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AVM Fritz WLAN-Mesh-Set 7590 und 1750E im Test

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Bild: Harald Karcher

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AVM hat inzwischen Mesh-Funktionen fürs WLAN mit an Bord. Wir testen die Kombination aus AVM Fritzbox 7590 und dem Repeater 1750E und vergleichen mit „echten“ WLAN-Mesh-Systemen.

Mit dem Update auf Fritz OS 6.x hielten Mesh-Funktionen in die Fritzbox Einzug. Grund genug zu testen, ob es die AVM-Produkte mit andern WLAN-Mesh-Systemen mithalten können. Der Test ist Teil unserer Themenwelt rund um Mesh. Es sind bereits folgende Artikel erschienen:

AVM packt zwei bekannte Bestseller in eine gemeinsame Schachtel und bietet das WLAN-Router-und-Repeater-Pärchen im Paket an. Wir haben beide Mesh-Stationen mit der aktuellsten Firmware Fritz OS 07.10 getestet. Beim WLAN-Router handelt es sich um das aktuelle Flaggschiff AVM Fritzbox 7590 (Einzeltest) mit integriertem DSL-Super-Vectoring-35b-Modem bis 300 Mbps. Der Router funkt bei 2,4 GHz im schnellsten Modus namens 802.11n bis zu 800 Mbps. Im 5 GHz-Band schafft die Box im Modus 4x4-Multi-User-MIMO-802.11ac-Wave-2 nominal sogar bis zu 1733 Mbps. Alle WLAN-Werte brutto; netto bleibt im besten Falle jeweils gut die Hälfte übrig.

Um das Mesh aufzubauen, legt der Hersteller einen AVM Fritz Repeater 1750E (Einzeltest) in die Kiste. Er kam schon 2014 als normaler Dual-Band-Repeater auf den Markt. Bei 2,4 GHz schafft er brutto offiziell bis zu 450 Mbps, bei 5 GHz mit 11ac-Wave-1 sogar bis zu 1300 Mbps. Beim Markteintritt des 1750E anno 2014 war der ganze Mesh-Hype noch in weiter Ferne. Derweil wurde der beliebte 1750E aber durch diverse Betriebssystem-Updates immer Mesh-fähiger. Der 1750E war bei Testschluss ab 60 Euro im Netz zu finden. Für einen Mesh-Point klingt das günstig, weil „richtige“ Tri-Band-Mesh-Stationen wie D-Link Covr 2202 (Einzeltest), Linksys Velop oder Netgear Orbi RBK50 deutlich über 100 Euro pro Exemplar kosten.

Bild: Harald Karcher Der Mesh Point 1 alias Fritzbox 7590 (oben) wird über seinen blauen WAN-Port mit 500 Mbps Internet gefüttert. Der Mesh Point 2 alias Fritz Repeater 1750E (unten) soll das schnelle Internet per WLAN-Funk bis in den hintersten Winkel der Testwohnung verteilen.

Die beiden Mesh-Partner kamen mit dem nicht ganz aktuellen Betriebssystem Fritz OS 07.01 aus der Kiste. Wir haben beide vor dem Test auf das zum Testzeitpunkt aktuelle Fritz OS 07.10 aktualisiert. Es handelt sich um ein großes und wichtiges Update, das 50 Neuerungen und Verbesserungen verspricht, vor allem auch mehr Leistung und Komfort im WLAN, Mesh und im Smart Home. So verspricht das Update 07.10 vom April 2019 auch beim betagten WLAN-Repeater 1750E folgende Segnungen: „WLAN Mesh Steering kann Geräte (z.B. Smartphones oder Computer) automatisch zum besten WLAN-Mesh-Repeater lenken (Access Point Steering).“

Der WLAN-Repeater 1750E lässt sich per LAN-Kabel oder per WLAN-Funk mit seinem Mesh-Master Fritzbox 7590 verkoppeln. Per Kabel spricht man von einer LAN-Brücke. Per Funk von einer WLAN-Brücke. Letztere ist voreingestellt.

Die Koppelung der Fritz-Box 7590 mit dem Fritz-Repeater 1750E per Funk ist denkbar einfach:

  • Beide Geräte werden auf kurze Distanz, im gleichen Raume, mit der Stromzufuhr verbunden, damit sie hochfahren.
  • Dann drückt man am Repeater kurz auf die WPS-Taste und an der Fritzbox binnen 2 Minuten auf die Connect-Taste. Dadurch koppeln sich die beiden Geräte von selber. Sobald das hektische Blinken an beiden Geräten aufhört, ist die Verkoppelung abgeschlossen.
  • Der Repeater wird von der Steckdose abgezogen und an seinen endgültigen Platz gebracht. Idealerweise sitzt der 1750E-Repeater etwa mittig zwischen der 7590 und den zu versorgenden WLAN-Endgeräten.

Die Glaubensfrage, ob es eine Handy-App oder einen PC-Browser für die Installation gibt, stellt sich wegen der einfachen Taster-Koppelung bei AVM gleich gar nicht. Spätere Feinjustierungen wird der Fritz-Fan in der Regel jedoch über seinen bevorzugten PC-Browser erledigen. Die kostenlose AVM Fritz App WLAN für Apple iOS und Google Android kann den User zwar in Teilbereichen unterstützen, etwa bei der optimalen Positionierung des Repeaters im Mesh-System. Eine konsequente Voll-und-Fernverwaltung des Mesh-Systems über Cloud und Handy (wie etwa bei Google WiFi (Testbericht)) ist bei AVM aber nicht erkennbar.

Bei vielen Home-Mesh-Starter-Sets sind alle Funk-Stationen hardware-technisch ganz oder weitest gehend identisch. Wer dann später mal ein Mesh-Master wird, und wer „nur“ als Mesh-Verteiler fungiert, wird beim System-Setup via Software definiert, so etwa auch beim D-Link Covr 2202 oder beim Google WiFi Mesh.

Mesh Point 1 ist eine AVM FRITZ!Box 7590. Mesh Point 2 ist ein AVM FRITZ!Repeater 1750E. Die Messwanderung mit einem 11ac-Wave-2-Handy beginnt links oben im DG und endet rechts mittig im OG-Zimmer 4.

Beim AVM Fritz Mesh Set dagegen haben wir zwei völlig unterschiedliche Mesh-Geräte: Da spielt der WLAN-Router 7590 den Mesh-Master und sitzt in der Haus-Grafik im Dachgeschoss an der Position „Mesh Point 1“. Der WLAN-Repeater 1750E dagegen spielt „nur“ den WLAN-Verteiler, alias WLAN-Extender, alias WLAN-Booster, der im OG auf der Position „Mesh Point 2“ sitzt. Bei den Speed-Messungen wandern wir mit einem Sony-2x2-MIMO-11ac-Wave-2-Smartphone surfend vom DG bis in das OG-Zimmer 4.

Zehn Messwanderungen bringen zehn unterschiedliche Messergebnisse. Die Mess-Kurven hängen auch davon ab, ob und wann das Sony-WLAN-Handy vom Mesh-System aus dem 5-GHz-Band in den 2,4-GHz-Gang herunter geschaltet wird. Sehr grob kann man sagen: 5 GHz funkt schneller und kürzer, aber 2,4 GHz funkt weiter und stabiler, vor allem bei Hindernissen. Wie genau das Mesh-System 7590 & 1750E nun diesen permanenten Konflikt zwischen Speed und Stabilität löst, kann sich bei jeder Messwanderung sekündlich ändern. Deshalb zeigen wir jetzt ausnahmsweise nicht nur eine, sondern zwei halbwegs typische Mess-Grafiken.

Wenn das 11ac-Handy von Mesh-Duo 7590 & 1750 (rote Kurve) schon im Zimmer 3 auf 2,4 GHz herunter geschaltet wird, dann ist das Mesh-Duo sogar langsamer als eine Solo-7590.
Wenn das 11ac-Handy von Mesh-Duo 7590 & 1750 (rote Kurve) überhaupt nie auf 2,4 GHz herunter geschaltet wird, also nonstop im 5 GHz-Band arbeitet, dann ist das Mesh-Duo unterm Strich in Summe schneller als eine Solo-7590.

In der Tabelle ist schön zu sehen, wie stark der Access Point des Fritzbox Routers alleine ist. Er schneidet deutlich besser ab als jedes einzelne Mesh-System. In der Kombination allerdings schlagen sich Google Wifi und D-Link Covr deutlich besser.

Durchsatz WLAN Mesh
Produkt AVM 7590, einzeln AVM 7590 & AVM 1750E Google Wifi, einzeln Google Wifi, 2er Set D-Link Covr, einzeln D-Link, Covr 2er Set
Dachgeschoss 485 486 509 482 405 356
OG Zimmer 1 461 485 285 264 386 356
OG Zimmer 2 222 146 22 180 33 378
OG Zimmer 3 29 173 21 184 31 320
OG Zimmer 4 120 120 12 94 10 311
Alle Angaben in MBit/s, Quelle: Harald Karcher

Schlechter sahen die Messkurven oft aus, als wir vom Zimmer 5 in das Zimmer 1 zurück gewandert sind. Dann blieb das Handy teilweise über alle fünf Zimmer hinweg „im untersten Gang“ bei 2,4 GHz kleben. Um das WLAN-Handy wieder in das schnellere 5-GHz-Band zurück zu locken, mussten wir den Repeater meistens vom Strom trennen und neu starten. Dieses extreme Kleben des schaltfaulen 7590-1750-Mesh-Gespanns hat zwar den Vorteil, dass das surfende Handy nicht ständig die Frequenzbänder wechselt. Der Nachteil ist aber ein Einbruch im Durchsatz.

Wer sowieso nur 25 Mbps netto aus einem VDSL-50-Anschluss in das Mesh-System einfüttert, wird den limitierten Netto-Speed durch solche „Klebe-Effekte“ vielleicht in keinem Zimmer bemerken. Bei schnelleren Anschlüssen sollte man eine andere Lösung als das Dual-Band-Mesh-System 7590 und 1750E nehmen. Unter anderem hat auch das neue Tri-Band-Mesh-System Fritzbox 7590 und AVM Fritz Repeater 3000 in der gleichen Mess-Umgebung besser abgeschnitten, dessen Test folgt demnächst.

Manche Hersteller machen sich Sorgen, dass Ihr 2x2-11ac-Mesh-System bei einem Speed-Test mit einem 866 Mbps schnellen 11ac-Wave-2-Handy zu langsam abschneiden könnte. Also wandern wir die Mess-Strecke zusätzlich noch mit einem wirklich schnellen Gaming Laptop Razer Blade 15 ab: Der hat einen Intel-Core-i7-8750H-Prozessor unter der Haube, eine Nvidia Geforce RTX 2070 Max-Q-Grafik mit 8MB GDDR6-VRAM, Bluetooth 5, Thunderbolt 3 und einen WLAN-Adapter der Gattung Intel Dual Band Wireless-AC 9560 mit einer offiziellen Geschwindigkeitsangabe bis 1733 Mbps.

Das Ergebnis: Am Anfang der Mess-Strecke, unweit der Fritzbox 7590 im Dach, also dort wo Speed sowieso im Überfluss kommt, zog der Laptop manchmal drei bis fünf Prozent mehr Durchsatz aus dem Mesh als das Handy. Am Ende der Stecke, im OG-Zimmer-4, holt der 11ac-Wave-2-Laptop aber auch nicht mehr aus dem Netz als das 11ac-Wave-2-Handy. Die größten Bremsklötze liegen also im Mesh-System selber, weder beim Handy noch beim Laptop. Die theoretischen 1733 Mbps des Laptops bringen im konkreten Mesh-System kaum mehr als die genauso theoretischen 866 Mbps des Handys.

Bild: Harald Karcher Der AVM FRITZ!Repeater 1750E lässt sich auch per LAN-Kabel an die Fritzbox 7590 anschließen.

Frisch aus der Schachtel, ohne angeschlossene Geräte, zog die Fritzbox 7590 etwa 7,2 bis 8,4 Watt aus unserem Strom-Messgerät. Mit mehreren verbundenen LAN-, WLAN- und USB-Geräten, aktivem VDSL-100 sowie vier aktiven DECT-Telefonen ging der Verbrauch auf 13 bis 16 Watt hoch.

Der Fritz-Repeater 1750E dagegen zog unter Last etwas mehr als 4 Watt aus der 230-Volt-Dose. Je nach Auslastung hat das WLAN-Mesh-Pärchen in Summe also 12 bis 20 Watt verbraucht. Da war dann aber auch schon die komplette Fritzbox 7590 mit all ihren vielen Funktionen dabei, andere Mesh-Systeme benötigen zusätzlich mindestens noch ein Modem.

AVM FRITZ! Mesh Set (20002860)

AVM Fritz Mesh Set

AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E (20002686)

AVM Fritz WLAN Repeater 1750E

Wer sowieso schon eine hochwertige VDSL-Box wie die 7490, 7580, 7590 oder eine schnelle AVM-Kabel-Internet-Box wie die 6590 oder 6591 daheim hat, kann seine Fritzbox mit nur einem einzigen AVM-Repeater 1750E für passable 60 Euro zu einem kleinen Dual-Band-WLAN-Mesh-System erweitern.

Will man sowieso nur maximal VDSL-50 im Haus verteilen, so treten die 2,4-GHz-Speed-Schwächen des 1750E kaum in Erscheinung. Soll dagegen rasantes Internet mit 500 Mbps netto lückenlos im ganzen Heim verteilt werden, dann lesen Sie lieber auch unsere anderen Mesh-Stories – vor allem den kommenden Test des AVM Fritz Repeaters 3000: Der kann dank Drei-Band-Mesh im 5-GHz-Modus erheblich mehr, kostet mit 130 Euro aber auch über das Doppelte eines Dual-Band-1750E.

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