3D-Drucker Anycubic Mega SE im Test: Gut für Einsteiger ab 160 Euro

Anycubic Mega SE
Pro und Contra
  • günstig
  • ordentliches Druckbild selbst bei TPU
  • leise
  • Defekte Teile mussten durch den Support ersetzt werden
  • geringe Bauteilkühlung
  • schlechte Verfügbarkeit
  • 4.5

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Der Anycubic Mega SE ist ein günstiger FDM-Drucker in Standardgröße. Neben Dual-Gear-Extruder und leisen Schrittmotoren lockt das Modell mit Ultrabase-Druckauflage. TechStage hat das Budget-Modell getestet.

Bei Recherchen zu einem vorangegangenen Test zum Anycubic i3 Mega S stolperten wir auf der Herstellerseite über diesen in Deutschland noch recht unbekannten 3D Drucker. Nach einem Vergleich mit anderen i3-Mega-Varianten, die deutlich mehr kosten, verblüffte uns der niedrige Preis von unter 160 Euro schon sehr. Die technischen Details des Mega SE lesen sich ganz nach einem 3D-Drucker, der aus den Fehlern und Defiziten seiner Vorgänger nicht nur gelernt hat, sondern auch auf das Nutzerverhalten der i3-Mega-Community reagiert.

Der Mega SE ist ein kartesischer 3D-Drucker mit einem Bauraum von 220 x 220 mm und 250 mm Druckhöhe. In dieser Preisklasse ist der Markt besonders stark umkämpft, Hersteller unterbieten sich fortlaufend im Preis und verbessern beständig ihre Produkte, um Kunden für sich zu gewinnen. Bei dem Mega SE baut Anycubic auf flüsterleise TMC2208 Schrittmotoren, einen durchsichtigen stabilen Dual-Gear-Extruder und die Ultrabase mit mikroporöser Karborundum-Beschichtung, um aus der großen Masse herauszustechen.

Schon der letzte preiswerte Drucker, der Artillery Hornet (Testbericht) konnte mit einigen Erneuerungen punkten. Es wird also nicht einfach für den Mega SE. Dieser Einzeltest gehört zu unserer Themenwelt 3D-Drucker. Hier finden sich neben zahlreichen Ratgebern auch Produktvergleiche und Einzeltests.

Aufgebaut ist der Drucker ähnlich dem dreidimensionalen kartesischen Koordinatensystem, von dem dieser Druckertyp auch seinen Namen hat. Jede Achse besitzt einen eigenen Antrieb, der die Bewegungen der jeweiligen x-, y- oder z-Achse steuert. In unserem Fall, bewegt der Motor für y-Achse über Riemen das Druckbett nach hinten und vorne, weshalb dieser Druckertyp seinen unschönen Spitznamen Bettschubser bekommen hat. Der Motor für die x-Achse zieht den Druckkopf auf der Systemschiene mithilfe von Riemen nach links und rechts. Der Motor für die z-Achse überträgt die Kraft auf eine Gewindestange, die die komplette Systemschiene inklusive des Druckkopfs nach oben schraubt.

Der Mega SE ist aus einem massiven Rahmen von Systemschienen aufgebaut und das Netzteil ist links hinter der senkrechten Schiene versteckt. Die Bedienung erfolgt rechts über einen Plastikkasten mit blauem Monodisplay und einem Drehrad. Dort bemerkt man den niedrigen Preis, das Display flackert anfänglich beim Drücken des Drehrades mit auf, im späteren Verlauf lässt dieser Effekt aber nach. Auf dem Mainboard ist eine Version von Marlin mit den Grundfunktionen aufgespielt, diese reduzierte Firmware ist übersichtlich aufgebaut und enthält alles, um den Drucker zu steuern. Auch hat die Firmware eine Auto-Resume-Funktion, die den Drucker nach einem Stromausfall wieder dort weiterdrucken lässt, wo er gestoppt hat.

Highlight bei dem Mainboard sind die TMC2208 Motortreiber. Vor nicht mal zwei Jahren waren in diesem Preissegment fast ausschließlich die lauteren A4890 Motortreiber verbaut. Da konnte man den Drucker sogar noch aus dem Keller bei verschlossenen Türen hören. Das ist nun nicht mehr der Fall. Das Heizbett hat eine bessere Kabelführung spendiert bekommen, die Kabelbrüchen, durch die vielen Bewegungen entgegenwirken soll. Von unten isoliert ist das Heizbett zwar nicht, trotzdem heizt das Bett innerhalb von fünf Minuten auf.

Die Druckoberfläche bildet die Ultrabase, eine Glasplatte mit Karborundum Beschichtung garantiert besten Halt für alle Materialien. Ein wichtiges Upgrade zum 50 Euro günstigeren Mega Zero, welcher nur eine magnetische Kunststoffauflage abbekommen hat. Die Ultrabase wird von schlichten Heizbettklemmen gehalten, die wegen ihrer geringen Höhe genial einfach konstruiert sind. Der Druckkopf kann dadurch nicht hängen bleiben oder Schaden nehmen.

Der Druckkopf ist eine neuere Version des V5 J-Head E3D V6 Hotend, hier ist der Kühlkörper kleiner und leicht oval, das Hotend selbst, ist der übliche kleine Aluminiumblock wie beim alten Modell. Leider kommt der ohne Silikonmuffe oder Glasfaser-Kapton-Tape-Hitzedämmung daher. Am Druckkopf sitzt ein Standardbauteillüfter. Dieser war bei unserer Lieferung bedauerlicherweise defekt, wurde aber von Anycubic umgehend ersetzt.

Unser persönliches Highlight ist der durchsichtige Dual-Gear-Extruder in Verbindung mit dem Capricorn-Bowden-Schlauch. Dank des hochwertig verarbeiteten Dual-Gear-Extruders und dem PFTE-Schlauch, dessen Innendurchmesser viel geringere Toleranzen aufweist und auch weniger Reibung zulässt, konnte der Mega SE in unseren Tests selbst flexible Materialien wie TPU zuverlässig drucken.

Bauraum 220 x 220 x 250 mm
Schichtdicke +/- 0,1 mm
Nozzle-Durchmesser 0,4 mm
Druckgeschwindigkeit 20 bis 100 mm/s (Empfohlen 60 mm/s)
Filamente PLA, TPU, ABS, HIPS, PETG, Wood
maximale Temperatur Extruder 255 °C
maximale Temperatur Heizbett 100 °C
Abmessungen 505 x 431 x 607 mm
Gewicht 7 kg

Dank der übersichtlichen Bedienungsanleitung und den durchnummerierten Schraubentüten ist der Aufbau in weniger als 20 Minuten erledigt. Erst werden der oberen Rahmen mit dem unteren Chassis mit je 2 Schrauben verbunden, danach das Netzteil und das Controlboard angeschraubt. Als letzten Schritt verbindet man alle Kabel miteinander und schon ist der Aufbau erfolgreich beendet.

In dieser Preisspanne werden die Drucker im Werk offenbar weder zusammengebaut, noch getestet. Wir hatten bei unserem Modell bedauerlicherweise einen defekten Bauteilkühler und einen lockeren Heizbettschlitten.

Das zweite Problem ist schnell gelöst. Hier hilft das Nachziehen der Muttern der Silikonlaufrollen des y-Schlittens. Auf einer Seite sind die Muttern nicht mittig gebohrt, sondern mit leichtem Versatz, so lässt sich die Führung mit einem Schraubenschlüssel enger oder weiter stellen.

Der defekte Bauteilkühler ist dagegen ein echter Rücksendegrund. Der Kühler bläst Luft an das frisch ausgepresste heiße Filament und lässt es schneller wieder erstarren. Dies ist bei Überhängen und Druckspitzen von feinteiligen Drucken wichtig. Wir bemerkten das Problem sehr schnell, als das Gefieder unserer Testeule viele triefende Nasen bekam. Nach einer kurzen Kommunikation mit dem After-Sale-Support von Anycubic schickte dieser ein Ersatzteil.

Nachdem diese Startschwierigkeiten beseitigt waren, konnten wir endlich loslegen und den Drucker mit Aufträgen füttern.

Wir druckten die von Anycubic auf Speicherkarte vorbereitete Eule, einen Big Ben und den Crystal-Drachen mit PLA, ein Funktionsteil mit ABS, eine Wallet und eine Handyhülle mit flexiblen TPU.

PLA-Filament hat der Drucker gut im Griff. Bei gewissen Details ist definitiv Luft nach oben. Genauer gesagt, es ist leider zu wenig Luft. Bei der Spitze des Big Bens, wie auch bei den starken Überhängen der Eulenfedern kühlt das Filament nicht genügend schnell herunter und verläuft oder wird wellig. Den Crystal Drachen mit seinen vielen Spitzen druckte der Mega SE hingegen sehr gut

Bei ABS ist es bei allen offenen 3D Druckern dasselbe Spiel. Der Hersteller gibt an, er kann ABS drucken und das kann er auch. Aber ohne geschlossenen Bauraum schrumpfen die Bauteile zu stark, werden krumm und schief oder lösen sich komplett von der Bauplattform.

Die flexible TPU-Wallet und die Handyhülle bewältigte er mit Bravour, vorrangig dank des Dual-Gear-Extruders und des Capricorn-PFTE-Schlauches.

In der Preisklasse gibt es unzählige Modelle mit gleichem Aufbau, aber kleinen und wichtigen Unterschieden. Da hätten wir den Ender 3, den Aquila DIY, den Anycubic Zero, den Artillery Hornet oder eben unser heute vorgestellter Mega SE. Kurze Zäsur, die zwei letztgenannten haben die Silent-Motortreiber verbaut, der Artillery hat die bessere Hotendkühlung, dafür hat der Mega SE den besseren Extruder.

Aktuell ist der Mega SE nur im Anycubic-Store und über etwa den EBay-Shop des Herstellers für rund 155 Euro erhältlich.

In dieser Preisklasse muss man klar Abstriche in puncto Qualität machen. Möchte man in den 3D-Druck reinschnuppern, sind alle oben genannten Drucker gut geeignet. Der Artillery Hornet (Testbericht) kann im Auslieferungszustand besser Überhänge drucken, dafür hat der Mega SE ganz klar den Vorteil bei elastischen Filamenten, wie TPU.

Der Mega SE ist dank des einfachen Aufbaus besser geeignet eigene Tuning Maßnahmen durchzuführen. Wie etwa den Druck eines genaueren Lüftungsschachtes für den Bauteilkühler. Ist man bereit, sich auf Thingiverse oder Cult3D ein eigenes Lüfterkanalmodell herunterzuladen und zu drucken, kann man den Mega SE zu einem großartigen Drucker umbauen. Dann hat man mit unter 160 Euro einen wirklich guten Deal gemacht.

Wer weniger basteln möchte, sollte sich die Modelle Artillery Hornet (Testbericht), Anycubic Vyper (Testbericht), Monoprice MP Mini Delta V2 (Testbericht) oder den Flashforge Adventurer 3 (Testbericht) ansehen. Weitere Vergleichs- und Produkttests, sowie Ratgeber, zeigen wir in unserer Themenwelt 3D-Drucker.

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