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Fieberthermometer Aufmacher

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Smarte Fieberthermometer protokollieren die Temperatur in einer App. Aber sind sie auch genau? Wir vergleichen Fieberthermometer von Withings und Co. mit günstigen Alternativen.

Fieber ist eines der häufigsten Symptome der durch das neuartige Coronavirus Sars-Cov-2 hervorgerufenen Krankheit Covid 19. Kein Wunder also, dass Fieberthermometer aktuell sehr gefragt sind. Viele Modelle waren während einer hohen Inzident ausverkauft, andere stiegen aufgrund der erhöhten Nachfrage im Preis. Mittlerweile gibt es Fieberthermometer wieder zu moderaten Preisen. Man bekommt günstige, herkömmliche digitale Modelle bereits ab 1,50 Euro plus Versand. Erste Geräte mit Infrarotmessung der Schläfen oder des Ohres fangen bei etwa 10 Euro an, aus China kosten sie nochmal etwas weniger. Doch es geht auch deutlich teurer, wie das smarte 70-Euro-Modell Withings Thermo zeigt. Wir vergleichen günstige, mittelpreisige und das teure Withings Thermo miteinander und zeigen, worauf man bei einem Kauf achten sollte.

Analoge Quecksilberthermometer gehören zu den genauesten Fieberthermometern. Einfach gesagt dehnt sich ihrem Inneren bei Erwärmung flüssiges Quecksilber aus und schiebt sich in einem skalierten Glasröhrchen nach oben. Aufgrund der Giftigkeit von Quecksilber ist der Vertrieb solcher Thermometer seit 2009 in der EU verboten. Eine Ausnahme bildet der wissenschaftliche und medizinische Bereich. Alternativ nutzen viele aktuelle Flüssigkeitsthermometer Galistan, welches Quecksilber zum Verwechseln ähnlich sieht und sich äquivalent verhält. Ihr Vorteil gegenüber digitalen Varianten liegt in ihrer Unabhängigkeit von einer Stromquelle und der hohen Genauigkeit.

Einfache digitale Fieberthermometer ähneln bezüglich ihrer Form den Flüssigthermometern. An ihrer Spitze sitzt ein Sensor, welcher seinen elektronischen Widerstand entsprechend der Temperatur verändert. Bleibt die Widerstandsveränderung innerhalb eines definierten Zeitraums gleich, zeigt üblicherweise ein LC-Display die erreichte Temperatur an. Eine derartige Messung dauert etwa 10 - 20 Sekunden und wird in den meisten Fällen von einem akustischen Signal begleitet.

Ihr Vorteil liegt in der hohen Verfügbarkeit, im günstigen Preis von häufig ab 1,50 Euro plus Versand und der gleichzeitig hohen Genauigkeit, die jedoch stark vom Ort der Messung abhängt. So erreicht der Nutzer die höchste Genauigkeit rektal. Aber auch oral oder unter dem Arm ist eine Temperaturmessung möglich. Bei einem Kauf sollte man darauf achten, ein Modell mit einem flexiblen Kopf zu wählen. Bei der Nutzung eines digitalen Fieberthermometers gilt es, das Gerät nach jeder Nutzung intensiv zu reinigen. Es kann auch sinnvoll sein, für jede Person im Haushalt und/oder Ort der Messung ein eigenes digitales Thermometer zu haben.

In den letzten Jahren drängen zunehmend Infrarotfieberthermometer auf den Markt. Sie messen mittels einer Linse und einem oder mehreren dahinter liegenden Sensoren die abgestrahlte Infrarotstrahlung der Stirn oder des Trommelfells. Die Messdauer beträgt nur wenige Sekunden. Ihr Preis variiert zwischen 25 und 100 Euro.

Infrarotfieberthermometer für das Trommelfell kommen häufig mit nachkaufbaren Hygieneaufsätzen. Der Vorteil der Trommelfellmessung liegt theoretisch in der geringeren Fehleranfälligkeit durch falsche Anwendung. Bei der Messung an der Stirn sollte der Nutzer stets versuchen, die Schläfenarterie zu treffen. Sie ist mit der Herzschlagader verbunden und bietet so einen guten Näherungswert der tatsächlichen Körperkerntemperatur.

Für den Test der Genauigkeit nutzen wir neben dem 70-Euro-Gerät Withings Thermo das Stirn-Infrarotthermometer Aicare A66, das an die Wand montierbare K3X und das sehr günstige digitale Fieberthermometer Philips SCH410.

Das Aicare A66 kostet bei Banggood (Kauflink) mit dem Gutscheincode BGjune110 21 Euro, das K3X kostet bei Banggood (Kauflink) mit dem Gutscheincode BGDE0625 7 Euro.

Zum Vergleich messen wir je Thermometer und Messort siebenmal, um Messungenauigkeiten festzustellen und den Streuungsbereich zu ermitteln. Trotzdem kann das Ergebnis unseres Tests nur einen Anhaltspunkt der tatsächlichen Genauigkeit liefern.

Das digitale Stabthermometer Philips SCH410 kommt rektal, oral und axial, also in der Achselhöhle, zum Einsatz. Die anderen Fieberthermometer messen nur die Stirn.

Philips SCH410Withings ThermoAicare A66K3X
rektaloralaxialStirnStirnStirn
Mittelwert aus 7 Messungen in °C37,136,735,337,237,136,5
Abweichung von Rektalmessung in °C-0,4-1,80,10,0-0,6
Messbereich laut Hersteller +/- in °C0,10,10,10,2k.a.k.a.
Messbereich im Test +/- in °C0,000,150,200,150,200,25

Allgemein hin gilt die rektale Messung mit einem Stabthermometer als die genaueste, weswegen wir sie mit dem Philips SCH410 als Richtwert für die weiteren Ergebnisse nutzen. Im Test zeigt sich auch die sehr geringe Abweichung im Messbereich, die von einer Nachkommastelle nicht erfasst wird. Das angezeigte Ergebnis beträgt stets 37,1 Grad Celsius.

Das Philips SCH410 kann wie die meisten einfachen digitalen Fieberthermometer nicht sehr viel. Knopf drücken, messen, warten, bis es piepst, Temperatur ablesen. Dabei ist das LC-Display sehr klein und unbeleuchtet, was seine Verwendung in dunklen Umgebungen erschwert. Bei jedem Neustart zeigt es wie die meisten kurz die letzte Messung an – alle weiteren Messungen sollten sich Nutzer für das Nachvollziehen des Krankheitsverlaufs notieren.

Oral und axial ist nicht nur die Streuung größer, auch der Mittelwert der Messergebnisse weicht von der rektalen Messung ab. So liegt die Messung im Mundraum 0,4 Grad, die Messung in der Achselhöhle gar 1,8 Grad darunter. Bei der oralen Messung fällt auf, dass es einen Unterschied von 0,2 bis 0,3 Grad ausmacht, wie tief man das Fieberthermometer unter die Zunge schiebt. Gerade wenn Eltern bei ihren Kindern oral die Temperatur nehmen, ist für sie kaum zu kontrollieren, wo genau sich der Temperaturfühler im Mund befindet. Auch kann das Trinken von kühlen oder warmen Getränken das Ergebnis verfälschen. Axial ist die Streuung mit plus/minus 0,2 Grad sogar noch höher. Sowohl oral als auch axial sind die Ergebnisse mit die schlechtesten im Test.

Das Withings Thermo ist gerade im Vergleich zu den beiden einfachen Thermometern ein Feature-Monster und sieht dabei auch noch aus wie ein Design-Objekt. Seine zylindrische Form verjüngt sich symmetrisch an dessen Ende und bildet so eine Art Griff. Hinter einer Seite sitzen unter einer magnetischen Abdeckung zwei AAA-Batterien. Auf der anderen Seite leuchtet bei Bedarf neben dem einzigen Knopf eine 5 × 20 weiße Punkte umfassende Matrix durch den weißen Kunststoff. Leuchtet sie nicht, ist das Display unsichtbar. Die Infrarot-Sensoren sind etwa drei Zentimeter nach innen versetzt, was deren Verschmutzung weitestgehend verhindern sollte.

Der Clou ist aber seine WLAN-Funktionalität im 2,4-GHz-Netz. Nach der Einrichtung funkt es die Messwerte automatisch über den Router an den Withings-Server. Alternativ versteht das Thermo auch Bluetooth, um direkt mit der App zu kommunizieren. Zuvor besteht die Möglichkeit, die Ergebnisse über einen kapazitiven Slider neben der Punktematrix einem von acht zuvor angelegten Nutzern zuzuweisen. Die korrespondierende App holt sich die Messwerte vom Server und zeigt sie chronologisch an. So kann man sehr komfortabel den Temperaturverlauf kontrollieren. Auch nicht zugeordnete Messwerte speichert Withings. Per App kann man sie nachträglich Nutzern zuweisen. Die App ist dabei sehr übersichtlich und selbsterklärend. Wir hätten uns jedoch eine grafische Auswertung in einer Kurve gewünscht.

Nutzer können in den chronologischen Temperaturverlauf Bilder, Symptome, Medikamente und Kommentare hinzufügen. Das hilft zum einen der Dokumentation. Zum anderen empfiehlt die App unter Umständen den Besuch eines Arztes. Zusätzlich bietet die App verschiedene Lehrvideos zur richtigen Anwendung des Thermos und einige weiterführende Fakten über Fieber und Messungen.

Das Withings Thermo liegt bei sieben Messungen im Schnitt nur 0,1 Grad über dem rektalen Wert, kein Einzelmessergebnis darunter. Dabei ist das Temperaturnehmen komfortabel. Einmal auf den Knopf gedrückt beginnt die Messung, bestätigt durch eine Vibration. Nun fährt der Nutzer von der Stirnmitte horizontal zum seitlichen Haaransatz. Vier Sekunden später signalisiert eine weitere Vibration das Bereitstehen des Messergebnisses. Wer sich nicht sicher ist, ob er das Thermo richtig anwendet, dem gibt die App eine Anleitung.

Die Temperaturmessung an der Stirn gehört ohnehin schon zu den hygienischeren. Das Thermo liefert jedoch genauso zuverlässige Ergebnisse, wenn es bei der Messung etwas über der Stirn schwebt. Withings spricht von bis zu 1,3 Zentimetern. Das kann gerade für Eltern, welche die Temperatur von ihrem schlafenden Kind nehmen wollen, von Vorteil sein. Mittlerweile beherrschen jedoch zahlreiche Infrarotthermometer das kontaktlose Messen.

Neben dem Withings Thermo gibt es unter anderen mit dem Beurer FT 95 ein weiteres smartes Infrarotthermometer.

Das Aicare A66 kostet bei Banggood (Kauflink) mit dem Gutscheincode BGjune110 21 Euro. Es misst an der Stirn und kommt mit einem Abzug und Griff wie an einer Pistole. Dabei erreicht die Stirnmessung trotz des großen preislichen Unterschieds zum Withings Thermo sogar bessere Werte. Die Streuung ist zwar etwas höher, aber der Mittelwert der sieben Messpunkte trifft recht genau die rektal gemessene Temperatur. Dabei ist die Messung ähnlich einfach wie am Thermo. Der Nutzer kann am ausgeschalteten Gerät einfach den Abzug betätigen, schon misst das A66 los. Die Messung wird innerhalb einer Sekunde auf dem hintergrundbeleuchteten Display angezeigt, bestätigt durch ein kurzes Piepen. Bei erhöhter Temperatur oder Fieber piept das Aicare A66 mehrmals hintereinander. Das Piepen kann man mit einem Knopfdruck ausschalten, sodass es kein Kind aus dem Schlaf reißt. Es protokolliert automatisch die letzte 32 Temperaturmessungen.

Das K3X kostet bei Banggood (Kauflink) mit dem Gutscheincode BGDE0625 7 Euro. Es hängt an der Wand und erkennt selbstständig ohne Knopfdruck, wenn eine Person davor steht. Anschließend erfolgt die Messung. Das Ergebnis steht groß und sehr gut ablesbar auf dem LED-Display. Außerdem piept es sehr laut und eine Stimme sagt "Low Temperature", oder "You have high Temperature". Die Stimme ist jedoch schwer zu verstehen. Es protokolliert automatisch die letzten 50 Messungen.

Das K3X zeigt die größte Messschwankung und im Schnitt 0,6 Grad weniger als die rektale Kontrollmessung. Das rührt vor allen daher, dass es mit unterschiedlichen Entfernungen zur Stirn auch unterschiedliche Ergebnisse misst. Dabei misst es bereits bei einer Entfernung von etwa 20 Zentimeter. Allerdings kann man dann recht zuverlässig etwa einen halben Grad abziehen zu Messung, die nur einen Zentimeter entfernt genommen wird.

Dieser Vergleich zeigt, dass die rektale Temperaturmessung mit einem einfachen digitalen Thermometer die mit Abstand günstigste und genaueste ist. Allerdings empfinden sie viele als unangenehm, auch der Protest der Kinder kann nerven. Zudem ist sie unhygienisch. Die Messung in Mund oder Achselhöhle ist zu ungenau. Die Infrarotstirnthermometer sind bei richtiger Anwendung recht nah am rektalen Messwert dran – egal ob das Infrarotthermometer 10 oder 100 Euro kostet. Dabei ist die Stirnmessung, die teilweise auch mit einem gewissen Abstand funktioniert, hygienisch und schnell.

Die Dokumentation der gemessenen Temperatur wie es das Withings Thermo automatisch macht ist zwar nicht essenziell, aber komfortabel. So ist im Krankheitsfall auf einen Blick der Temperaturverlauf ersichtlich und man kann, falls nötig, mit Medikamenten und einem Arztbesuch reagieren.

Wir empfehlen die Nutzung eines günstigen Infrarotthermometers. Sollte es Temperaturen von über 38 Grad anzeigen, kann man mit einem digitalen Thermometer rektal nachmessen. Das Withings Thermo ist die Luxus-Ausführung des klassischen Stirninfrarotthermometers und kann im Grunde alles, was man von einem modernen Thermometer erwartet. Wer bereit ist, knapp 70 Euro dafür zu investieren, macht nichts falsch.

Wer für die Familienplanung genauere Thermometer bracht, sollte sich unseren Ratgeber iPhone als Verhütungscomputer und günstige Alternativen durchlesen.

Smart ergibt auch in weiteren Health-Bereichen Sinn, etwa bei Blutdruckmessgeräten. Damit beschäftigen wir uns im Ratgeber Volkskrankheit Bluthochdruck: Smarte Messgeräte unter 40 Euro. Auch spannend: Schlaf-Gadgets: Besser schlafen dank Technik und Smarte Personenwaagen ab 20 Euro.

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