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AVM Fritzbox 7590 mit Fritz OS 7 im Test: Router-Flaggschiff

Bild: Harald Karcher

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Die Fritzbox 7590 ist das aktuelle Top-Modell von AVM. Wir testen den High-End-Router mit dem neuen Betriebssystem Fritz OS 7.

Anders als die liegende Fritzbox 7580 (Testbericht) steht die Fritzbox 7590 aufrecht. Alternativ lässt sie sich an eine Wand montieren. AVM setzt auch hier auf weiß mit roten Akzenten.

Die 7590 ist ein DSL-Router mit Firewall/NAT, DHCP-Server, DynDNS-Client und UPnP AV. Die graue DSL/TEL-Buchse verbindet die Fritzbox über das integrierte Modem via DSL bis ADSL2+ oder VDSL bis 300 Mbps mit dem Internet.

Dazu kommt eine Vielzahl an Anschlüssen:

  • Alle DSL-Anschlüsse mit bis zu 300 Mbps
  • IP-basiertes, analoges oder ISDN-Festnetz
  • 4x Gigabit-Ethernet
  • 1x Gigabit WAN für den Anschluss an Kabel-/DSL-/Glasfasermodem oder Netzwerk
  • 4x4 WLAN AC + N mit Multi-User MIMO
  • WLAN-AC mit bis zu 1.733 Mbps (5 GHz)
  • WLAN-N mit bis zu 800 Mbps (2,4 GHz)
  • 2x USB 3.0 für Speicher und Drucker
  • DECT-Basisstation für bis zu 6 Handgeräte
  • ISDN-S₀-Bus für ISDN-Telefone oder ISDN-Telefonanlage

Als erste Fritzbox überhaupt beherrscht die 7590 VDSL Supervectoring 35b. Es verspricht bis zu 300 Mbps im Download und bis zu 50 Mbps im Upload. Allerdings nur bei kurzen Kupferkabelstrecken, der DSLAM-Kasten darf nicht weiter als 300 Meter entfernt steht. Zum Testzeitpunkt bietet nur die Telekom diese Geschwindigkeit an.

Teil der Fritzbox 7590 ist eine integrierte Telefonanlage mit eigener DECT-Basis-Station. Bis zu sechs Schnurlostelefone können direkt mit der Station gekoppelt werden. Die meisten Features erhält man, wenn man die AVM-eigenen Telefone nutzt, aber auch die kompatiblen Telefone von etwa Gigaset funktionieren mit dem Router.

Dazu nutzt AVM die DECT-Funktion für verschiedene Smart-Home-Komponenten wie die Indoor-Steckdose Fritz Dect 200, die Outdoor-Steckdose Fritz Dect 310, der Repeater Fritz Dect 100 oder das Heizkörperthermostat Fritz Dect 301. Mit dem neuesten Betriebssystem-Update auf Fritz OS 7 öffnet AVM die DECT-Funktion auch für Drittanbieter.

Bild: Harald Karcher Hier hängen verschiedene Geräte an einer Fritzbox 7590, darunter Smartphone, Laptop oder per Funk steuerbare Steckdosen.

Mit Fritz OS 7 steht das aktuellste Betriebssystem für die Fritzbox 7590 bereit. Darin hat AVM eine ganze Reihe von Neuerungen unter der Haube vorgenommen. Dazu gehört beispielsweise das Band Steering für WLAN, bei dem Geräte gezielt in das 2,4-GHz- beziehungsweise 5-GHz-Band geleitet werden.

Trotz ihres Funktionsumfanges ist die Fritzbox 7590 einfach zu installieren und zu verwalten. Besonders komfortabel wird das Netzwerk-Management, wenn alle Zusatzgeräte wie DECT-Telefone, WLAN-Repeater, Powerline-Adapter oder schaltbare Steckdosen ebenfalls von AVM kommen. Oft lassen sich Zusatzgeräte dann durch einfaches Drücken der Connect-Taste an der Fritzbox und dem jeweiligen AVM-Gerät vollautomatisch verbinden. Kurz darauf werden die gekoppelten Geräte in der Heimnetzgrafik der Fritzbox in einem Diagramm eingezeichnet. So sieht man auf einen Blick, welche Geräte sich gerade im Haupt-Netz und im Gast-Netz befinden.

Mit dem neuen Betriebssystem gibt es frischen Wind im Bereich Mesh. Bislang hat AVM diese Technik eher genutzt, um eine einheitliche SSID über mehrere Access Points auszuliefern. Als größte Neuerung lassen sich nun mehrere Fritzboxen in einem WLAN-Mesh-Verband kombinieren. Dabei werden nicht nur die WLAN-Daten sauber geleitet, sofern die Fritzbox kompatibel ist, können sich auch DECT-Geräte an den verschiedenen Routern anmelden. So lässt sich etwa ein Funktelefon in einem anderen Stockwerk per DECT ansprechen, obwohl der eigentliche Telefonanschluss im Keller steht.

Die folgende Grafik zeigt, wo sich welche Geräte bei der Messstrecke befinden:

Der Router AVM Fritzbox 7590 steht vorsätzlich ungünstig rechts oben in der hintersten Ecke im Dachgeschoss.

Bild: Harald Karcher Testaufbau der Messung.

Für die Messung des Durchsatzes nutzen wir eine Synology DiskStation DS918+. Diese ist am Gigabit-LAN-Port der Fritzbox 7590 angeschlossen. Für Messzwecke liegen zehn Testdateien mit exakt 1,00 GB auf der NAS. Diese werden zu den sechs eingezeichneten WLAN-Endgeräten (PC mit sehr schneller WLAN-Karte) erst herunter und dann wieder hinauf gefunkt.

Anschließend messen wir die NAS-Funktion der Fritzbox. Dazu werden nacheinander an einen USB-3.0-Anschluss eine SSD von SanDisk sowie zwei HDDs von Seagate (2,5 Zoll und 3,5 Zoll) angeschlossen. Die Frage lautet: Was liefert der theoretisch 5000-Mbps-schnelle USB-3-Port der 7590 an Durchsatz über die integrierte NAS-Funktion? In der Vergangenheit war diese sehr langsam, daher messen wir mit Fritz OS 6.9 und Fritz OS 7.

Mittlere Speed-Werte in Megabit pro Sekunde auf der Teststrecke zwischen der Synology DS918+ via AVM 7590 bis zum Tower-PC mit ASUS-AC88-WLAN-Karte (rot, Download) sowie die gleiche Strecke wieder zurück, grün, Upload.

Auf der Client-Seite nutzen wir eine Asus PCE-AC88 WLAN-Karte mit vier Antennen. Diese Karte gehört zu den weltweit schnellsten kommerziellen WLAN-11ac-Wave-2-Karten. Sie bietet 4x4-Stream-Dual-Band-WLAN bei 2,4 und 5 GHz.

Die WLAN-Messung der Fritzbox 7590 liefert ein enorm gutes Bild. Im Download (rote Kurve) reizen wir die theoretisch möglichen 1000 Mbps fast aus, mit 965 Mbps in Zimmer 1 sind wir sehr nahe am perfekten Wert. Im Zimmer 3 messen wir den schlechtesten Wert, 153 Mbps sind es hier. Beim Upload (grüne Kurve) sieht es ähnlich aus, 848 Mbps sind hier der Topwert. Dafür bricht er in Zimmer 3 auf 95 Mbps zusammen.

Das Ergebnis erfüllt dabei unsere Erwartungen. Zimmer 3 und 4 sind funktechnisch schlecht gelegen, auch bei der Fritzbox 7580 (Testbericht) und der Fritzbox 7490 (Testbericht) bricht die Verbindung hier ein.

Dennoch liefert die Fritzbox 7590 den höchsten Durchsatz der drei Geräte. Die Fritzbox 7580 lieferte im Download den besten Wert von 954 Mbps, im Upload schaffte sie 606 Mbps maximal. Deutlich weniger liefert die Fritzbox 7490. Die relativ alte Fritzbox schafft maximal 272 Mbps im Download und 501 Mbps im Upload.

In unserem konkreten Testaufbau konnten wir keine signifikanten WLAN-Geschwindigkeitssteigerungen zwischen OS-06.92 und OS-07.00 feststellen. Das liegt vor allem daran, dass die Netzwerk-Hardware mit 1 Gbps-Ports ausgereizt ist. Hier wird erst der Sprung auf 10 Gb die nächsten Vorteile bringen. Wann AVM entsprechende Geräte präsentiert, ist zum Testzeitpunkt nicht bekannt.

Die richtigen Vorteile spielt Fritz OS 7 bei der integrierten NAS-Funktion aus. Diese war bislang eine nette Zugabe, aber aufgrund der langsamen NTFS-Implementierung kaum brauchbar, wie unser Test zeigt.

Mit dem neuen Betriebssystem ändert sich das deutlich. Für den Test schließen wir drei Speichermedien nacheinander an einen USB-3.0-Port der Fritzbox an: Eine Sandisk Extreme 900 SSD mit 480 GB, eine Seagate Backup Plus mit 3,5-Zoll-Festplatten und 4-TB-Speicher und 2,5-Zoll-Festplatte von Seagate, Typ Expansion+ mit 2 TB.

Die Grafik zeigt es, Fritz OS 7 bringt beim NAS einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs gegenüber dem Vorgänger.

Gerade die SSD profitiert von dem neuen Betriebssystem. Gegenüber Fritz OS 6.92 liefert das Upgrade auf Fritz OS 7 bis zu 65 Prozent mehr Leistung. Mit 134 Mbps ist der Speicher hier sogar noch schneller als bei der Fritzbox 7580 (128 Mbps). Der Wert liegt noch immer deutlich unter dem Durchsatz, den ein echtes NAS am Netzwerk-Port liefert. Zu hoch ist der Overhead, den USB fordert. Dennoch, wer die Fritzbox als einfachen Netzwerkspeicher nutzen möchte, der sollte in jedem Fall auf Fritz OS 7 aufrüsten.

AVM gibt für die 7590 eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 9 bis 10 Watt an. Wir haben zwei konkrete Situationen gemessen:

Frisch aus der Schachtel, ohne angeschlossene Geräte, zog die 7590 etwa 7,2 bis 8,4 Watt aus unserem Strom-Messgerät.

Normal eingerichtet, mit VDSL-50/10 verbunden, fünf WLAN-Geräten und vier DECT-Telefone eingeloggt, ein Smartphone gerade im YouTube-Streaming, dazu eine Synology DS918-Plus-NAS-Station per Gigabit-LAN mit der 7590 verbunden sowie eine SanDisk SSD und eine Seagate 2,5-Zoll-Platte gleichzeitig an den beiden USB-3-Ports hängend, hat die 7590 etwa 13 bis 16 Watt verbraucht. Bei aktiven Schreib-und-Lese-Vorgängen auf den USB-Laufwerken ging der Stromverbrauch noch einige Watt höher.

AVM FRITZ!Box 7590 (20002784)

Fritzbox 7590

AVM FRITZ! Mesh Set (20002860)

Fritzbox 7590 Mesh Set

AVM FRITZ!DECT 301 Funk-Heizkörperthermostat (20002822)

Fritz Dect 301 - Thermostat

AVM FRITZ!DECT 200, Funksteckdose, multifunktional (20002572)

Fritz Dect 200 - Funksteckdose

AVM FRITZ!DECT 210, Funksteckdose, multifunktional (20002723)

Fritz Dect 210 - Outdoor-Steckdose

Als erste Fritzbox hat die 7590 die VDSL-Geschwindigkeit auf 300 Mbps erhöht. Insofern ist sie noch zukunftssicherer als die 7580 oder gar die 7490. Beim WLAN hat der Speed-Sprung von 1300 auf 1733 Mbps Brutto schon 2016 mit der Fritzbox 7580 stattgefunden. Die 7590 bringt im Test minimale Verbesserungen. Tatsächlich dürften die Reserven aber auch jetzt noch ausreichen - nur wenige Nutzer haben Endgeräte, die die Router wirklich fordern. Bei DECT und Telefonie kann sich die 7590 nicht spürbar von der 7490 abheben. Beide Feature-Monster haben eine umfassende Ausstattung. Beide können modernste IP-Anschlüsse nutzen, aber auch noch an älteren, analogen und ISDN-Festnetz-Anschlüssen laufen.

Der größte Sprung ist Fritz OS 7. Das neue Betriebssystem macht vieles besser und bringt einige neue Funktionen. Gerade der Geschwindigkeitsschub beim Thema NAS oder die neuen Mesh-Funktionen sind ein cleverer Zusatz, den es noch dazu umsonst gibt. Alles in allem ist die Fritzbox 7590 ein Ticken besser als die 7580 und damit ein solider, zukunftssicherer Router für alle, die möglichst viele Funktionen in ihrem Heimnetz haben wollen.

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