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AVM Fritz Repeater 600 im Test: Der WLAN-Mesh-Zwerg

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AVM hat einen kleinen Wifi-4-Repeater aufgelegt, der maximal 11n bis 600 Mbps funkt. Ist das im Wifi-6-Zeitalter überhaupt noch zeitgemäß?

Der neue AVM Fritz Repeater 600 ist hübsch klein und verbraucht keine zwei Watt Strom beim WLAN-Surfen. Idealerweise steckt man ihn auf halber Strecke zwischen dem zentralen WLAN-Heimnetz-Router und den zu versorgenden WLAN-Endgeräten in eine freie Steckdose. So wird die Reichweite des WLAN-Routers verlängert. Laut Packungsaufdruck ist der AVM 600 mit allen WLAN-Routern kompatibel, jedoch perfekt abgestimmt auf alle Fritzbox-Modelle. Wir koppeln ihn mit einer AVM Fritzbox 7590 (Testbericht) aus dem Jahr 2017. Dabei spielt die alte 7590 den Mesh-Master und der neue AVM 600 den Mesh-Repeater.

Der Test ist Teil unserer Themenwelt rund um Mesh. Es sind bereits folgende Artikel erschienen:

AVM ist für seine regelmäßigen Software-Updates bekannt, die auch ältere Hardware über Jahre hinweg immer wieder mit neuen oder verbesserten Funktionen jung halten. Auch ein neues Produkt wie der AVM 600 profitiert vom ersten Tag an von der funktionsreichen AVM-Firmware, aktuell also vom Betriebssystem Fritz-OS 07.12.

Lieferumfang: 1x AVM Fritz Repeater 600, 1x grauer Schuko-Stecker-Adapter, 1x Installationsbüchlein. (Bild: Harald Karcher)

Im Gegensatz zu seinen größeren Repeater-Brüdern AVM 1200 (Testbericht), 1750E (Testbericht), AVM 2400 (Testbericht) und AVM 3000 (Testbericht) hat der kleine AVM 600 keine LAN-Buchse. Damit kann man ihn nicht per Kabel, sondern nur per Funk mit einem Mesh-Master verkoppeln. Letzteres nennt man WLAN-Brücke. Diese Betriebsart haben wir getestet.

Der AVM 600 hat keinen Power-Button. Zum Abschalten zieht man ihn einfach komplett aus der 230-Volt-Dose heraus. Er hat einen ringförmigen Schuko-Adapter auf dem Stromstecker vormontiert. Damit sitzt er stabiler in einer Schuko-Steckdose. Man kann den Adapter aber auch abnehmen, falls er stören sollte.

Der kleine Single-Band-Repeater AVM 600 funkt nur im oftmals überfüllten 2,4 GHz Band den ziemlich alten Standard Wifi-4, genauer gesagt IEEE 802.11n, bis maximal 600 Mbps Brutto. Das ist okay für User, die sowieso nur ältere WLAN-Geräte bis maximal 11n mit diesem Repeater versorgen wollen. Oder zum Beispiel die 40 Euro Differenz für einen 1733 Mbps schnellen Dual-Band-Repeater AVM 2400 zum UVP von 89 Euro sparen wollen.

Die Funk-Verkoppelung der Fritz-Box 7590 mit dem Fritz-Repeater AVM 600 klappt im Test denkbar einfach:

  1. Beide Geräte werden auf kurze Distanz, im gleichen Raume, mit der Stromzufuhr verbunden, damit sie hochfahren.
  2. Dann drückt man am Repeater 600 kurz auf die rote Connect-Taste und an der Fritzbox 7590 binnen 2 Minuten auf die weiße Connect-Taste. Dadurch koppeln sich die beiden Geräte von selbst. Sobald das hektische Blinken an beiden Geräten aufhört, ist die Verkoppelung abgeschlossen.
  3. Der Repeater wird von der Steckdose abgezogen und an seinen endgültigen Platz gebracht. Idealerweise sitzt der Repeater etwa mittig zwischen der 7590 und den zu versorgenden WLAN-Endgeräten.

Die Glaubens-Frage, ob es eine Handy-App oder einen PC-Browser für die Installation gibt, stellt sich wegen der extrem einfachen Taster-Koppelung bei AVM gleich gar nicht. Spätere Feinjustierungen wird der Fritz-User in der Regel wohl über seinen bevorzugten PC-Browser erledigen. Die kostenlose AVM Fritz-App WLAN für Apple iOS und Google Android kann den User zumindest in Teilbereichen unterstützen. Eine sehr konsequente Voll-und-Fernverwaltung des Mesh-Systems über Cloud und Handy wie etwa bei Google WiFi (Testbericht) ist bei AVM aber nicht erkennbar und vielleicht auch gar nicht gewollt.

Beim Koppeln hat der WLAN-Repeater AVM 600 wichtige Einstellungen des WLAN-Routers, wie etwa SSID-Netzwerkname und WPA2-Sicherheits-Schlüssel, automatisch übernommen. Danach hat sich der Repeater in der Luft nicht mehr eigenständig als AVM 600 gemeldet, sondern nur noch als Fritzbox 7590, weil er Teil des intelligenten Fritz-Mesh-Systems geworden ist.

Da der kleine AVM 600 das 5 GHz-Band sowieso nicht verlängern kann, haben wir dieses auch in der großen Fritzbox 7590 im weiteren Test komplett abgeschaltet.

In den folgenden Screenshots sieht man daher nur im 2,4 GHz Band zwei Funkhügel, nicht aber im 5 GHz Band. Der kleinere Fritzbox-Hügel ist der Repeater AVM 600, nicht weil er grundsätzlich schwächer wäre als die Fritzbox 7590, sondern weil er beim Screenshot eine Etage weiter weg stand.

Im 2,4 GHz Band fuhr unser AVM-7590-Router-und-AVM-600-Repeater-Mesh-Pärchen rund um Kanal 6 hoch (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).
Im 5 GHz Band hat unser AVM-7590-Router-und-AVM-600-Repeater-Mesh-Pärchen keine Spuren hinterlassen (Screenshot: Harald Karcher / mit Wifi Analyzer Software).

Der Repeater AVM 600 kam im Oktober 2019 mit dem Betriebssystem Fritz-OS 07.11 aus der Kiste. Wir haben ihn auf OS-07.12 aktualisiert, was mehr Stabilität bei Mesh und WLAN bringen soll als 07.11. Den älteren Mesh-Partner AVM 7590 konnten wir schon im Juli 2019 auf Fritz-OS 07.12 aktualisieren: Somit hatten wir idealerweise zwei identische Software-Stände in beiden Fritz-Mesh-Partnern im Test.

Die Heimnetz-Übersicht der Fritzbox wurde in den letzten Jahren durch häufige Software-Updates immer schöner. Im Screenshot sind drei WLAN-Handys und ein WLAN-Laptop gerade noch direkt mit der 7590 verbunden. Während der Messwanderung schalten diese WLAN-Geräte sich aber meistens auf den AVM 600 Repeater um, was mit zeitlicher Verzögerung dann auch in der Heimnetz-Grafik angezeigt wird.

Beim Start der Messwanderung waren unsere Wifi-5-und-6-Handys und unser Wifi-6-Razer-Laptop direkt mit der Wifi-5-Fritzbox 7590 verbunden (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM Software).

Die Fritzbox 7590 hängt im Test per LAN-Kabel an einem 10-Gigabit-NAS-Server Synology DS1618+. Auf diesem liegen unter anderem 50x 1-GByte-Dateien, die wir in Messwanderungen über die Funkzellen der beiden AVM-Mesh-Stationen herunter laden.

Im DG Links funkt eine AVM FRITZ!Box 7590, Firmware 07.12 (Wifi-5). Im OG Links ein FRITZ!Repeater 600, ebenfalls mit FW 07.12 (Wifi-4). Die Mess-Wanderung mit einem Razer Blade 15 Laptop (Wifi-6) beginnt links oben im DG (Messpunkt-1) und endet im OG-Zimmer rechts außen (Messpunkt-5). Die Test-Dateien (50x 1GB) werden aus einem Synology DS1618+ NAS Server zugespielt, rechts oben (Bild: Harald Karcher).

Als Wander-Laptop dient ein Razer Blade 15: Dieser hat ab Werk eine Intel-Core-i7-8750H-CPU, eine Nvidia Geforce RTX 2070 Max-Q-Grafik, eine NVMe-SSD, und einen 11ac-Wave-2-WLAN-Adapter (Wifi-5) der Gattung Intel Dual Band Wireless-AC 9560 mit einem offiziellen Speed bis 1733 Mbps verbaut.

Im Oktober 2019 haben wir Letzteres gegen ein neues Intel Wi-Fi 6 AX200 Kärtchen mit einem offiziellen Brutto-Speed bis 2400 Mbps ausgetauscht. Dafür empfehlen wir unseren Ratgeber: Notebook für 13 Euro auf Wifi-6 aufrüsten.

In der ersten Mess-Wanderung mit dem Wifi-6-aufgepeppten Laptop Razer Blade 15 war zunächst nur der WLAN-Router Fritzbox 7590 eingeschaltet (blaue Kurve), danach zusätzlich auch der AVM Repeater 600 (rote Kurve).

Wie man in der roten Kurve sieht, hat das 2er-Mesh-Gespann in der konkreten Situation und mit der aktuellsten Firmware die WLAN-Versorgung in den hinteren Zimmern nur geringfügig verbessert. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Fritzbox 7590 selber halt mit der jüngsten FW 07.12 schon ein sehr guter WLAN-Router ist, der im 2,4 GHz Band ein bisschen mehr Power als der AVM Repeater 600 hat. Wäre die Testwohnung allerdings größer, dann hätte man den Abstand zwischen 7590 und AVM 600 noch verlängern können. Das hätte den Versorgungs-Vorteil dann noch weiter nach rechts in der roten Kurve verschoben. Die folgende Grafik zeigt nur die Messungen im 2,4 GHz Band, weil der AVM 600 ja eh nicht auf 5 GHz funken kann.

Wanderung durch 5 Räume mit einem Razer Blade 15 Laptop (Wifi-6) vom DG bis zum OG-Zimmer rechts außen: Blau zeigt den Netto-Speed mit AVM 7590 ONLY. Rot mit dem kompletten 2er-Mesh-Set AVM 7590 & AVM 600. Messwerte nur aus dem 2,4 GHz Band (Bild: Harald Karcher).

Die zweite Messung machen wir mit dem bewährten 866-Mbps-Wifi-5-alias-11ac-Wave-2-Handy Sony Xperia XZ Premium G8141 aus dem Jahre 2017. Das betanken wir zuvor noch mit der Fritz-App WLAN von AVM. Diese App misst aber „nur“ die Geschwindigkeit zwischen dem Handy und jeweils einer Funk-Station. Vorsicht: Das ist nicht der komplette Ende-zu-Ende-Durchsatz über die gesamte Kette vom NAS-Server über die Funk-Stationen bis zum Handy, sondern nur die kürzere Direkt-Strecke zwischen dem Handy und einem WLAN-Mesh-Zugriffs-Punkt.

Mit dem Handy verweilen wir an allen fünf Messpunkten jeweils 60 Sekunden, während die 50x 1GB Datenpakete nonstop durchrauschen. Die Erwartung ist, dass der WLAN-Daten-Speed mit zunehmender Entfernung immer schlechter wird.

Danach wandern wir die gleiche Strecke zurück, also wieder 5 Messpunkte, je 60 Sekunden. Die komplette Grafik zeichnet also genau 10 Minuten Mess-Wanderung auf. Damit wollen wir prüfen, ob das Mesh-System den abgefallenen Speed bei der Rückwanderung auch wieder flott nach oben bringt.

Außerdem erwarten wir, dass die Kurven nach der Zuschaltung des Repeaters AVM 600 in der Mitte nicht mehr so stark durchhängen, weil die Messpunkte 4 und 5 dank Repeater nun besser versorgt werden, als wenn die AVM 7590 die ganze Strecke allein vom DG aus versorgen muss.

Im 2,4 GHz Band: Wifi-5-Sony-G8141 an Wifi-5-Router AVM 7590 ONLY: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) geht der Durchsatz merklich in den Keller. Bei der Rückwanderung zieht der Speed wieder sehr schön hoch (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).
Im 2,4 GHz Band: Wifi-5-Sony-Handy G8141 an Wifi-5-Router AVM 7590 & AVM 600 Mesh-Pärchen: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) geht der Durchsatz kaum in den Keller, weil der AVM 600 Mesh-Repeater hier zum Tragen kommt (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).

In der dritten Mess-Wanderung hatten wir ein Samsung Galaxy S10+ in der Hand. Es gehört seit Frühling 2019 weltweit zu den ersten Wifi-6-Handys und auch zu den ersten kommerziellen Wifi-6-Endgeräten überhaupt. Erstaunlicherweise hat es vor allem aus der Wifi-5-Station Fritz 7590 bessere Speedwerte heraus geholt als das ebenfalls nach wie vor gute Wifi-5-Smartphone Sony Premium G8141.

Im 2,4 GHz Band: Wifi-6-Handy Samsung Galaxy S10+ an Wifi-5-Router AVM 7590 ONLY: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) geht der Durchsatz merklich in den Keller (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).
Im 2,4 GHz Band: Wifi-6-Handy Samsung Galaxy S10+ an Wifi-5-Gespann AVM 7590 & AVM 600: In den entfernten Räumen (also in der Bildmitte) geht der Durchsatz nur mäßig in den Keller. Am Ende wird er aber nicht mehr auf 130 Mbps hoch geschaltet (Screenshot: Harald Karcher / mit AVM FRITZ!App WLAN).

AVM kommuniziert für den Fritz Repeater 600 eine Wirkleistung von 2 Watt. Unsere Funk-Schalt-Mess-Steckdose Fritz DECT 200 hat bei leichtem Surfen mit dem Sony-Handy einen Stromverbrauch bis maximal 1,85 Watt gemeldet.

Der bereits mit einer Fritzbox 7590 Mesh-verkoppelte AVM FRITZ!Repeater 600 zog bei leichtem Internet-Surfen mit einem Sony-11ac-Handy maximal 1,85 Watt aus der 230-Volt-Steckdose (Screenshot: Harald Karcher / mit FRITZ!DECT 200 & AVM 7590 Software).

Der AVM Fritz Repeater 600 brachte (mit fest verbautem Netzteil und Stecker) knapp 90 Gramm auf unsere Briefwaage. Die Außenmaße (B×H×T) liegen bei circa 63×63×30 Millimeter. Hinzu kommt der Schuko-Stecker, der beim Betrieb ja in die Steckdose hinein ragt.

AVM FRITZ!Repeater  600 (20002853)

AVM FRITZ!WLAN Repeater 1750E (20002686)

AVM 1750E

Der neue AVM Fritz Repeater 600 für aktuell knapp 40 Euro ist hübsch klein und verbraucht im Schnitt keine zwei Watt Strom. Allerdings funkt dieser Wifi-4-alias-802.11n-Single-Band-Repeater nur im oftmals überfüllten 2,4 GHz Band und kann das WLAN eines Wifi-Routers damit auch nur auf diesem übervölkerten Frequenz-Band verlängern.

Das ist okay für User, die sowieso nur ältere WLAN-Geräte bis maximal 11n mit diesem Repeater zum Beispiel im hintersten Zimmer etwas besser versorgen wollen. Oder die 40 Euro Differenz für einen 1733 Mbps schnellen Dual-Band-Repeater AVM 2400 (Testbericht) sparen wollen.

Installation, Software, Bedienung und kostenlose Firmware-Updates sind bei fast allen AVM-WLAN-Produkten nahezu mustergültig, so auch beim neuen AVM Repeater 600. Allerdings kommt diese schöne Software nur dann voll zum Tragen, wenn der AVM 600 Repeater mit einer voll updatefähigen, jüngeren VDSL-Fritzbox wie etwa einer 7490, 7580, Fritzbox 7590 (Testbericht) oder mit einer schnellen AVM-Kabel-Internet-Box wie 6590 oder 6591 verkoppelt wird.

Wer neben 11n- auch 11ac-WLAN-Geräte mit einem AVM Repeater versorgen will, sollte sich die Dualband-Repeater AVM 1200 (Testbericht), 1750E (Testbericht) und AVM 2400 (Testbericht) sowie den Tri-Band-Repeater AVM 3000 (Testbericht) genauer anschauen. Die sind jedoch allesamt teurer und verbrauchen auch allesamt mehr Strom, als der putzige AVM Fritz Repeater 600.

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