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AVM Fritzbox 7490 im Test: viele Funktionen, lahmes NAS

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Bild: Harald Karcher

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Kann es ein fünf Jahre alter Router mit aktuellen Produkten aufnehmen? Wir testen die AVM Fritzbox 7490 mit aktuellster Firmware.

Die Fritzbox 7490 kam 2013 auf den Markt, ist aber dank einer enorm guten Software-Unterstützung immer noch ein aktueller Router. Neben WLAN, Gigabit-Ethernet und einer kompletten Telefonanlage steckt in dem kleinen Kasten eine DECT-Station, ein Smart-Home-Hub sowie ein Basisstation für Mesh-WLAN. Das Gerät ist das günstigste der High-End-Familie der AVM-Router.

Bild: AVM Die Anschlüsse an der Fritzbox.

An der Oberseite der liegenden Fritzbox 7490 dominiert Dunkelrot. In einem breiten, silberfarbenen Rand sitzen zwei Taster für DECT und WLAN, sowie zwei Antennen-Höcker. In den graufarbigen Seitenwänden sind die Anschlüsse verbaut, etwa für Ethernet und Strom.

Bild: AVM / Harald Karcher Die Heimnetzgrafik zeigt verbundene Geräte an.

Die graue Buchse DSL/TEL verbindet die Fritzbox über das integrierte Modem via DSL bis ADSL2+ oder VDSL bis 100 Mbps Vectoring mit dem Internet. Zusätzlich laufen Analog-, ISDN- oder IP-Telefonie über diese Buchse. Links daneben sind zwei schwarze Buchsen, diese sind für analoge Telefone oder Faxgeräte gedacht. Die dritte Buchse, FonS0, unterstützt ISDN-Telefone oder -Anlagen. Die vier gelben Anschlüsse liefern Gigabit-Ethernet. Zwei sind davon besonders interessant: LAN-1-Buchse erkennt automatisch externe Modems und andere Router, etwa wenn das integrierte (V)DSL-Modem nicht gebraucht wird. Auf der LAN-4-Buchse kann man einen Gastzugang einrichten. Angeschlossene Geräte können im Internet surfen, haben aber keinen Zugriff auf das interne Netzwerk. Wird hier zum Beispiel ein WLAN-Access-Point angeschlossen, lässt sich ein getrenntes WLAN für Gäste aufsetzen – das unterstützt die 7490 aber auch mit dem integrierten WLAN-Modul.

Ein Highlight der Fritzbox 7490 ist die integrierte Telefonanlage mit eigener DECT-Basis-Station für bis zu sechs Schnurlostelefone. Den größtmöglichen Funktionsumfang erreicht sie mit AVM-Telefonen. Mit diesen kann man sogar Fotos vom Gesprächspartner auf dem Farbdisplay einblenden, E-Mails checken, oder Nachrichten und Musik aus dem Internet über die Telefonlautsprecher hören. Doch auch mit kompatiblen Fremdtelefonen, etwa von Gigaset, kommt die Fritzbox zurecht. Ein Versuch lohnt sich, denn um es mal klar zu sagen: Die DECT-Telefonie klingt in den allermeisten Fällen viel besser, als wenn Endgeräte per WLAN angebunden sind.

Die Intelligenz der Fritzbox 7490 liegt im Betriebssystem Fritz OS. Es wurde in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt, dadurch bekam der Fritzbox-Nutzer immer wieder kostenlose Updates für neue Funktionen und mehr Sicherheit. Die erste 7490 des Testers kam 2013 mit dem Fritz OS 06.20 ins Haus, inzwischen steht für diese Geräte das aktuelle Fritz OS 06.93 bereit. Die ausgesprochen schöne Benutzer-Oberfläche wird per Browser bedient. Inzwischen ist sie dank responsive Design auch auf Smartphones und Tablets nutzbar. Für den Zugriff von außen ist der Dienst „MyFritz” integriert. Dieser dynamische DNS-Dienst liefert eine feste URL, hinter der die Fritzbox samt ihrer Dienste, etwa das NAS, erreichbar ist.

Bild: AVM / Harald Karcher Übersicht zu angeschlossenen DECT-Telefonen.

Die Fritzbox 7490 ist einfach zu installieren und zu verwalten. Besonders komfortabel wird das Netzwerkmanagement, wenn alle Zusatzgeräte wie DECT-Telefone, WLAN-Repeater, Powerline-Adapter oder schaltbare Steckdosen ebenfalls von AVM kommen. Oft lassen sich Zusatzgeräte dann durch einfaches Drücken der Connect-Taste an der Fritzbox und dem jeweiligen Erweiterungsgerät binnen weniger Minuten koppeln. Kurz darauf tauchen sie in der Heimnetzgrafik der Fritzbox auf, einem übersichtlichen Diagramm aller verbundenen Geräte. Ein Klick auf die bläulich gekennzeichneten Geräte führt direkt zur Konfigurationsoberfläche, das funktioniert auch mit Nicht-AVM-Endpunkten. So muss man keine IP-Adressen und keine Login-URLs mehr eintippen, um Geräte wie eine Synology NAS zu verwalten.

Neben den normalen Endgeräten ist die Fritzbox auch der Hub für die Smart-Home-Produkte von AVM. Sie verwaltet beispielsweise smarte Steckdosen wie die Fritz DECT 210 (Testbericht) oder den Heizungsregler Fritz DECT 310.

Die AVM 7490 funkt gleichzeitig im 2,4-GHz-Band bis 450 Mbps und im 5-GHz-Band bis zu 1.300 Mbps. Damit können sich intelligente Dual-Band-Endgeräte wie Laptops und Smartphones das jeweils bessere Band heraussuchen. Alle Geschwindigkeitsangaben sind maximale Brutto-Daten-Raten. Netto kommt beim WLAN-User generell weniger an. Wie auch bei Ethernet gibt es auch für das WLAN eine Gästemodus, der die Besucher vom internen Netzwerk isoliert. Sprich: Internetzugriff per Hotspot geht, Zugang zu Datenfreigaben bleibt verwehrt.

Die Fritzbox 7490 sichert WLAN per WPA oder WPA2. In der Praxis sollte man WPA2 nutzen, alle anderen Standards sind nicht mehr zeitgemäß. Wi-Fi Protected Setup, kurz WPS, erleichtert und beschleunigt die Verbindung zwischen WLAN-Gerät und Router. Zum Thema WPA3 gibt sich AVM noch bedeckt. Es werde daran gearbeitet, heißt es aus Berlin. Wann der Standard ausgerollt wird und ob die Fritzbox 7490 ihn erhält, ist aber unklar.

Auf der Software-Seite bringt das Gerät eine Mesh-Funktion bereits mit. Der größte Vorteil ist eine einzige SSID über mehrere Netzwerkgeräte, wenn etwa kompatible WLAN-Repeater (Übersicht) oder Powerline-Geräte (Übersicht) zum Einsatz kommen. Der WLAN-Nutzer sieht auf seinem Handy, Tablet oder Laptop dann nur noch einen einzigen Netzwerknamen, in allen Räumen, auf allen Etagen, egal ob sich sein Gerät mit einem WLAN-Router, WLAN-Satelliten, WLAN-Repeater oder Powerline-zu-WLAN-Adapter verbindet. Weitere Vor- und Nachteile von Mesh-Systemen haben wir im Grundlagenartikel „WLAN Mesh oder Repeater: Wer braucht was?” zusammengestellt.

Vorteil der AVM-Lösung ist dabei eindeutig das integrierte Modem sowie die Telefonanlage. Wer eine Fritzbox wie 7490, 7580 oder 7590 hat, braucht kein komplett neues Mesh-System, sondern kann das WLAN über einen AVM Repeater 310 für knappe 30 Euro oder ein AVM Repeater 1750E für knappe 70 Euro erweitern.

Bild: Harald Karcher Der Testaufbau.

Wie gut ist die WLAN-Leistung der Fritzbox 7490? Um das zu testen, schicken wir sie durch einen ähnlichen Parcours wie die bereits von uns getesteten WLAN Repeater. Dazu steht der Router vorsätzlich ungünstig, nämlich rechts oben in der hintersten Ecke im Dachgeschoss. Um einen möglichst hohen Durchsatz zu erreichen, holt der Router die Daten nicht aus dem Web, sondern von einer per Gigabit-Ethernet angeschlossenen Synology DiskStation DS918+. Für Messzwecke liefert die NAS zehn Testdateien mit exakt 1,0 GByte. Diese werden von und zu den sechs eingezeichneten WLAN-Endpunkten übertragen.

Bild: Harald Karcher Mittlere Speed-Werte in Megabit pro Sekunde auf der Teststrecke zwischen der Synology DS918+ via AVM 7490 bis zum Tower-PC mit ASUS-AC88-WLAN-Karte (rot, Download) sowie die gleiche Strecke wieder zurück (grün, Upload).

Die eingezeichnete SSD von SanDisk, sowie zwei HDDs von Seagate, sind nacheinander über ein USB-3-Kabel am hinteren USB-3-Port der Fritzbox angeschlossen. Die Frage lautet: Wie viel des (theoretisch) 5.000-Mbps-schnellen USB-3-Port der 7490 kommt beim Nutzer an? Schlägt es die Datenübertragung der NAS, die „nur“ per 1.000-Mbps-LAN angeschlossen ist?

Die ASUS PCE-AC88 WLAN-Karte haben wir in einen Tower-PC ACER Predator G5900 eingebaut. Sie ist wohl die zum Testzeitpunkt weltweit schnellste, kommerzielle WLAN-11ac-Wave-2-Karte mit 4x4-Stream-Dual-Band-WLAN bei 2,4 GHz und 5 GHz. Die meisten Laptops und Smartphones sind nicht einmal halb so schnell wie diese Karte. Mit ihr testen wir die 3x3-Stream-11ac-Übertragung der Fritzbox 7490 (sowie in weiteren Testberichten die 4x4-Stream-11ac-Wave-2-Module der Fritzbox 7580 und 7590) bis an die Grenzen.

Im ersten Test-Szenario tragen wir den Tower-PC samt ASUS-WLAN-Karte in die sechs eingezeichneten Räume auf zwei Etagen. Dort laden wir jeweils die 1,0-GByte-Test-Dateien von der NAS per WLAN in den PC herunter (rote Kurve) und senden sie dann wieder auf die Synology DS918+ zurück (grüne Kurve).

Die Zimmer Drei und Vier liegen funktechnisch am ungünstigsten. Tatsächlich sind in Zimmer Drei die schlechtesten Messwerte von 110 und 130 Mbps Netto gekommen. Den besten Wert maßen wir bei direkter Sichtverbindung im gleichen Raum. Allerdings nur im Upload und nicht im Download.

An der USB-Buchse angeschlossene Speichermedien stellen ihre Daten über die kostenlose Fritz-NAS-Funktion im Netzwerk zur Verfügung. Um die Leistung vergleichen zu können, messen wir neben der WLAN-Übertragung den Durchsatz direkt am schnellsten USB-Port eines ASUS VivoBook Pro. Rein theoretisch kann USB 3.0 die Daten an so einem Port mit 5.000 Mbps über die Strecke jagen. Die Testdatei ist immer exakt 1,0 GByte groß.

Bild: Harald Karcher Säule 1 und 2 von Links: Die pfeilschnelle SanDisk Extreme 900 SSD ist an einer 7490 die pure Verschwendung. Ihr toller Speed kam an der 7490 überhaupt nicht zum Tragen. Säule 3 und 4: Die Seagate Backup Plus Desk STFM4000200, 4TB, 3,5-Zoll, mit eigenem Netzteil, hat im konkreten Testumfeld am besten abgeschnitten: Sie muss den Strom der 7490 nicht anzapfen.

In diesem Test-Szenario ersetzen wir den Synology-Zuspieler am Gigabit-LAN-Port der 7490 zuerst durch eine SSD und danach durch zwei HDD-Magnet-Festplatten am hinteren USB-3-Port der 7490. Die SanDisk Extreme 900 Portable SSD schafft laut Hersteller bis zu 850 MB/sec, der theoretische Maximalwert liegt also bei 6800 Mbps. Per USB-C-Kabel an einem ASUS VivoBook Laptop kamen immerhin 3267 Mbps beim Lesen und 3172 beim Schreiben. Und jetzt der Schock: An der Fritzbox 7490 hängend konnten wir über WLAN trotz stabiler 1733-zu-1300-Mbps-Funk-Verbindung nur schlappe 44 Mbps beim Lesen und 34 Mbps beim Schreiben aus der SSD herauskitzeln.

Die Seagate Backup Plus (Testbericht) mit 4 TByte ist eine solide externe Festplatte. Per USB-3-Kabel am Asus-Laptop schaffte sie 1574 Mbps beim Lesen und 1501 Mbps beim Schreiben. An der Fritzbox 7490 hängend konnten wir per WLAN aber erneut nur 44 Mbps und 41 Mbps messen. Langsam wird klar: Der Bremsklotz ist nicht die 1733-1300-Mbps-WLAN-Verbindung, sondern der langsame USB-3.0-Anschluss.

Die Seagate Expansion+ ist mit 129 Gramm leichter und kompakter als die SanDisk Extreme 900 SSD. Direkt am Asus Laptop liefert sie via USB-3-Kabel knapp 1100 Mbps in beide Richtungen. An der 7490 kamen 42 Mbps beim Lesen und 33 Mbps beim Schreiben zusammen.

Die drei USB-NTFS-Laufwerke hinter der 7490 kamen beim Download via WLAN auf 44 Mbps , 44 Mbps und 42 Mbps netto. Beim Upload erreichten sie 34 Mbps, 41 Mbps und 33 Mbps Netto. Vergleichen mit dem Durchsatz der NAS (501 Mbps) am Gigabit-LAN-Port ist das deutlich weniger.

Schuld sind nicht die drei USB-Laufwerke, sondern der langsame USB-Anschluss. Besonders unsinnig ist es daher, eine teure SSD an eine 7490 zu stecken. Das ist der reine Overkill und die pure Verschwendung. Das integrierte NAS-System der Fritzbox reicht wirklich nur für einfachste Ansprüche, das zeigt auch unser Testbericht „NAS-Alternative FritzBox”.

AVM gibt für die 7490 eine durchschnittliche Leistungsaufnahme von 9,3 Watt an. Wir haben zwei konkrete Situationen gemessen:

  1. Frisch aus der Schachtel, nach dem kompletten Hochfahren, aber ohne angeschlossene Geräte, zog die 7490 relativ stabil 7,9 Watt aus unserem Messgerät.
  2. Normal eingerichtet, mit VDSL-50/10 verbunden, zwei WLAN-Geräte und vier DECT-Telefone eingeloggt, ein Smartphone gerade im YouTube-Streaming, dazu eine Synology DS918-Plus-NAS-Station per Gigabit-LAN mit der 7490 verbunden sowie eine SanDisk SSD und eine Seagate 2,5-Zoll-Platte gleichzeitig an den beiden USB-3-Ports hängend, brauchte die 7490 etwa 12 bis 13 Watt.

Bei aktivem Schreib-und-Lese-Verkehr auf den USB-Laufwerken ging der Stromverbrauch noch einige Watt höher, zumal die beiden USB-Speicher ja von der 7490 komplett mit Strom versorgt wurden, weil sie kein eigenes Netzteil haben.

Einen Stromschalter hat die 7490 nicht: Da muss man schon das Netzteil aus der 230-Volt-Dose herausziehen, oder das Strom-Kabel hinten aus der 7490 zu zupfen. Eine komplette Nachtabschaltung der 7490 macht wenig Sinn, sofern sie rund um die Uhr als Telefonzentrale bereitstehen soll. Es gibt aber drei andere Optionen:

  • Das WLAN lässt sich in der Management-Konsole für definierte Zeiträume abschalten.
  • Bei DECT lässt sich die Funkleistung verringern, womit dann eben auch die Reichweite der Telefone kleiner wird.
  • Für jeden LAN-Port der 7490 lässt sich gesondert regeln, ob er im Power Mode mit 1 Gbps oder mit reduziertem Energieverbrauch im Green Mode mit 100 Mbps arbeiten soll.

Es gibt also einige Optionen, um den Stromverbrauch einer Fritzbox 7490 zu reduzieren, sofern man auf die volle Leistung und/oder auf die volle Reichweite verzichten kann. Es versteht sich von selbst, dass wir bei allen Messungen nie eine Stromsparoption aktiviert hatten.

AVM FRITZ!Box 7490 (20002584/20002585)

AVM Fritzbox 7490

AVM FRITZ!Fon C5 Mobilteil

Fritz Fon C5

AVM FRITZ!Fon M2 Mobilteil (20002511)

Fritz Fon M2

Das ehemalige AVM-Flaggschiff 7490 war nie ganz billig, hatte aber zu jedem Zeitpunkt ein passendes Preis-Leistungs-Verhältnis, wenn man die vielen Facetten (Internet, WLAN, Telefonie) des Feature-Monsters auch nur halbwegs nutzt.

Eine vorhandene Festplatte am USB-3-Port der Fritzbox als NAS zu nutzen, ist zwar möglich, macht aber wenig Spaß und zieht die vielen anderen Bereichen glänzende AVM 7490 eigentlich nur herunter.

Ansonsten hat die 7490, wie übrigens auch schon ihr Vorgänger 7390, viel Licht und wenig Schatten: AVM pflegt die nunmehr schon fünf Jahre alte Fritzbox 7490 noch intensiv mit neuen Software-Updates. So bleibt sie aktuell, unter anderem durch neue Mesh-Funktionen und eine richtig schöne Heimnetzgrafik.

Wir haben die 7490 nur am VDSL-50/10 der Deutschen Telekom betrieben. Laut AVM arbeiten die DSL-Modelle 7490, 7580 und 7590 an allen DSL-Netzen. Einzeltests zur 7580 und 7590 folgen in Kürze.

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