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3D-Drucker Sapphire Pro im Test: Nix für Einsteiger
Pro und Contra
  • Linearführung
  • Stabiles Gehäuse
  • XY-Core-Bauweise
  • Verhältnismäßig teuer
  • Schlechte Dokumentation
  • Fehlende Teile
  • 3.0

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Der FDM-Drucker Sapphire Pro V2 von Two Trees besticht mit schicker Optik, Linearlagern und XY-Core-Bauweise. TechStage verrät, warum das Modell nichts für Anfänger ist.

Nach den Großraum-3D-Druckern Sapphire Plus (Testbericht) , Tronxy X5SA (Testbericht) , X5SA Pro (Testbericht) und Anet ET5 Pro (Testbericht) folgt nun ein Testbericht zum einem FDM-Drucker in Standardgröße. Weitere Artikel finden sich auf unserer Themenseite 3D-Drucker .

Der Sapphire Pro ist mit über 300 Euro zwar teurer als manche Mitbewerber, dafür bekommt der Kunde ein Gerät in stabiler XY-Core-Bauweise mit hochwertigen Linearführungen. Der Drucker kommt als Bausatz zum Kunden und so ist zunächst Basteln angesagt.

Neben Drucker, USB-Kabel und Filament gehören USB-Kartenleser und Micro-SD-Karte zum Lieferumfang. Das benötigte Werkzeug inklusive Seitenschneider und Schmierfett ist ebenfalls enthalten. Die Einzelteile des Bausatzes sind ordentlich verarbeitet und nach Arbeitsschritten sortiert verpackt und beschriftet.

Wegen der stellenweise ungenauen Anleitung ist die gesamte Montage leider viel zeitaufwendiger als nötig. Sie dauert deutlich länger als bei vormontierten Druckern wie dem Anet ET5 Pro (Testbericht) . Es reicht beim Sapphire Pro nicht, ein paar Komponenten zusammenzusetzen oder nur die Transportsicherungen zu lösen.

Neben etwas Schrauberei ist an einigen Schritten auch Eigeninitiative gefragt. Ein Beispiel: Der in der Produktbeschreibung genannte Filament-Sensor liegt zusammen mit einem langen Kabel in der einzigen unbeschrifteten Tüte des Lieferumfangs – Teile für das Anbringen am Rahmen gibt es nicht. Weder Montage noch die Existenz des Bauteils werden ansatzweise in der Anleitung erwähnt. Letztlich ist die Installation nach etwas Recherche zwar problemlos möglich, allerdings baumelt das Bauteil dann locker zwischen Filament-Rolle und Extruder. Das exakt gleiche Problem hatten wir auch schon beim großen Sapphire Plus (Testbericht) . Wir haben mittlerweile eine entsprechende Halterung ausgedruckt.

Ähnlich sieht es beim Z-Endstop aus. Die Anleitung erklärt zwar, wo das Bauteil ungefähr hinsoll, die exakte Position bleibt allerdings unklar. Wer bereits Vorwissen mitbringt, dürfte keine Probleme mit der korrekten Montage haben. Bei Einsteigern wird allerdings das ein oder andere Heizbett direkt beim Probelauf in den Druckkopf rauschen, da der Endschalter zu hoch angebracht wurde.

Die meiste Zeit hat uns das Spannen der Antriebsriemen und der Kabelschutzschlauch des Druckkopfes gekostet. Der Kunststoffschlauch ist derart unflexibel, dass wir ihn nur für die ersten dreißig Zentimeter benützt haben. Für die restliche Strecke wurde stattdessen ein Textilschlauch verwendet.

In der Produktbeschreibung eines Onlinehändlers hatten wir vor einiger Zeit von einer Montagezeit von 20 Minuten gelesen – im Nachhinein erscheint uns diese Angabe allerdings stark untertrieben. Der Zusammenbau ist zwar nicht übermäßig kompliziert, trotzdem sollte man für einen gewissenhaften Aufbau besser einen ganzen Nachmittag einplanen und auch die vormontierten Teile noch einmal überprüfen. Bei uns war beispielsweise eines der Kabel zur Stromversorgung des Mainboards aus der Buchse gerutscht, da die Klemmschraube locker war. Inklusive der Fotodokumentation haben wir fast vier Stunden gebraucht, bis der erste Probedruck starten konnte. Wer bisher keine Erfahrungen mit FDM-Drucker hat, wird den Aufbau nur mit Recherche und Lust am Basteln hinbekommen.

Es ist wirklich schade und unverständlich, dass viele Hersteller so sehr an der Dokumentation sparen. An dieser Stelle bleibt nur eine Bitte: Statt Geld für eine unfertige Hochglanzanleitung und unbrauchbares Filament auszugeben, sollte die Dokumentation lieber vollständig und detailliert sein – dann darf sie gerne auch auf billigem Kopierpapier oder als PDF beiliegen.

Die herausstechenden Merkmale des Sapphire Pro sind ein extrem stabiler Metallrahmen und die verwendeten Lineargleitlager. Diese Lager sollen laut Hersteller ein exaktes Druckbild erlauben. Der Sapphire Pro ist mit seinem offenen, aber eben sehr massiven Gehäuse, entsprechend schwer und bringt gut 12 Kilogramm auf die Waage.

Der maximale Bauraum wird vom Hersteller mit von 23,5 × 23,5 × 23,5 Zentimeter angegeben. Wie diese Maße zustande kommen, verstehen wir nicht, da dies in der Praxis nicht möglich ist. Die praktisch nutzbare Fläche liegt bei etwa 21,5 × 21,5 × 22 Zentimeter. Das ist für die meisten Projekte ausreichend, trotzdem ärgerlich, dass die Angaben fehlerhaft sind. Die Abmessungen des Druckers betragen knapp 41 × 38 × 47 Zentimeter. Hinzu kommt allerdings Platz nach oben und zur Seite, um genügend Raum für Kabel, Bowden-Zuleitung und Filament-Rolle zu haben. Das ist spürbar kompakter als beispielsweise der Großraumdrucker Tronxy X5SA Pro mit 58 × 65 × 66 Zentimeter.

Two Trees setzt beim Sapphire Pro auf die XY-Core-Bauweise. Hier fährt der Druckkopf die X- und Y-Achse ab, während sich Druckplattform und Heizbett ausschließlich entlang der Z-Achse bewegen. Sogenannte „Bettschubser“, wie beispielsweise der Ender 3 (Testbericht) , bewegen das Druckbett entlang der Y-Achse, während der Druckkopf für Bewegungen auf X- und Z-Achse zuständig ist. Uns gefällt diese etwas aufwändigere XY-Core-Konstruktion aufgrund der höheren Stabilität deutlich besser. Allerdings ist sie baubedingt weniger kompakt und beim Sapphire Pro kommt noch ein weiterer Nachteil hinzu. Das Heizbett ist nämlich nur auf der Rückseite mit der Z-Achse verbunden, was für eine minimale Schräglage sorgt. Das lässt sich zwar über die Stellschrauben korrigieren, ideal ist die Lösung trotzdem nicht. Andere XYCores wie X5SA Pro (Testbericht) oder Sapphire Plus (Testbericht) haben das Problem nicht, da deren Druckbett an zwei Z-Achsführungen aufgehängt ist.

Zur Ausstattung des FDM-Druckers gehören ein farbiger 3,5-Zoll-Touchscreen, ein beheizbares Druckbett mit aufgeklebter Druckauflage und ein Filament-Sensor. Die Daten bekommt der Drucker per Micro-SD-Speicherkarte oder direkt über eine USB-Verbindung. Die Druckbettauflage aus Kunststoff gibt dem Filament guten Halt, allerdings ist es nicht gerade einfach, die fertigen Objekte wieder davon zu entfernen.

Der Drucker ist zwar theoretisch mit einer halbautomatischen Auto-Leveling-Funktion ausgestattet, allerdings liegt unserem Testgerät trotz des auf der Speicherkarte hinterlegten Tutorials kein entsprechender Sensor bei. Das ist aus unserer Sicht nicht weiter schlimm, da das händische Kalibrieren ebenfalls schnell erledigt ist und uns diese Art von Sensor schon beim Anet ET4 (Testbericht) nicht überzeugt hat. Hier stört eher, dass der Hersteller schon wieder etwas verspricht, was er dann nicht einhält.

Die 0,4-mm-Nozzle wird per Dual-Drive-Bowden-Extruder mit 1,75-mm-Filament versorgt. Die maximale Temperatur der Druckplattform liegt bei 100 °C, der Druckkopf erreicht 260 °C. Die möglichen Schichtdicken liegen zwischen 0,1 und 0,4 mm. Laut Hersteller funktioniert der Drucker mit PLA, ABS, PETG und Wood-Filament. Aus eigener Erfahrung wissen wir allerdings, dass ABS bei offenem Bauraum schwieriger zu drucken ist. Hier sind geschlossene Geräte, wie der Qidi X-Plus besser geeignet. Die Verarbeitung von flexiblem TPU ist nur mit entsprechend angepassten und langsamen Druckeinstellungen möglich. Die maximale Druckgeschwindigkeit liegt laut Datenblatt bei selbstbewussten 300 mm/s, was uns allerdings zu hoch erscheint

Der Filament-Sensor erkennt zuverlässig, wenn das Druckmaterial reißt oder zu Ende geh, löst dann Alarm aus und stoppt den Druckvorgang. Die Wiederaufnahme des Drucks nach solch einem Stopp oder einem Stromausfall ist problemlos möglich. Bei sehr großen und lange andauernden Druckaufträgen ist diese Funktion durchaus vorteilhaft.

Für die Tests nutzen wir das kostenlose und auf der Speicherkarte hinterlegte Slicing-Programm Cura. Mehr dazu im Ratgeber 3D-Drucker: Alle wichtigen Informationen für den Einstieg .

Nach dem Einschalten dauert es etwa 10 Sekunden bis der Sapphire Pro hochgefahren und einsatzbereit ist. Die deutsche Menüführung ist gut verständlich. Unser erster Praxis-Check, das manuelle Ansteuern der Achsen und das Anheizen von Druckbett und Druckkopf zeigt, dass der Sapphire Pro einsatzbereit ist.

Die anschließende Kalibrierung des Heizbettes offenbart, dass die Druckplattform mittig minimal durchhängt. Auch wenn wir schon deutlich unebenere Modelle gesehen haben – bei diesen verhältnismäßig kleinen Abmessungen sollte das in dieser Preisklasse besser gehen. Mit einem zusätzlichen Haftungs-Support (Brim) lässt sich das Problem zwar minimieren, bei großen Objekten kann es im Originalzustand trotzdem zu Haftungsproblemen kommen. Einfache und günstige Abhilfe schaffen ein auf der Heizplatte aufgelegtes Glasdruckbett oder eine magnetische Auflage anstelle der aufgeklebten Kunststoffauflage. Beide Methoden helfen, die Unebenheiten auszugleichen.

Nun befüllen wir den Extruder mit dem mitgelieferten Filament und starten das erste Test-Objekt auf der Speicherkarte. Nach einer kurzen Aufwärmphase startet der Sapphire und der Druckkopf rauscht mit hoher Geschwindigkeit über das Druckbett. Der kleine blaue Würfel ist zwar schnell fertig gedruckt, das Ergebnis ist allerdings nicht schön. Die Seitenwände und Kanten sind schief und wellig. Das sieht extrem unsauber aus. Da wir bereits in der Vergangenheit Probleme mit mitgeliefertem Filament hatten, wiederholen wir den Vorgang mit einer Rolle PLA aus dem privaten Fundus und erhalten ein ganz anderes Bild. Der zweite Versuch ist, bis auf eine minimale Unterextrusion, sehr ordentlich. Das mitgelieferte Filament wurde entweder schlecht gelagert, ist zu alt oder von minderer Qualität. In der Praxis ist es nicht zu gebrauchen.

Am nächsten Tag starten wir das erste von uns in Cura vorbereitete Objekt: den Benchy, ein kleines Schiffchen. Dieses druckt der Sapphire Pro, allerdings sind die Wände extrem löchrig und so vermuten wir Probleme beim Materialfluss. Allerdings bringen das Erhöhen der Drucktemperatur, die Verringerung der Geschwindigkeit und die Steigerung der geförderten Filament-Menge keine signifikante Besserung. Um einen mechanischen Fehler auszuschließen, drucken wir zwischenzeitlich immer wieder den Würfel von der Speicherkarte. Dieser wird jedoch tadellos ausgedruckt. Als wir nach zahlreichen weiteren Fehlversuchen kurz davor sind, aufzugeben, kommen wir auf die rettende Idee, die Stellschraube des Dual-Drive-Extruders fester anzuziehen, was zu mehr Anpressdruck zwischen Filament und Förderrad sorgt. Dies hatten wir aufgrund der annähernd perfekt gedruckten Testwürfel eigentlich als Ursache ausgeschlossen. Dennoch ist es des Rätsels Lösung. Nach dem erneuten Anpassen der Druckparameter arbeitet der Sapphire Pro mit unseren eigenen Druckvorlagen ordentlich. Lediglich mit dem heftigen Fäden-Ziehen, dem sogenannten Stringing, haben wir bis zur Veröffentlichung des Tests Probleme. Das genutzte Filament zeigte diesen Makel allerdings auch bei anderen Druckern, weshalb wir mittlerweile neues Material bestellt haben. Falls dies tatsächlich die Ursache für die Fäden ist, wird ein Update mit aktualisierten Erfahrungswerten folgen.

Die maximale Geschwindigkeit von 300 mm/s ist in der Praxis trotz Linearführung deutlich zu hoch angesetzt. Trotzdem gehört der Sapphire Pro zu den schnellen FDM-Druckern. Die auf der Speicherkarte hinterlegten Druckvorlagen hat das Gerät bei über 100 mm/s erstaunlich ordentlich ausgeworfen. Zum Vergleich: Die meisten Hersteller empfehlen lediglich Druckgeschwindigkeiten im Bereich um 60 mm/s.

Uns ist während der Tests beim Ablösen eines Drucks mit Hilfe einer Cutter-Klinge ein Missgeschick passiert und wir haben ein Loch in die Druckauflage geschnitten. Glücklicherweise hatten wir noch eine passende, magnetische Druckauflage im Haus und so wurde die originale Auflage mittlerweile ausgetauscht. Das Handling mit der abnehmbaren Auflage ist nun deutlich bequemer. Neben dem Ausgleichen von Unebenheiten sorgt es außerdem dafür, dass wir das Heizbett seltener nachkalibrieren müssen, da keine mechanischen Kräfte beim Ablösen der Druckobjekte darauf einwirken.

Was uns gefällt, ist die geringe mechanische Geräuschentwicklung bei Bewegungen auf X- und Y-Achse durch Verwendung von hochwertigen TMC2208-Treibern. Schade nur, dass der Hersteller diese nur bei zwei von vier Motoren einsetzt. Z-Achse und Extruder arbeiten mit den günstigen und deutlich lauteren A4988 -Treibern, was die Gesamtlautstärke deutlich nach oben treibt – Schade! Die Lüfter sind zwar deutlich zu hören, aber selbst unter Volllast deutlich weniger penetrant als die des Tronxy X5SA.

Mit einigen Tuningmaßnahmen wie dem Entfernen einiger Lüftungsgitter oder dem Austausch der Motoren-Treiber und dem Einsatz von Silent-Lüftern bekommt man den Sapphire laut einiger Forenbeiträge annähernd flüsterleise. Im Auslieferungszustand ist der Drucker allerdings ähnlich laut wie andere Modelle.

Der Drucker kostet zum Testzeitpunkt bei deutschen Shops etwa 350 Euro und ist damit verhältnismäßig teuer. Wer den Sapphire Pro mit dem Code df1f6e beim Versandhändler Banggood bestellt, zahlt lediglich 211 Euro, was wir für angemessen halten. Das Gerät kommt dann aus einem europäischen Lager (CZ) und so fallen keine weiteren Zollgebühren an.

Der Test hinterlässt gemischte Gefühle. Da sind zum einen die enttäuschend schlechte Dokumentation, fehlende Teile und die nicht ganz gerade Druckplattform. Andererseits ist der Sapphire Pro ein extrem stabiler und bezahlbarer Drucker mit Linearführungen und ordentlicher Grundausstattung, der mit schnellem Tempo und vernünftigem Druckbild überzeugt.

Unterm Strich gefällt uns der Sapphire Pro, allerdings ist er vergleichsweise teuer. Wer Spaß am Basteln und Tunen hat, bekommt mit dem Gerät eine solide und ordentliche Grundlage, die sich toll optimieren lässt – aber eben keinen ab Werk perfekten Drucker.

Fakt ist, der Bausatz ist nur für ambitionierte Nutzer mit Verständnis für die Materie geeignet. Einsteiger sollten besser die Finger vom Sapphire Pro lassen. Wer sich nicht lange mit dem Drucker, sondern lieber mit den fertigen Druckerzeugnissen beschäftigen möchte, sollte lieber zu einer Alternative greifen. Der Mehrpreis gegenüber einem günstigen Modellist im Originalzustand aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt.

Mit dem Anet ET 5 Pro (Testbericht) bekommt man beispielsweise einen FDM-Drucker mit deutlich größerem Bauraum, der viel einfacher aufzubauen ist und ähnlich viel kostet. Soll es unbedingt die XY-Core-Bauweise sein, empfehlen wir die größeren Modelle Sapphire Plus (Testbericht) oder Tronxy X5SA Pro (Testbericht) . Der verhältnismäßig teurere Qidi X-Plus (Testbericht) kommt gar fertig aufgebaut zum Kunden. Geht es um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, empfehlen wir den Griff zu einem Drucker der Ender-Serie von Creality (Ratgeber) , die bereits ab 150 Euro zu bekommen sind.

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