WiFi im Garten: WLAN-Verstärker, Outdoor Access Point oder Mesh?

TP-Link EAP110 Outdoor N300 - Leistungsmessung

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Das WLAN reicht nicht in den Garten? Kein Problem: Wir zeigen WLAN-Mesh, Repeater für Indoor und Outdoor sowie weitere günstige Lösungen, um draußen stabil zu surfen.

Der Garten braucht Internet! Egal, ob für die Beleuchtung (Ratgeber), um Rasenmähroboter (Themenwelt) zu steuern, um Musik zum Outdoor-Sonos (Testbericht) zu streamen oder fürs Homeoffice beim längst anstehenden Sonnenschein: Es braucht ein stabiles Netzwerk mit einem schnellen Zugang ins Internet. Glücklicherweise haben das auch die Hersteller von Netzwerkprodukten entdeckt und liefern endlich vernünftige Geräte, die man auch draußen nutzen kann.

Fürs WLAN im Garten gibt es grundsätzlich mehrere Lösungen:

  • Repeater, die das WLAN vom Router oder einem Access Point aufnimmt und weiterträgt
  •  Access Points für draußen, der per Ethernet mit dem restlichen Netzwerk verbunden ist (und meist den Strom per PoE bekommt)
  •  WLAN-Mesh-Systeme, bei dem ein Knoten draußen steht
  • LTE-Router, die unabhängig vom restlichen Netzwerk arbeiten.

Damit der jeweilige Access Point mit dem Rest des Netzwerks kommunizieren kann, gibt es zwei grobe Techniken: Funk oder Kabel. Die ideale Lösung ist ein Netzwerkkabel, das aus dem Haus nach draußen führt, gegen Kälte und Feuchtigkeit isoliert ist und an einem Switch hängt, der idealerweise neben Daten auch Strom per PoE übertragen kann. Da die Installation gerade durch die Wände etwas Wissen erfordert, sollte man hier idealerweise einen Fachmann hinzuziehen. Sind Kabel nicht möglich, kann man zum WLAN-Repeater oder einem System mit Mesh-Technik greifen.

WLAN-Repeater oder WLAN-Verstärker sind zwar dümmer als ein Mesh-System, allerdings deutlich günstiger und einfach einzurichten. Die einfachste Art von Repeatern ist per WLAN mit dem nächsten Access Point oder Router verbunden. Der Repeater kopiert die Einstellungen des Haupt-Routers und eröffnet anschließend ein Funknetzwerk mit den identischen Daten.

Will ein Endgerät nun ins Internet oder ins Haupt-Netzwerk funken, verbindet es sich zunächst mit dem Repeater, der wiederum leitet, die Daten weiter und schickt dann die Antwort wieder ans Endgerät. Der Haupt-Router oder Access Point sieht dabei auch nicht, an welches Endgerät die jeweiligen Informationen fließen, sondern übergibt sie dem anfragenden Repeater. Das zeigt gut, warum es bei einigen Diensten zu Problemen kommen kann – Haupt-Router und Endgerät sehen sich schlicht nicht. Der zweite Nachteil ist die Geschwindigkeit, billige Modelle reduzieren die Surf-Geschwindigkeit etwa um die Hälfte. Mehr dazu in unserem Artikel „Wie WLAN-Repeater die Reichweite vergrößern “.

WLAN-Repeater mit internem Netzteil kann man direkt in eine 230-Volt-Dose stecken. Dann hängt kein Kabel rum, aber die belegte Steckdose ist für andere Zwecke blockiert. Außerdem sitzen Steckdosen Funk-technisch oft nicht optimal, etwa zu tief am Boden, in ungünstigen Ecken, hinter Möbeln. Beispiele für solche Repeater sind der AVM 1200 AX (Testbericht), oder der AVM 1750E (Testbericht). WLAN-Repeater mit externem 230-Volt-Netzteil wie der Netgear Nighthawk EX7000 (Testbericht) kann man flexibler platzieren. Aber dann hängt eben ein hässliches Kabel in der Gegend herum.

Ein Nachteil: Die Geräte sind nicht für den Außeneinsatz konzipiert, sind also nicht gegen Wasser oder Schmutz geschützt. Wer ein trockenes Eck im Garten hat, etwa ein Gartenhaus oder einen Schuppen, kann sie wahrscheinlich problemlos aufhängen. Eine andere Möglichkeit ist, den Access Point in ein IP65-Gehäuse einzubauen. Diese bekommt man in verschiedenen Größen im Baumarkt oder auf Amazon. Wer einen 3D-Drucker (Ratgeber) und etwas Geschick besitzt, der kann sich das passende wasserdichte Gehäuse auch selbst konzipieren, ausdrucken und zusammenschrauben. Wie das geht, verrät der heise+-Artikel "Gehäuse aus dem 3D-Drucker – wasserdicht und lichtdurchlässig".

Übrigens: Oft lassen sich alte WLAN-Router in einen Repeater-Modus versetzen, so dass man diese Geräte weiter nutzen kann. Falls das von Haus aus nicht geht, kann man prüfen, ob der Router alternative Betriebssysteme wie OpenWRT unterstützt. Diese Firmware benötigt etwas Einarbeitung, man bekommt aber enorm viele Funktionen (heise+-Artikel Alternative Router-Firmware: Was OpenWRT besser macht ) und kann etwa Teil der Freifunk-Community werden (heise-Artikel Freifunk: Die größte WLAN-Community Deutschlands ).

Was, wenn keine Steckdose da ist? Dann kann man zu Repeatern greifen, die ihren Strom per USB aus einer Powerbank ziehen. Die Auswahl der Geräte ist eher beschränkt. Es gibt beispielsweise den Mi Repeater 2 von Xiaomi, den Ubiquiti airMAX airCube oder den MikroTik RouterBOARD hAP lite.

Der Vorteil der Geräte liegt auf der Hand. Sie lassen sich sehr flexibel platzieren. Allerdings bitte nicht in der prallen Sonne, sonst könnte der Powerbank-Akku überhitzen. Als grobe Regel für die Repeater-Platzierung gilt: Mittig zwischen WLAN-Router und WLAN-Endgerät. Ansonsten ausprobieren, wo sich der optimale Übergabe-Punkt zwischen den beiden Funkzellen befindet.

Bei der Auswahl der Powerbank sollte man auf Masse statt Design gehen. WLAN braucht Strom. Käufer sollten darauf achten, dass die Kapazität möglichst hoch ist und dass die notwendige Ausgangsspannung bereitgestellt wird.

Alternativ kann man den Repeater mit einem Solargenerator (Themenwelt) oder einer Powerstation (Testbericht) betrieben. Geräte wie die Ecoflow Delta (Testbericht), die Loskii LK-PS31 (Testbericht) oder die Bluetti Poweroak EB70 (Testbericht) liefern ordentlich Strom für überraschend gute Preise - und lassen sich per Solarpaneel aufladen. Neben USB-Geräten versorgen solche Akkus auch 230-V-Verbraucher.

Access Points haben gegenüber den einfachen WLAN-Verstärkern ein paar Vorteile: Sie sind ein Teil des Hauptnetzwerks, machen also kein eigenes Funk-WLAN auf. Dazu sind sie über ein Netzwerkkabel mit dem restlichen LAN verbunden. Dieser Rückkanal wickelt die Kommunikation mit anderen Geräten oder dem Internet ab, sodass es keine Verringerung bei dem Funkdurchsatz gibt. Die Outdoor-Versionen der Access Points sind zusätzlich gegen Wind, Wetter und Temperaturen geschützt. Gute Beispiele sind der Aruba Instant ON AP17 (Testbericht) oder der TP-Link EAP110 Outdoor (Testbericht).

Damit diese Geräte sinnvoll arbeiten können, sollte man einen Ethernet-Anschluss in den Garten führen. Idealerweise sollte zudem ein Switch mit PoE oder ein PoE-Injektor vorhanden sein. Mehr dazu im Artikel Ratgeber PoE: Stromversorgung per LAN-Kabel. Diese Variante ist auch für besonders große Entfernungen spannend. Ethernet-Kabel können Strecken von bis zu 100 Metern überbrücken, wer also ein Erdkabel legt, der kann den Access Point selbst in größeren Gärten zentral platzieren. Vorsicht: Für den Dauereinsatz reicht es nicht, ein LAN-Kabel aus dem Fenster zu werfen und den Outdoor AP an der Außensteckdose zu befestigen. Zu groß ist die Gefahr, dass es etwa bei einem Blitzeinschlag zu einer Überlastung kommt. Wer einen AP fest draußen anbringt, der sollte sich vorab über das Thema Erdung Gedanken machen und mit einem Elektriker reden. Der Netzwerkausrüster Lancom hat zu diesem Thema ein lesenswertes Handbuch.

Wenn eine Kabelverbindung keine Option ist, das Netzwerk aber dennoch schnell sein soll, dann empfiehlt sich ein WLAN Mesh. In den letzten Jahren reiften WLAN-Mesh-Systeme, gerade auf Basis von Wifi-6 deutlich nach. Es sind nicht mehr nur nette Ideen, die Early-Adopter für teures Geld kaufen können, sondern solide Techniken. Wifi-6 bringt hauptsächlich mehr Reichweite, einen höheren Datendurchsatz und kann mehr Geräte gleichzeitig verwalten. Gerade für den Außenbereich ist die Reichweite spannend. Denn wo keine Wände stören, kann ein Wifi-6 Access Point seine Stärken voll ausspielen.

Allerdings sollte man dann alle Komponenten von einem Hersteller kaufen. Denn Mesh ist, anders als ein WLAN-Repeater, nicht standardisiert. Doch auch wenn jeder Hersteller irgendwie ein eigenes Süppchen kocht, die Technik löst ein paar der Probleme, die einfache Repeater mitbringen:

  • Mesh erzeugt ein WLAN. Access Points können untereinander transparent kommunizieren und Geräte von einem Access Point zum anderen „umziehen“, ohne dass man mehrere Zugangsdaten hinterlegen und eingeben muss. Das jeweilige Endgerät sieht nicht das WLAN vom Router und von einem Repeater, sondern ein großes Netzwerk.
  • WLAN-Mesh ist schneller als ein klassischer Repeater. Als Faustregel kann man sagen, dass ein einfacher Verstärker den verfügbaren Durchsatz halbiert. Mesh-Systeme stehen hier besser da, auch weil es eine zentrale Kontrolle gibt und nicht jeder Knoten unkontrolliert als eigenständiger Repeater vor sich hinfunkt.
  • Mesh ist ein Netzwerk. In einem WLAN spannt jeder Repeater ein eigenes Netzwerk auf, das vom Router getrennt arbeitet. Das kann selbst dann der Fall sein, wenn alle WLANs die gleiche SSID und Passwort verwenden. Beim Surfen merken Nutzer diese nur selten, problematisch kann es aber werden, wenn man Smart-Home-Dienste oder Netzwerk-Features wie Spotify Connect oder Apple Airplay verwenden will. Hier kann es vorkommen, dass diese das andere Netzwerk einfach nicht „sehen“. Bei einem Mesh ist das anders, denn hier sind alle Access Points in einem großen Netzwerk, jedes Gerät „kennt“ die anderen und kann Anfragen entsprechend weitergeben und verarbeiten.

Der Nachteil: WLAN Mesh ist deutlich teurer, auch weil alle Komponenten vom gleichen Hersteller oder der gleichen Produktreihe sein müssen. Dazu kommt, dass es nur wenige Anbieter gibt, die zugleich einen Router mit Modem im Programm haben – im Zweifel muss man also ein Modem vorschalten. AVM-Nutzer können dabei aufatmen. Denn der Fritz-Hersteller hat alle seine WLAN-Produkte mit einem Mesh-System ausgestattet, das einfache Repeater mit smarten Funktionen ausstattet, darunter etwa die oben angesprochene Transparenz. Leider gibt es aber keine dedizierten Outdoor-Produkte.

Wer diese möchte, der kann zu Produkten wie der Omada-Serie von TP-Link, Access Points von Ubiquiti oder Zyxel oder dem Netgear Orbi System greifen. Der Netgear Orbi RBS50Y ist dabei der einzige Tri-Band-Mesh-Satelit, der explizit auf den Outdoor-Einsatz ausgerichtet ist. Alle anderen Outdoor-Meshs nutzen ein geteiltes Funkband – das macht die Systeme zwar langsamer, aber immer noch deutlich schneller als simple Repeater.

Im Schrebergarten gibt es weder WLAN noch einen Festnetzanschluss in der Nähe? Dann hilft ein mobiler LTE-Router. Dieser spannt ein WLAN auf; die Datenübertragung selbst läuft anschließend übers mobile Internet. Das ist auch für die Gartenlaube oder das Ferienhaus interessant, schließlich können neben Menschen auch smarte Alarmanlagen die Datenverbindung nutzen.

LTE-Router kommen grob in zwei Varianten: Akkubetrieben und mit Netzanschluss. Letztere erinnern an klassische Router und schaffen einen ordentlichen Durchsatz. Ein anschauliches Beispiel dafür ist der Gigacube von Vodafone (Testbericht). Ein großer Vorteil ist, dass sich an das Gerät andere Antennen anbringen lassen. Das ist nützlich für alle, deren Ferienwohnung etwas schlechter angebunden ist.

Wenn kein Stromanschluss vorhanden ist, kann man auf mobile LTE-Router mit integriertem Akku zurückgreifen. Beispiele für solche Produkte sind der Huawei E5788 (Testbericht) oder die Netgear Nighthawk-Serie wie der 5G-Router Netgear Nighthawk M5 (Testbericht). Alternativ kann man ein altes Smartphone verwenden, allerdings sind die Antennen der dedizierten Router meist besser für den Einsatz mit mehreren Geräten ausgelegt.

Allerdings sollte man nicht vergessen, dass man neben dem Router auch eine LTE-taugliche SIM-Karte samt passendem Tarif benötigt. Solche stellen wir in den Ratgebern Ab 30 Euro: Mobilfunktarife mit unlimitiertem Datenvolumen und LTE-Router: Die besten Tarife für mobiles Surfen vor. Die Beiträge aktualisieren wir regelmäßig.

Endlich vernünftig draußen surfen! Garten und Balkon dürften auch in diesem Jahr wieder ein fester Arbeitsplatz für viele im Homeoffice sein. Wenn das Internet dann nicht zügig funktioniert oder das Repeater-WLAN den Drucker im Router-WLAN nicht findet, dann ist das nervig. Wer jetzt aufrüsten möchte, dem würden wir zu einem Mesh-System mit mehreren Knoten raten. Günstige Dual-Channel-Meshs versorgen die ganze Wohnung, mit einem zusätzlichen Mesh-Punkt im Outdoor-Gehäuse bekommt man auch den Garten sauber ins Netzwerk.

Noch besser ist es, wenn man ein LAN-Kabel im Garten verlegen und so einen Rückkanal per Kabel schaffen kann. Die meisten der Outdoor-Access-Points kommen mit der Unterstützung für Power over Ethernet (PoE), damit spart man sich das Verlegen eines separaten Stromkabels. Mehr dazu in unserem Ratgeber PoE: Stromversorgung per LAN-Kabel. Wer eine Fritzbox mit Repeatern nutzt, der sollte diese in jedem Fall vom „dummen“-Repeater-Modus auf den schlaueren Mesh-Standard umstellen. Dafür reicht größtenteils einfach ein Update der Firmware aus, AVM liefert die Features selbst für alte Geräte.

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