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3D Drucker Creality Ender 3 im Test: billig, tolle Ergebnisse

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Der Creality Ender 3 überzeugt im Test durch einen unkomplizierten Aufbau, eine gute Ausstattung und einen niedrigen Preis. Wir erklären, warum sich der Selbstbausatz sogar für Anfänger eignet.

Der Ender 3 ist nur einer von zahlreichen 3D-Druckern zum selbst zusammenbauen. Der Grundaufbau entspricht weitgehend dem bereits getesteten i3-Prusa-Klon (Testbericht). Hauptunterschiede sind der stabilere Rahmen aus schweren, schwarzen Metallprofilen und die insgesamt deutlich bessere Gesamtqualität.

Der Druckkopf hängt an der X-Achse für Bewegungen von links nach rechts. Diese ist beidseitig an der Z-Achse für Bewegungen in der Höhe aufgehängt. Die Bewegungen in die Tiefe, auf der Y-Achse, führt das Druckbett aus. Das für die Ansteuerung der einzelnen Komponenten zuständige Mainboard versteckt sich in einem Gehäuse auf der linken Seite des Druckers. Das Netzteil ist auf der rechten Seite aufgehängt. Der Anschluss für das Stromkabel und der dazugehörige Power-Schalter sitzen darunter.

Der Rahmen ist verwindungssteif und sehr massiv.

Beim Ender 3 handelt es sich um einen Bowden-Drucker. Der Extruder-Motor schiebt das Verbrauchsmaterial in den eigentlichen Druckkopf. Bei der Verarbeitung von flexiblem Filament ist das nicht ideal. Andere Drucker, wie der Renkforce RF100 (Testbericht) ziehen das Filament in den Druckkopf – was insbesondere bei weichem Material besser funktioniert. Für besseren Halt des geschmolzenen Kunststoffs, ist das beheizte Alu-Druckbett mit einer Dauerdruckplatte ausgestattet. Die Halterung für die Filamentrolle ist auf der Oberseite angebracht.

Die Übertragung der Druckdaten erfolgt entweder per Computer oder mittels einer Micro-SD-Speicherkarte. Für die Bedienung sind ein kleines LC-Display und ein Wähltaster verbaut.

Der Bauraum des Ender 3 hat die Abmessungen 220 × 220 × 250 Millimeter (B × L × H). Die maximale Druckgröße liegt damit über der von fertig montierten Druckern wie dem Davinci Mini w+ (Testbericht) oder dem Wanhao Duplicator i3 Mini (Testbericht). Das Gewicht des Druckers beträgt 7,8 Kilogramm.

Dank des beheizten Druckbettes eignet sich der Drucker für die meisten gängigen Druck-Materialien wie PLA, ABS, PETG oder Holz-Filament. Für ABS wäre ein geschlossener Bauraum von Vorteil – wenn der Drucker nicht in der Zugluft steht, klappt die Verarbeitung trotzdem gut. Wer flexibles Filament drucken möchte, sollte sich im Internet in das Thema einlesen. Laut diverser Forenbeiträgt funktioniert der Druck nach einigen Tuningmaßnahmen auch mit Flex-Filament. Wer möchte, druckt sich das benötigte Teil einfach selbst. Die minimale Schichtdicke der Drucke liegt bei 0,1 Millimeter, der Düsendurchmesser beträgt 0,4 Millimeter.

Im Lieferumfang befinden sich die vormontierten Einzelkomponenten, eine Spachtel, mehrere Sechskant- und Schraubenschlüssel, eine Micro-SD-Karte inklusive eines Card-Readers und ein paar Meter PLA-Filament. Die Dauerdruckplatte ist nicht auf das Heizbett aufgeklebt, sondern lediglich mit Klammern befestigt. Im Test haften die Drucke, anderes als bei anderen Druckern, hervorragend.

Das beigepackte Zubehör beinhaltet lediglich ein paar Meter Filament.

Die bebilderte Aufbauanleitung befindet sich auf einer einzigen, beidseitig bedruckten, Din-A3-Seite. Auf der Speicherkarte ist neben der Anleitung und der Slicing-Software Cura, auch ein fertig erstelltes 3D-Modell zum Ausdrucken gespeichert.

Vor dem Aufbau graut es uns im Vorfeld – kein Wunder, nach den negativen Erfahrungen mit dem Prusa i3-Klon für 99 Euro (Testbericht). Die Befürchtung, dass Probleme bei der Montage auftauchen, ist jedoch völlig unbegründet. Obwohl die Anleitung auf ein einziges Din-A3-Blatt passt, sind alle notwendigen Arbeitsschritte einfach nachvollziehbar.

Zuerst steht die Montage der beidseitigen Trägerprofile an. Als Nächstes folgen der Anbau des Endstopschalters der Z-Achse und des Bedienteils. Anschließend kommen der Z-Motor inklusive der Gewindestange und das Netzteil an die kurz zuvor montierten Metallprofile. Der Zusammenbau der X-Achse, inklusive des Druckkopfs, ist etwas aufwendiger, klappt aber problemlos.

Bei der Montage des Zahnriemens ist es wichtig, dass dieser vernünftig gespannt ist. Der Riemen darf weder zu locker, noch zu straff sitzen, da der Antrieb sonst nicht sauber funktioniert. Einen goldenen Weg, die korrekte Spannung herauszufinden gibt es so leider nicht. Wer Probleme mit dem Antrieb hat, sollte aber an dieser Stelle noch einmal nachjustieren.

Nach dem Anbringen der X-Achse und der oberen Querstrebe ist der Drucker beinahe fertig. Nun fehlt lediglich die Anbringung des Filamenthalters und die Verkabelung der Einzelteile mit dem Mainboard. Da alle Kabel ordentlich beschriftet sind, ist das Verkabeln nach Anleitung selbst für Laien einfach und unproblematisch.

Die Anleitung ist kurz und gut verständlich.

Dank der guten Bebilderung, der zum größten Teil vormontierten Einzelkomponenten und der genauen Bezeichnung der Schraubengröße, dauert der gesamte Aufbau gerade einmal ein bis eineinhalb Stunden.

Wer seinen Ender 3 soweit fertig zusammengebaut hat, muss noch das Filament einlegen und das Druckbett ausrichten. Nach dem Einschalten geht es dazu ins Hauptmenü zum Unterpunkt Prepare. Nach der Auswahl von Preheat PLA heizt sich der Druckkopf auf und wir können das Filament durch den Extruder in den Druckkopf hineinschieben. Sobald das erste Material unten aus der Düse quillt, ist das Filament einsatzbereit.

Im Untermenü Prepare folgt dann die Auswahl Home Point. Der Druckkopf fährt daraufhin ganz nach unten, in die vorderste linke Ecke. Jetzt folgt das händische Annähern des Druckbetts an den Druckkopf. Das funktioniert mittels der vier Stellschrauben unter der Druckplatte. Im Test schaffen wir es beim ersten Versuch nicht, das Heizbett weit genug nach oben zu schrauben, um auf Höhe der Düse zu kommen. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Der Endstop-Schalter der Z-Achse war zu weit oben montiert. Wir lösen die Schrauben der Halterung und verschieben den Endschalter weiter nach unten. Beim erneuten Anfahren des Homepoints fährt der Druckkopf ein Stück weiter nach unten und wir können das Druckbett knapp unterhalb der Düse positionieren.

Für die eigentliche Kalibrierung wird der Druckkopf an den vier Ecken des Druckbetts platziert und die Höhe solange angepasst, bis das Blatt der Anleitung gerade so zwischen Düse und Heizbett passt. Das funktioniert beim Ender 3 nur manuell – andere Drucker fahren die drei bis vier Messpunkte automatisch an. Damit es überhaupt möglich ist, den Druckkopf händisch zu bewegen, müssen die Motoren deaktiviert sein. Das passiert im Menü unter dem Unterpunkt Prepare – Disable Axis.

Das exakte Ausrichten des Druckbetts ist sehr wichtig. Ist der Druckkopf zu weit entfernt, haftet das Filament nicht an der Druckunterlage. Befinden sich Düse und Heizbett zu nah aneinander, ist es fast nicht möglich, den fertigen Druck vom Bett herunter zu bekommen. Passende Tutorials und Anleitungen zu dem Thema sind im Internet verfügbar.

Die Bedienung per Wähltaster und LC-Display funktioniert gut und intuitiv. Insgesamt sind die Funktionen direkt am Drucker auf das Nötigste reduziert. So fehlt beispielsweise eine automatische Funktion zum Laden und Entladen des Filaments. Die Bedienung ist trotzdem komfortabler als beim RF100 von Renkforce (Testbericht).

Um 3D-Modelle zu drucken, muss der Ender 3 wissen, mit welchen Parametern er arbeiten soll. Dies erledigt die sogenannte Slicing-Software – in diesem Fall die Freeware Cura. Diese zerlegt das Objekt in einzelne Schichten und sagt dem Drucker, mit welcher Temperatur und welcher Geschwindigkeit er drucken soll. Das Programm ist verhältnismäßig einfach zu bedienen und dank der großen Verbreitung finden sich im Internet zahlreiche Tutorials dazu. Wer möchte, kann alternativ kommerzielle Programme, wie Simplify3D benutzen. Das Profil mit den Grundeinstellungen des Ender 3 ist bei beiden Programmen hinterlegt.

Zum Erstellen von eigenen 3D-Objekten sind die Slicer allerdings nicht geeignet. Hierzu braucht man ein spezielles Konstruktionsprogramm. Hier lohnt ein Blick auf den kostenlosen 3D-Builder von Windows oder das deutlich komplexere Autodesk Fusion360. Wer seine Drucke nicht selbst gestalten möchte, findet beispielsweise auf Thingiverse unzählige fertige Vorlagen zum Herunterladen.

Für unseren ersten Druckversuch nutzen wir das auf der Speicherkarte vorhandene Modell eines kleinen Hundes. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Der komplette Ausdruck dauert über fünfeinhalb Stunden. Das erfreulich und erstaunlich gute Endergebnis entschädigt für die lange Wartezeit. Das Druckbild des Ender 3 ist bereits mit Standardeinstellungen sehr ordentlich und es bedarf keinerlei Nacharbeit.

So sieht der erste Testdruck aus.

Um zu testen, ob das Druckergebnis auch mit anderen Modellen so gut funktioniert, folgen noch weitere Ausdrucke. Als Testobjekte dienen mehrere Tuningteile für den Ender 3. Die entsprechenden 3D-Vorlagen dafür gibt es auf Seiten wie thingiverse.com. Sowohl die filigranen Kabelklemmen, der Bauteilkühler, als auch die große Abdeckung für die LCD-Platine, druckt der Ender 3 ohne Probleme und in hoher Qualität.

Die Druckqualität unseres Testobjekts "Benchy" direkt nach dem Aufbau gut.

Wer sich kein zusätzliches Filament bestellt hat wird sich nach den ersten Testdrucken ärgern – das beigelegte Verbrauchsmaterial ist sehr schnell aufgebraucht. Dafür sind die ersten Drucke bereits ohne Anpassungen sehr gut. Unser Testobjekt "Benchy" druckt der Ender 3 bereits nach dem Aufbau in einer ordentlichen Qualität.

Während des Betriebs fällt die verhältnismäßig niedrige Lautstärke positiv auf. Ob das so bleibt, muss ein Langzeittest zeigen – bei billigen Druckern sind häufig minderwertige Lüfter verbaut. Diese gehen schnell kaputt, was die Lautstärke deutlich erhöht. Sollte dies der Fall sein, hilft nur ein Austausch der betroffenen Komponenten. Dies ist, dank zahlreicher Anleitungen und Beiträge im Internet, problemlos möglich.

Um das Druckbild noch weiter zu verfeinern, müssen die Einstellungen in der Slicing-Software angepasst werden. Passende Lösungsansätze finden sich beispielsweise auf der Seite von Simplify3D.

Der Creality Ender 3 ist bei China-Shops wie Banggood bereits für 170 Euro (Shoplink) erhältlich. Gibt es mit einzelnen Komponenten Probleme, ist die Garantieabwicklung bei europäischen Shops allerdings deutlich komfortabler und zuverlässiger.

Creality 3D Ender 3

Ender 3

Das von uns genutzte Filament

Das von uns genutzte Filament

Selbstbaudrucker sind nicht nur günstig, sie funktionieren auch sehr gut – zumindest, wenn man sich das richtige Modell aussucht. Der Creality Ender 3 bietet eine gute Ausstattung und ein hervorragendes Druckbild für einen sehr fairen Preis. Der Aufbau der vormontierten Komponenten ist erfreulich unkompliziert und auch für Laien kein Problem. Anders als beim Billig-Selbstbau-Drucker (Testbericht), heißt es beim Ender 3: auspacken, aufbauen und direkt loslegen.

Die Kabelklemmen sind selbst gedruckt.

Wer sich für das Thema 3D-Druck interessiert und keine Angst vorm Zusammenschrauben hat, der macht mit dem Creality Ender 3 alles richtig. Wer lieber auf ein fertig montiertes Gerät zurückgreift, muss entweder mehr bezahlen oder Abstriche bei Ausstattung und Bauraumgröße hinnehmen. Ein vergleichbarer Fertig-Drucker ist beispielsweise der Renkforce RF100 von Conrad (Testbericht). Wer mit einem kleineren Bauraum und einem unbeheizten Druckbett zurechtkommt, sollte sich den günstigen Wanhao Duplicator i3 Mini (Testbericht) ansehen.

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