So günstig kann Apple Homekit sein: Aqara Smart Home im Test

Aqara

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Smart-Home-Sensoren zum Schnäppchenpreis: Bewegungsmelder, Öffnungskontakte oder Wassersensoren von Aqara sind kein Geheimtipp mehr, sondern bewährt. Wir blicken auf vier Jahre Erfahrung und neue Komponenten.

Zunächst kamen sie noch vom chinesischen Technologie-Konzern Xiaomi, der sich inzwischen mit seinen Smartphones, Elektronik-Produkten und Haushaltsgeräten wie dem Luftreiniger Smart Purifier 4 (Test) einen guten Ruf in Deutschland schaffen konnte. Doch inzwischen verkauft der chinesische IoT-Konzern Lumi United Technology unter dem Markennamen Aqara seine Smart-Home-Produkte selbst. Und das mit wachsendem Erfolg: Aqara bietet eine breite Palette smarter Produkten an, die von verschiedenen Sensoren über Lichtschalter und Vorhangsteuerungen bis hin zu Türschlössern und Überwachungskameras reicht. Seine globale Präsenz baut der Smart-Home-Anbieter stetig aus und ist inzwischen in der EU, den USA, Russland, Südostasien, Südkorea und China präsent. In Deutschland ist Aqara offiziell erst seit Februar mit einem eigenen Amazon-Store vertreten, unterteilt nach Hubs, Sensoren, Controller (Aktoren) und Kameras. Auch zahlreiche Online-Händler führen die Geräte des Smart-Home-Herstellers.

Produkte, die hierzulande verkauft werden, verbinden sich nicht mit chinesischen Servern, deren Datenschutzpraktiken womöglich den ein oder anderen Anwender verunsichern, sondern nutzen ein europäisches Rechenzentrum, das den strengen DSGVO-Richtlinien unterliegt. Anwender können Aqara-Produkte auch offline nutzen, etwa in Verbindung mit einer auf die lokale Verwendung optimierten Smart-Home-Zentrale wie Iobroker, Homey oder Apple Homekit (Themenschwerpunkt).

Für Homekit-Anwender sind die Produkte von Aqara besonders interessant. Sie sind im Vergleich zu anderen Homekit-Lösungen verhältnismäßig günstig, sehen schick aus und funktionieren tadellos. Selbst Apple verkauft Aqara-Geräte in seinen Läden. Außerdem können Anwender Aqara-Lösungen auch in Verbindung mit den digitalen Sprachassistenten Amazon Alexa (Themenschwerpunkt) und Google Assistant (Themenschwerpunkt) einsetzen. Durch die Unterstützung von IFTTT können Aqara-Geräte außerdem mit anderen Smart-Home-Lösungen kommunizieren, die nicht aus dem Aqara-Kosmos stammen. Doch das ist noch nicht alles in Sachen Kompatibilität und Zukunftsfähigkeit: Aqara hat bereits angekündigt, dass es den neuen Smart-Home-Standard Matter, der die Kommunikation zwischen Geräten verschiedener Hersteller vereinfachen soll, unterstützen will.

Doch das ist Zukunftsmusik. Kommen wir zum Hier und Jetzt. In der Regel nutzen Anwender für die Steuerung der Hubs, Sensoren und Aktoren die Aqara Home App. Okay, auf dem Niveau etwa der App der Bosch Smart Home Alarmanlage mit ihren tollen Grafiken, Erklärungen und einem interaktiven Einrichtungsassistenten ist sie nicht. Aber sie ist solide, verständlich und funktional. Unterteilt in die Bereiche Home, Accesssories, Automation, Scene und Profile bietet sie alles, was man zur Steuerung eines smarten Heims benötigt.

Die App liegt allerdings noch nicht auf Deutsch vor. Daher werden Nutzer hierzulande die Sprache in der Regel auf Englisch einstellen. Es sei denn, sie beherrschen Russisch, Chinesisch oder Koreanisch besser – Sprachen, die sie ebenfalls auswählen können.

Als Anbindung an Apple Homekit oder andere vorhandene Smart-Home-Lösungen wie Iobroker oder Homey, die die Logiken hinter Sensoren und Aktoren übernehmen, ist Aqara ideal. Und: Wer ohnehin schon auf Apple setzt, bekommt mit Homekit auch eine simple, leistungsfähige und optisch ansprechende Visualisierung für iPad und iPhone mit dazu. Des Weiteren können Apple-User das in Aqara integrierte Alert-System auch in vollem Umfang als Homekit-Sicherheitssystem nutzen.

Das Grundprinzip von Aqara ähnelt dem von Philips Hue (Testbericht). Zwingend nötig für den Betrieb ist ein Aqara-Hub, der Schaltzentrale für Sensoren und Aktoren. Er verbindet sich via WLAN mit dem Netzwerk im Haus und dem Internet und stellt die Verbindung zu den auf dem Zigbee-Standard basierenden Sensoren und Aktoren her. Vom Aqara Hub gibt es inzwischen mehrere Versionen. Die Ur-Ausführung kommt ohne Euro-Stecker; wir haben sie über ein Jahr im Einsatz gehabt – aus heutiger Sicht ist es aber nicht mehr sinnvoll. Sie unterstützt kein Homekit und bei 32 Geräten ist Schluss. Aktuell besteht die Wahl zwischen dem Hub M2, M1S und E1. Die drei Modelle unterstützen den neuesten Zigbee-Standard 3.0 und sprechen mit bis zu 128 Aqara-Sensoren und -Aktoren.

Hauptunterschiede: Das M1S hat ein integriertes RGB-Licht und funkt ausschließlich per WLAN, das M2 hat statt einer RGB-Beleuchtung einen Infrarot-Blaster zur Fernsteuerung von Fernsehern & Co. über die Smart-Home-Anbindung. Neben WLAN bietet der M2 auch einen Anschluss fürs Netzwerkkabel. Zudem gibt es seit Kurzem noch die USB-Variante E1, die auch als WLAN-Repeater für 2,4-GHz-Funknetze dient. Ideal für den Betrieb sind dafür Steckdose mit integriertem USB-Port (Ratgeber).

Die Kommunikation zwischen den Sensoren und Aktoren und dem Aqara-Hub erfolgt über Zigbee 3.0. Dieser Funkstandard wurde explizit für Smart-Home-Komponenten entwickelt und zeichnet sich durch hohe Zuverlässigkeit, eine für Privathaushalte dank Mesh ausreichende Reichweite und niedrige Energieaufnahme auf. Letzteres ist für die batteriebetriebenen Sensoren sehr wichtig. Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren, VOC-Überwachung, Bewegungsmelder und Magnetkontakte für Türen und Fenster laufen mit einer Knopfzelle und halten laut Hersteller bis zu zwei Jahren durch.

In der Tat: Die Sensoren der ersten Generation sind beim Autoren dieser Zeilen bereits seit Anfang 2018 durchgehend im Einsatz. Aufgrund einer kontrollierten Wohnraumbelüftung haben die Fensterkontakte zwar nicht sonderlich viel zu tun, aber bislang laufen 15 Magnetkontakte und sogar ein PIR-Bewegungsmelder im Bad ununterbrochen – mit der ersten, mitgelieferten Batterie. Selbst die Knopfzelle der täglich geöffneten Durchgangstür zur Garage zeigt noch eine Spannung von über 3,0 von ursprünglich 3,2 Volt und wird mit einem Ladezustand von 100 Prozent angegeben.

Über die Aqara-App, die es kostenlos für Android und iOS gibt, lernt man zunächst die verschiedenen Sensoren und Aktoren an. Sofort kann man in der App den Status einsehen – etwa, welche Fenster geöffnet sind, welcher Bewegungsmelder etwas erkannt hat. Auch Aktoren lassen sich dann schalten, beispielsweise das im Gateway integrierte Nachtlicht aktivieren.

Auch komplexere Aufgaben stellt die App in Form von typischen Wenn-Dann-Regeln und komplexen Szenen zur Verfügung. Beispiel: Wenn der Wassersensor unter der Waschmaschine anspricht, dann sende eine Push-Nachricht aufs Smartphone. Wenn der Bewegungsmelder im Flur anspricht, schalte das Nachtlicht im Aqara Hub für fünf Minuten auf grün. Wenn das Fenster im Bad länger als 30 Minuten offen ist, sende eine Push-Nachricht.

Coole Sache. Auch die Anzahl an Aktoren wächst ständig. Inzwischen gibt es Lichtschalter als Einzel- und Doppelwipper-Modelle, die Installationen mit und ohne Neutralleiter unterstützen. Einen Zwischenstecker für die Steckdose, der auch den Strom misst, hat Aqara ebenfalls im Programm. Angekündigt, aber hierzulande noch nicht verfügbar, ist ein Türschloss mit Fingerabdrucksensor. Und wer seine Innenrollos steuern möchte, findet bei Aqara ebenfalls eine Lösung. Auch Schalter stehen in Form des H1 und des Mini-Funkmodells zur Auswahl. Außerdem gibt es noch den Cube, mit dem man zahlreiche Funktionen zwischen Sensoren und Aktoren steuern kann. Und wer auf der Suche nach Überwachungskameras für den Innenbereich ist, findet mit der Aqara G3 und G2H leistungsfähige Varianten, die zahlreiche Sonderfunktionen wie Gesichtserkennung und Gestensteuerung bieten und auch als Hub genutzt werden können. Eines ist aber auch klar: Das Angebot ist noch ausbaufähig: Lampen, LED-Strips oder Outdoor-Kameras gibt es von Aqara noch nicht.

An dieser Stelle kommt die hervorragende Unterstützung von Smart-Home-Schaltzentralen wie der Open-Source-Lösung Iobroker ins Spiel. Auf einem Raspberry Pi oder einem anderen Server installiert, sorgt die Software für eine plattformübergreifende Visualisierung per Webbrowser, für die Anbindung von Smart-Home-Komponenten anderer Hersteller wie AVM (Zwischenstecker und Heizkörperthermostate) , Philips Hue (smarte Beleuchtung), Türstationen von Doorbird, den KNX-Bus oder die Sprachsteuerung via Amazon Alexa oder Google Home. Während die Nutzung von Aqara-Sensoren und älteren Hubs mit Iobroker gut funktioniert, ist die Einbindung von aktuellen Aqara-Hubs hingegen derzeit nicht möglich. Eine vollständige Übersicht über alle Adapter zur Kommunikation mit Komponenten diverser Hersteller findet sich auf der Iobroker-Webseite.

Zugegeben: Das ist eine Bastellösung. Allerdings eine sehr gute. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, sollte aber Grundkenntnisse in IT, Netzwerkinfrastruktur und Smart Home mitbringen – oder zumindest Interesse und die Bereitschaft, sich in Foren ordentlich einzulesen.

Deutlich einfacher geht es mit Apple Homekit. Der Ruf der Smart-Home-Lösung von Apple war in der Vergangenheit nicht der Beste. Schuld daran sind vor allem die teuren, energiehungrigen und reichweitenschwachen Bluetooth-Komponenten der Anfangszeit, doch das ist passé. Die Anbindung beispielsweise der Aqara-Komponenten an Homekit erfolgt bereits bei der Ersteinrichtung. Das System meldet sich als Sicherheitssystem, sprich als Alarmanlage, bei Homekit an und sämtliche angelernten Sensoren und Aktoren tauchen sofort in der Home-App auf iPhone und iPad auf. Etwas fummelig ist, dass man die einzelnen Komponenten an mehreren Stellen sinnvoll benennen muss, um sie auch wiederzufinden, und dass man sie sowohl in der Aqara- als auch in der Home-App auf die jeweiligen Räume sortieren muss. Das wäre sicherlich schöner gegangen, ist letztlich aber auch bei einer umfangreichen Smart-Home-Installation nur eine einmalige Sache von Minuten. Wer ein iPad mit Home-App (ab iOS 10), ein aktuelles Apple TV oder einen Homepod-Lautsprecher zuhause hat, kann sämtliche Regeln und Automatismen inklusive Anwesenheitserkennung der Bewohner über Homekit laufen lassen und hat ohne weiteres Zutun auch außer Haus über das Internet Zugriff auf alle Status-Informationen, kann Lichter schalten und so weiter. Für neuere Geräte wie der G3-Kamera ist allerdings ein Apple-Mobilgerät mit aktueller iOS-Version nötig, um sie in Homekit einbinden zu können.

Ohne Hub geht nichts, ansonsten alles nach Bedarf. Besonders begehrt sind die günstigen Magnetkontakte für Türen und Fenster, die batteriebetriebenen und selbstklebenden Bewegungsmelder, die aufgrund des günstigen Preises auch für exotische Aufgaben wie eine Unter-Bett-Beleuchtung oder eine stockwerksweise Treppenbeleuchtung zum Einsatz kommen. Bastler nutzen die Vibrationsmelder, um beispielsweise den Posteinwurf am Briefkasten zu erkennen und per Push-Mitteilung auf neue Briefe hinzuweisen oder an Fensterrahmen oder -Scheiben zur Einbruchserkennung. Der Feuchtigkeitssensor warnt bei Überschwemmungen an Waschmaschine, Trockner, abtauender Kühltruhe oder im Bad, außerdem gibt es günstige Sensoren, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck messen.

Klasse in Kombination mit Iobroker oder Apple Homekit sind auch die Eingabegeräte – etwa Lichtschalter, die mit doppelseitigem Klebeband überall ihren Platz finden. An der Wand, unterm Wohnzimmertisch oder im Schrank, und je nach angebundenen Komponenten schalten sie Hue-Leuchten, über Zwischenstecker Stehlampen oder die Kaffeemaschine, über Logitech Harmony den Fernseher oder regeln die Lautstärke der Musikwiedergabe. Wer es richtig abgefahren mag, bestellt sich noch den Gesten-Würfel dazu: Er führt unterschiedliche Aktionen aus, wenn man ihn dreht, neigt, schüttelt, klopft oder auf eine bestimmte Seite legt – etwa volle Beleuchtung im Wohnzimmer, Fernsehlicht oder gemütliche Lichtstimmung zum Essen.

Wann immer es um chinesische Produkte geht, liegt dieser Punkt früher oder später auf dem Tisch. In früheren Versionen war das durchaus ein Thema. Wer die chinesische Version des Aqara Hub, Mi Hub oder Xiaomi Hub einsetzt, muss die Region in der App auf China stellen – ansonsten lassen sich die Produkte nicht anlernen.

Wer datenschutzkonform unterwegs sein möchte (und dem Hersteller glaubt, dass das so auch stimmt), benötigt die europäische Version des Gateways und entsprechender Komponenten. Die Steuerung der Geräte erfolgt mit der Aqara-App. Ist die Region dort auf Europa eingestellt, ist die Hardware zu Homekit kompatibel – Wenn-Dann-Verknüpfungen, Schaltaufgaben & Co. lassen sich dann über die Apple-Umgebung realisieren und die Umsetzung erfolgt offline über eine Homekit-Steuerzentrale (iPad, Apple TV oder Apple Home).

Die Aqara-Sensoren haben sich in über vier Jahren Praxiseinsatz absolut bewährt. Die Hardware ist ordentlich verarbeitet, die Funktionalität klasse. Als Stand-Alone-Lösung mit China-App und China-Cloud würden wir die Komponenten nicht einsetzen. Aber gegen den Einsatz von hierzulande verkauften Aqara-Lösungen, die in Kombination mit einem europäischen Rechenzentrum betrieben werden, das DSGVO-Regeln einhält, spricht aus unserer Sicht nur wenig. Und wer besonderen Wert auf Privatsphäre und Datenschutz legt, nutzt die Smart-Home-Lösungen von Aqara mit einer Plattform wie Iobroker oder Homekit, die auch eine Internet-unabhängige Automatisierung bieten. Dafür sind die Aqara-Lösungen nicht nur gut geeignet, sondern auch in puncto Preis-Leistung sehr attraktiv.

Mehr Informationen zu einer intelligenten Haussteuerung bietet unser Themenschwerpunkt Smart Home. Für Einsteiger ins Thema empfehlen wir unseren Ratgeber Smart Home: Auch mit wenig Geld zum Erfolg. Auch interessant: Elesion als günstige Smart-Home-Alternative von Pearl. Auch smarte Thermostate lassen sich per Schalter steuern. Wer smart heizen will, sollte sich den Ratgeber Smarte Thermostate für Fußbodenheizungen durchlesen und die Bestenliste Top 10: Die besten smarten Heizkörperthermostate 2022 ansehen. Und wie man den Standby-Verbrauch von Geräten reduzieren kann, erklärt der Beitrag WLAN-Steckdosen in der Praxis: Modelle, Einsatzzweck, Preise. Und im Beitrag Bessere Luft: Smarte Raumluft-Sensoren für CO2, Radon, Ozon, Feinstaub & Co erklären wir, wie man auf Basis smarter Sensoren das Raumklima verbessern kann.

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