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Actioncam DJI Osmo Action im Test: Die bessere Gopro

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Stabilisierte 4K-Videos bei 60 fps, eine Datenrate von 100 Mbit/s und ein wasserdichtes Gehäuse – die Eckdaten der neuen DJI Osmo Action klingen verlockend. Wir haben die Kamera getestet.

Bisher führte in Sachen hochwertige Actioncams kein Weg am Hersteller Gopro vorbei. Auch wenn die Konkurrenz aufgeholt hat, die Hero 7 Black (Testbericht) ist bisher das Maß aller Dinge. Doch das könnte sich jetzt ändern. Nach einer Kamera für Video-Blogger, veröffentlicht der Drohnen-Hersteller DJI nun eine reinrassige Actioncam mit dem Namen Osmo Action. Wir hatten die Gelegenheit, die Kamera bereits vor der offiziellen Veröffentlichung zu testen.

Während DJI in Sachen Drohnen eine absolute Vorreiter-Rolle eingenommen hat, erinnert das Design der brandneuen Osmo Action stark an die bekannte Hero-Serie von Gopro. Aber warum auch das Rad neu erfinden? Dank des verbreiteten Formfaktors ist die DJI-Actioncam mit dem meisten verfügbaren Actioncam-Zubehör kompatibel. Selfie-Stick, Gimbal und Helmhalterung von Drittherstellern passen im Test problemlos an die Kamera von DJI.

So in etwa sieht der Lieferumfang aus.

Die graue Osmo Action hat insgesamt zwei Farbdisplays. Der rückseitige Touchscreen hat eine Diagonale von knapp 5,7 cm und eine Pixeldichte von 325 ppi. Der frontale Farbmonitor hat eine Diagonale von 3,5 cm und eine Pixeldichte von immerhin 300 ppi. Der neben der Kameralinse angebrachte Monitor ist nicht berührungsempfindlich und dient zur Kontrolle des Bildausschnitts bei Selfie-Aufnahmen. Die Helligkeit der beiden Bildschirme ist mit 750 cd/m² überdurchschnittlich hoch. Das Ablesen ist somit auch bei direktem Lichteinfall unproblematisch.

Auf der Oberseite sitzt neben dem Auslöser die Power-Taste. Diese dient zum Ein- und Ausschalten und zur Aktivierung des Standby-Modus. Der auf der linken Seite verbaute QS-Taster dient zur Auswahl der wichtigsten, vom Nutzer definierten, Funktionen. In der Praxis ist das sehr praktisch, da man so immer schnellen Zugriff auf seine am häufigsten genutzten Modi und Einstellungen hat. Ein langer Druck auf den QS-Taster schaltet zwischen den beiden Monitoren hin und her.

Der Micro-SD-Speicherkarteneinschub und die USB-C-Buchse zum Laden des Akkus sitzen ebenfalls auf der linken Seite. Sie sind durch eine Klappe geschützt. Um den Akku aus dem Schacht auf der Unterseite zu entfernen, müssen zuvor zwei kleine Sicherungen gelöst werden. Unbeabsichtigtes Auswerfen des Akkus wird zuverlässig verhindert.

USB-C-Schnittstelle und Micro-SD-Schacht sind hinter einer Klappe versteckt.

Unterhalb der Kameralinse sitzt ein kleiner Kühlkörper. Dieser soll Hitzestaus, wie wir sie von der Hero 7 Black kennen, verhindern. In der Praxis scheint das auch zu funktionieren. Nach der stationären Aufnahme eines 45 Minuten Clips in 4K und 60 fps, ist die Kamera zwar warm, aber bei weitem nicht so heiß wie eine Hero 7 Black (Testbericht). Bei der Nutzung der Osmo Action im Freien, auf dem Fahrradlenker oder Helm, kommt der Fahrtwind als zusätzliche Kühlung dazu. Überhitzung sollte spätestens dann kein Problem darstellen.

Die Abmessungen der Kamera betragen 65 × 42 × 35 mm (B/H/T). Das Gewicht beträgt 124 g. Die Haptik ist gut und die Verarbeitung hochwertig. Die Tasten sind gut erreichbar und haben einen vernünftigen Druckpunkt.

Die Kameralinse steht deutlich aus dem Gehäuse hervor. Im Gegensatz zur Konkurrenz hat DJI eine wechselbare Schutzlinse verbaut. Diese wird einfach aufgeschraubt und lässt sich so mit wenigen Handgriffen und ganz ohne Werkzeug austauschen. Zusätzliche Farbfilter (etwa für Unterwasseraufnahmen) oder ND-Filter sind so schnell und zuverlässig befestigt.

Ein Stativgewinde im Gehäuse ist nicht verbaut. Wer die Osmo Action befestigen möchte, braucht dazu den im Lieferumfang enthaltenen Rahmen. Dessen Design erinnert ebenfalls stark an das bekannte Gopro-Design.

Vergleich der elektronischen Bildstabilisierung zwischen Osmo Action und Apeman Trawo.

Die Osmo Action ist ohne zusätzliches Unterwassergehäuse bis zu einer Tiefe von 11 m wasserdicht. Das ist für Schnorchelausflüge und Sportarten auf dem Wasser mehr als ausreichend. Schäden durch eingedrungenes Wasser sind durch die Garantie allerdings nicht abgedeckt – genau wie beim Konkurrenten Gopro. Laut Hersteller wird es für die DJI-Kamera mit einem UVP von 379 Euro eine Art Versicherung geben. Das von den Drohnen bekannte Care-Refresh-Paket soll zukünftig auch für die Osmo Action verfügbar sein. Im Schadensfall repariert oder ersetzt DJI die Kamera dann für eine geringe Selbstbeteiligung. Wer seine Actioncam unter härtesten Bedingungen einsetzt, spart so im Schadensfall einen Haufen Geld. Das Paket kostet einmalig 39 Euro. Der Austausch einer defekten Kamera schlägt beim ersten Mal mit 29 Euro und beim zweiten Mal mit 39 Euro zu Buche. Für ausführliche Tauchgänge empfehlen wir trotzdem immer die Nutzung eines Unterwassergehäuses. Dieses ist zwar aktuell noch nicht erhältlich, soll aber in den nächsten Wochen erscheinen.

Die Osmo Action neben einer Gopro Hero 5.
Technische Daten
Abmessungen 65×42×35 mm
Gewicht 124 g
Front-Bildschirm 1.4", 300ppi, 750cd/m²
Hauptbildschirm 2.25", 325ppi, 750cd/m²
Kamerasensor 1/2.3” CMOS, Effektive Auflösung: 12 MP
Lens FOV:145° f/2.8
ISO-Werte Foto: 100-3200
Video: 100-3200
Verschlusszeit 1/8000 s bis 120 s
Bildgröße 4000×3000
Fotografie 1. Einzelfoto
2. Aufnahme-Timer: off/1s/3s/10s
3. Intervallaufnahmen: 0.5/ 1/ 2/ 3/ 4/ 5/ 8/ 10/15/ 20/ 35/ 45/ 65/ 125 s
4. Serienbilder: 3/5/7 pro Sekunde
5. AEB: 1/3EV×3p/ 2/3EV×3p/ 1EV×3p/ 1/3EV×5p/ 2/3EV×5p/ 1EV×5p
6. Zeitraffer: 4K/2.7K/1080P
0.5/1/2/3/4/5/8/9/10/13/15/20/30 s
Video 4K (16:9): 60, 50, 48, 30, 25, 24fps
4K (4:3): 30, 25, 24fps
2.7K (4:3): 30, 25, 24fps
2.7K (16:9): 60, 50, 48, 30, 25, 24fps
1080P: 240, 200, 120, 100, 60, 50, 48, 30, 25, 24fps
720P: 240, 200fps
HDR Video 4K, 30, 25, 24fps
2.7K: 30, 25, 24fps
1080P: 30, 25, 24fps
Maximale Video-Datenrate 100 Mbit/s
Unterstützte Datenformate FAT32 (≤32 GB); exFAT (≥64 GB)
Foto Formate JPEG/JPEG+DNG
Video Formate MOV, MP4 (H.264)
Unterstützte Micro-SD-Karten microSD; Max. 256 GB
Audio 48 KHz; AAC
Akku-Typ LiPo
Kapazität 1300 mAh
Spannung 3.85V
Betriebstemperatur -10° bis 40° C
Akkulaufzeit Circa 110 Minuten (bei 1080p/30 fps ohne Bildstabilisierung)
Circa 91 Minuten (bei 4K/30 fps mit Bildstabilisierung)
Circa 64 Minuten (bei 4K/60 fps ohne Bildstabilisierung)
Ladezeit 88 Minuten
WLAN FCC/CE/SRRC: 2.400-2.4835 GHz, 5.725-5.850 GHz
MIC: 2.400-2.4835 GHz
WLAN-Protokoll 802.11a/b/g/n/ac
Bluetooth 4.2

Die Osmo Action erinnert nicht nur optisch an die Gopro-Serie. Auch der Funktionsumfang ist sehr ähnlich. Neben extrem gut stabilisierten 4K-Aufnahmen mit bis zu 60 fps, macht die Kamera Zeitlupen, Zeitraffer und Hyperlapse-Videos. Für Fotos stehen Serienaufnahmen, Auslöse-Timer und Serienbildfunktion zur Verfügung. Auch eine Sprachsteuerung ist mit an Bord.

Hinweis: Die Hyperlapse-Funktion ist bei unserem Vorserienmodell bereits verfügbar. Zur Markteinführung ist die Funktion allerdings noch nicht freigeschaltet. Laut DJI, wird sie in einem der nächsten Updates nachgeliefert.

Die Actioncam hat bei der Aufzeichnung eine maximale Datenrate von 100 Mbit/s und somit mehr als Gopro bei seiner Hero 7 Black (78 Mbit/s). Dieser Aspekt ist insbesondere bei hohen Ansprüchen an die Videoqualität wichtig. Artefakte und Bildfehler bei hochauflösenden Aufnahmen sollten bei der DJI-Kamera seltener oder gar nicht auftauchen. Die ersten Testaufnahmen der letzten Tage bestätigen diese Hoffnung.

Die Schutzlinse ist ohne Werkzeug wechselbar.

Das zweite Highlight der Osmo Action ist die HDR-Videofunktion mit einer maximalen Auflösung von 4K. Die Vorteile der HDR-Funktion machen sich insbesondere bei Aufnahmen mit starkem Hell-Dunkel-Kontrast bemerkbar. Die ersten Probeaufnahmen sehen vielversprechend aus. Beispielaufnahmen dazu ergänzen wir in den nächsten Tagen.

Anders als die Hero 7 Black, hat die DJI-Actioncam kein GPS-Modul verbaut. Auch wenn der Mehrwert der ortsbasierten Daten beim Videodreh streitbar ist, dieser Punkt geht an Gopro. Wer seine Videos mit Höhen- und Geschwindigkeitsdaten aufpeppen möchte, muss diese beispielsweise mit dem Smartphone tracken und händisch im Nachhinein synchronisieren.

Erste Testaufnahmen mit der DJI Osmo Action. Weitere Videos folgen demnächst.

Die Bedienung der Osmo Action ist intuitiv und komfortabel. Die Kombination aus Schnellzugriffstaste und Touchscreen macht die Steuerung angenehm unkompliziert. Wirklich gut gefällt uns der Standby-Modus, aus dem heraus direkt losgefilmt werden kann. Auch der normale Anschaltprozess dauert nur knapp eine Sekunde lang. Wer filmen möchte, ist so sehr schnell einsatzbereit.

Die Steuerung per WLAN, mit der vom Osmo Pocket (Testbericht) bekannten Mimo-App, ist noch bequemer und übersichtlicher. Dank des zweiten Displays ist der Griff zur App allerdings nur selten wirklich nötig. Wer die Kamera an schwer zugänglichen Stellen platziert, sollte trotzdem zum Smartphone greifen. Ein weiterer Vorteil der App: Wer seine Videos unterwegs schneiden und veröffentlichen möchte, hat so immer das passende Werkzeug zur Hand.

Das Frontdisplay ist nicht berührungsempfindlich.

Für die Osmo Action wird in den nächsten Wochen einiges an Zubehör auf den Markt kommen. Dazu zählen die Ersatz-Akkus, ein Unterwassergehäuse mit einer maximalen Tauchtiefe von 60 m, ein Adapter zum Anschluss eines externen Mikrofons, ein Selfie-Stick, ein schwimmfähiger Griff und eine Reihe passender Filter. Für Poweruser dürfte auch die Akku-Ladestation interessant sein. Diese lädt drei Akkus simultan innerhalb von 130 Minuten.

Wer weiteres Zubehör benötigt, kann sich bei Drittherstellern und der Konkurrenz bedienen. Die Osmo Action ist mit Standard-Komponenten für Actioncams kompatibel. Günstige Zubehörpakete gibt es ab circa 20 Euro.

Mit der Osmo Action erhöht DJI den Druck auf den Konkurrenten Gopro. Nach der Videoblogger-Kamera Osmo Pocket umfasst das Portfolio neben den Video-Drohnen (Kaufberatung) nun auch eine echte Actioncam. Und abgesehen von einem fehlenden GPS-Modul bietet diese einige Vorteile gegenüber der aktuellen Gopro Hero 7 Black (Testbericht).

Da ist zum einen die hohe Datenrate von 100 Mbit/s, die qualitativ hochwertige Aufnahmen verspricht. DIe Gopro Hero 7 Black schafft nur 78 Mbit/s. Zum anderen das Care-Refresh-Paket, welches insbesondere beim Einsatz unter harten Bedingungen einen Haufen Geld sparen kann. Für professionelle Anwender ist auch der HDR-Videomodus ein gutes Kaufargument. Video-Blogger profitieren vor allem vom zweiten Monitor.

Die Osmo Action ist eine interessante und gelungene Alternative zur bisher besten Actioncam Gopro Hero 7 Black. Der Umstieg vom bisherigen Top-Modell auf die Osmo Action lohnt sich vor allem für Profis mit sehr hohen Ansprüchen. Wer bisher noch keine Actioncam besitzt ist mit der DJI-Kamera aber tatsächlich besser aufgestellt, als mit der aktuell annähernd gleich teuren Gopro.

Da wir die Osmo Action bisher nur wenige Tage testen konnten, wird dieser Artikel demnächst aktualisiert und mit weiteren Erfahrungswerten und Beispielvideos ergänzt.

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