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200 Euro FPV-Set im Test: Der perfekte Einstieg
Pro und Contra
  • Gute Einzelkomponenten
  • Standard-Protokolle
  • Tolles Flugverhalten
  • Kein Onboard-DVR
Rating:
  • 5.0
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Das FPV-Racing Advanced Kit 2 von BetaFPV beinhaltet eine Mini-Drohne mit Livebildübertragung, Videobrille, Sender und Akkus. TechStage hat das 200-Euro-Set getestet.

Der RC-Flug aus Sicht der fliegenden Drohne (First Person View, FPV) ist ein spannendes aber nicht ganz billiges Hobby. Dieses Mal muss ein mit allen notwendigen Komponenten ausgestattetes Starter-Paket zeigen, ob der Einstieg auch mit begrenztem Budget klappt.

Im Rahmen unserer Ratgeber zum Thema FPV sind in der Vergangenheit unter anderem folgende Beiträge erschienen:

BetaFPV bietet mit dem Advanced Kit 2 ein vollständiges Starterpaket für FPV-Piloten zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Das Set kommt sicher verpackt in einer stoffbezogenen Tragetasche beim Kunden an. Mit den Abmessungen von etwa 27 × 21 × 15 cm ist der Koffer angenehm kompakt und passt beispielsweise auch in einen Rucksack.

Im Inneren sind im Unterteil die handtellergroße Drohne, die Videobrille und der an ein Gamepad erinnernde Handsender untergebracht. Die drei wichtigsten Hauptkomponenten sind sicher in passend zugeschnittenem Schaumstoff platziert. Im großen Fach im Deckel befindet sich das beigepackte Zubehör: Anleitung, zwei Akkus, USB-Lader, Ladekabel, Ersatzpropeller und Werkzeug für den Wechsel der Propeller.

Der im Set enthaltene Handsender Literadio 2 mit dem Frsky-Protokoll ist deutlich kompakter als klassische RC-Fernsteuerungen. Trotzdem bringt der 8-Kanal-Sender mit integriertem Akku alle nötigen Funktionen mit und fühlt sich nicht wie ein Spielzeug an. Die Haptik ist gut und sowohl die Schalter als auch die beiden Steuerknüppel machen einen hochwertigen und zuverlässigen Eindruck. Die OpenTX-Firmware und ein Klinke-Anschluss ermöglichen sogar einen Schüler-Lehrerbetrieb zusammen mit einem zusätzlichem OpenTX-Sender. Um den Controller zu laden, wird er per Micro-USB-Kabel an ein nicht im Lieferumfang enthaltenes USB-Netzteil angesteckt. Dank des genutzten Funk-Protokolls funktioniert der Sender auch mit anderen Drohen, die einen entsprechenden Empfänger eingebaut haben. Als Beispiel wäre hier der Happymodel Mobula6 HD (Testbericht) mit Onboard-HD-DVR zu nennen.

Bei dem kleinen, aber stabilen FPV-Copter, handelt es sich um das Modell Meteor 75 Lite mit einem Gewicht (ohne Akku) von gerade einmal 29,5 Gramm. Dieser wird mit winzigen, aber verhältnismäßig starken, bürstenlosen 1102er Motoren (mit 18000 kv) und Dreiblatt-Propellern mit einem Durchmesser von 40-mm angetrieben. Neben der höheren Leistung im Vergleich zu Bürstenmotoren, haben die Brushless-Motoren noch einen enormen Vorteil: sie verschleißen nicht. Zur Stromversorgung kommt ein einzelliger (1s) Akku mit 450 mAh und einem Gewicht von 12,3 Gramm zum Einsatz. Positiv ist an dieser Stelle der aktuelle BT2.0-Stecker zu erwähnen. Dieser verhindert eine versehentliche Verpolung beim Anstecken und soll die Probleme des älteren Ph2.0-Steckers lösen. Im Test hatten wir dann auch tatsächlich keine plötzlichen Spannungsabfälle, wie wir sie schon bei einigen Mini-Drohnen erlebt haben. Das Livebild für den Piloten wird mit einer kleinen analogen Kamera aufgezeichnet und per 5,8-Ghz-Videosender übertragen. Vom Flugverhalten und der Ausstattung ist der Meteor 75 Lite am ehesten mit dem getesteten Eachine US/UK65 (Testbericht) vergleichbar.

Bei der FPV-Brille VR01 handelt es sich um eine Videobrille mit integriertem 5,8-GHz-Videoempfänger, Sendersuchlauffunktion und fest installiertem Akku. Der 4,3-Zoll-Monitor mit einer Auflösung von 800 × 480 Pixeln wird durch eine Fresnel-Linse betrachtet. Trotz der verhältnismäßig kompakten Maße von 15,5 × 11 × 13,5 cm gehört diese Art der FPV-Brille zur Gattung der sogenannten Brotkasten-Brillen. Auch wenn diese Brillen ausladender und technisch deutlich simpler aufgebaut sind als teure Markenbrillen, von beispielsweise Fatshark, machen sie in der Praxis einen guten Job und sitzt bequem auf dem Kopf. Einige Piloten ziehen diese Brillen wegen des großen Videobildes sogar den teuren FPV-Brillen vor. Wir kommen im Test jedenfalls sehr gut damit zurecht. Abgesehen von einer guten Helligkeit und einem akzeptablen Empfang punktet die BetaFPV-Brille auch mit einem integrierten DVR, der die Aufnahme des Fluges auf MicroSD-Karte ermöglicht. Eine hohe Bildqualität sollte man sich von mit der Brille aufgezeichneten Videos allerdings nicht erwarten. Abgesehen von der niedrigen Auflösung beinhalten die Aufnahmen nämlich auch jede Menge Funkstörungen. So eignen sich diese DVR-Aufzeichnungen vor allem, um eigene Flüge zu analysieren. Wer plant hübsche FPV-Videos aufzuzeichnen, sollte besser zu einer Drohne mit integriertem DVR, wie dem Happymodel Mobula6 HD (Testbericht) greifen.

Neben dem Laden der Akkus von Copter, Videobrille und Handsender muss vor dem ersten Flug üblicherweise die Steuerung am PC konfiguriert werden. Das klappt mit etwas Erfahrung in wenigen Minuten, kann für Anfänger durch die große Funktionsvielfalt aber durchaus problematisch sein. Umso schöner, dass dieser Schritt bei Advanced Kit 2 nicht nötig ist. Sender und Copter sind ab Werk miteinander verbunden und fertig vorkonfiguriert. Wer mit der klassischen Mode-2-Eingabemethode klarkommt, kann also direkt nach dem Aufladen starten. Alternativ kann die Steuerung auch angepasst werden.

Die für uns entscheidenden Einstellungen sind alle vorab programmiert: Neben der eigentlichen Steuerung sind auch die Schalter für Motor-Start/Stopp, Flugmodi, Turtle-Mode und Videosender-Wechsel passend belegt und so wagen wir uns ohne Umwege an den Erstflug. Lediglich die Speicherkarte für die Videobrille und den Flugakku müssen wir einstecken oder anschließen. Nach dem Start von Videobrille und Sender kann es dann auch direkt losgehen.

Als FPV-Pilot mit über 9 Jahren Erfahrung hat der Redakteur schon viele Höhen und Tiefen des Hobbys erlebt; das Flugverhalten des Advanced-Kit 2 überrascht uns dann aber doch – und zwar positiv. Nicht genug, dass wir direkt starten können, nein, die Steuerung ist auch noch perfekt abgestimmt und absolut präzise. Von Sekunde eins fühlen wir uns mit dem Meteor 75 Lite vertraut. Das Ansprechverhalten ist toll und sowohl langsame präzise Flüge als auch schnelle und rasante Manöver sind vollkommen unproblematisch.

Während wir den ersten Akku noch im verhältnismäßig zahmen stabilisierten Modus fliegen, schalten wir bald das volle Potenzial frei und fliegen ohne die automatische Fluglagenstabilisierung. Jetzt sind Rollen, Salti und Highspeed-Passagen möglich und das auf einem ansehnlichen Niveau. Den meisten bisher getesteten Tiny-Whoop-Coptern mit einzelligen Akkus und Brushless-Antrieb fehlte immer das letzte Quäntchen Power, um die Fluggeräte auch bei Vollgas abfangen zu können. Die Drohnen sackten dann immer durch oder schlagen im schlimmsten Fall auf dem Boden auf.

Der Meteor 75 Lite hat für solche Freestyle-Manöver ausreichend Reserven. So eignet er sich letztlich auch eher für rasante Flug-Sessions im Vorgarten oder auf dem freien Feld als für Flüge in Innenräumen. Wer es schafft den Gasknüppel sehr dosiert einzusetzen, kann den Copter mit etwas Übung natürlich auch für Indoor-Flüge verwenden. Die Flugzeit liegt, je nach Flugstil, zwischen 4 und guten 6 Minuten. Das Aufladen mit dem im Set enthaltenen Doppel-Ladegerät dauert circa eine halbe Stunde.

Der Videoempfang ist insgesamt recht unsauber, was allerdings ganz typisch für eine analoge 5,8-GHz-Übertragung ist. Hindernisse zwischen Copter und Videobrille führen auch in direkter Umgebung sofort zu Bildrauschen, Bildaussetzern oder Streifen im Bild. Das ist allerdings der Technik geschuldet und nicht auf die Komponenten des Sets zurückzuführen.

Im Test mit direkter Sichtverbindung war das Videobild bis zu einer Entfernung von circa 150 bis 200 Meter ausreichend gut, um die Drohne vernünftig zu kontrollieren. Für ein Race im Garten oder eine Freestyle-Session auf der Wiese ist das locker ausreichend. Im Vergleich zu billigen WLAN-FPV-Spielzeugen ist die Verbindung nicht nur auf größere Distanzen möglich, sie ist vor allem latenzfrei, was beim schnellen Fliegen unverzichtbar ist.

Natürlich kommt es während der Testflüge auch zu einigen Abstürzen, welche allerdings ausnahmslos auf den Piloten, nicht auf das Equipment zurückzuführen sind. Diese übersteht der kleine Copter bis auf einige Abschürfungen am Schutzrahmen vollkommen unbeschadet. Wenn der Meteor 75 Lite nicht gerade in einem Ast festhängt, sondern lediglich kopfüber auf dem Feldweg oder in der Wiese liegt, muss der Pilot dank dem Turtle-Mode noch nicht einmal aufstehen, um wieder weiterfliegen zu können. Die Vorgehensweise ist dabei ganz einfach: Nach dem Crash deaktiviert der Pilot die Motoren. Dann wird per Schalter der Turtle-Mode gestartet. Nun drückt man den linken Steuerungshebel nach links oder rechts und die Drohne macht einen Überschlag. Steht der Copter wieder richtig herum, wird der Turtle-Mode deaktiviert und es kann weitergehen.

Einige Einstellungen des Copters und die Anzeige der während des Fluges übertragenen Daten, können über das On-Screen-Displays der FPV-Brille und den Controller bequem und ohne Umwege geändert werden. Mehr Komfort bieten auch teure FPV-Drohnen nicht. Wir belassen während des Tests alles in den Standardeinstellungen.

Hauptkomponenten und Zubehörteile des Sets sind jeweils einzeln erhätllich. Das Angebot reicht von zusätzlichen Akkus über Ersatzhauben und neue Motoren bis hin zum kompletten Austausch-Copter oder 6-fach-Ladegeräten . Diese sind im Fachhandel, bei Amazon oder Bangood erhältlich.

Da es sich bei keiner der Komponenten um proprietäre Teile handelt, hat der Pilot jederzeit die Möglichkeit diese auszutauschen. Wer irgendwann einen anderen Copter oder einen anderen Sender kaufen will, muss lediglich auf das Frsky-Protokoll achten. Wer Gefallen an dem Set findet, kann natürlich auch jede andere 5,8-GHz-FPV-Brille verwenden.

Das Set ist in den Farben schwarz und weiß erhältlich und beinhaltet wirklich alles, was für den Start ins Hobby notwendig ist. Der Preis von 200 bis 230 Euro erscheint uns angemessen und fair: Alleine der Handsender des Redakteurs hat deutlich mehr gekostet.

Das Advanced Kit 2 von BetaFPV bekommt von uns eine klare Kaufempfehlung. Die guten Komponenten sind dabei längst nicht nur für Einsteiger interessant. Auch erfahrene Piloten werden viel Freude an dem Set haben.

Abgesehen vom tollen Flugverhalten und der ordentlichen Vorkonfiguration, haben uns auch die Qualität von Brille und Sender sehr gut gefallen. Obwohl wir bereits eine komplette Ausrüstung zu Hause haben, können wir uns das Set sehr gut als kompakte Alternative für unterwegs vorstellen. Während der Tests vermissen wir unsere eigene Ausrüstung jedenfalls nicht und so kommt das Advanced Kit 2 auch auf unseren Wunschzettel für Weihnachten.

Einfacher ist der Einstieg in den Drohnenflug per Videobrille definitiv nicht möglich. Das Set beinhaltet alles, was für das Hobby notwendig ist. Wer sich für das Kit entscheidet, kann die Einzelkomponenten auch in Zukunft mit anderer Ausrüstung kombinieren und beispielsweise mit einem Happymodel Mobula6 HD (Testbericht) mit deutlich besserer Aufnahmequalität fliegen.

Geht es weniger um actionreiche Flüge als um großartige Luftaufnahmen, empfehlen wir den Ratgeber Welche ist die beste Video-Drohne für Einsteiger?

Hinweis: Wer im Freien mit einer Drohne fliegt, braucht dringend eine Modellflugversicherung. Solche Versicherungen gibt es ab circa 30 Euro pro Jahr.

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