3D-Drucker Artillery Sidewinder X2 im Test: perfekte Druckergebnisse ohne Basteln

Artillery Sidewinder X2
Pro und Contra
  • einfache Bedienung
  • hohe Druckqualität
  • hervorragende Ausstattung
  • Qualität mancher Bauteile könnte höher sein
  • mäßige Ersatzteilversorgung
  • 4.5

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Keine lauten Lüfter, kein mühevolles Begradigen des Druckbettes, einfach Ducken ohne langes Tüfteln. Dazu perfekte Druckergebnisse und eine benutzerfreundliche Bedienung – das klingt nach dem besten 3D-Drucker für Anfänger und Hobbyeinsatz. Wir haben das Gerät ausführlich getestet.

Wer sich mit dem Thema 3D-Druck beschäftigt, ist bestimmt schon über die Sidewinder-Drucker gestolpert – sie gelten seit Jahren bei Hobbyisten als nicht mehr ganz so geheimer Tipp. Das aktuelle Modell ist die fünfte Generation des Sidewinder X2. Von der Größe her gehört er mit einem Druckraum von 300 x 300 x 400 mm zur oberen Mittelklasse, preislich ist er mit 370 bis etwa 450 Euro im unteren Preissegment angesiedelt. Es gibt Direct Drive Extruder, Auto Bed Leveling und ultraleise Lüfter. Das ist erfreulich, denn solche Ausstattungsmerkmale waren vor wenigen Jahren nur bei Geräten im vierstelligen Preissegment zu finden.

Zugegeben: Beim Auspacken fiel uns bei einigen Plastikteilen eine mittelmäßige Spritzgussqualität auf. Auch manch technischen Komponente schien uns auf den ersten Blick nicht sehr solide. Doch der Sidewinder X2 überraschte uns schon beim ersten Einschalten: Er blieb leise. Keine störenden Lüftergeräusche. Auch das Homing, die Bewegung jeder Achse zum Nullpunkt, vollzog er sauber und leise. Also schnell das Druckbett grob kalibriert und das automatische Leveling gestartet. Wieder verdächtig leise Bewegungen für einen 3D-Drucker – kann das sein, oder ist da etwas kaputt? Nach dem Start des ersten Drucks schaltete sich der Hotend-Lüfter ein. Endlich sind Geräusche zu hören, die jeder mit 3D-Druck-Erfahrung nur zu gut kennt. Dennoch bleibt der X2 erfreulich leise.

Man merkt sofort, dass der Hersteller bei der neuen Generation dort investiert hat, wo es sinnvoll ist und Ausstattung reduziert, wo sie nicht notwendig ist – wie bei den blauen Plastikblenden, die einen reinen optischen Zweck haben. Das ist erfreulich, bei anderen chinesischen Herstellern haben wir manchmal den Eindruck, dass weder positive noch negative Erfahrungen mit einem Produkt Auswirkungen auf die Konstruktion des Nachfolgers haben. Auch das Kopieren der Technik von anderen erfolgreichen Druckern spielt hier keine Rolle, immer wieder entdecken wir im Test elegante und benutzerfreundliche Detaillösungen, wo jemand eindeutig Zeit und Mühe investiert hat, aber dazu gleich noch mehr.

Das Automatic Bed Leveling übernimmt Feinjustierungen des Druckbettes und gleicht die minimalen Unebenheiten aus, die jedes Druckbett mitbringt. Der Direct Drive Extruder ist eine kompakte Einheit aus Extruder und Hotend. Der Extruder ist zuständig für den Filamentvorschub, das Hotend für das Erhitzen des Filaments. Das komplette System sitzt auf der z-Achse des Artillery Sidewinder X2 und nennt sich Direct Drive Extruder. Der Vorteil des Direct Drives ist der stark verkürzte Weg des Filaments von Extruder zu Hotend. Das Ergebnis ist ein präziserer Filamentvorschub, der bei allen Filamenten schönere und genauere Druckbilder erzeugt. Vor allem bei TPU, einem flexiblen Material mit gummiartigen Eigenschaften, sind die Ergebnisse um ein Vielfaches besser als bei den gängigen Bowden-Schlauch-Systemen.

Neben diesen zwei großen Highlights sind Flachbandkabel verbaut und verklebt. Im Vergleich zu günstigeren Druckern mit frei „fliegenden“ Kabeln wirkt das hier viel aufgeräumter und professioneller. Auch die gummierte Heizbettkabelführung wurde mit den Modellen stetig verbessert und wirkt sehr durchdacht und belastbar. Die Rollen des Filamenthalters lagern auf Kugellagern; der bewegliche Filamentsensor sitzt gut.

Druckdaten gelangen entweder per Micro-SD-Slot oder über einen USB-Port für Speichersticks auf das Gerät; zusätzlich gibt es noch drei USB-B-Ports für Erweiterungen.

Auch bei der Software kann der Artillery Sidewinder X2 punkten. Das farbige Display ist klein und zeigt aber alle wichtigen Informationen übersichtlich auf einen Blick. Kleinigkeiten wie z-Sprünge sind auch während des Drucks mit zwei Tasten schnell erreichbar. Mit z-Sprüngen (auch als z-Babystepping bekannt) kann zu Beginn des Drucks der Abstand von Düse zu Druckbett nachjustiert werden. Die Icons sind selbst erklärend und das Druckermenü ist durchdacht aufgebaut.

Die folgende Tabelle zeigt die Eigenschaften des Artillery Sidewinder X2.

Der Drucker wird fast fertig montiert geliefert. Er besteht bei der Lieferung primär aus drei wichtigen Bestandteilen: der Basis, dem oberen U-Rahmen und dem Filamenthalter. Die nötigen Schrauben für die Montage des oberen Rahmens sind schlauerweise schon in der Basis verschraubt. Also herausschrauben, den Rahmen auf die Basis aufsetzen und festziehen. Auf der Basis sind links und rechts ein paar Kabel mit Kreppband fixiert, diese werden mit den Stepper-Motoren für den oberen Rahmen verbunden. Es gibt auf der rechten Seite ein Kabel für einen zweiten Endstopschalter, der nicht zwingend notwendig ist. Artillery bietet dem Kunden diese Upgrade-Möglichkeit an. Danach muss man noch den Filamenthalter montieren, dafür gibt es ein kleines Beiblatt als Bauanleitung.

Das war's schon, nach wenigen Minuten ist der Aufbau fertig. Jetzt kann man den Drucker einstecken und anschalten. Der nächste Schritt ist das grobe Leveln des Druckbettes: Alle vier Ecken über die Schrauben so einstellen, dass gerade noch ein dünnes Blatt Papier zwischen Düse und Druckbett passt, danach ein Automatic Bed Leveling durchführen. Schon ist der Sidewinder X2 startklar für den ersten Druck.

Wir haben den klassischen Big Ben mit einer Höhe von 40 cm gedruckt. Wir haben uns für 0,16 mm Schichthöhe und eine Druckgeschwindigkeit von 50 mm/s entschieden. Das Ergebnis erfreut: Auf ganzer Höhe ein sauberes Druckbild ohne das bekannte kein z-Wobbling, bei dem einzelne Schichten beim Druck zueinander verschoben sind. Auch beim Abschluss der Spitze hat der Sidewinder X2 dank seines starken Radiallüfters ein wackelfreies Ergebnis erzielt. Dort zeigt sich immer die Schwäche von kartesischen Druckern, da durch die starken Hin- und Herbewegung des Druckbettes der Abschluss bei der Spitze unsauber wird.

In schwarzem PLA haben wir einen Oberkörper gedruckt – mit 0,2 mm Schichtstärke und 50 mm/s Druckgeschwindigkeit. Die Ergebnisse sind in der Bilderstrecke dokumentiert.

PETG-Filament, dass gerne zu Spinnig neigt, haben wir bei dem grünen Falcon und der SD-Karten Box getestet. Einstellungen wie folgt: Retract hatten wir auf 3,5 mm mit einer Rückzugsgeschwindigkeit von 25 mm/s gestellt und gedruckt mit einer Druckgeschwindigkeit von 30 mm/s. Die Ergebnisse für PETG sind gut, Luft nach oben mit feineren Einstellungen halten wir für möglich.

Als Letztes testeten wir noch das flexible TPU-Filament an einer Handyhülle und dem TPU-Benchy. Retract stand dabei auf 1,5 mm, Rückzugsgeschwindigkeit auf 25 mm/s, alle Druckgeschwindigkeiten bei 17 mm/s. Keine Sprünge, kein Abwischen. Wir mussten mehrfach die Geschwindigkeit reduzieren und erzielten dann ganz ordentliche Ergebnisse. Wieder ist Luft nach oben, hier muss man einfach etwas experimentieren – schon eine andere Filament-Marke oder -Farbe kann gravierende Auswirkungen haben.

Artillery gibt an, dass ein Volcano Hotend verbaut ist, dass eine Temperatur von maximal 240 Grad erreicht. Das Heizbett erreicht maximal 130 Grad. Wer das optionale Full Metal Hotend für bis zu 300 Grad für gute 80 Euro kauft, kann den Drucker mit einer zusätzlichen Einhausung fit für hitzebeständigere Filamente wie Nylon und PC umzurüsten.

Der folgende Preisvergleich zeigt die günstigsten Angebote zum Artillery Sidewinder X2.

TechStage-Leser bekommen den 3D-Drucker bei TomTop mit dem Code TFAXW2 für unter 324 Euro. Verschickt wird aus deutschen Lagern.

Ähnlich begeistert wie der Artillery Sidewinder X2 hat uns im Test der Anycubic Vyper (Testbericht). Wer weniger Geld ausgeben möchte, sollte sich den Creality Ender3 v2 (Testbericht) ansehen. Weitere FDM-Drucker zeigen wir in unserer Top 10: Die besten 3D-Drucker. Wenn eine sehr hohe Druckqualität wichtiger ist als die maximale Größe des Bauraums, empfehlen wir auch einen Blick auf die besten SLA-Drucker – dabei wird kein Plastik geschmolzen und aufgeschichtet, sondern lichtempfindliches Harz ausgehärtet.

Nach dem Test von Dutzenden 3D-Druckern können wir es immer wieder mal nicht fassen, wie mies einige Geräte ab Werk auch heute noch sind – und wie viele gleiche Fehler die Hersteller immer wieder so machen. Immer die gleichen lauten Lüfter sind da schon fast ein alltägliches Ärgernis. Nervig, aber im Vergleich zu harten Konstruktionsfehlern schlicht irrelevant.

Hier sticht Artillery massiv positiv heraus. Ein schon gutes Produkt wurde wieder konsequent verbessert. Der flüsterleise Betrieb, das gut aufgebaute Touchscreen-Menü, ein funktionierendes Auto Bed Leveling, der große Bauraum und ein Direct Drive Extruder für um die 400 Euro – da gibts nichts mehr zu sagen, außer Kauf das Ding!

Wer auf der Suche nach Filament zu einem 3D-Drucker ist, wird in unserem Vergleichstest: 10 weiße PLA-Filamente fündig; Einsteiger sollten auch einen Blick in unsere Vorschläge für kostenlose Druckvorlagen werfen.

Der Hersteller hat uns den Drucker für diesen Test kostenlos zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank an Artillery.

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