gute Umsetzung der Soft- und Hardware haben uns überzeugt. Auch die Auswahl der installierten Spiele lässt keine Wünsche offen; die Frage nach der Lizensierung der Software bleibt aktuell aber unbeantwortet. Wir bleiben aber an dem Thema dran und beantworten diese Frage, sobald wir ein offizielles Statemant vorliegen haben. Aus diesem Grund bekommt die Arcade-Konsole keine Wertung.

Lediglich der laute Lüfter und der hohe Preis trüben den insgesamt guten Eindruck ein kleines bisschen. Bei Bedarf könnte man den Lüfter aber auch durch einen leiseren ersetzen.

Wenn der Lüfter leiser wäre, gäbe es noch eine bessere Bewertung.

Wer mehr auf klassische Heim-Konsolen steht, sollte sich allerdings einen anderen Retro-Spiele-Computer, wie beispielsweise den Nintendo SNES Mini Classic, zulegen. Die Spieletitel sind zwar teilweise identisch, das Feeling zwischen analogen Stick und Gamepad ist aber doch sehr unterschiedlich.

Wer das Konzept gut findet, kann sich die Hardware auch als DIY-Set bestellen und seinen Arcade-Automaten beispielsweise im Couchtisch verbauen. Die Kosten für die DIY-Variante mit dem fertigen Kit sind allerdings vergleichbar hoch.

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