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3D-Drucker Anycubic Mono X im Test: Groß, schnell und teuer
Pro und Contra
  • großer Bauraum
  • gute Verarbeitung, gute Komponenten
  • tolles Druckbild
  • hoher Preis
  • 5.0

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Durch den großen Bauraum, WLAN, 4K-monochrom-Display und kurze Belichtungszeiten ist der Mono X trotz des hohen Preises ein interessanter Resin-Drucker. TechStage testet, wie sich das Modell in der Praxis schlägt.

Anders als die kürzlich getesteten 3D-Drucker Anet A8 Plus (Testbericht) , Sapphire Pro XXXx (Testbericht) und Tronxy X5 SA Pro (Testbericht) , handelt es sich bei unserem aktuellen Testmodell um einen sogenannten Resin-Drucker mit dem DLP-Verfahren (digital light processing). Diese arbeiten nach einem einfachen Prinzip: Eine UV-Lichtquelle belichtet flüssiges Harz durch ein hochauflösendes Display und härtet es so schichtweise an den gewünschten Stellen aus. Die einzelnen Schichten sind mit 0,01 bis 0,1 mm so dünn, dass sie mit dem Auge kaum zu erkennen sind. Zum Vergleich: Klassische FDM-3D-Drucker bauen Modelle aus Schichten zwischen 0,1 und 0,4 Millimetern aus geschmolzenem Kunststoff auf.

Zum Druck wird die Druckplattform direkt auf die Folie abgesenkt und das LCD belichtet jene Stellen, an denen das Harz aushärten soll. Sobald eine Schicht fertig ist, hebt sich die Druckplattform mit dem gehärteten Harz und die nächste Belichtung startet. So wird das Druck-Erzeugnis praktisch aus dem Harz nach oben gezogen. Der Vorteil an dieser Technik: die Belichtung einer Schicht dauert immer gleich lang – egal ob nur ein kleiner Bereich, oder die komplette Druckfläche belichtet wird. 

Zum Thema SLA-3D-Druck sind beispielsweise folgende Artikel erschienen:

Der Anycubic Mono X ist mit seinen 270 × 290 × 475 mm sperriger als die bisher getesteten Resin-Drucker. Im Vergleich wirkt die im Test genutzte Cure&Wash-Station von Anycubic (Testbericht) sehr klein – obwohl diese etwa die Abmessungen eines Elegoo Mars oder der meisten anderen Resin-Drucker hat. Der Bauraum misst satte 192 × 120 × 245 mm und ist somit für größere Druckobjekte geeignet als beispielsweise der Anycubic Photon mit einem maximalen Bauvolumen von nur 115× 65 × 155 mm.

Um trotz der Größe eine hohe Auflösung zu garantieren, arbeitet der Mono X mit einem 4K-monochrom-Display mit einer Auflösung von 3840 × 2400. Im Vergleich zu den bei den günstigen Resin-Druckern genutzten RGB-Displays hat dies zwei entscheidende Vorteile. Zum einen haben die Displays eine viermal höhere Lebensdauer von 2000 statt 500 Stunden, zum anderen kommt mehr UV-Licht hindurch, was die Belichtungszeiten enorm verkürzt. Im Test reichen 1,5 Sekunden Belichtungszeit für das Standard-Resin. Bei anderen Druckern lag diese bei 4 bis 6 Sekunden. Anycubic empfiehlt die UV-Lichtstärke auf 70 bis 80 Prozent zu senken, um die Lebensdauer noch weiter zu erhöhen. Druckgeschwindigkeit gibt Anycubic beim Mono X mit 60 mm/h an. Zum Vergleich, der Photon schafft laut Datenblatt 20 mm/s. Bei einer Schichtdicke von 0,05 mm und einer Bauteilhöhe von 240 mm berechnet unser Slicing-Programm eine Druckdauer von 17,5 Stunden. Mit anderen Resin-Sorten (Vergleichstest) sind noch kürzere Laufzeiten möglich. Zum Vergleich: Der Photon braucht bei einer Bauhöhe von nur 110 mm fast 13 Stunden.

Die Druckdaten gelangen per USB-Stick auf den Drucker. Die dort gespeicherten Objekte können dann auch mithilfe der App gestartet und überwacht werden.

Der Mono X kommt ordentlich und sicher verpackt in einem großen Karton in der Redaktion an. Bereits die sperrige Verpackung deutet auf den überdurchschnittlich großen Bauraum hin. Im Inneren befinden sich neben Drucker und Netzteil allerlei Zubehör, wie zwei Spachteln, Innensechskant-Schlüssel, Einmalhandschuhe, Gesichtsmasken, Anleitung, USB-Stick und ein Blatt für das Leveling. Für den Test hat uns Anycubic außerdem zwei Liter graues Standard-Resin zur Verfügung gestellt.

Der Drucker selbst besteht aus dem Basisteil mit auf Linearschienen gelagerter z-Achse, der abnehmbaren Druckplattform, einem massiven Resin-Tank und einer gelben Kunststoffabdeckung. Bis auf die durchsichtige Schutzhaube besteht der Mono X fast ausschließlich aus Metall. Die Verarbeitung ist sehr hochwertig. Auch der farbige 3,5-Zoll-Touchscreen zur Bedienung hinterlässt dank guter Darstellung einen positiven Eindruck. Die Berührungen erkennt der Bildschirm zuverlässig und präzise. Die Menüführung ist logisch und übersichtlich. Die Druckdaten werden gar als Grafik angezeigt, was die Auswahl des richtigen Modells erleichtert. Aktuell ist die Menüführung allerdings nur in Chinesisch und Englisch verfügbar.

Der Aufbau mit der aufgesetzten Haube erinnert an den Elegoo Mars (Testbericht) , Longer Orange 30 (Testbericht) oder den Nova3D Elfin (Testbericht) . Das gefällt uns besser als beim Anycubic Photon (Testbericht) , da man hier ohne Gefummel an Druckplattform und Resin-Tank gelangt.

Anders als beim Elegoo Mars besteht das VAT, der Resin-Tank mit durchsichtigem Folienboden, aus Metall. Der Tank wirkt so deutlich stabiler. Während des Druckvorgangs ist er durch zwei Schrauben auf dem UV-Display verschraubt. Was uns gut gefällt, sind die abgeklebten Ränder des Displays. Sollte durch ein undichtes VAT oder eine Unachtsamkeit Resin austreten, gelangt dieses nicht gleich ins Innere des Druckers. Die Technik ist so bessere vor Beschädigungen geschützt.

Eine weitere Besonderheit ist, die hinter dem VAT installierte, WLAN-Antenne. Für einen geraden und vibrationsfreien Stand sorgen die in der Höhe anpassbaren Standfüße aus Gummi. Netzteilanschluss, USB-Buchse und der On-Off-Schalter sind auf der rechten Seite der Basis angebracht.

Der eigentliche Aufbau klappt schnell und problemlos. Der Nutzer muss letztlich nur die Kalibrierung der Druckplattform durchführen und optional die WLAN-Verbindung einrichten. Zweiteres ist funktioniert etwas umständlich anhand einer Text-Datei auf dem USB-Stick. Dort trägt der Nutzer den Netzwerknamen und das Passwort ein und speichert diese ab. Diese Konfigurationsdatei wird anschließend im Mono X wie ein Druck gestartet. Wenige Sekunden später steht dann die Verbindung und so können per App Druckaufträge gestartet oder überwacht werden. Das ist praktisch, wenn auch nicht wirklich notwendig.

Nach dem Auffüllen des Resintanks kann der erste Druck starten. Hierzu sollte man bereits Handschuhe und Mundschutz anlegen. Das Harz muss gut durchgeschüttelt werden und sollte anschließend einige Minuten Ruhezeit bekommen, bis sich die durchs Schütteln entstandenen Blasen gelöst haben.

Der Lüfter vom Mono X arbeitet zwar nicht lautlos, im Vergleich zu FDM-Druckern ist der Drucker aber angenehm leise. Trotzdem eignet er sich so nicht zur Aufstellung am Arbeitsplatz – was wegen des unangenehmen Resin-Geruchs sowieso kaum in Frage kommt.

Die Drucke, die wir in den letzten Tagen gemacht haben, waren ausnahmslos erfolgreich – so muss das sein! Nicht nur die Haftung zwischen Standard-Resin und Druckplatte ist sehr gut, sondern auch das gesamte Druckergebnis. Sowohl die Test-Files vom USB-Stick gelingen, sondern auch die von uns vorbereiteten Modelle.

Mit den Standardeinstellungen von Lychee sind wir soweit zufrieden, auch wenn wir die Belichtungszeit laut Testdruck noch minimal herunterschrauben könnten. Die Ergebnisse der Resin-Drucker sind immer wieder beeindruckend – hier ist der Mono X keine Ausnahme. Selbst kleinste Details sind nach ordentlicher Reinigung gut erkennbar; kein Vergleich zu den FDM-Druckern, die mit zehnfacher Schichtdicke arbeiten.

Um ein möglichst sauberes Druckbild zu haben, muss allerdings nicht nur die Belichtungszeit passen. Ohne eine anständige Reinigung nach dem Druck gehen sonst Details verloren. Im Test haben wir die Cure&Wash-Station (Testbericht) genutzt. Für wirklich große Drucke ist die allerdings zu klein. Mittelgroße Objekte (bis etwa 12 × 8 × 16 cm) passen gerade noch so in die Resin-Waschanlage.

Die ersten großen Druckobjekte sind fertig vorbereitet. Sobald wir diese gedruckt haben, werden wir an dieser Stelle Fotos davon nachreichen.

An Software wird lediglich ein sogenannter Slicer benötigt. Die mitgelieferte Software arbeitet zuverlässig, ist für unseren Geschmack aber stellenweise unübersichtlich und weniger umfangreich als andere Programme. Neben dem auf dem USB gespeicherten Anycubic Photon Workshop funktionieren allerdings auch andere Slicer, wie das kostenlose Chitubox . Wir nutzen beispielsweise die Software Lychee , da es auch hier ein fertiges Profil für den Mono X gibt und wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen damit gemacht haben.

Das Slicing der ungewohnt großen Druckerzeugnisse dauert spürbar länger als bei kleineren Druckern. Für große Dateien rödedlt unser Macbook gut zwei Minuten vor sich hin, bevor das Ergebnis fertig ist.

Ausreichender Support ist beim Druck von großen Objekten unabdingbar. Die fertigen Drucke sind schlicht deutlich schwerer als bei Photon & Co. und so sollten unbedingt genügend und ausreichend massive Stützen eingeplant werden. Ansonsten reißt das eigentliche Objekt früher oder später ab und der Druck schlägt fehl.

Die zusätzliche App ermöglicht eine komfortable Überwachung des Druckvorgangs, auch wenn dieser in einem anderen Raum steht.

Wer möchte, kann jedes Resin benutzen. Entscheidend ist, dass das Harz bei einer Lichtwellenlänge von 405 nm aushärtet. Unserer Erfahrung haben wir im Resin-Vergleich: Fünf Harze für SLA-Drucker im Test gegenübergestellt.

Das im Test benutzte graue Harz von Anycubic hinterlässt einen positiven Eindruck. Es ergibt ein schönes Druckbild und ist erfreulich fest, ohne dabei völlig spröde zu werden. Die Geruchsbildung ist deutlich geringer als beim grünen Anycubic-Resin. 

Der Folienboden des Resin-Tanks ist austauschbar. Ersatzfolien sind von verschiedenen Herstellern verfügbar. Verbrauchsmaterial, wie Filter, Handschuhe, Isopropanol oder Staubmasken sind, ebenso wie zahlreiche Ersatzteile, beispielsweise auf Amazon erhältlich.

Der Anycubic Mono X ist im Preisvergleich für knapp 800 Euro gelistet. Wer das Gerät aus China bei Banggood bestellt, zahlt (vor Steuern und Importabgaben) 575 Euro. Das ist zwar deutlich teurer als kleine Resin-Drucker, allerdings ist das Geld aus unserer Sicht gut angelegt.

Abgesehen vom hohen Preis sind wir begeistert. Der Mono X ist vorbildlich verarbeitet, einfach zu bedienen und liefert tolle Ergebnisse. Uns hat der Test richtig viel Freude gemacht – dies ist nicht bei allen 3D-Druckern so.

Wer größere Objekte als Tabletop-Figuren drucken will oder viele kleine Dinge gleichzeitig belichten möchte, ist mit dem Mono X sehr gut beraten. Die Lautstärke der Lüfter dürfte zwar noch etwas niedriger sein, da Resin-Drucker wegen des Harzgeruchs aber sowieso meist nicht im Wohnbereich stehen, ist dies in Verbindung mit der WLAN-Funktion gut verschmerzbar.

Um lediglich in den Bereich der hochauflösenden 3D-Druck einzusteigen, lohnt sich der Preis aber nicht. Hier sind günstige und kleine Modelle wie der 200 Euro teure Elegoo Mars (Testbericht) oder der Longer Orange 30 (Testbericht) deutlich besser geeignet. Geht es um maximale Druckgröße oder einen möglichst niedrigen Preis sind FDM-Drucker letztlich aber noch immer besser geeignet, wie unser Ratgeber Riesen-3D-Drucker ab 199 Euro zeigt.

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