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Amazon Fire HD 8 Plus im Test: Kabelloses Echo Show

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Amazon hat sein kleines 8-Zoll-Tablet neu aufgelegt. Im Wesentlichen ist vor allem eine einzige neue Fähigkeit hinzugekommen – und die macht das Gerät deutlich besser.

Amazon-Tablet sind vor allem eines: günstig. Für die gebotene Technik sind sie meist überraschend billig, denn der Hersteller will nicht mit der Hardware, sondern mit der Software und den angebotenen Diensten Geld verdienen. Auch wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis daher auch in der Vergangenheit bei den Fire-HD-Tablet sehr gut war, richteten sich die Geräte eher an Nutzer mit wenig Ansprüchen bei der eingebauten Technik, denn von Highend waren die Modelle weit entfernt. Für die typischen Grundfunktionen wie Surfen im Netz, Videoschauen und Mails-Checken sind sie hingegen sehr gut geeignet.

Das neue Amazon Fire HD 8 Plus ist da keine große Ausnahme, allerdings erweitert die wichtigste neue Funktion des Tablets, nämlich kabelloses Laden, die Anwendungsmöglichkeiten gravierend.

Einfach, aber nicht billig – zumindest nicht so billig wie der Preis vermuten lässt – fasst das Design des Amazon Fire HD 8 Plus gut zusammen. Das Gerät unterscheidet sich äußerlich nicht vom HD 8, das Plus ist nur unter der Haube zu finden. Die besteht aus schmucklosem, anthrazitfarbenem Kunststoff, lediglich der geschwungene Pfeil, den Amazon als Logo gewählt hat, lockert die Rückseite etwas auf. Das Material wirkt nicht übermäßig hochwertig, erfüllt aber seinen Zweck sehr gut: Es schützt die Innereien, ist griffig und bietet Fingerabdrücken kaum Angriffsfläche.

Dank angenehmer Rundungen aller Kanten fühlt sich das kleine Tablet in der Hand ziemlich angenehm an, auch wenn es mit etwas über 350 Gramm überraschend schwer ist. Nicht einmal 10 Millimeter Bautiefe lassen das Produkt wohlproportioniert wirken, lediglich das hohle Geräusch beim Klopfen auf die Rückseite zeigt, wie Amazon so einen günstigen Preis für das Tablet machen kann – irgendwo muss halt gespart werden. Insgesamt hat das Tablet genau die richtige Größe, um länger in der Hand gehalten werden zu können und ist groß genug, um als Smart-Display zu fungieren.

Alle Bilder des Amazon Fire HD 8 Plus im Test (18 Bilder)

Den niedrigen Preis sieht man auch am breiten, aber gleichmäßig ausgeformten Rahmen rings um das Display und am Screen selbst. Teurere Modelle zeigen deutlich weniger Rand, dafür kommt man beim Halten des Amazon-Modells nicht so schnell ungewollt auf den IPS-LCD-Touchscreen. Nicht ganz Up-to-Date ist hingegen die Auflösung des namensgebend 8 Zoll großen Panels: 1280 × 800 Pixel verhelfen dem Fire HD 8 Plus nicht einmal zu 200 Pixel pro Zoll, das ist im Jahr 2020 zu wenig.

Der Show Modus macht das Tablet zum Echo Show

Denn das stört bei etwas genauerem Hinsehen durchaus durch die Erkennbarkeit einzelner Pixel. Dass das Gesamterscheinungsbild dennoch ganz in Ordnung ist, liegt an der recht hohen Helligkeit von rund 430 cd/m² und den ordentlichen Kontrasten. Die Ablesbarkeit geht ebenfalls voll in Ordnung, auch wenn die Helligkeit bei Betrachtung flacher Winkel etwas sinkt und Spiegelungen die Sicht zusätzlich erschweren.

Zwei Kameras mit je 2 Megapixel stecken im Fire HD 8 Plus. Vor allem die „Hauptkamera“ auf der Rückseite sollte aber besser kaum Verwendung finden. Denn davon sollte niemand wirklich gute Ergebnisse erwarten, mehr als aus der Not geborene Schnappschüsse lohnen qualitativ einfach nicht. Videos sind auf 720p-Auflösung beschränkt – das reicht für Videochats, mehr aber auch nicht. Die entsprechende Frontkamera ist übrigens im Querformat oben in der Mitte des Display-Rahmens untergebracht – ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Amazon eine Nutzung des HD 8 Plus im Querformat vorsieht.

Frontcam mit 720p-Videos - für Videochats reicht das

Der verwendete Mediatek MT8168 ist ein Quad-Core-Chip bestehend aus vier Cortex-A53-Kernen und einer Mali-G52-GPU mit einem einzigen Kern. Dass das nicht für Höchstleistung konzipiert ist, dürfte beim Blick auf den Preis des Fire HD 8 Plus klar sein, stärker als im Vorgängermodell ist das aber durchaus. Zusammen mit den jetzt 3 GByte RAM – mehr als in jedem anderen Fire-Tablet – reicht das für im Alltag für mehrheitlich flüssige Bedienbarkeit, auch wenn es immer mal wieder zu Mikro-Rucklern kommt. Dennoch ist die Nutzung zufriedenstellend schnell, gerade für den aufgerufenen Preis. Selbst einfache Spiele sind kein Problem. Da stört schon fast die etwas zu „klebrige“ Display-Oberfläche mehr, die sanftes Gleiten mit dem Finger unnötig erschwert. Das legt sich aber mit der Zeit etwas.

Größte Neuerung bei der Ausstattung sind der im Vergleich zur Vorgänger-Generation je nach Version auf 32 oder 64 GByte (erweiterbar bis 1 TByte) verdoppelte interne Speicher und der USB-C-Anschluss. GPS, Funkmodul zur Datenübertragung und NFC fehlen nach dem Vorgänger auch der neuen Version des Tablets, gleiches gilt für einen Fingerabdrucksensor. Immerhin gibt es einen Lichtsensor – gut bei der Verwendung als Smart-Display.

Über die – positiv ausgedrückt – verkaufsorientierte Amazon-Nutzeroberfläche sollte man sich vorher im Klaren sein. Wie eingangs erwähnt ist es nicht das Ziel des Online-Riesen, mit dem bloßen Verkauf der Hardware Geld zu verdienen, sondern durch die prominente Platzierung seiner eigenen Dienste. Entsprechend finden Interessenten trotz Android als Betriebssystem keine Google-Dienste auf dem Fire HD 8 Plus vor, sondern ausschließlich Amazon-Anwendungen. Das geht von Amazon Shopping über Prime Video, Amazon Music und Amazon Photos bis hin zu Audible als Hörbuch-Dienst – alles omnipräsent auf den speziell angepassten Homescreens verteilt und leicht zu finden.

Endlich auch mit USB Typ C

Ohne Prime-Mitgliedschaft ist davon allerdings längst nicht voll nutzbar. Wer außerdem nicht 15 Euro extra zahlt, bekommt zudem noch ständig Werbung aufs Display. Wie sich das umgehen lässt und Google-Dienste auf Fire-HD-Geräte kommen, haben wir im Artikel Amazon -Tablets mit Google-Apps: Billig zum Top-Tablet? erklärt.

Noch etwas ist direkt auf dem Tablet zu finden: Der Sprachassistent Alexa. Der funktioniert auf dem Fire HD 8 Plus handsfree, muss also nicht wie meist auf Smartphones erst vor jeder Spracheingabe manuell aktiviert werden Das klappt auch dann, wenn das Display inaktiv ist. Und natürlich im Show-Modus. Ist er aktiviert, zeigt das Tablet relevante Informationen auf dem Display an – ganz wie ein Echo Show (Testbericht) und wird so zum echten Smart-Display. Allerdings mit Akku und eben transportabel, wodurch Nutzer „ihre“ Alexa auch mit in den Urlaub oder den Garten nehmen können.

Im Akkubetrieb deaktiviert sich das Display zwar zum Stromsparen nach voreingestellter Minutenzahl, springt aber bei Sprachaktivierung wieder mit an. Dauerhaft aktiv – eben wie bei einem Echo Show – bleibt der Screen nur, wenn das Tablet an eine Stromversorgung angeschlossen ist. Das ist natürlich über den USB-C-Anschluss möglich, ein entsprechend immer sichtbares Kabel wirkt aber auf Dauer unaufgeräumt und wenig elegant. Amazon integriert daher erstmals in ein Fire-HD-Tablet die Möglichkeit für kabelloses Laden und verkauft das Gerät teilweise auch direkt mit einem entsprechenden Dock im Bundle. Das von Angreat stammende Equipment ist „made for Amazon“, entsprechend passt es dank Stoffbezug optisch gut zu den aktuellen Echo-Modellen.

Darauf gestellt lädt das Fire HD 8 Plus mit 5 Watt per Induktion und wirkt dann fast so wie ein echter Echo Show (Testbericht). Hauptunterschied: Der Sound wirkt im direkten Vergleich trotz der Stereo-Speaker, die im Querformat nach oben abstrahlen, eher dünn. Abhilfe könnte hier ein per Bluetooth verbundener Lautsprecher schaffen. Für ein Tablet ist der Klang aber ordentlich. Theoretisch müsste die Spracherkennung im Vergleich zu Echo-Modellen mangels Fernfeldmikrofonen schlechter sein, im Test war aber kaum ein Unterschied zu bemerken.

Über den Akku des Fire HD 8 Plus spricht Amazon nicht wirklich, lediglich eine bessere Laufzeit im Vergleich zum Vorgänger preist das Unternehmen an und die neue kabellose Lademöglichkeit steht natürlich auch im Fokus von Werbung. Wieviel mAh der Kraftspender hingegen hat, verschweigt der Online-Händler. So oder so: Im Battery Test von PCmark kommt das Tablet auf eine Dauernutzung von ordentlichen 11,5 Stunden.

Das Ladedock macht aus dem Fire HD Plus ein Echo Show

Laden dauert ziemlich lange, denn Amazon packt nur ein Ladegerät mit 9 Watt in den Lieferumfang, mit dem eine komplette Ladung deutlich über 4 Stunden dauert. Noch länger braucht das Ladedock mit kabellosem Laden, das mit nur 5 Watt vonstattengeht. Hier trifft die Aussage „lädt über Nacht“ schon ziemlich gut zu. Eigentlich ist das viel zu langsam, allerdings passt das gut zur kontinuierlichen Nutzung als Smart-Display, bei der es nicht auf die Ladegeschwindigkeit, sondern Schonung des Akkus ankommt.

Zum Testzeitpunkt kostete das Fire HD 8 Plus in seiner kleinsten Speicherkonfiguration um 78 Euro und knapp 15 Euro extra für die werbefreie Version. Mit 64 GByte Speicher lag der Preis bei etwas über 107 und 122 Euro. Zusammen mit dem Ladedock waren noch einmal fast 45 Euro zusätzlich nötig.

Ein Spitzen-Tablet ist das Amazon Fire HD 8 Plus ganz sicher nicht. Vor allem die mittlerweile zu niedrige Display-Auflösung stört etwas und die breiten Ränder um den Screen zeigen klar, dass es sich um ein günstiges Modell handelt. Aber das Modell ist weit besser, als der recht niedrige Preis vermuten lässt – also wie immer bei Amazon-Tablets. Die gebotene Leistung ist – abgesehen von den Kameras – wirklich ordentlich, die Verarbeitung reicht, um nicht billig zu wirken und die Akkulaufzeit ist auch noch anständig.

Die größte Verbesserung ist aber das kabellose Laden – nicht für normale Tablet-Interessenten, aber für Nutzer, die gerade über die Anschaffung eines Echo Show nachdenken. Denn bis auf den Klang der Lautsprecher ist das Fire HD 8 Plus eigentlich genau so ein Smart-Display – und eben zusätzlich auch noch ein Tablet. Das macht das Modell für alle interessant, die schon immer Alexa mit in den Garten nehmen können wollten oder gerade ein günstiges Tablet und ein Smart-Display suchen. Das neue HD 8 Plus ist beides und in beidem - gemessen am Preis - gut.

Google-Dienste sind leicht auf das Tablet zu bekommen. Wie das geht, erklären wir in diesem Artikel. Eine Nummer größer wird es mit dem aktuellen Fire HD10 aus 2019.

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