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Anycubic Vyper
Pro und Contra
  • einfache Inbetriebnahme und Bedienung
  • schönes Druckbild auch mit TPU
  • vollautomatisches Leveling
  • keine leisen Lüfter
  • 5.0

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Der neu vorgestellte 3D-Drucker Vyper von Anycubic verspricht schnellen Zusammenbau, wenig Geräuschentwicklung und endlich eine echte Auto-Leveling-Funktion. TechStage hat das Modell bereits getestet und verrät, warum uns der Drucker so gut gefällt.

Dieser Einzeltest gehört zu unserer Themenwelt 3D-Drucker. Hier finden sich Ratgeber wie 3D-Drucker: Alle wichtigen Informationen für den Einstieg oder die Kaufberatung zu den 15 günstigsten FDM-Druckern. Zudem finden sich hier Vergleichstest und Einzeltests. Zuletzt mussten die XL-Modelle Tronxy X5SA Pro (Testbericht), Sapphire Plus (Testbericht) und der fertig aufgebaute Creality CR-200B (Testbericht) zeigen, was sie können. Auch Resin-Drucker wie der Anycubic Mono X (Testbericht) oder der Elegoo Mars (Testbericht) mussten zeigen, was sie in der Praxis leisten.

In diesem Test geht es nun wieder um einen klassischen Filament-3D-Drucker. Der Anycubic Vyper ist seit dem 10.06.2021 im offiziellen Anycubic-Onlinestore vorbestellbar und wird Anfang Juli ausgeliefert.

Der Verkaufsstart des Anycubic Vyper hat inzwischen begonnen und der Drucker ist mit Lieferung aus einem deutschen Lager sofort lieferbar. Im offiziellen Ebay-Shop des Herstellers gibt es den Anycubic Vyper für 339 Euro inklusive kostenlosem Versand aus Frankfurt. Im Amazon-Shop von Anycubic kostet der Drucker hingegen satte 460 Euro.

Auf den ersten Blick spielt der Vyper in einer ähnlichen Klasse wie der bereits seit Jahren erhältliche Ender 3 von Creality (Testbericht) und unzählige andere 3D-Drucker. Der Aufbau mit einem auf der y-Achse beweglichen Druckbett und einem auf x- und z-Achse beweglichen Druckkopf, die sogenannte Bettschubser-Bauweise, ist zwar altbewährt, aber wenig innovativ. Gleiches gilt für den Bowden-Extruder, welcher zwar weitverbreitet, aber schwieriger im Handling als ein Direct-Extruder ist. Ein Vorteil dieser Bauform ist die immerhin die verhältnismäßig kompakte Gesamtgröße. Der Vyper kommt mit seinem Bauraum von 245 x 245 x 260 mm (L/B/H) auf eine Maschinengröße von 508 x 457 x 516 mm (L/B/H).

Die bestmögliche Druckauflösung mit der im Lieferumfang enthaltenen 0,4-mm-Nozzle gibt der Hersteller mit 0,1 mm an. Das ist gut, aber nicht ungewöhnlich, ebenso, wie der installierte Filament-Sensor. Das Druckbett ist beheizt und erlaubt Temperaturen bis zu 110 °C. Die maximale Hotend-Temperatur von 260 °C erlaubt laut Anycubic die Verarbeitung von PLA, TPU, ABS, PETG oder Holz-Filament. Auch dies ist Standard; aber insbesondere beim flexiblen TPU sind wir zunächst kritisch. Das gummiartige Material ist insbesondere mit Bowden-Extruder nur schwierig zu verarbeiten. In der Regel lässt es sich erst nach Tuning-Maßnahmen und mit sehr exakt angepassten Einstellungen tatsächlich verarbeiten. Hier sind Drucker mit Direct-Extruder im Normalfall deutlich besser geeignet.

Die Bedienung des Vyper geschieht entweder direkt am PC oder mithilfe des 4,3-Zoll-Touchscreens und einer Micro-SD. Ansonsten listet Anycubic noch so einige Dinge auf, die sich erst mal nach Marketing anhören. Für bessere Stabilität wird beispielsweise die z-Achse mithilfe von zwei Motoren bewegt. Schön, aber ebenfalls normaler Standard. Auch den Doppel-Bauteillüfter am Druckkopf, den Doppelzahn-Extruder und den leisen Schrittmotor-Treibern schenken wir wenig Beachtung. Hier muss sich in der Praxis zeigen, ob das Gesamtkonzept funktioniert.

Nun kommen wir zu einigen Details des Druckers, welche wir aus eigener Erfahrung deutlich wichtiger empfinden. Da wären beispielsweise die ab Werk montierten Riemenspanner, mit deren Hilfe sich die Antriebsriemen komfortabel und exakt einstellen lassen. Das ist allerdings nicht nötig, da die Riemen alle ordentlich vorgespannt sind. Oder die magnetische Druckauflage aus Metall, welche das Lösen von fertigen Drucken extrem vereinfacht. Die kleine Schublade für das im Lieferumfang enthaltene Werkzeug ist ein weiteres erwähnenswertes und praktisches Detail.

Auch wenn dies dem Praxisteil vorweggreift: Die klare Menüführung und die sehr übersichtliche grafische Oberfläche des Touchscreens gefallen uns richtig gut; hier hat sich jemand Gedanken gemacht. Noch viel spannender finden wir allerdings die Tatsache, dass wir beim Vyper keinerlei Möglichkeiten zum Leveln des Druckbettes finden. Üblicherweise ist das Heizbett mit drei oder vier Schrauben in der Höhe verstellbar, um es gerade auszurichten. Solch eine Vorrichtung gibt es hier nicht. Wir sind auf jeden Fall direkt auf das Auto-Leveling gespannt – eines das den Namen anscheinend tatsächlich verdient. Bei allen bisherigen Lösungen handelte es sich letztlich um eine Halbautomatik, bei der der Drucker lediglich an mehreren Stellen die Abstände zwischen Nozzle und Druckbett überprüft und diese dann als Richtwert für die händische Einstellung zur Verfügung stellt. Beim Vyper heißt Automatik, dass der Nutzer tatsächlich nichts weiter per Hand einstellen muss. Mehr dazu unter dem Punkt Inbetriebnahme.

Der Vyper kommt ordentlich verpackt und satt gepolstert beim Kunden an. Im Inneren befinden sich aber nicht etwa zig Einzelteile, wie beispielsweise beim Tronxy X5SA Pro (Testbericht), sondern ein weitestgehend fertig vormontierter Drucker. Für die Montage benötigt eine Person etwa 5 Minuten – und das ist ausdrücklich keine Übertreibung. Eine ausführliche Bilderstrecke zum Aufbau gibt es dieses Mal deshalb nicht. Stattdessen präsentieren wir ein paar Detailaufnahmen des Druckers.

Letztlich wird lediglich der Rahmen für z- und x-Achse mit insgesamt vier Schrauben am Unterteil des Druckers festgeschraubt. Nun folgen noch zwei Schrauben, um den Touchscreen zu befestigen. Dann werden die zwei Teile der Filament-Halterung ineinandergeschoben und seitlich am Drucker eingehängt. Zum Schluss werden noch eine Handvoll Kabel einsteckt, fertig. So einen unkomplizierten und schnellen Aufbau hatten wir zuletzt beim Anet ET5 Pro (Testbericht). Schön, wenn man sich so direkt ans Drucken machen kann, anstatt erst stundenlang zu Schrauben und sich mit schlechten Montageanleitungen herumzuärgern.

Nach der Montage stecken wir den Vyper an und schalten ihn ein. Dank der übersichtlichen Darstellung und der gelungenen Menüführung können wir nach einer kurzen Aufheiz-Phase direkt mit dem Laden des PLA-Filaments beginnen.

In der Regel wird vor dem ersten Druck das Druckbett ausgerichtet und anschließend der Abstand zwischen Nozzle und Druckplatte eingestellt. Beim Anycubic Vyper läuft das anders. Hier misst der Druckkopf auf Befehl den Abstand zur magnetischen Metall-Druckauflage an insgesamt 16 Punkten und korrigiert Abweichung anschließend per Software. Technische Details dazu hatten wir zwar angefragt, bisher haben wir aber keine weiteren Informationen über die exakte Funktionsweise bekommen. Fakt ist, in der Praxis konnten wir problemlos mit Layer-Höhen zwischen 0,1 und 0,3 mm drucken, ohne dass es Haftungsprobleme oder Elefantenfüße gegeben hätte. Im Gegenteil: Die Haftung ist im Testbetrieb stets zuverlässig und die für einen erfolgreichen Druckvorgang erste Schicht, das First Layer, sieht hervorragend aus.

Die vom Hersteller als leise beworbenen Motoren und Treiber können wir bestätigen. Zumindest bis zu einer gewissen Geschwindigkeit ist hiervon kaum etwas zu hören. Das gilt leider nicht für die installierten Lüfter in Druckkopf, Gehäuse und Netzteil. Diese sind deutlich zu hören und bieten noch Verbesserungspotenzial. Wir hatten zwar schon deutlich lautere und unangenehmere Lüftergeräusche bei FDM-Druckern, direkt daneben arbeiten würden wir aber trotzdem nur ungern. Im Nebenzimmer aufgestellt, ist von dem Drucker bei geschlossener Tür nichts mehr zu hören.

Für unsere Testobjekte nutzen wir die von Anycubic auf Speicherkarte mitgelieferten Druckerprofile für die kostenlose Slicing-Software Cura. Das Profil für PLA ist auf eine Layer-Höhe von 0,1 mm eingestellt und liefert bei den ersten Praxistests hohe Qualität. Die Support-Struktur der Drucke lässt sich bequem und ohne großen Aufwand entfernen. Auch größere Objekte, für die wir die Schichtdicke auf 0,2 bis 0,3 mm erhöhen, spuckt der Vyper anstandslos und fehlerfrei aus. Das Lösen der fertigen Bauteile klappt dank der flexiblen Druckauflage problemlos und ohne Aufwand. Für zwei Druckvorgänge mit PETG passen wir lediglich die Drucktemperatur an und erhalten auch damit sehr ordentliche Ergebnisse. Zu diesem Zeitpunkt haben wir bereits über ein Dutzend Druckvorgänge erfolgreich abgeschlossen – ohne Probleme oder zwischenzeitliches Auto-Leveling.

Nun geht es an unseren Test mit flexiblen Filament, TPU. Hier beginnen die Probleme der meisten Bowden-Drucker bereits beim Laden des Filaments. Anders beim Vyper. Der Drucker zieht das Filament nicht nur sauber ein, auch der eigentliche Druckvorgang verläuft mit dem fertigen Cura-Profil völlig problemlos. Die Druckqualität ist für Standard-Settings erfreulich gut. Selbst das Fäden-Ziehen, welches bei TPU besonders problematisch ist, tritt nur minimal auf. Einzig die Settings für die Support-Struktur sollte man noch optimieren, denn Stützmaterial und Modell hängen sehr fest zusammen. Insgesamt sind wir trotzdem begeistert. So einfach und ohne jegliches Tuning haben wir TPU noch nie gedruckt. Das Entfernen der fertigen TPU-Modelle von der Druckplattform benötigt allerdings etwas Fingergefühl. Hier hilft die flexible Druckauflage auch nicht weiter. Immerhin ist die Metalloberfläche deutlich widerstandsfähiger als einfache Kunststoffauflagen und verkratzt so nicht beim Lösen der Drucke mithilfe eines Spachtels.

Im Test stellt sich der Vyper als echtes Arbeitstier heraus. Innerhalb einer Woche haben wir den Drucker lediglich einmalig per Auto-Leveling eingestellt, mehrmals durch die Gegend getragen und Filament gewechselt, gut 20 Objekte gedruckt (Druckdauer zwischen 1,5 und 11,5 Stunden) und dabei nicht ein einziges Problem gehabt. Im Gegenteil, die Druckqualität ist aus unserer Sicht wirklich gut und dass, obwohl wir bisher keinerlei Optimierungen an den Slicing-Einstellungen vorgenommen haben. In gut 10 Jahren haben wir bisher keinen derart zuverlässigen und unkomplizierten Drucker in den Händen gehabt. Wer sich den Vyper kauft, kann sich somit auf seine 3D-Drucke konzentrieren, anstatt sich mit dem Drucker beschäftigen zu müssen. So muss das sein!

Aktuell ist der Vyper nur im Anycubic-Onlinestore und auf dessen Ebay-Ableger erhältlich, weshalb im Preisvergleich noch keine Angebote zu finden sind. Die ersten 3000 Stück verkauft der Hersteller hier zu einem Sonderpreis von 255 Euro – ein aus unserer Sicht mehr als angemessener Preis. Hier heißt es schnell sein. Die endgültige UPV des Vyper gibt der Hersteller mit 306 Euro an. Auch dieser Preis ist hinsichtlich der tollen Gesamtleistung noch sehr fair.

Der Anycubic Vyper hat uns total überrascht und begeistert. Zwar gibt es beispielsweise bei den lauten Lüftern noch Verbesserungspotenzial, insgesamt kann der Drucker im Test aber voll überzeugen. Neben dem einfachen Aufbau, der so noch nie in günstigen Druckern gesehenen Auto-Leveling-Funktion und der tollen Druckqualität, sogar mit flexiblen Filament, überzeugt auch der erfreulich faire Preis.

Wer 3D-Drucken möchte, sich aber weniger mit der Technik und Hardware auseinandersetzen will, der ist mit dem Vyper bestens beraten. Auch wer sich bereits vergeblich mit TPU herumgeschlagen hat, bekommt hier eine tolle Lösung zu einem überschaubaren Preis. Dank großartigem Gesamtpaket und guter Druckqualität bekommt der Vyper eine klare Kaufempfehlung. Um den aktuellen Sonderpreis zu bekommen sollte man allerdings zeitnah bei ebay oder im Anycubic-Onlinestore zuschlagen.

Lediglich wer einen größeren Bauraum, einen Dual-Extruder oder eine Bastelmaschine für verregnete Tage braucht, wird sich nach einer Alternative umsehen müssen. FDM-Drucker mit XL-Bauraum gibt es ab etwa 200 Euro. Auf echtes Auto-Leveling oder ein vergleichbar einfaches Handling muss man hier derzeit aber verzichten. Wem es in erster Linie um kleinste Details statt um Größe geht, der sollte sich unsere Kaufberatung zu hochauflösenden SLA-Druckern ansehen.

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