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Amazfit GTS im Test: Top-Hardware, Flop-Software

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Ein günstiger Apple-Watch-Klon mit riesiger Akkulaufzeit: Im Test zeigen wir, wo die Amazfit GTS punkten kann und wo sie versagt.

Die Amazfit GTS wirkt wie ein Angriff auf die Apple Watch. Gutes Design trifft auf eine Apple-artige Bildsprache. Für unter 130 Euro UVP bekommt man eine optisch ansprechende Smartwatch - die dann allerdings bei der App-Integration pfuscht.

Der Test zur Amazfit GTS erscheint im Rahmen unserer Themenwelt Sportuhren. Sie ist durchaus vergleichbar mit einer Fitbit Versa 2 (Testbericht) oder einer Huawei Fit (Testbericht).

Optisch gefällt uns die Amazfit GTS sehr gut. Das schwarze OLED-Display mit einer Auflösung von 442 × 348 Pixeln ist von einem Edelstahlrahmen umzogen, das ergibt einen schönen Kontrast. Das hilft auch bei der Haptik: Die 39 g schwere Uhr wirkt einfach wertiger, als ihr Gewicht vermuten lässt.

In Verbindung mit einem Smartphone lassen sich aktuelle Wetterdaten anzeigen.

Bei den Designs der Watch-Faces, also den virtuellen Ziffernblättern, ließ sich Amazfit offenbar ebenfalls bei Apple inspirieren. So gibt es etwa die typischen Aktivitätszähler, die wie bei der Apple Watch einen Kreis im Lauf des Tages auffüllen. Gerade mit dem satten schwarz des OLED-Bildschirms kommen die knalligen Farben gut zur Geltung. Auf der Uhr sind zwei Ziffernblätter vorinstalliert. Sie lassen sich einfach durchwechseln. Über die App lassen sich zahlreiche weitere Ziffernblätter installieren. Ähnlich wie bei der Suunto 3 Fitness (Testbericht) kann man direkt auf der Uhr je nach Design einzelne Elemente mit unterschiedlichen Werten belegen. Das können neben den Schritten etwa Kalorien, der Akkuzustand oder auch Shortcuts zu Trainings legen.

Das mitgelieferte Silikonarmband ist angenehm zu tragen. Wem es nicht zusagt, kann das Armband ohne Werkzeug wechseln und ein anderes mit 20 mm Breite einsetzen. Alternativen kommen von zahlreichen Drittherstellern in allen Formen, Farben und Materialien.

Die hohen Erwartungen der Hardware erfüllt die Software leider nicht. Das gilt vor allem für die Amazfit-App. Die fühlt sich so an, als würden die Macher immer mehr Features reinladen, aber sich nicht die Zeit nehmen, die Funktionen vernünftig zu integrieren. Das fiel uns schon bei der Amazfit Stratos (Testbericht) auf und setzt sich nun leider weiter fort.

Es dauert einfach deutlich länger, die interessanten Informationen zu finden, als das bei etwa bei Fitbit oder Huawei der Fall ist. Interessant ist, dass man neben der Amazfit-App auch Xiaomis Mi Fit App nutzen kann. Die ist etwas besser, aber leider kann sie nur die Daten aufbereiten, die auch ankommen. Das fällt vor allem beim Schlaf auf, mehr dazu später.

Die Software-Macken erstrecken sich teilweise auch auf die Uhr. So haben wir keine Option gefunden, mit der sich das Always-On-Display während des Schlafs abschalten lässt. Das leichte Leuchten nervte dann einfach.

Beim Aufzeichnen der Schritte und der Aktivität ist die Amazfit GTS zuverlässig, wenn auch etwas zu großzügig. Es war zu leicht, die voreingestellten täglichen 8000 Schritte zu erreichen. Wir empfehlen hier ein höheres Ziel, etwa 10 000 Schritte. Clever ist, dass man direkt im Display sehen kann, wann man sich am meisten bewegt oder wie lange man sitzt. So kann man auch im Alltag etwas unternehmen, um sich einfach mehr zu bewegen.

Die Uhr besitzt ein integriertes GPS.

Die Pulsmessung funktioniert zuverlässig. Sie lässt sich höchstens in 1-Minuten-Intervallen einstellen, im Alltag kamen wir gut mit Messungen alle fünf Minuten klar. Erkennt die Uhr automatisch eine sportliche Aktivität, schaltet die Messung automatisch auf dauerhaft um.

Die Uhr bringt ein integriertes GPS- und Glonass-System für die Positionsbestimmung mit. Leider ist das nicht wirklich genau, teilweise verortete es uns einige Meter neben der Strecke. Dennoch, damit spart man sich die Probleme, die andere Uhren mit dem Assisted GPS vom Smartphone haben.

Amazfit hat zwölf Sportprogramme integriert, die man direkt von der Uhr aus starten kann. Während des Trainings sieht man alle relevanten Daten und kann sie gut ablesen.

Die Uhr ist bis 5 ATM wasserdicht. Damit kann man sie sowohl zum Duschen wie auch für Schwimmeinheiten an der Wasseroberfläche tragen. Beim Gerätetauchen oder bei Wassersportarten, in denen höhere Geschwindigkeiten auftreten, sollte man sie abnehmen.

Die Musik-Option auf der Uhr täuscht leider. Sie besitzt keinen eigenen Player, sondern steuert „nur” die Wiedergabe sowie die Lautstärke auf einem Smartphone in Reichweite. Sprich, wer beim Sport Musik hören will, muss das Handy mitnehmen. Im Test hat die Funktion zusammen mit Spotify nicht zuverlässig funktioniert. Die Lautstärke ließ sich zwar steuern, überspringen von Liedern klappte nicht immer.

Die größte Enttäuschung ist die Schlafmessung. Zwar ist die Amazfit GTS auch nachts angenehm zu tragen, sie liefert aber einfach zu ungenaue Daten. Mal wurde bereits eine abendliche Fernsehstunde als Schlafenszeit abgerechnet, dann hat sie uns morgens eigentlich länger schlafen lassen, obwohl wir schon wach waren. Auch die App kann hier wenig überzeugen. Es gibt nur Daten zu Wachphasen, Tiefschlaf und leichtem Schlaf. Dabei ist die Messung der Wachphase aber nicht genau.

Als wir in einer Nacht mehrfach aufwachten und die Uhrzeit checkten, hatte uns die Uhr am nächsten Tag komplett in einer Schlafphase. Ja, diese Uhren ersetzen kein Schlaflabor, aber sie können normalerweise deutlich bessere Informationen geben. Es ist auch ärgerlich, dass etwa REM-Daten fehlen. Das macht die Konkurrenz wie Fitbit, Garmin oder Huawei deutlich besser.

Der Wecker dagegen ist ok und weckt auch tiefe Schläfer.

Bei der Benachrichtigung gibt es wenig Überraschungen. Die Uhr zeigt eingehende News an, wenn die jeweilige App dafür freigegeben wurde. Emojis oder Bilder sieht man zwar nicht, aber für eine kurze Überprüfung des Absenders ist das ausreichend.

Sehr gut ist dagegen die Suchfunktion fürs Handy. Die kann man von der Uhr aus starten. Sie lässt das Smartphone klingeln, solange es in Bluetooth-Reichweite ist. Das funktioniert auch, wenn das Smartphone auf Lautlos gestellt ist und ist enorm praktisch.

Die Suche des Handys von der Uhr aus ist enorm praktisch.

Wirklich super ist die Akkulaufzeit der Amazfit GTS. Bei normaler Nutzung hält sie 2 bis 3 Wochen durch, das ist Spitzenklasse. Ist GPS aktiviert, kosten 30 Minuten Training etwa 10 Prozent der Akkulaufzeit. Wer täglich eine halbe Stunde trainiert, kann die Uhr immer noch über eine Woche nutzen. Geladen ist sie in etwa einer Stunde.

Huami Amazfit GTS obsidian black

Amazfit Blip GTS, schwarz

(Kein Produktbild vorhanden)

Huami Amazfit GTS steel blue

(Kein Produktbild vorhanden)

Huami Amazfit GTS lava grey

(Kein Produktbild vorhanden)

Huami Amazfit GTS desert gold

(Kein Produktbild vorhanden)

Huami Amazfit GTS rose pink

(Kein Produktbild vorhanden)

Huami Amazfit GTS vermillion orange

Bei der Hardware, der Akkulaufzeit, der Verarbeitung und dem Preis ist Amazfit mit der GTS ganz vorne dabei. Leider gilt das nicht für die Software, die ist einfach lieblos zusammengeschustert und mit Funktionen überfrachtet. Hier sollte das Unternehmen dringend drangehen und die komplette App überarbeiten. Denn gerade die Bildsprache auf der Uhr zeigt ja, dass es offenbar fähige Designer bei Amazfit gibt

Wir empfehlen die Amazfit GTS allen, die lieber eine Uhr als einen Fitness-Tracker nutzen möchten und dabei ein schönes Design zu einem vernünftigen Preispunkt suchen. Es ist kein Wunder, dass die GTS als Apple-Watch-Klon betitelt wird. Gerade mit dem richtigen Ziffernblatt sieht die Uhr einfach schön aus. Abzüge geben wir für die ungenaue Messung im Schlaf sowie die Software.

Wer Alternativen sucht, dem empfehlen wir sowohl den Beitrag "Kaufberatung: Apple-Watch-Klone ab 30 Euro" wie auch den Test zum Fitness-Tracker Mi Band 4.

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