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Aufstecklinsen fürs Smartphone

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Gerade günstige Smartphones haben weder Weitwinkel noch Teleobjektiv. Dafür gibt es Aufstecklinsen. Sie erweitern den Funktionsumfang von günstigen und teuren Handys für wenig Geld.

In unserem Beitrag Top 10 der günstigsten Smartphones mit Haupt-, Weitwinkel- und Teleobjektiv haben wir Smartphones vorgestellt, die einen besonders großen Funktionsumfang der Kamera aufweisen. Handys der Einsteigerklasse bieten so viele Objektive selten. Wer eine gute Kamera möchte, selbst wenn das Smartphone an sich nicht viel können soll, muss zwangsweise zu einem teureren Produkt greifen. Denn gute Kameras kommen, vereinfacht gesagt, mit höherem Preis des Mobiltelefons. Eine Lösung dieses Dilemmas versprechen separate Aufstecklinsen. Die gibt es in unterschiedlichen Preisklassen und verschiedenen Set-Stärken.

Nicht nur günstige Smartphones, auch Besitzer hochwertiger Modelle können theoretisch davon profitieren. Denn manche dieser Linsen bieten einfach mehr als das bereits im Handy eingebaute – etwa mehr als 20-fachen optischen Zoom. Was solche Zusatzlinsen für Smartphones taugen, haben wir uns am Beispiel zweier Sets von 10 und 40 Euro angeschaut.

Der Name verrät es bereits: Aufstecklinsen werden außen auf die vorhandene Hauptlinse des Handys aufgesteckt. Je nach Modell geschieht das mit einem einfachen Clip oder Clip plus Feststellschraube für besseren Sitz und dadurch mehr Halt. Die Linsen gibt es meist in Sets mit gleich mehreren Optiken, die normalerweise die Bereiche Makro, Tele, Weitwinkel und oft Fisheye sowie weitere optische Effekte wie etwa einen Aufsatz als Kaleidoskop beinhalten. Sie alle sollen einfach für hübsche Effekte für Fotos sorgen oder den Funktionsumfang der eingebauten Kamera erweitern.

Die aufgesteckten Linsen verändern die Sicht der im Smartphone eingebauten Kamera. So wird aus der Hauptkamera ein Tele- oder Weitwinkelobjektiv. Bei Preisen ab wenigen Euros sollte allerdings klar sein, dass die Qualität gerade bei sehr günstigen Aufstecklinsen nicht übermäßig gut sein kann. So verwenden die Hersteller bisweilen Kunststoff- statt Glaslinsen, was der Bildqualität normalerweise abträglich ist.

Außerdem ist die richtige Positionierung der Linsen bisweilen gar nicht so einfach. Sofern sie nicht ganz genau mittig auf der Smartphone-Linse sitzen, sieht man halbmond-förmige Ränder auf der späteren Aufnahme. Das richtige Installieren ist besonders dann schwierig, wenn das verwendete Smartphone mehrere Festbrennweiten zur Verfügung stellt, die oft sehr nah beieinander liegen. Dann ist schlicht kein Platz, die Aufstecklinsen richtig zu platzieren. Außerdem verschlechtern die aufgesteckten Zusatzlinsen die Lichtausbeute der Smartphone-Kamera, was zu mehr Bildrauschen und generell weniger Bildschärfe führen kann. Zudem irritiert die neue Sicht der Kamera bisweilen den Autofokus, sodass es schwieriger sein kann, ein scharfes Bild zu fabrizieren.

Als eher günstige Variante haben wir ein typisches 3-in-1-Set bei einem großen Online-Händler für knapp unter 10 Euro bestellt, von dem der Hersteller offenbar selbst so wenig überzeugt ist, dass er seinen Namen auf der Verpackung nicht verrät. Das Set beinhaltet laut Aufdruck auf dem einfachen Umkarton Weitwinkel-, Makro- und Fischaugenlinse, außerdem die Klemme zum Befestigen am Smartphone sowie zwei Schutzkappen für die Objektive. Tatsächlich fehlte das Weitwinkel-Objektiv, stattdessen lag ein kleiner Stoffbeutel für den Transport bei. Der äußerliche Eindruck der Linsen ist in Ordnung. Entgegen unserer Vermutung besteht die Linseneinfassung bei beiden vorhandenen Linsen aus Metall und die Linsen selbst scheinen aus Glas zu sein. Lediglich die Klemme für die Befestigung und die beiden Schutzkappen sind aus Kunststoff.

Das teurere Vergleichsset stammt von Hersteller Selvim und es beinhaltet für knapp über 40 Euro ein Teleobjektiv mit 22-facher Vergrößerung, eine Weitwinkellinse mit 0,62-facher Vergrößerung, ein Makroobjektiv für den Nahbereich mit 25-facher Vergrößerung und eine Fischaugenlinse mit 235-Grad-Blickfeld. Der Inhalt präsentiert sich in einem kleinen Transport-Etui, darin lagern die einzelnen Linsen passgenau und gut gesichert in Schaumgummi-Einlagen. Alle Linsen sind beidseitig durch Kunststoffabdeckungen abseits der Nutzung gegen Kratzer geschützt. Außerdem liegt ein Gummiaufsatz bei, damit das Teleobjektiv auch direkt an das Auge gehalten und als Fernglas genutzt werden kann. Neben einer Bedienungsanleitung in zahlreichen Sprachen liegt zudem ein Putztuch und ein zusätzlicher Transportbeutel bei. Neben den kleinen Linsen ist vor allem das Teleobjektiv mit seinen fast 14 Zentimeter Länge ein Hingucker. Auch hier kommt ordentlich verarbeitetes Metall und nach Angaben des Herstellers beschichtetes Glas zum Einsatz.

Um in erster Linie die Qualität der Linsen und nicht die der Kamera zu beurteilen, haben wir das Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) als Test-Smartphone genutzt. Das überzeugte im Test mit sehr guter Bildqualität. Anschließend haben wir versucht, einmal Fotos mit den Aufstecklinsen und einmal mit der passenden Linse des Smartphones aufzunehmen. Die Linsen steckten dabei immer auf der Hauptlinse des S21 Ultra.

Das Ausrichten der Linsen war aus den oben genannten Gründen schwierig. Hinzu kam, dass das S21 Ultra gerne die eigenen Linsen wechselt, wenn die Ursprungslinse verdeckt ist. Abhilfe schaffte hier der Pro-Modus, indem die Linse nicht einfach so gewechselt wird. Das anschließende Ergebnis bleibt für die Fummelarbeit des Anpassens und das ausgegebene Geld allerdings ernüchternd.

Die beiden Linsen des günstigen Sets ließen abgesehen vom Aufdruck nicht einmal erkennen, ob es sich dabei nun um Fischauge oder „normalen“ Weitwinkel handeln sollte, auch als Makrolinse waren die Aufsätze ungeeignet. Zudem engten sie das Sichtfeld trotz langwieriger Versuche der richtigen Zentrierung auf der Smartphone-Linse deutlich ein und machten Fotos unscharf und verwaschen.

Etwas besser, wenn auch trotzdem nicht befriedigend, schlugen sich die Linsen des teureren Sets. Das aufgrund seiner Größe sofort ins Augen stechende Teleobjektiv lässt sich zwar grundsätzlich als Fernglas ohne Smartphone verwenden und zeigt dann ein ausreichend scharfes Bild, sofern die Schärfe durch Drehen am Objektiv angepasst wird. Schon dabei fällt allerdings die nicht übermäßig starke Vergrößerung und der eng begrenzte Bildausschnitt auf. Am Smartphone kann das Ergebnis dann nicht mit der eingebauten Teleoptik des S21 Ultra mithalten. Bilder mit dem Aufsteck-Objektiv sind nicht nur dunkler und weniger scharf mit einzelnen zusätzlich noch unschärferen Bereichen, sondern holt Objekte trotz angeblich 22-facher Vergrößerung wenig nah heran, als der 10-fache optische Zoom des Smartphones.

Das Makroobjektiv vergrößert zwar Details aus sehr kurzem Abstand besonders stark, weist dann aber einen so geringen Fokusbereich auf, dass nur immer ein extrem kleiner Bereich der Aufnahme scharf ist. Der Weitwinkel erfüllt zwar seine Aufgabe in puncto Sichtfeld ähnlich gut wie der Weitwinkel des Smartphones, begrenzt aber die Ecken der Bilder stark, weist starke Verzerrungen auf und ist insgesamt deutlich weniger scharf. Mit dem Fischaugen-Objektiv lassen sich spannende Aufnahmen machen, die aber eher unter die Rubrik „Spielerei“ oder künstlerische Darstellung fallen. Wer das doch einmal ausprobieren möchte: Amazon bietet zahllose Varianten solcher Aufsteck- oder Vorsatzlinsen an.

Für ein Highend-Smartphone wie das verwendete Samsung Galaxy S21 Ultra sind günstige Aufstecklinsen definitiv nichts. Sie bieten keinen Mehrwert, sondern reduzieren im Gegenteil noch die Bildqualität sichtbar – rausgeworfenes Geld. Anders kann das bei günstigen Smartphones sein, denen Weitwinkel- und Telelinse fehlen. Denn in so einem Fall wird der Funktionsumfang der Handykamera tatsächlich sinnvoll erweitert. Qualitativ sollte hier niemand zu viel erwarten, allerdings fällt der Unterschied aufgrund der generell niedrigeren Bildqualität günstiger Smartphones dann auch weniger auf. Wir würden in so einem Fall trotzdem eher dazu raten, die 40 oder 50 Euro, die teurere Linsenpakete kosten, lieber gleich beim Kauf in das Smartphone zu investieren. Nur wer wenig erwartet, wird mit Aufstecklinsen zumindest kurzfristig gut unterhalten.

Wer gerade nach einem neuen günstigen Smartphone sucht, der sollte einen Blick in unsere Bestenlisten der Smartphones bis 150 Euro, bis 200 euro und bis 300 Euro werfen.

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