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3D-Drucker Anet ET4 im Test: theoretisch gut

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Anet verspricht mit dem ET4 einen günstigen 3D-Drucker mit Touchscreen-Steuerung, Filament- und Levelsensor. Inzwischen druckt er gut, das war aber viel Arbeit.

In den letzten Wochen haben wir uns vor allem mit SLA-Druckern wie dem Elegoo Mars (Testbericht) oder dem Anycubic Photon (Testbericht) beschäftigt. Sie härten spezielles Harz mit UV-Licht aus und eignen sich vor allem für kleinere Gegenstände mit extrem hohen Auflösungen. Jetzt hat es wieder ein Drucker, der nach dem günstigen und bewährten FDM-Verfahren arbeitet, in die Redaktion geschafft.

Unser bisheriger Favorit in diesem Umfeld ist der Ender 3 (Testbericht). Auf den ersten Blick wirkt er im Vergleich zum Anet ET4 nun wie altes Eisen. Aber alte Hasen wissen: Zu einem guten Druckbild gehört viel mehr als eine gute Ausstattung des Druckers.

Die technischen Daten des Anet ET4 können sich sehen lassen. Der Druckraum ist mit 220 × 220 × 250 mm deutlich größer als bei SLA-Druckern oder den günstigen FDM-Druckern Wanhao Duplicator i3 Mini (Testbericht) oder dem Xyzprinting Davinci Mini W+ (Testbericht). Das erfreulich ebene und beheizte Druckbett aus Glas sieht nicht nur schick aus, es sorgt bei uns auch für eine erstaunlich gute Haftung. Dank eines ansteckbaren Sensors ist automatisches Leveling möglich. Das ist zwar nicht so komfortabel wie mit einem fest installierten Sensor, in Anbetracht des günstigen Preises aber dennoch eine willkommene Ergänzung. Ein integrierter Filament-Sensor erkennt, falls das Filament reißt oder zu Ende geht. Der Druckvorgang wird dann pausiert und kann nach dem Auffüllen fortgeführt werden. Auch nach einem Stromausfall setzt der ET4 den Druckauftrag üblicherweise ohne Probleme fort, zumindest bei einem einmaligen Test hat das funktioniert.

Der Drucker kommt ordentlich verpackt beim Kunden an. Im ausgepolsterten Karton befinden sich das vormontierte Unterteil inklusive Druckbett, das Oberteil und der montierte Druckkopf. Außerdem liegen eine Tüte mit Schrauben, Werkzeug, USB-Cardreader inklusive Micro-SD-Speicherkarte und 10 Meter weißes PLA-Filament bei. Auch ein Spulenhalter und ein Kaltgerätekabel sind beigepackt. Die im Lieferumfang enthaltene Aufbauanleitung ist zwar sehr knapp gehalten, aber immerhin ordentlich bebildert und leicht verständlich.

Der Zusammenbau ist auch für ungeübte Personen schnell und einfach erledigt. Zuerst erfolgt der Zusammenbau von Ober- und Unterteil. Dazu müssen die beiden Teile zusammengehalten und mit vier Schrauben fixiert werden. Da dies am besten mit dem auf die Seite gekippten Unterteil klappt, ist es sinnvoll, diesen Schritt zusammen mit einem Helfer zu erledigen. Anschließend wird der fertig montierte Druckkopf mit seinen drei Laufrollen auf die X-Achse geschoben. Danach folgt der Einbau des Zahnriemens für den Antrieb der Achse. Das klappt gut, allerdings ist der Riemen deutlich zu schwach gespannt. Das Nachspannen funktioniert nur durch das Verschieben des X-Motors. Die Langlöcher des Motors sind allerdings zu breit. Die Schrauben dürften mittelfristig Probleme machen, wir empfehlen den Einsatz von Unterlegscheiben, die aber nicht dabei sind. Aber für den ersten Versuch sollte die Konstruktion standhalten. Schade, dass Anet hier nicht mit einem einfachen Riemenspanner arbeitet. Das wäre deutlich komfortabler.


Als Nächstes erfolgt das Entfernen der Transportsicherungen und das Anstecken des Motors der Z-Achse. Anschließend werden das Heizbett und die restlichen Kabel verbunden. Das Zuordnen von Steckern und Buchsen ist unkompliziert, da alle Teile ordentlich beschriftet sind. Das haben wir bei anderen Druckern auch schon ganz anders erlebt. Danach folgen die Verbindungen zum Verteilerboard und der Bowdenzug zur Führung des Filaments. Die letzten Schritte sind die Befestigung der Filamentrollen-Halterung und das Anstecken des Netzteils.

Der gesamte Aufbau hat bis zu diesem Punkt knapp eine Viertelstunde gedauert. Wir sind soweit zufrieden und freuen uns auf den Praxistest. Nach dem ersten Einschalten stellt sich Ernüchterung ein: Der Drucker gibt keinen Ton von sich, das Display bleibt schwarz. Es folgt eine längere Fehlersuche inklusive Tausch des Netzteils. Das defekte Bauteil war aber ein anders: Der On-Off-Schalter unseres Druckers funktionierte nicht.

Um es klar zu sagen: Der Anet ET4 ist in vielen Punkten schlampig gebaut, in vielen anderen einfach eine Fehlkonstruktion. Die folgende Fotostrecke zeigt im Detail, wo wir massive Probleme hatten.

Insgesamt haben wir knapp zehn Mannstunden in den Drucker investiert, um technische Probleme wie den defekten Netzschalter und andere Kleinigkeiten zu finden und zu beheben. Inzwischen gehört der ET4 aber tatsächlich zu einem unserer absoluten Favoriten: Er ist leise, schnell, günstig und hat ein nahezu perfektes Druckbild.

Dennoch bleiben diverse Unzulänglichkeiten – so hat die Z-Achse ihren Endschalter oben statt unten, weswegen der Drucker gefühlte Ewigkeiten vor und nach jedem Druck durch die Gegend fährt. Die Zuleitung von Kabeln und Filament zum Hot-End ist allerdings nicht dafür gemacht, dass der Drucker ganz nach oben fährt – die Kabel und Schläuche werden geknickt und an ihre Belastungsgrenzen gebracht.

Die Software ignoriert sporadisch den Endschalter im Betrieb, so fährt die Druckeinheit, wenn’s mal blöd läuft mit Vollgas in die Mechanik und die Motoren drehen weiter. Außerdem sind die Zahnriemen, trotz des Versetzens der Motoren, nur unzureichend gespannt. Nicht ausreichend festgeschraubte Schrauben der vormontierten Teile sind eine weitere Fehlerquelle.

Übersetzungsfehler und weitere Bugs machen die Bedienung nicht gerade einfacher. Klar, wenn man mal weiß, dass die Beschriftung der Knöpfe für Retract und Extrude im Menü zum Wechseln des Filaments schlicht vertauscht sind, ist das in Zukunft kein Problem mehr. Aber man muss es eben erst mal rausfinden – genauso wie die Dutzenden anderen Bugs und Fehler.

Wenn endlich alle Problemchen behoben sind, druckt der ET4 sehr ordentlich.

Out of the Box sind die Druckerzeugnisse des ET4 erst einmal unbrauchbar. Wer dann aber herausgefunden hat, an welchen Stellen es hakt, der bekommt ein sehr ordentliches Druckbild zustande.

Ohne Feintuning sind die Druckergebnisse unbrauchbar.

Die Haftung der ersten Druckschicht auf dem Druckbett aus Glas ist erstaunlich gut. Im Test waren keinerlei Tricks mit Klebestift oder Ähnlichem nötig. Die glatte Oberfläche der Druckplatte macht sich zudem positiv beim Endergebnis bemerkbar. Dank der bequemen Auto-Leveling-Funktion ist die Haftungsproblematik deutlich geringer als bei Druckern ohne dieses Extra.

Der erste Druck mit grauem Filament schlägt fehl. Nach einigen Stunden Nacharbeit sieht das Ergebnis deutlich besser aus.

Wie bei allen FDM-Druckern gilt auch beim ET4: Für ein annähernd perfektes Ergebnis müssen die Einstellungen in der Slicing-Software stimmen. Wir bearbeiten unsere Testdrucke mit der Open-Source-Software Cura und haben damit ansehnliche Endergebnisse erzielt. Die beigelegte Mini-Packung Filament reicht im Test gerade einmal für die ersten Fehlversuche.

Wie wir auf Nachfrage erfahren haben, gibt es zwei Versionen des ET4. Die für den Test zur Verfügung gestellte Version mit den leisen TMC2208-Schrittmotoren-Treibern ist derzeit nur direkt über die Homepage des Herstellers und auf Nachfrage verfügbar. Die Version mit den A4988-Treibern dürfte im Betrieb deutlich lauter sein, kostet aber knapp 20 Euro weniger.

Trotz einer guten Ausstattung und einem ordentlichen Druckbild ist das Fazit des ET4 sehr zwiespältig. Ohne Nachbesserungen und den Austausch defekter Hardware ist der Drucker letztlich nur teurer Hightech-Schrott. Wer seinen Drucker als reines Werkzeug betrachtet, sollte sich ein anderes Produkt mit weniger Problemen suchen. Für Anfänger ist der ET4 deutlich schlechter geeignet als andere Drucker derselben Preiskategorie. Die günstigen China-Drucker Ender 3 (Testbericht) oder Wanhao i3 Mini (Testbericht) haben zwar eine etwas schlechtere Ausstattung, sie funktionierten im Test aber ohne jegliche Nacharbeit.

Wer sich mit der Thematik 3D-Druck auskennt und weiß, worauf man achten muss, der bekommt mit dem ET4 einen verhältnismäßig leisen und gut ausgestatteten FDM-Drucker zu einem fairen Preis. Insbesondere die Größe des Druckraums, das Auto-Leveling und die Möglichkeit abgebrochene Drucke wieder aufzunehmen, hinterlassen einen positiven Eindruck. Wer 3D-Druck als Hobby betrachtet und handwerkliches Geschick mitbringt, der kann beim ET4 zugreifen. Potenzial hat der Drucker.

Wenn eine unproblematische Inbetriebnahme und ein deutscher Ansprechpartner wichtiger sind als ein niedriger Preis, sind Geräte wie der Xyzprinting Davinci Mini w+ (Testbericht), der Dremel 3D20 (Testbericht) oder der Renkforce RF100 (Testbericht) besser geeignet. Geht es rein um hohe Druckqualität und weniger um großen Bauraum, ist ein SLA-Drucker deutlich im Vorteil. Mehr dazu im Ratgeber UV-Harz oder Kunststoff-Filament: 3D-Drucker im Vergleich.

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