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Amazon Fire HD 10 (2019): Tablet-Schnäppchen im Test

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Viel Technik für wenig Geld, gegenfinanziert durch Werbung und die intensive Einbindung von Amazon-Diensten – das sind die Fire-Tablets. Ist das auch beim Fire HD 10 der 9. Generation so?

Wer nur wenig Geld für ein Tablet ausgeben möchte, der kommt um die Fire-Tablets von Amazon nicht herum. Das haben wir auch schon in unserem Ratgeber Wie viel Tablet ist wirklich nötig und Billigheimer: Tablets von 40 bis 150 Euro angemerkt. Das gilt aber nur, wenn sich die Käufer mit den Werbemaßnahmen von Amazon abfinden können. Das Unternehmen will den niedrigen Verkaufspreis dadurch zurückzubekommen, dass dank FireOS etwa keine Google-, sondern ausschließlich Amazon-Dienste angeboten werden. Hinzu kommt Werbung auf dem Sperrbildschirm, sofern Kunden diese nicht für 15 Euro entfernen lassen. Besonders schick sind die Fire-Geräte zudem auch nicht.

Auch wenn es manche nicht glauben mögen: Das Fire HD 10 (2019) von Amazon ist das beste Beispiel dafür, dass Aussehen und Geld durchaus bisweilen in direktem Zusammenhang stehen. Den niedrigen Verkaufspreis von ab 150 Euro in der Preisempfehlung des Herstellers sieht man dem Fire HD 10 durchaus an. Das liegt am im Vergleich zu teureren Modellen sehr breiten Rand um das Display, an der Dicke des Geräts von fast 1 Zentimeter und am Gewicht von über 500 Gramm.

Die einfache Kunststoffrückseite sieht nicht sehr hochwertig aus, fasst sich auch nicht übermäßig angenehm an und klingt erschreckend hohl, wenn man draufklopft. Ob die Kunststoffoberfläche genauso kratzempfindlich wie beim Vorgänger ist, ließ sich im naturgemäß kurzen Testzeitraum nicht verifizieren. Die gesamte Verarbeitungsqualität ist insgesamt zwar ordentlich, allerdings wirkt das Gerät vergleichsweise zerbrechlich. Schon geringer Kraftaufwand sorgt für Verwindung des Tablets. Zieht man den niedrigen Preis zu diesen Feststellungen hinzu, relativiert sich der Ersteindruck. Denn mit all den Negativpunkten kann man letztendlich leben, sofern Nutzer halbwegs pfleglich mit dem Gerät umgehen.

Dem Namen entsprechend misst der Touchscreen des Amazon Fire HD 10 (2019) 10 Zoll. Dank erweiterter Full-HD-Auflösung (1920 × 1200 Pixel) im 16:10-Format ist die Darstellung immer noch ausreichend scharf, sofern man nicht von ultrahochauflösenden Smartphone-Displays verwöhnt ist, die bei weniger Diagonale teils deutlich mehr Pixel bieten. Die restlichen Parameter stimmen ebenfalls.

Farben und Kontraste werden insgesamt ausreichend intensiv dargestellt, dank IPS-Technologie ist die Blickwinkelstabilität erstaunlich gut. Die Helligkeit haben wir mit rund 350 cd/m² gemessen, das ist für ein LCD recht niedrig. Für den – wortwörtlich – Hausgebrauch reicht das aber aus, dann stören auch die recht starken Spiegelungen des Screens kaum.

Kameras sind vorhanden – mehr sollte man eigentlich erst gar nicht über die Möglichkeiten, mit dem Fire 10 HD (2019) Bilder aufzunehmen, sagen. Denn besser wird es nicht. Wer es dennoch wissen will: Sowohl die Hauptkamera auf der Rückseite, als auch die Frontkamera vorn haben je 2 Megapixel und erlauben Videoaufnahmen mit maximal 720p. Für Videochats reicht es, mehr sollte man den beiden Optiken aber auch nicht wirklich zumuten.

Die Kamera(s) hat/haben eher Alibifunktion

Bei dem niedrigen Preis kann die Technik ja nicht wirklich vernünftig sein, oder? Eigentlich nicht, aber wie eingangs angedeutet, ist es letztendlich auch nicht Amazons Ziel, Gewinn durch den Verkauf der Hardware zu machen. Stattdessen stehen die Amazon-Dienste im Vordergrund. Entsprechend ist die Hardware des Fire HD 10 für den aufgerufenen Preis gar nicht mal schlecht.

Voll auf Amazon-Dienste ausgelegt

Als Antrieb dient ein von Amazon nicht näher bezeichneter Octa-Core-Chipsatz, bei dem es sich um den Mediatek Helio P60 handeln dürfte. Ihm zur Seite stehen leider nur 2 GByte RAM, was sich im Normalbetrieb zwar nicht weiter störend bemerkbar macht, wohl aber beim Multitasking negativ auffällt. Wegen des kleinen Arbeitsspeichers werden nämlich Hintergrund-Apps früher als bei höherpreisigen Tablets mit mehr Speicher geschlossen und Tabs im Browser müssen beim erneuten Aufrufen neu geladen werden, sobald mehr als eine Handvoll davon geöffnet sind.

Echtes Multitasking mit zwei gleichzeitig auf dem Bildschirm geöffneten Apps gibt es darüber hinaus gar nicht. Ausnahmen sind hier nur Apps wie Netflix oder Amazon Prime, die in winzige Fenster (Picture in Picture - PiP) verkleinert, statt in den Hintergrund verbannt werden können, während man etwa im Browser surft oder E-Mails checkt.

Apropos Multimedia: Hier ist das Fire HD 10 in seinem Element. Das liegt einerseits an den beiden kräftigen Lautsprechern, die durchaus eine gewisses Stereo-Trennung bieten und zumindest Sprache gut verständlich abbilden. Das ist auch bei der Verwendung des Tablets als Echo-Show-Ersatz und somit als Smart Display mit Alexa als Sprachassistent wichtig und funktioniert da sehr gut. Gleiches gilt auch für den Show-Modus, in dem das Display dauerhaft aktiv ist und neben Foto-Alben aus der Amazon-Cloud auch anstehende Termine oder sonstige Neuigkeiten grafisch darstellt. Einziger Nachteil im Vergleich zu echten Show-Geräten: Neben den trotz allem schwächeren Lautsprechern funktioniert die Spracherkennung wegen der geringeren Anzahl an Mikrofonen zwar immer noch ordentlich, aber klar schlechter als bei den echten Smart Displays.

Ein weiterer Grund für die Eignung als Multimedia-Tablet: Wegen entsprechender Widevine-Zertifizierung gibt es keine DRM-Probleme und Filme und Serien können auch in hoher Auflösung statt nur in HD gestreamt werden. Streaming macht dann auch den Nachteil des nicht übermäßig großen internen Speichers wett. Der lässt sich zwar per Micro-SD erweitern, ist aber intern nur 32 oder 64 GByte groß.

Alexa im Show-Modus - eingeschränkt durchaus ein Ersatz für einen Echo Show

Die generelle Leistung ist ausreichend. Ruckler oder Hakler gibt es im Alltag selten, sogar Spiele wie Asphalt 9 oder PUBG laufen flüssig, sofern die Grafik etwas reduziert wird. Hardcore-Zocker sollten dennoch etwas mehr Geld in die Hand nehmen und ein stärkeres Tablet kaufen. An sonstiger Ausstattung gibt es eher Einfachkost: WLAN ac ist ebenso vorhanden, wie Bluetooth 4.2 und einen 3,5-Millimeter-Anschluss. Einen Fingerabdrucksensor suchen Interessenten vergeblich, ebenso GPS oder ein Datenmodul für unterwegs. Immerhin: Erstmals baut Amazon in das aktuelle Fire HD 10 einen USB-C-Anschluss statt des veralteten Micro-USB-Ports ein.

Etwas irritiert werden Nutzer sein, die von ihrem Android-Smartphone kommen und eine ähnliche Nutzeroberfläche vorzufinden erwarten. Dem ist ganz und gar nicht so. Amazon verwendet sein auf Android 9 aufgesetztes FireOS in Version 7.3.1.1 und passt hier einiges an. Das fällt schon auf dem Homescreen auf, der prominent darauf ausgelegt ist, alle Amazon-Dienste mit einem Klick griffbereit zu haben. So erreichen Nutzer nicht wie sonst mit einem seitlichen Wisch einen zusätzlichen Homescreen mit Platz für weitere Widgets, sondern die Amazon-Dienste für Bücher, Videos, Apps, Musik, Hörbücher, Zeitschriften und natürlich zum Warenangebot, das der Marketplace bietet. Fans der Amazon-Dienste, die am besten auch gleich noch Prime-Mitglied sind und weitere kostenpflichtige Dienste wie etwa Audible nutzen, mögen sich hier auf Anhieb wohl fühlen. Die müssen dann aber auch mangels Google-Diensten damit leben, im Amazon-Appstore bei weitem nicht alle Apps wiederzufinden, die es im Play Store gibt. Selbst die Youtube-App ist letztendlich nur eine mehr schlecht als recht bedienbare Web-App, das frustriert schnell. Aber es gibt Abhilfe: Das alles lässt sich recht einfach und mit wenigen Klicks umgehen, indem man etwa auf eigene Verantwortung mithilfe der Fire-Toolbox der XDA-Developers Google-Dienste installiert und sogar Amazon-Dienste deinstalliert. Ohne diese oder ähnliche Hilfe müssen Nutzer mit dem Amazon-Zwang und bei den günstigsten Versionen sogar mit Werbung auf dem Lockscreen leben.

Übrigens: Zwar gibt es auch eine rund 50 Euro teurere Kids-Edition mit spezieller Schutzhülle und Austauschprogramm im Schadensfall, doch auch das „normale“ Fire HD 10 lässt sich mittels des Dienstes Freetime kindersicher machen. Dann können Eltern etwa In-App-Käufe und Werbung sperren, Lernziele und Zeitlimits festlegen, oder über das Eltern-Dashboard herausfinden, was ihre Kinder besonders gern mögen – um den unschönen Begriff der Überwachung zu umgehen.

Der Akku im Fire HD 10 leistet gute Arbeit. Im Alltag dürfte das Gerät bei den meisten Nutzern nur alle paar Tage geladen werden müssen. Auch mehrere Filme am Stück sind möglich, sofern man die ohnehin nicht überragende Helligkeit noch etwas weiter reduziert. Für die Nutzung des Show-Modus ist der Anschluss an das mitgelieferte Netzteil angeraten.

Amazon verlangt für das Fire HD 10 mit 32 GByte internem Speicher normalerweise knapp 150 Euro, die Version mit 64 GByte kostet normalerweise knapp 190 Euro. Tatsächlich gibt es aber immer wieder mal Angebote, dann ist die kleine Version sogar schon mal für rund 100 Euro zu bekommen. In unserem Preisvergleich werden aktuell mindestens 120 Euro aufgerufen. Als Farben gibt es zusätzlich zu Schwarz und Weiß auch Blaugrau.

Amazon Fire HD 10 KFMAWI 2019, mit Werbung,  32GB, schwarz (53-018703)

Fire HD 10 32 GB

Amazon Fire HD 10 KFMAWI 2019, mit Werbung,  64GB, schwarz (53-018704)

Fire HD 64 GB

Amazon Fire HD 10 KFMAWI 2019, ohne Werbung,  32GB, pink, Kids Edition (53-018727/53-018724)

Fire HD Kids Edition 32 GB

Das Fire HD 10 von Amazon ist ein ziemliches Peis-Leistungs-Schnäppchen. Es ist – gerade in immer mal wieder aufkommenden Angeboten – günstig, bietet ordentliche Performance, hat ein nicht übermäßig helles, aber sonst sehr gutes Display und bringt Alexa gleich mit, die auch im Show-Modus verwendbar ist. Am meisten holt man auf zwei Wegen aus dem Gerät heraus: Entweder als Prime-Mitglied und Abonnement sonstiger Amazon-Dienste, und/oder durch (zusätzliche) Installation der gewohnten Google-Dienste.

Viele Alternativen gibt es eigentlich in der untersten Preisregion für Tablets nicht. Das Samsung Galaxy Tab A 10.1 ist noch etwas teurer, kommt aber nicht ganz an die Leistung des Fire HD 10 heran. Bleibt eigentlich nur das Fire HD 8 das wir in der Kids-Edition hier getestet haben, allerdings nicht nur kleiner, sondern auch schwächer ausgestattet ist. Wie Interessenten das richtige Tablet für sich finden, haben wir in unserem Ratgeber Wieviel Tablet ist wirklich nötig? zusammengefasst. Außerdem nennen wir in unserem Artikel Diese Tablets haben aktuelles Android Tablets bis 300 Euro und mit Android 9 zusammengetragen.

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