Unsichtbares Heimkino im Wohnzimmer: DIY mit Beamer-Lift und elektrischer Leinwand

DIY Heimkino mit Beamerlift und Motorleinwand

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Wohnzimmer oder Heimkino, beides geht nicht? Geht doch – wir haben eines gebaut und erklären, wie Leinwand, Licht und Beamer möglichst unauffällig in den Wohnbereich integriert werden.

Ein echtes Heimkino benötigt viel Platz. Leinwand, Beamer, Lautsprecher – das alles will richtig im Raum verteilt und auf die Sitzposition ausgerichtet werden. Was man generell für guten Klang im Wohnzimmer braucht, haben wir in unserem Ratgeber Lautsprecher, Subwoofer und AV-Receiver: Das braucht man wirklich für gutes Heimkino zusammengefasst. Außerdem gehen wir in unserem Ratgeber Yamaha, Denon, Sony & Co: Darum brauchen Audio-Receiver eARC, WLAN und Dolby Atmos speziell auf AV-Receiver ein. Lautsprecher beleuchten wir zudem in unserem Ratgeber Teufel, Klipsch und Canton: Die besten Lautsprecher für Musik und Heimkino finden und Tipps zu Subwoofern geben wir im Ratgeber Teufel, Klipsch, Canton KEF: Den besten Subwoofer für Musik und Heimkino finden.

Das Problem: Was für Sound und Bild gut ist, stört oft im Alltag. So möchte nicht jeder permanent einen Beamer von der Wohnzimmerdecke hängen haben oder eine Leinwand an der Wand. Außerdem lassen sich Lautsprecher aus ästhetischen Gründen bestenfalls nah an einer Wand stehend und der Subwoofer oft nur in die Ecke gedrängt platzieren. Für manches gibt es (technische) Lösungen, anderes ist da deutlich schwieriger oder zumindest aufwändiger zu ändern. Hier muss abgewogen werden, wie wichtig Heimkino oder dann doch das „normale“ Wohnzimmer ist.

Dieser Artikel handelt von der Idee eines in weiten Teilen unsichtbar ins Wohnzimmer integrierten Mittelklasse-Heimkinos für Summa Summarum unter 3000 Euro. Im Preis mit inbegriffen sind Smart-Home-Komponenten wie Rollenaktoren, smarte Leuchtmittel, zudem Beamer-Lift, Leinwand, Rigips- und Unterkonstruktion sowie Beamer, AV-Receiver und Lautsprecher samt Subwoofer. Je nach Geldbörse geht das natürlich auch deutlich teurer, aber auch günstiger. Wir geben daher nicht nur Tipps für die Konstruktion, sondern zeigen auch Alternativen für die wichtigen Komponenten unseres Heimkinos.

Vor dem Bau steht erst einmal die Planung. In unserem konkreten Fall ging es darum, einen knapp 25 Quadratmeter großen Teil des Wohnzimmers möglichst unauffällig in ein Heimkino zu verwandeln. Wegen der Technik-Affinität aller Bewohner ging es hier weniger darum, alle Komponenten komplett zu verstecken, sondern mehr um einen guten Kompromiss aus Optik, Akustik und Nutzbarkeit des Raumes. So sollte einerseits abendlichen Film-Sessions nichts mehr im Wege stehen, andererseits sollte der Wohnraum weiterhin voll als Wohnraum nutzbar bleiben, ohne immer laut „Heimkino!“ zu schreien.

Die grundsätzliche Platzierung von Beamer und Leinwand war durch die Einrichtung – in diesem Fall hauptsächlich die große Couch und eine große Schiebetür zur Terrasse gegenüber – vorgegeben. Aus den oben genannten Gründen sollte die Leinwand aber nicht einfach unschön von der Decke hängen, sondern auf Knopfdruck ein- und ausgefahren werden können. Um den Korpus der fast 4 Meter langen Leinwand zu verstecken, sollte ein Kasten um die Leinwand konstruiert werden. Wegen der Symmetrie fiel die Entscheidung, den gegenüber liegenden Beamer ebenfalls in so einen Kasten zu integrieren, auch wenn der eigentlich weit kleiner ausfallen könnte – schließlich ist so ein Beamer heute ziemlich handlich und klein. Alles zum Thema Beamer haben wir in einem eigenen Ratgeber zusammengefasst. Stattdessen sollte der Kasten ebenfalls 4 Meter lang werden und einen Beamer-Lift beherbergen. Auf diesem Weg wollten wir zwei der wichtigsten und störendsten Heimkino-Komponenten bei Nichtnutzung schon mal außer Sicht bringen: Beamer und Leinwand.

Die aufwändige Trockenbau-Konstruktion hatte außerdem den Vorteil, dass zwischen den seitlichen Kästen, die parallel zur Wand verlaufen, durch das Abhängen der Decke gleich noch Deckenlicht in Form von Spots integriert werden konnte. Licht ist schließlich nicht nur im Winter hilfreich, allerdings hatte der ostfriesische Vorbesitzer darauf einfach verzichtet – irgendwoher müssen die ganzen Ostfriesenwitze ja kommen.

Zu guter Letzt wurde ein grober Plan für die Elektrik entworfen: Insgesamt 14 GU-10-Spots, vier LED-Streifen und zwei E27-Leuchtmittel sollten eingebaut werden – als RGB-LEDs. Tipps zu LED-Streifen haben wir im Ratgeber Günstiger als Philips Hue: Die besten smarten LED-Streifen ab 20 Euro zusammengefasst. E27-Leuchtmittel haben wir uns in diesem Vergleichstest angeschaut. Zudem fiel die Wahl auf eine Rollladensteuerung von Homematic IP (vorhanden) und ein Logitech-Harmony-Hub (ebenfalls noch vorhanden) für die Steuerung von Beamer, AV-Receiver und Leinwand. Alternativen zum Harmony Hub gibt es inzwischen schon ab rund 20 Euro, etwa von Antela, Yellow Wang, Frogbro oder Auvisio.

Als Beamer sollte wieder unser betagter Benq W1070 (ebenfalls vorhanden und leider nicht mehr im Angebot – Alternativen gibt es hier) zum Einsatz kommen, allerdings erreichte uns früh genug ein moderner Benq W1800i mit 4K, HDR und zahlreichen anderen Features. Er kostet bei Amazon knapp 1300 Euro. Leinwand wurde die Tensions-Motor-Leinwand Professional Tatenso von Esmart. Als Bindeglied für die Steuerung sollte ioBroker (vorhanden) dienen. Als AV-Receiver wurde zudem der Denon AVC X3700H eingeplant, als Sound-System setzen wir auf das Ultima-40 Surround-Set in 5.1 von Teufel (beides vorhanden).

Zuerst wurde Maß genommen: Leinwand und Beamer sollten in die seitlichen Kästen passen, also fiel die Wahl auf knapp 20 Zentimeter Höhe für die Holzkonstruktion, die Tiefe von rund 60 Zentimeter wurde durch den Beamer, mehr aber noch durch räumliche Gegebenheiten und optische Gründe diktiert. Der Mittelteil zwischen den Kästen sollte hingegen nur rund 6 bis 8 Zentimeter hoch werden – genug Platz für Kabel und GU10-Spots. Ein flacherer Aufbau wäre mit speziellen, besonders flachen Spots mit integrierten Leuchtmitteln möglich gewesen. Wir haben uns wegen des Preises dagegen entschieden und stattdessen GU10-Leuchtmittel und passende Einbaurahmen gewählt. Als Holzkonstruktion kamen für die Kästen einfache Dachlatten zum Einsatz. Zu spät erkanntes Problem hier: Dachlatten sind alles andere als gerade. Konstruktionsholz wäre die bessere Wahl gewesen – aber auch die teurere.

Aus den Latten wurden eine Art kleine Rahmen mit Zwischenstegen gebaut, die dann – später natürlich mit Gipskartonplatten beplankt – Vorderseite und Seitenteil der Kästen bildeten. Eine Seite dieser Rahmen wurde in der Decke verankert, statt Winkel wurden die Zwischenstege zuvor einfach per ausreichend langer Schraube befestigt. Da sich auf einer Seite des Raumes ohnehin ein Rollladenkasten befand, der die Gipskarton-Konstruktion nicht sicher getragen hätte, verwendeten wir selbst konstruierte Deckenhalter zum Befestigen der Platten. Hier mussten wir – eher durch Zufall – feststellen, dass eine Zimmerdecke nicht zwangsläufig gerade und damit in der Waage ist – vor allem in den Ecken. Beim Bau sind Werkzeuge wie Akkuschrauber, Wasserwaage und Bohrhammer für die Stahlbetondecke ein Muss. Was bei Akkuschraubern wichtig ist, haben wir im Ratgeber Der richtige Akkuschrauber für die Werkstatt zusammengefasst. Darin gehen wir auch auf Bohrhämmer ein – zumindest auf solche mit Akku.

Nachdem das Holzskelett für Kästen und Deckenabhängung fertig war, ging es an die Verkabelung. Der Beamer-Lift (mehr dazu später) brauchte Dauerstrom, außerdem wurden Steckdosen für Beamer, Leinwand und LED-Streifen benötigt. Hinzu kamen rund 25 Meter Kabel (Achtung: nicht unterdimensionieren! Wir haben 1 Quadrat Durchmesser genommen) für die Spots, außerdem wollten wir einen einfachen, versteckten Rollladenschalter als Notfallplan, sollte das Smart Home mal streiken. Die Vor-Verkabelung (also die Verbindungen der Lampen untereinander etc.) haben wir selbst vorgenommen, den Anschluss an das Stromnetz übernahm ein Elektriker. Wegen Lebensgefahr bei unsachgemäßem Umgang mit Strom ist das auch zwingend anzuraten!

Das Anbringen der Leinwand (natürlich vor Konstruktion des Leichtbau-Kastens) war – so viel als Vorwarnung – ein echter Akt. Grund ist neben der Länge von fast 3,9 Metern das hohe Gewicht, das bei geschätzten 20 kg liegen dürfte. Bei der Deckenanbringung, also über Kopf, ist das auch mit zwei Personen ein ziemlicher Kraftakt. Außerdem sollte man schon vorher ordentliche Schwerlastanker oder ausreichend tragende Alternativen bereit haben. Denn schon der erste der mitgelieferten Schwerlastanker brach noch beim Eindrehen in die Decke – wenig vertrauenerweckend! Wichtig ist zudem der Einbau „im Wasser“, also gerade unter der Decke. Zwar nützte uns das später insofern nicht viel, weil der Beschwerungsrahmen der Leinwand nicht gleichmäßig auf beiden Seiten in die Kasten-Konstruktion eingezogen wurde. Entsprechend schaut eine Seite im eingezogenen Zustand immer etwas mehr aus dem Kasten hervor als die andere. Der Grund ist – im Nachhinein – leicht auszumachen: Die Kastenkonstruktion ist minimal schief, wie die Wasserwaage verrät. Besser so als anders: Bei schiefer Anbringung der Leinwand kann dauerhaft sogar der Motor geschädigt werden.

Vorteil der verwendeten Leinwand: Start und Endpunkt kann recht einfach programmiert werden, anschließend fährt sie immer genau zu diesen Punkten ein und aus. Außerdem hat sie eine Maskierung oben und ist dank der Tension recht plan für eine Leinwand unter 1000 Euro. Warum „recht plan“ für einen Ultra-Kurz-Distanz-Beamer im Gegensatz zum verwendeten Modell nicht reicht, haben wir in unserem Beamer-Ratgeber erklärt. Deutliche Wellen schlägt sie bei uns zumindest nicht – das hatten wir zuvor bei einer andere (günstige) Motorleinwand ohne Tension wesentlich schlimmer. Der kräftige Kunststoff-Geruch verfliegt allerdings erst nach einigen Wochen weitestgehend, sofern die Leinwand länger ausgefahren bleibt. Dafür ist der Motor angenehm leise.

Damit der Beamer bei Nichtgebrauch nicht sichtbar unter der Decke hängt, sollte ein Beamer-Lift her, mit dem der Strahlemann bei Bedarf aus- und eingefahren werden kann. Hier gibt es zahlreiche Angebote für fertige Beamer-Lifte, die einfach nur noch angeschlossen und an die Decke geschraubt werden müssen. Einige Angebote sind sogar im unteren dreistelligen Euro-Bereich angesiedelt. Das Problem dabei: All diese Modelle setzen eine abgehängte Decke von mindestens 35 Zentimetern voraus – so viel wollten wir aber nicht, damit die Kästen nicht so wuchtig wirken. Also musste selbst ein Beamer-Lift konstruiert werden. Wichtigste Komponenten dafür sind bei unserem Lift: Holz, um eine Art Käfig zu bauen, in dem sich der Beamer später rauf- und runterbewegt. Außerdem ein Rollladenmotor, die passende Welle mit Wellenkapsel und Lager dazu, vier stabile Schubladen-Vollauszüge und ein smarter Rollladenaktor – in unserem Fall von Homematic IP. Die Welle dreht daran befestigte Drahtseile, die wiederum über Metallstangen (statt Umlenkrollen) umgelenkt werden und an den Schubladenauszügen befestigt sind.

Problem dabei: Wegen der vergleichsweise geringen Bauhöhe von knapp 20 Zentimeter musste der Rollladenmotor hinter statt über dem eigentlichen Beamer-Hub montiert werden, entsprechend kamen die beiden Metallstangen als Umlenkrollen-Ersatz hinzu. Als Zugmaterial haben wir 2 Millimeter dünnes Stahlseil genommen – Versuche mit anderen Materialien wie Angelschnur haben wir schnell wieder aufgegeben. Die ist zwar äußerst reißfest bei Zug, wird aber leicht beschädigt und reißt dann eben doch sehr schnell. Damit das Stahlseil auf die Dauer nicht die Holzdurchführungen „durchsägen“ können, haben wir Metallhülsen in die Bohrungen gepresst. Als besonders hilfreich stellte sich (wie auch bei der kompletten Konstruktion) stabile Schraub- oder Einhandzwingen heraus. Außerdem gab es aufgrund der niedrige Bauhöhe auch ein Problem mit den Vollauszügen. Denn die sind schwer unter 20 Zentimeter zu finden und wenn, dann sind sie entweder unverhältnismäßig teuer oder bieten mit bestenfalls 10 oder 12 Zentimeter erschreckend wenig Auszug – unter Vollauszug zumindest versteht man das eigentlich nicht. Wir haben nach langem Suchen welche mit 15 Zentimeter gefunden, die tatsächlich auf knapp 30 Zentimeter ausziehen. Wer gleich mehr als 20 Zentimeter abhängt, erleichtert sich die Suche und zahlt wegen größerer Auswahl weniger.

Ansonsten gilt: Eine passende Platte als Beamer-Aufnahme, etwas Kleinzeug wie Schraube, Muttern und Winkel – und fertig ist der Beamer-Lift. Dass der Zusammenbau spätestens beim Befestigen der Drahtseile mittels Aluklemmen doch richtig nervig sein kann, dürfte klar sein. Wichtig: An entsprechende Verkabelung denken – Strom und Zuspieler-Kabel. Als Stromkabel dient uns ein einfaches, langes Kabel mit Kaltgerätestecker, das wir von der anderen Seite durch die Deckenabhängung zum Beamer gelegt haben. Zudem verlegten wir zwei lange HDMI-Kabel: Ein einfaches, bereits vorhandenes und ein modernes, das 8K/60 und HDMI 2.1 unterstützt. Mit dem Kabel von Huaham haben wir einerseits ein modernes und natürlich abwärtskompatibles Kabel, dass zwar mit dem alten W1070 nicht voll genutzt werden kann, aber uns Upgrade-Möglichkeiten bietet, sollten wir den Beamer irgendwann austauschen – etwa gegen den W1800i. Am modernen Beamer angeschlossen lieferte es die versprochenen Angaben – zum aufgerufenen Preis ist das ausgezeichnet. Das alte Kabel hingegen dient im Zweifel als Backup-Lösung – besser so als gar nichts. Aufreißen möchte man die schöne neue Decke schließlich wegen eines defekten Kabels später auch nicht wieder.

Wie erwähnt zieren 14 GU10-Spots, 4 LED-Streifen und 2 E27-Leuchtmittel das DIY-Heimkino. Wir haben uns dabei für Zigbee als Übertragungsstandard entschieden und auf Leuchtmittel der Lidl-Marke Livarno gesetzt. Die waren zum Zeitpunkt des Baus gerade im Angebot für knapp 7 Euro pro Lampe und lassen sich in die (bereits vorhandene) Hue-Bridge einbinden. Probleme gab es damit kaum, allerdings sind die gewählten Farben teils deutlich unterschiedlich zu originalen Philips-Hue-Leuchtmitteln, weshalb eine Mischung nicht zu empfehlen ist. Das gilt leider auch für eine Mischung von etwa E27 und Gu10 von Livarno. So gibt es die E27-Birnen etwa in der Farbeinstellung „hell“ in der Hue-App eher ein rosafarbenes Licht aus – zum Glück lassen sich in Szenen in der Hue-App einzelne Leuchtmittel anpassen. Immerhin ist die Leuchtstärke der Livarno überzeugend und sie sind zudem deutlich günstiger als die Originale von Hue. Wirklich nervig ist eher der Umstand, dass immer wieder bestimmte Leuchtmittel morgens leuchten – obwohl sie am Abend wie der Rest der Deckenlampen ausgeschaltet wurden.

Wie auf den Fotos zu sehen, sind je vier Spots in die Kästen links und rechts integriert, die als Aufnahme für Leinwand und Beamer dienen. Zudem leuchten sechs Spots den Bereich dazwischen aus. Die beiden E27-Birnen sind jeweils seitlich an den Kästen installiert und beleuchten auf Wunsch die Zimmerecken. Spots wären hier wegen ihres gerichteten Lichtkegels nicht geeignet gewesen.

Für den nötigen, guten Sound im Heimkino haben wir uns auf das Ultima-40-Surround-Set von Teufel verlassen. Wegen der Räumlichkeiten (wir haben kaum Möglichkeiten, hinter unsere Sitzposition zu kommen) wollten wir nur auf einfaches 5.1, dafür aber in höherer Qualität setzen – dank vollwertiger Regallautsprecher als Surround-Speaker. Der Center-Speaker musste zudem über statt unter die Leinwand wandern, was bei einfachem 5.1 ohne Hight-Speaker keine Probleme bereitet und nach kurzer Eingewöhnungszeit sogar besser als unter dem Bild klingt. Als Abdeckung haben wir zwei Holzbretter genommen und per Laserengraver exakt mit Lautsprecheröffnungen versehen. Genutzt haben wir dafür einen Sculptfun S9 (Testbericht), der dafür mehrere Durchgänge benötigte. Verwendet haben wir nicht ein dickes, sondern zwei Bretter mit je 6 Millimeter. Das innere dient dabei nur als Rahmen, um anschließend etwa auf die Gesamtdicke einer normalen Rigipsplatte zu kommen, nur das äußere Brett weist die Lautsprecher-Gratings auf. Beim zuvor verwendeten weißen Akustikstoff sah man leider das Holzständerwerk, obwohl wir es dort bewusst weiß lackiert hatten.

Für den großen Center-Speaker musste Platz geschaffen werden, was aus optischen Gründen in Form eines vorgezogenen Dreiecks geschehen ist. Was beim Bau zusätzlich geärgert hat, entschädigt optisch nach Fertigstellung dafür umso mehr. Die Standlautsprecher haben wir sichtbar links und rechts neben der Leinwand stehengelassen. Ein Einbau in (selbstgebaute) Möbelstücke oder andere Deko-Elemente wäre sicherlich möglich, dürfte aber einerseits den Sound negativ beeinflussen, außerdem war das erzwungene Verstecken wegen der eingangs angesprochenen Technikaffinität zum Glück überflüssig. Gleiches gilt für die sichtbare Aufstellung des Denon-Receivers. Uneinig waren sich weibliche und männliche Bewohner nur bei den Surround-Lautsprechern. Da die Ultima 20 als vollwertige Regallautsprecher sehr groß sind, gab es zwei unterschiedliche Meinungen: Verstecken oder offen und ohne Lautsprecherabdeckung zeigen. Zum Verstecken hätten wir mit 30 Zentimeter breiter Möbelbauplatte eine Art Ablage hinter dem Sofa bauen wollen, die Lautsprecher hätten dann unsichtbar rechts und links darunter gelegen und liegend nach oben gespielt. Das hätte auch das Aufstellungsproblem entschärft – derzeit stehen die Lautsprecher nicht im gleichen Abstand vom Zuschauer und sind zu nah. Zum Glück regelt das die Technik dank umfangreicher Einstellungsmöglichkeiten am AV-Receiver. Vielleicht wird das trotzdem nachträglich noch geändert.

„Smart“ ist das Stichwort dieses Projektes, entsprechend sollte am Ende alles mit nur einem Wort gesteuert werden können. An dieser Stelle kommt der ioBroker ins Spiel. Dabei handelt es sich um eine Software-Lösung, die etwa auf einem Raspberry Pi oder einem NAS läuft und dank einer starken Community die allermeisten Smart-Home-Standards miteinander verknüpft. Etwas Einarbeitungszeit und am besten etwas Programmierkenntnisse sind dabei durchaus hilfreich – trotz grafischer Nutzeroberfläche zum Erstellen von Regeln.

Der ioBroker soll dafür sorgen, dass per kurzem Sprachbefehl an Amazon Alexa (Echo Dot, Echo Show etc.) das Licht gelöscht wird, die Rollläden als Verdunkelung herunterfahren, das Harmony-Hub die Leinwand ausfährt sowie Denon-Receiver auf den richtigen Kanal wechselt und den Beamer aktiviert. Gleichzeitig muss per Rollladenaktor der Beamer-Lift heruntergefahren werden. Jetzt ist das Heimkino bereit zur Vorführung. Fehlen nur noch Popcorn und vor Käse triefende Nachos sowie passende Getränke. Damit zwischendurch ohne schmerzhaftes Zehenanstoßen Nachschub besorgt werden kann, sollte es eine Pausenfunktion geben, in der alle Geräte angeschaltet bleiben, aber etwa die Lichtstreifen, die an den Deckenüberständen für indirekte Beleuchtung sorgen, gedimmt in einem Rotton anspringen – quasi wie die Notbeleuchtung im Kino.

Bleibt die große Frage nach den Kosten und ob wir im geplanten Budget geblieben sind. Zu diesem Zweck führen wir alle beteiligten Komponenten auf, auch wenn sie schon vorher vorhanden waren. Das schafft einen besseren Überblick für alle, die komplett bei null anfangen wollen. Lediglich die Arbeitsstunden rechnen wir finanziell nicht gegen – in einem DIY-Projekt ist das unangebracht.

Wir führen an dieser Stelle zwei Rechnungen: einmal mit unseren Komponenten und einmal mit günstigeren. So kann man etwa bei der Leinwand bei Größe oder Art sparen: Eine Motorleinwand ist teurer, als eine von Hand ausgezogene und je größer es wird, desto teurer. Bei den Leuchtmitteln gilt ähnliches: Wer auf günstige WLAN- statt Zigbee-Lampen oder einfach auf weniger Spots setzt, spart ebenfalls. Entsprechend geht es weiter: Es muss nicht der verwendete Denon-Receiver sein, auch das eingesetzte Teufel-Set ist zwar nicht teuer in Relation zur gebotenen Leistung, aber es geht auch noch deutlich günstiger. Entsprechend haben wir in der zweiten Euro-Spalte einen Betrag eingesetzt, von dem wir ausgehen, dass er einen ordentlichen Einstieg ins Heimkino ermöglicht, mit dem man auch in einigen Jahren noch zufrieden sein kann. Abgesehen vom Geld ist aber gerade der Arbeitseinsatz nicht zu unterschätzen. Grob überschlagen haben wir mit zwei Personen rund 30 bis 40 Stunden reine Arbeitszeit benötigt – verteilt auf rund 2 Wochen und als Erfahrung allerdings.

Euro tatsächlich verwendet Machbare Alternative in Euro
Beamer 1300 500
AV-Receiver 1400 400
Lautsprecher 800 250
Subwoofer 820 250
Leinwand 450 100
Trockenbau 400 400
Kleinteile 250 250
Beleuchtung 250 100
Aktuatoren / Smart Home 350 100
6020 2450

Der Bau eines Heimkinos im Wohnzimmer ist anstrengend und zeitaufwändig. Außerdem kostet er – je nach Ausführung mehr oder weniger viel. Unter einem vierstelligen Betrag dürfte aber wohl niemand ein vollständiges Kinoerlebnis auf die Beine stellen können. Das hängt aber auch stark von den räumlichen Gegebenheiten ab und von dem Aufwand, den man betreiben möchte. Denn nicht jeder will RGB-LEDs haben und auch die Menge ist vom persönlichen Geschmack abhängig. Allein der komplette Trockenbau mit dem Beamer-Lift kostete rund 650 Euro – hier steckt ebenfalls eine Menge Einsparpotenzial.

Wer sich die Arbeit macht und Geld ausgeben kann und will, spart durch die Eigenarbeit einiges. Ansonsten muss er das einer Firma geben, die einen solchen Umbau bewerkstelligt. Spätestens der erste Kinoabend entschädigt allerdings für „Schweiß, Blut und Tränen“ – wir zumindest haben es nicht bereut.

Wer erst noch einen generellen Überblick darüber bekommen möchte, was für gutes Heimkino nötig ist, sollte sich unseren Ratgeber Lautsprecher, Subwoofer und AV-Receiver: Das braucht man wirklich für gutes Heimkino durchlesen. Unser Ratgeber Yamaha, Denon, Sony & Co: Darum brauchen Audio-Receiver eARC, WLAN und Dolby Atmos beschäftigt sich speziell AV-Receivern. Alles über Lautsprecher haben wir in unserem Ratgeber Teufel, Klipsch und Canton: Die besten Lautsprecher für Musik und Heimkino finden zusammengefasst. Tipps zum Kauf des richtigen Subwoofers geben wir im Ratgeber Teufel, Klipsch, Canton KEF: Den besten Subwoofer für Musik und Heimkino finden.

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