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Amazon Fire TV Cube im Test: Jeden TV per Sprache steuern

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Der Amazon Fire TV Cube kombiniert Fire TV mit Echo. Auf Zuruf soll er Fernseher, Receiver und Soundsystem steuern. Wie das funktioniert, zeigt der Test.

Schnell mal per Sprachbefehl die aktuelle TV-Sendung pausieren, die Lautstärke regeln oder den HDMI-Kanal am Fernseher wechseln – das war bisher nur umständlich mit Lösungen wie einer Kombination aus Harmony-Fernbedienung und Sprachassistenten möglich. Der Fire TV Cube will das deutlich vereinfachen.

Optisch erinnert der Cube – nun ja – an einen Würfel. Tatsächlich ist er ein Quader, ist er doch 7,5 cm hoch sowie 8,5 cm tief und breit. Auf seiner Klavierlackoberfläche ist jeder Fingerabdruck deutlich sichtbar. Schade, wir hätten uns ein mattes Finish gewünscht. Besonders häufig muss man ihn jedoch nicht anfassen und frisch poliert macht er auf dem Sideboard durchaus was her.

Neben dem Fire TV Cube, einer Fernbedienung mit Batterien, dem Netzteil mit Rundhohlstecker und einer Infrarotverlängerung liegt der Verpackung außerdem ein Ethernet-Adapter für den Micro-USB-Port bei. Bisher musste man den Adapter für 15 Euro dazu kaufen, wollte man zum Beispiel einen Amazon Fire TV Stick 4K (Testbericht) per Kabel mit dem Internet verbinden. Dafür verzichtet Amazon auf das HDMI-Kabel.

Die eigentliche Installation geht flott von der Hand. Einmal mit Strom und über HDMI mit dem TV verbunden, führt das Menü auf dem TV innerhalb von zehn Minuten durch die Installation. Zunächst wählt man dort ein WLAN-Signal für die Internetverbindung, danach steht die Aktualisierung der Firmware an. Nach dem Verknüpfen mit dem Amazon-Konto bekommt der Nutzer die Aufforderung, WLAN-Passwörter für kompatible Geräte freizugeben und eine optionale Kindersicherung zu nutzen. Nun schlägt der Fire TV Cube die Installation einiger Apps aus dem Bereichen Streaming, TV, Sport und Weiteres vor. Youtube und Netflix bietet Amazon wenig verwunderlich nicht an. Diese Apps stehen aber manuell zur Installation bereit.

Die Steuerung des TVs erfolgt automatisch über HDMI CEC (Consumer Electronics Control). Die Verknüpfung mit Receiver und Soundanlage über den integrierten oder den optionalen, über ein 2,3 Meter langes Kabel angebundenen Infrarot-Sender erfolgt im nächsten Schritt. Im Test steuern wir ein Sonos-System. Das klappt ohne Probleme auf Anhieb.

Während der Installation erfolgt noch der Hinweis, dass der Fire TV Cube für einen reibungslosen Betrieb weder in einem geschlossenen Schrank noch nahe den Lautsprechern stehen soll. Außerdem wird empfohlen, dass der Cube in direkter Sichtverbindung zu den angesteuerten Infrarotgeräten steht und mit seiner Vorderseite zum Nutzer ausgerichtet ist.

Ob das heimische Setup vom Cube unterstützt wird, kann man auf dieser Seite checken.

Der Fire TV Cube hat auf seiner Oberseite vier Knöpfe: Einer zum Aktivieren von Alexa, einer zum Taubschalten und zwei für das Regeln der Lautstärke. Ein Leuchtstreifen an seiner Front signalisiert, dass Alexa zuhört. Für die Spracherkennung sorgen acht Mikrofone auf der Oberseite, die in alle Richtungen in den Raum lauschen. Diese funktionieren im Test zuverlässig wie von Amazons Echo-Geräten gewohnt. Auf Wunsch aktiviert der Mikrofonknopf auf der Fernbedienung dessen Zuhörfunktion. Wie gehabt reagiert der Fire TV Cube auch auf das gesprochene "Alexa".

Die Sprachfunktion des Fire TV Cube ist gelungen und macht viel Spaß. Sie ersetzt zwar nicht komplett die Fernbedienung, denn einige Befehle wie Scrollen sind per Sprache umständlich. Dennoch gewöhnt man sich sehr schnell an einfache Befehle wie das Pausieren der Sendung, das Ein- und Ausschalten oder das Zurückspulen für X Sekunden. Das geht verbal schneller, als wenn man zunächst die Fernbedienung vom Couchtisch in die Hand nehmen muss.

Überrascht hat uns die sehr kurze Reaktionszeit auf Sprachbefehle. Amazon konnte sie deutlich verkürzen, indem sie viel verwendete Befehle fest in die Hardware integrieren. So muss Amazon nicht erst den Server fragen und auf Antwort warten; das spart Zeit. Ohne Internetverbindung lässt sich der Fire TV Cube jedoch dennoch nicht verwenden.

Befehl Funktion
Alexa, schalte den Fernseher/Fire TV an/aus schaltet das TV-Gerät und Fire Tv ein oder aus
Alexa, (viel) lauter/leiser reguliert die Lautstärke
Alexa, stumm/nicht stumm schaltet den Fernseher/das Soundsystem stumm/nicht stumm
Alexa, wechsle zu HDMI 1/2/X wechselt den HDMI-Kanal des Fernsehers
Alexa, zeige Sendung XY Zeigt Sendung XY
Alexa, zeige Genre/Schauspieler/Regisseur zeigt Genre/Schauspieler/Regisseur
Alexa, starte App-XY startet App-XY
Alexa, spule x Sekunden vor/zurück spult vor/zurück
Alexa Stop/Pause/Fortsetzen Wiedergabesteuerung
Alexa, zeige Raum XY zeigt verknüpfte Kamera auf dem TV-Bildschirm
Alexa, Spiele das Lied XY spielt Lied XY, wenn TV eingeschatet

Gut funktioniert auch das verbale Öffnen von Apps wie Netflix sowie der ARD-Mediathek und bei verbundenem Soundsystem das Regeln der Lautstärke oder das schnelle Stummschalten. Auch einige Funktionen des TV-Geräts wie das Wechseln des HDMI-Kanals steuert Alexa zuverlässig. Schön ist auch, dass Alexa App-übergreifend nach Sendungen, Genre, Schauspieler und so weiter sucht. Aktuell funktioniert das mit Amazon Prime Video und Netflix. Zukünftig könnte das noch mehr werden, wenn App-Anbieter ihre Kategorien freigeben.

Sollte der Fernseher Programme über einen Receiver wiedergeben, geht die Sprachsteuerung nur mit ausgewählten Modellen, Amazon nennt hier Sky und Magenta TV. Auch lineares Fernsehen, zum Beispiel über einen Kabelanschluss, steuert Alexa nicht. Das geht nur mit TV-Geräten, die Amazon-Technik von Haus aus integrieren. Aktuell unterstützen nur wenige Apps von Drittanbietern die Steuerung per Sprachbefehl. Laut Amazon arbeiten viele App-Anbieter aktuell daran, die Sprachsteuerung zu integrieren.

Ist der Fernseher nicht eingeschaltet, funktioniert der Fire TV Cube beinahe wie ein ganz normaler Amazon Echo. Über einen 40 mm kleinen, nach unten abstrahlenden Lautsprecher sagt er auf Zuruf das Wetter an und steuert Smart-Home-Komponenten wie Heizkörperthermostate (Vergleichstest). Zigbee versteht der Cube im Gegensatz zum Amazon Echo Show (Testbericht) und Amazon Echo Plus (Testbericht) jedoch nicht. Der integrierte Lautsprecher ist schwächer als der Lautsprecher des Amazon Echo Dot 3 (Testbericht). Wohl deswegen spielt er Musik nur bei eingeschaltetem Fernseher ab.

Der kleine Lautsprecher übernimmt, wenn der angeschlossene Fernseher aus ist.

Im Inneren kommt ein nicht näher benannter Hexa-Core-Prozessor unterstützt von 2 GByte RAM und einer ARM Mali G52-MP2 GPU zum Einsatz. Für Apps und Co. stehen 16 GByte Speicher bereit. WLAN funkt der Fire TV Cube mit zwei Antennen (MIMO) mit den Standards 802.11a/b/g/n/ac. Wer will, kann über Bluetooth 5.0 und LE Controller, externe Lautsprecher oder Kopfhörer verbinden.

An Audio-Formaten unterstützt Fire TV Cube unter anderem Dolby Atmos, nicht nur bei Amazon Video, sondern auch bei Netflix. Für die Videowiedergabe kennt der Cube Dolby Vision, HDR10, HDR10+, HLG, H.265 und einige mehr. Die Ausgabe erfolgt bis 4K (2160p) und 60 FPS.

Der Fire TV Cube ist seit dem 10. Oktober 2019 im Handel und kostet zum Marktstart 120 Euro. Wer die Sprachfunktionen nicht vollumfänglich braucht, kann auch zum mit 50 Euro deutlich günstigeren Amazon Fire TV Stick 4K (Testbericht) greifen.

Amazon Fire TV Cube

Amazon Fire TV Stick 4K mit Alexa Sprachfernbedienung (53-008357)

Amazon Fire TV Stick 4K

Auf den Fire TV Cube haben viele gewartet. Denn erstmals ist es mit einem Amazon-Gerät möglich, sehr einfach neben dem Fire-TV-Interface auch Fernseher, Receiver und Soundbar per Sprache zu bedienen. Das wird nicht die Fernbedienung ersetzten, dafür sind einige Sprachbefehle wie "Alexa, scrolle nach unten" zu umständlich. Allerdings gewöhnt man sich an andere wie "Alexa, Pause" oder "Alexa, schalte den Fernseher an" schnell. Insgesamt ist der Preis in Anbetracht des hohen Funktionsumfangs gerechtfertigt.

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