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Spezielle Tablets für Kinder: sinnvoll oder Geldmacherei? Gute Kinder-Tablets sollten Kinder beim Surfen vor Inhalten schützen und einen vernünftigen Medienkonsum ermöglichen. TechStage testet zwei Kinder-Tablets und zeigt, worauf es beim Kauf ankommt.

Die digitale Erziehung ist wichtiger denn je. Dazu gehört auch der verantwortungsvolle Umgang mit Computer, Tablet und Co. Der einfachste Einstieg ist ein Tablet, dessen Hardware und Software für Kinder zugeschnitten ist. Wie praktisch, das gleich mehrere Hersteller solche Geräte im Angebot haben. Diese kombinieren ein Tablet mit einer passenden Hülle und einer speziell angepassten Software.

Damit sich ein Tablet oder Smartphone für Kinder eignet, müssen mehrere Faktoren zusammenspielen. Idealerweise sollten die Eltern beim Medienkonsum dabei sein und sich zusammen mit dem Kind mit der App beschäftigen. In der Realität ist das nur selten der Fall. Es ist absolut valide, die Tablets zu nutzen, um die Kinder während der Fahrt in den Urlaub zu beschäftigen, einen wichtigen Videocall durchzuführen oder um einfach mal durchzuatmen. Dann sollte die Software aber so angepasst sein, dass sie die Kinder vor unerwünschten Inhalten oder Mikrotransaktionen fernhalten.

Der durchschnittliche tägliche Medienkonsum sollte zudem nicht zu hoch sein. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt folgende Richtwerte:

Alter Durschnittliche tägliche Bildschirmzeit
0 bis 3 Jahrenwenn möglich keine Bildschrimmedien
3 bis 6 Jahren30 Minuten 
6 bis 10 Jahren45 bis 60 Minuten
Quelle: BZgA

Ein gutes System zur Kindersicherung sollte es den Eltern möglichst einfach machen, die täglichen Zeiten zu begrenzen. Zudem sollte man die Geräte sowohl nachts als auch vor dem Start von Schule oder Kindergarten sperren. Das verhindert morgentliche Diskussionen. Wir haben zwei Produkte ausprobiert, die diese Funktionen bereits mitbringen.

Um die Theorie zu überprüfen haben wir zwei spezielle Kinder-Tablets geholt und ausprobiert. Im Testfeld ist dabei das Pebble Gear in der Disney Edition und der neue Kindle Fire HD 10 Kids Pro. Neben einer Zeitüberwachung sind die App-Stores für die Spiele speziell angepasst und verhindern etwa Mikro-Transaktionen.

Mit Disney hat sich Pebble Gear einen starken Partner ins Boot geholt. Die sieben Zoll großen Tablets kommen mit Motiven von Donald Duck, Mickey Mouse, Cars oder Elsa, der Eiskönigin. Die Verarbeitung ist gut, das Tablet ist von einer soliden Schutzhülle umgeben, bei der auch das Display versenkt ist. Es wiegt 280 Gramm, was bei längerer Nutzung schwer werden kann. Leider gibt es keinen Aufsteller, so dass die Kinder es meist auf dem Schoß haben werden.

Die restlichen technischen Daten sind wenig begeisternd. Die Auflösung liegt bei 1024 x 600 Pixel, es gibt 1 GByte RAM, einen einfachen Quad-Core-Prozessor und 16 GByte Flash-Speicher. Das zeigt gut, dass das Tablet vor allem für einfache Anwendungen gedacht ist. Die Kameras lösen mit 0,3 Megapixel vorne und 2 Megapixel hinten auf. Kurz, das ist alles kein High-End, die einfachen Spiele laufen aber flüssig und die Kinder haben Spaß mit der Kamera.

Das Highlight ist die Software. Pebble Gear setzt auf ein stark angepasstes Android. Die Benutzerführung ist simpel und auch für kleinere Kinder gut verständlich. Dazu kommt ein kuratierter App-Store. Was uns besonders gut gefällt ist, dass viele der klassischen Disney-Apps ohne In-Game-Käufe im Store sind. Das ist deutlich anders als im normalen App-Store, Disney packt leider gerne Mikrotransaktionen in seine Apps. Nach kurzer Zeit zusammen mit den Kindern konnten sie alleine mit dem Tablet umgehen, Apps wechseln und nutzen. Der App-Store ist kostenpflichtig, zumindest nach den ersten zwölf Monaten. Anschließend kann man das Abo für einen, drei oder zwölf Monate verlängern, das komplette Jahr kostet knapp 40 Euro.

Neben den Apps bekommt man dank der Kooperation mit Disney auf zahlreiche digitale Disney-Bücher, etwa die Weihnachtsgeschichten mit Mickey Maus. Viele der Bücher sind vertont, werden also vom Tablet vorgelesen. Leider ist ein Großteil auf Englisch - was sich aber zum Lernen der Sprache gut eignet.

Die Zeitplanung hat Pebble gut gelöst. Eltern können alle Einstellungen auf dem Tablet selbst vornehmen, neben der regulären Nutzungszeit kann man nach Eingabe einer PIN mehr Zeit in 10-Minuten-Schritten geben (oder das Tablet für lange Fahrten ganz freischalten). Man muss nur darauf achten, dass die Kinder den PIN-Code nicht knacken.

Was uns nicht gefällt, ist die Ladezeit. Das Tablet lädt viel zu lang, uns fehlt einfach USB-C-Anschluss mit Power Delivery.

Zwischenfazit: Mit dem Pebble Gear Disney mach der Hersteller sehr viel richtig. Die Einrichtung ist simpel, die Oberfläche leicht verständlich und der App-Store hat eine große, gut kuratierte Auswahl, bei der man die Kids nach einer Einweisung selbst stöbern lassen kann. Die Kameras eignen sich nur für erste Schnappschüsse (machen dort aber dennoch Spaß) und Micro-USB lädt einfach zu langsam. Insgesamt gefällt uns das Pebble Gear Disney gut, dank der soliden Inhalte, der guten Administration und der soliden Verarbeitung. Wir würden es für Kinder ab der Vorschule empfehlen.

Mit dem Fire HD 10 Kids will Amazon Kinder ab der Grundschule ansprechen. Wie schon bei den früheren Geräten handelt es sich im Grunde um ein Fire HD 10, das mit einer besonderen Hülle und eine angepassten Software ausgeliefert wird (die sich auch auf anderen Fire Tablets nutzen lässt). Das größte Argument für dieses Version des Fire-Tablets ist die Sorglos-Garantie. Geht das Tablet innerhalb der ersten zwei Jahre kaputt, ersetzt es Amazon kostenlos.

Die technischen Spezifikationen des Pro-Variante liegen deutlich über denen von Pebble. Ein Mediatek MT8183 sorgt für gute CPU-Leistung, dazu gibt es 3 GByte RAM und 32 GByte Flash-Speicher. Die Kamera ist mit 2 Megapixeln an der Front und 5 Megapixeln auf der Rückseite deutlich besser und auch für Videocalls geeignet (und gedacht). Das Tablet wiegt fast 500 Gramm, hat aber einen Aufsteller integriert, so dass man es stabil hinstellen kann. Geladen wird es erfreulich schnell dank USB-C.

Die Software ist deutlich umfangreicher als bei Pebble und setzt mindestens einen Amazon-Account der Eltern voraus. Anschließend kann man Profile für ein oder mehrere Kinder festlegen und über Schieberegler definieren, welche Inhalte geeignet sind. Das geht per Altersstufen, sowohl nach oben als auch nach unten. Sprich, Grundschulkinder müssen keine Kleinkind-Inhalte sehen, wenn sie nicht wollen.

Die Inhalte sind ebenfalls kuratiert, aber offensichtlich nicht handverlesen. Das liegt auch an der riesigen Menge an Apps, Büchern und Videos, denn das Fire HD 10 Kids Pro hat Zugriff auf den kompletten Amazon Store. Die Inhalte kommen aus Amazon Kids+ (ehemals Freetime). Mit dem Kauf des Tablets gibt es Kids+ ein Jahr umsonst dazu, danach kostet es 99 Euro pro Jahr, Prime-Kunden zahlen 69 Euro.

Im Alltag gefällt das Tablet vor allem durch das große Angebot an Apps, Büchern und Videos. Kinder können etwa erst eine Folge Bibi Blocksberg ansehen und anschließend eins der vielen Spiele nutzen. Es gibt kostenlose und kostenpflichtige Apps im Store, etwa die Tablet-Version von Minecraft. Will ein Kind ein Spiel (oder andere kostenpflichtige Inhalte) kaufen, bekommen die Eltern eine Nachricht und können über das Tablet oder das Portal Eltern.Amazon.de den Kauf bezahlen oder ablehnen. Das schafft gute Transparenz. Neben Spielen gibt es auch Apps wie Teams, mit denen die Kinder etwa im Homeschooling über das Tablet an der Schule teilnehmen können.

Wir fanden die Software im Test gut und ziemlich umfangreich. Man muss etwas Zeit verwenden, um all die Funktionen zu finden, anzupassen und einzustellen. Clever sind Funktionen wie der Lesemodus, bei dem das Kind erst eine bestimmte Zeit lesen muss, bevor das Tablet komplett entsperrt wird. Gestört hat uns allerdings, dass man nicht einmalig mehr Zeit vergeben kann. Stattdessen muss man in die Einstellungen wechseln und die gesamte Zeit hochziehen. Hier wäre ein “X Minuten mehr”-Button wie bei Pebble Gear besser.

Zwischenfazit: Das Amazon Fire HD 10 Kids Pro ist ein Tablet für ältere Kinder, die aber noch keinen eigenen PC haben sollen. Neben den vielen Spielen und Videos sind auch Bücher und ein kuratierter Zugriff aufs Web möglich. Die Altersteinstufung “Grundschüler” teilen wir, in jedem Fall sollte man mit den Kindern gemeinsam über Risiken im Web reden und aktiv prüfen, welche Apps die Kids nutzen.

Wer bereits ein Tablet hat, der kann relativ einfach eine Schutzfunktion nachrüsten. Bei Apple heißt die Funktion einfach “Kindersicherung” und ist Teil aller aktuellen Produkte mit iOS. Damit kann man etwa Käufe im App Store verhindern, Apps erlauben oder verbieten oder zeitliche Beschränkungen festlegen. Die Beschränkungen für Inhalte orientieren sich an Altersfreigaben, hier sollten Eltern dennoch aufmerksam sein, was die Kinder ansehen.

Für Geräte mit Android und Chrome OS bietet Google einen Kinderschutz über Family Link (Ratgeber) an. Family Link kontrolliert ebenfalls, welche Apps die Kinder installieren und nutzen können und wie viel Bildschirmzeit verfügbar ist.

Wer lieber im Amazon-Universum unterwegs ist, der kann die Kids+-App (mit passendem Abo) auf Android oder iOS installieren. Damit bekommt man nicht nur die Features samt Zugriffskontrolle und Zeiteinschränkung aufs jeweilige Gerät, sondern kann von diesem auch andere Kinder-Konten oder -Geräte kontrollieren.

Vor allem auf Reisen und bei längeren Aufenthalten auf engem Raum empfehlen wir dringend passende Kopfhörer zu den Tablets. Sowohl das Pebble Gear Disney als auch die Fire HD Kids-Geräte verfügen über eine Klinkenbuchse, an der man Kopfhörer anschließen kann. Die Fire-Kids-Tablets (und alle anderen Fire-Tablets) lassen sich zudem per Bluetooth mit passenden Headsets verbinden.

Wichtig ist bei der Auswahl der Kopfhörer nur, dass man auf eine Lautstärkebegrenzung achtet. Vor allem jüngere Kinder hören sonst viel zu laut und schädigen sich im schlimmsten Fall das Gehör. TechStage erklärt das Thema im Detail im Ratgeber Kopfhörer für Kinder: Sichere, günstige und gute Headsets für Reisen und Schule ab 20 Euro.

Ob man es will oder nicht, digitale Inhalte, Tablets, Smartphone und Apps gehören für Kinder zum Alltag. Sie haben damit früh Kontakt. Als Eltern sollte man daher aktiv die Entwicklung steuern, die Inhalte mit den Kindern gemeinsam besprechen und dem Nachwuchs helfen, wo es nötig ist.

Das Pebble Gear Disney ist dabei ein passender erster Einstiegspunkt. Der gut sortiere App Store ist kinderfreundlich, die Apps sind gut und ohne Suchtelemente oder Mikrotransaktionen. Echte Tablets, etwa das Amazon Fire HD 10 Kids oder ein iPad mit Kindersicherung bieten noch viel mehr Features, setzen allerdings auch mehr Kontrolle durch die Eltern voraus. Wer stattdessen gleich zu einem "richtigen" Tablet greifen will, der sollte unsere Top 5: Die besten Tablets bis 250 Euro lesen.

Der Beitrag erscheint im Rahmen unserer Themenwelt Gadgets für Kinder. Dort haben wir den bereits oben erwähnten Ratgeber Kopfhörer für Kinder veröffentlicht, blicken auf E-Scooter für Kids und sehen uns die Tonies und alternative Hörspiel-Anbieter an.

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