3D-Drucker Anycubic Kobra Max im Test: groß, günstig und sehr zuverlässig

Anycubic Kobra Max
Pro und Contra
  • riesiger Bauraum
  • erprobte Hardware
  • automatisches Leveling
  • hohe Zuverlässigkeit
  • nur mittelmäßige Bauteilkühlung
  • Heizbett nur bis 90 Grad
  • alter Bowden-Extruder
  • 5.0

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Unser neuer Lieblingsdrucker ist der Kobra Max, der XL-Nachfolger des Anycubic Vyper. TechStage hat den riesigen FDM-Drucker getestet und zeigt, warum er zu den besten Druckern auf dem Markt gehört.

Die neue Kobra-Reihe von Anycubic profitiert stark von den Innovationen der vorangegangenen Vyper-Serie (Testbericht). Anycubic führte mit dieser Serie die voll automatische Druckbett-Nivellierung ein. Sie nimmt dem Nutzer das lästige Ausrichten des Druckbetts ab und garantiert eine perfekte erste Schicht und somit gute Haftung. Außerdem hat Anycubic eine doppelte Bauteilkühlung ins Design des Druckkopfes integriert.

Das bewährte Bowden-Extruder-System wurde zwar grundsätzlich beibehalten, aber der Extruder hat ein sinnvolles Upgrade bekommen. Der überarbeitete Dual-Gear-Extruder ist jetzt in einem schicken durchsichtigen Plastikgehäuse eingebettet, so sind etwa Fehler beim Filament-Vorschub schneller zu erkennen. Die Materialführung arbeitet dabei äußerst zuverlässig und so sind selbst mit TPU ordentliche Druckgeschwindigkeiten möglich. All diese Merkmale des Vypers wurden in großen Teilen in die Kobra-Serie übernommen.

Anycubic hat mit der neuen Baureihe vor allem die Grenzen der maximalen Baugröße enorm nach oben verschoben. Die Modelle Kobra Max und Kobra Plus bieten deutlich mehr Platz als der klassische Vyper. Obendrein hat Anycubic mit dem kleinen Standard-Kobra den ersten eigenen Direct-Drive-Extruder auf den Markt gebracht. Entwicklungsfreude und kostengünstige Produktion gehen hier Hand in Hand.

Bei den Druckern der Vyper- und der Kobra-Serie kommen die identischen Touchscreens, Rollenhalter und Riemenspanner und ein vergleichbarer Rahmen zum Einsatz. Auch die Benutzeroberfläche des Druckers ist gleichgeblieben. Der Vyper, Kobra Plus und Kobra Max besitzen den Druckkopf mit doppelter Bauteilkühlung, automatischem Bett-Leveling und durchsichtigen Dual-Gear-Extruder im Boden-Schlauch-System. Kobra und Vyper setzen beide auf PEI-Federstahlbleche. Diese sind erfahrungsgemäß für alle Filament-Sorten gut geeignet – auch für bei der Abkühlung stark schrumpfende Materialien, wie ABS, ASA und PC. Wir empfehlen bei diesen Filamenten trotzdem dazu, zusätzlich Haftmittel wie Magigoo aufzutragen.

Kobra Plus und Max setzten stattdessen auf Carborundum-Glasplatten als Druckoberfläche. Diese sind ideal für große Objekte aus etwa PLA, PLA+ und PETG. Durch starke Spannungsunterschiede nach dem Abkühlen lösen sich die fertigen Druckobjekte wie von allein.

Das Autoleveling von Kobra Max und Kobra Plus nutzt sogenanntes Sensorless-Homing und Probing. Dies wird direkt über die Motoren, den Motortreibern und die Software gesteuert. Kurz erklärt. Bewegt der Motor den Druckkopf nach unten, zählt die Software die zu erwartenden Schritte des Motors mit. Sobald die Düse das Druckbett berührt, registriert die Motorsteuerung verlorene Schritte. Die verlorenen Schritte werden verursacht durch den Widerstand, den die Düse mit dem Anschlag auf dem Druckbett auslöst. So weiß die Software, wo der Nullpunkt des Druckbereiches ist.

Der kleine Kobra nutzt hingegen einen induktiven Sensor. Der kleine Stab (rechts am Direct-Drive-Extruder) erzeugt ein elektromagnetisches Wechselfeld. Nähert sich die Spitze des Stabes dem Druckbett, erfährt dieses elektromagnetische Wechselfeld eine Spannungsänderung. Die Software stuft so den Nullpunkt des Druckbereiches ein und vermisst so das komplette Druckbett.

Die spannendste Erneuerung ist der Direct-Drive-Extruder von Anycubic. Durch den stark verkürzten Weg des Filaments von Extruder zu Druckkopf können solche Extruder genauer als Bowden-Extruder arbeiten. Zudem sind sie besser für flexible Filamente wie TPU geeignet, da sich das flexible Material durch den Vorschubdruck im Bowden-Schlauch schnell staucht.

Mit dem Direct-Drive können so auch höhere Retract-Geschwindigkeiten genutzt werden. Dieses Retract wird benutzt, um das Heraussickern des flüssigen Filaments bei Sprüngen von einem zum anderen Druckbereich zu mindern. Das sogenannte Spinning (Fäden ziehen) wird durch den Direct-Drive-Extruder ebenfalls erheblich verbessert.

Drucker Bauraum Extruder Autoleveling Druckauflage
Anycubic Vyper 245 x 245 x 260 mm Bowden Sensorless PEI Federblech
Anycubic Kobra 220 x 220 x 250 mm Direct-Drice Induktiver Sensor PEI Federblech
Anycubic Kobra Plus 300 x 300 x 350 mm Bowden Sensorless Carborundum-Glasplatte
Anycubic Kobra Max 400 x400 x 450 mm Bowden Sensorless Carborundum-Glasplatte

Der Aufbau gestaltete sich problemlos, wie bei den meisten modernen 3D-Druckern. Das untere Chassis und der obere U-Rahmen werden schon fertig vormontiert geliefert und müssen lediglich zusammengeschraubt werden. Anschließend noch die schrägen Stabilisatoren anbringen und schon können die Kabelbinder zur Transportsicherung entfernt werden. Nun muss man noch die eindeutig markierten Steckverbinder aneinanderfügen und das Touchdisplay anschließen.

Anycubic hat hier aus unserer Sicht eine schöne Lösung für den schon oft gesehenen Kabelsalat der oberen Motoren und Extruder gefunden. Sie besteht aus zwei getrennten Kabelbäumen, die erst oben an der Steckerplatine zusammengeschlossen werden.

Am Ende müssen wir noch das Glas-Druckbett auflegen, die Schutzfolie abziehen und mit den mitgelieferten Edelstahl-Clips fixieren. Danach sollte noch die Spannung der Riemen und eine stabile Führung von Schlitten und Druckkopf überprüft werden. In unserem Fall war etwa der Schlitten sehr locker. Der Grund dafür ist fehlender Anpressdruck bei den kugelgelagerten Führungsrollen.

Jeweils eine der gegenüberliegenden Führungsrollen verfügt über eine Sechskantmutter mit einer asymmetrischen Führung. Beim Drehen der Mutter kann der Abstand von Führungsrolle zu Führungsschiene und somit der Anpressdruck verändert werden. Dieses Prinzip gilt auch für Justierung der Führung des Druckkopfes. Ein lockerer Schlitten oder ein ungespannter Riemen kommen öfter vor, hier kann man schnell und einfach selbst nachjustieren.

In der Bedienungsanleitung gibt es sogar einen ausführlichen Abschnitt über die beigelegte Slicing-Software Cura. Anycubic beschreibt neben der Installation auch, wie das Druckerprofil korrekt ins Programm eingepflegt wird. Der Hersteller geht hier schön ins Detail, man kann nichts falsch machen.

Das User-Interface am Touchscreen des Kobra Max ist, wie vom Vyper gewohnt, sehr übersichtlich und einfach gestaltet. Die wichtigsten Einstellungen wie Preheat, Filament In & Out sind problemlos zu finden. Sehr erfreulich ist die übersichtliche Anzeige der Druckparameter, wie Druckgeschwindigkeit, Düsentemperatur, Heizbetttemperatur und vor allem die direkte Möglichkeit, das Z-Babystepping in 0,05-mm-Schritten anzupassen. Falls die Grundeinstellung noch zu ungenau war, kann mit damit zu Beginn des Druckauftrages der Abstand von Düse zu Druckbett nachreguliert werden.

Kobra Max und Plus sind dem Vyper zwar sehr ähnlich, besitzen aber einen deutlich größeren Bauraum. Der Bauraum des Vypers etwa misst 245 x 245 × 260 mm – eine eher ungewöhnliche Größe. Die meisten Filament-Drucker haben eine Grundfläche von 200 × 200 mm. Der Kobra Plus verfügt allerdings über einen größeren Bauraum von satten 300 × 300 × 350 mm. Das ist zwar schon recht ordentlich, aber noch nicht riesig. Der Kobra Max legt hier noch eine Schippe drauf. Mit ihm lassen sich XL-Projekte bis zu einer Größe von 400 × 400 × 450 mm realisieren.

Beim Druckbett setzt Anycubic auf ein erprobtes Glasbett aus Carborundum. Hier gestaltet sich das Ablösen der fertigen Druckmodelle besonders einfach – was bei solch einer großen Grundfläche auch äußerst sinnvoll ist. Erwähnenswert ist auch die doppelte Z-Spindelführung, die durch einen Riemen am oberen Ende verbunden sind. Dadurch wird ein gleichmäßiges Anheben der X-Schiene sichergestellt.

Alles in allem ist der Kobra Max ist ein übergroßer Vyper mit eher kleinen Verbesserungen. Ist hier Kritik angesagt? Wir finden nicht – im Gegenteil. Solch große Drucker waren vor zwei Jahren noch deutlich teurer und vor allem, unzuverlässiger. Ein XL-Drucker mit hoher Zuverlässigkeit und bewährten Komponenten für knapp 650 Euro – das ist richtig gut.

Kommen wir zum wichtigsten Punkt, der Druckqualität. Gute Druckergebnisse sind immer auch von der Druckgeschwindigkeit abhängig. Anycubic gibt für seinen Drucker eine Druckgeschwindigkeit von maximal 90 mm/s an. Das ist zu schnell für perfekte Ergebnisse. Beim Druck von Kabelbilderhaltern starteten wir mit den angegebenen 90 mm/s und die Rundungen sehen schlich unsauber aus. Nach einer Reduzierung der Geschwindigkeit auf 50 mm/s sieht es dann schon ganz anders aus. Hier gefällt uns das Druckbild ausgezeichnet.

Bei spitzen Modellen hat der Kobra Max, wie viele Drucker, leichte Probleme mit einem sauberen Abschluss. Da der Druckkopf bei einer hohen Spitze fast an derselben Stelle ruht und nur minimale Bewegungen horizontale Bewegungen vollführt, ist die Bauteilkühlung nicht stark genug, um die Abwärme von der heißen Düse zu kompensieren. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau – richtig gute Ergebnisse bei spitzen Teilen, haben wir bis jetzt nur mit Tuningteilen und Radiallüftern erzielt.

Als Nächstes folgt ein klassischer Stresstest, das kleine Boot mit dem Namen Benchy. Um es dem Kobra Max nicht zu leicht zu machen, muss er das komplexe Modell aus flexiblem TPU drucken. Hier sind wir vom Ergebnis positiv überrascht. Trotz der für TPU hohen Geschwindigkeit von 35 mm/s ist das Boot sehr sauber gedruckt worden.

Als Letztes druckten wir einen Block mit verschiedenen Infill-Typen mit 50 mm/s. Wie zu erwarten, wird die Platte im oberen Bereich aufgrund der Schwingungen unruhiger. Für ein perfektes Ergebnis sollte die Druckgeschwindigkeit im obersten Viertel weiter gesenkt werden.

Insgesamt liefert der Kobra Max schon mit dem Standardprofil gute Ergebnisse. Mit angepassten Slicer-Settings und mehr Geduld (mit langsamen Druckgeschwindigkeiten) sind dann auch einwandfreie Ergebnisse möglich. Wirklich überzeugt hat im Test aber die hohe Zuverlässigkeit des Systems. Im Test hatten wir auch nach deutlich über 100 Betriebsstunden keinerlei Probleme. Wir mussten keine Drucke abbrechen, es gab kein abgerissenes Filament, keinen Material-Stau und keine Haftungsprobleme. Genauso sollte das in der Praxis sein. Beim Kobra kann man sich auf seine 3D-Objekte konzentrieren, ohne ständig Zeit in den Drucker zu investieren.

Eine Einschränkung haben wir trotzdem gefunden. Der Kobra Max hat eine maximale Druckbett Temperatur von 90 Grad und so ist die Verarbeitung von Filamenten wie ABS, ASA, CPE, PMMA nicht möglich. Sie benötigen alle Druckbetttemperaturen von mindestens 100, noch besser 110 Grad. Der Kobra Max ist somit ein Drucker für Standard-Filamente wir PLA, PLA+ PETG und flexibles TPU.

Hinsichtlich Druckqualität, Ausstattung und Größe empfinden wir den Straßenpreis Preis von etwa 650 Euro als fair und angemessen.

Wer sich für Vyper oder die Kobra-Serie interessiert, kann aktuell aber ordentlich sparen. Im Onlineshop von Anycubic gibt es aktuell Halloween-Angebote mit fetten Rabatten. Der Vyper kostet dort aktuell 319 Euro, der kleine Kobra sogar nur 299 Euro, der Kobra Plus 489 Euro und der Kobra Max 529 Euro! Auch die Resin-Drucker (Themenwelt) des Herstellers sind derzeit reduziert erhältlich.

Der Anycubic Kobra Max ist ein großer und dank bewährter Technik äußerst zuverlässiger Drucker. Obwohl der FDM-Drucker auf den ersten Blick wenig innovativ erscheint – in den letzten Wochen hat er sich zu unserem neuen Lieblingsdrucker entwickelt.

Die Kombination aus tollem Druckbild, riesigem Bauraum und sehr hoher Zuverlässigkeit machen den Kobra Max zu einem idealen Werkzeug für den Alltag. Wer groß drucken und nicht am Drucker basteln will, ist mit dem Kobra Max optimal beraten.

Ist auch weniger Bauraum ausreichend, sind auch der Kobra Plus und der kleine Kobra empfehlenswert. Wer plant hauptsächlich kleine Objekte aus TPU zu drucken, der sollte sich den Standard-Kobra mit Direct-Drive-Extruder zulegen. Geht es um kleine Drucke und einen möglichst günstigen Preis, ist auch der ältere Vyper eine gute Wahl.

Weitere Einzeltests, Ratgeber oder etwa Filament-Vergleiche finden sich in unserer Themenwelt 3D-Drucker.

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