Smarte Türschlösser von Homematic IP, Nuki, Tedee, Welock und Yale im Test

Smarte Türschlösser

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Smart Locks können dank Geofencing Türen automatisch öffnen, sobald man sich ihnen nähert. Fünf Modelle haben wir uns angesehen und verraten, was sie taugen.

Licht an, Rollladen runter, Markise raus, Rasensprenger an – all das sind Möglichkeiten eines modernen Smart Homes per App, Sprache oder Automatik. Bei der Haustür setzen die meisten Nutzer hingegen nach wie vor auf einen altmodischen Schlüssel – denn ein Smart Lock könnte ja gehackt werden. Außerdem: Wofür soll das gut sein? Wir haben die cleveren Schlösser von Homematic IP, Nuki, Tedee, Welock und Yale ausprobiert und erklären, warum ihr Einsatz eine Bereicherung für das Alltagsleben ist. Einfach ist der Wechsel auch: Bis auf das Welock-Schloss nutzen die anderen Schlösser den eigenen Schließzylinder weiter. Optional erlauben die Lösungen von Nuki, Tedee und Yale aber auch den Austausch des vorhandenen Zylinders, sollte dieser inkompatibel sein. Weitere Möglichkeiten haben wir in unserem Artikel Sichere Smart Locks für die Haustür angeschaut. Für Innentüren gibt es andere Möglichkeiten, etwa Beschläge mit Fingerabdruckscanner & Co.

Als Smart Locks bezeichnet man elektronische Schlösser, die sich per App, Sprache, Smartwatch oder weiterführenden Steuerungsmechanismen bedienen lassen. Je nach Ausführung können solche Schlösser nur vor Ort den mechanischen Schlüssel ersetzen oder in Verbindung mit einer zusätzlichen Bridge auch dem Freund aufschließen, obwohl man noch gar nicht zu Hause ist oder der Ehefrau, die sich ausgeschlossen hat. Besonders im Zusammenspiel mit Kamera-Türklingeln ist das hilfreich. In unserem Ratgeber Smarte Funk-Türklingeln mit Kamera & digitale Türspione ab 35 Euro finden Interessierte relevante Informationen, die man beim Kauf einer solchen Lösung beachten sollte.

Einige smarte Schlösser erlauben außerdem mittels Geofencing das automatische Aufschließen der Tür, sobald der Besitzer in die Nähe kommt. Dann kann er bequem eintreten, obwohl die Hände mit dem Einkauf voll sind. Nerviges Abstellen und Schlüsselkramen entfällt.

Oftmals bieten die Schloss-Hersteller zusätzlichen Schlüsselersatz an, etwa Fingerabdrucksensoren, Fernbedienungen für den Schlüsselanhänger oder Keypads. Dann kommt man sogar ins Haus, wenn man Schlüssel und Smartphones/Smartwatch nicht dabeihat. Das ist außerdem für Nutzer hilfreich, die zeitlich beschränkt Zugriff auf das eigene Heim erlauben wollen – entweder für die Putzkraft, die immer donnerstags zwischen 16 und 18 Uhr für Sauberkeit sorgt oder die Urlaubsgäste, an die man sein Apartment über Airbnb vermietet.

Noch eine Spur weiter geht es, wenn sich die smarten Türschlösser in das eigene Smart-Home-System einbinden lassen. Dann können sich Nutzer etwa von der Lieblingsmusik und gedimmtem Licht begrüßen lassen, außerdem fährt der Saugroboter wieder zur Ladestation, damit er nach dem Arbeitstag nicht nervt. Dabei sind Smart Locks nicht nur was für Eigenheimbesitzer. Da die schlauen Schlösser normalerweise rückstandslos entfernt werden können, eignen sie sich genauso gut für Mieter – auch in Mehrfamilienhäusern mit außenliegendem Flur. Hilfe durch einen Handwerker ist bei halbwegs vorhandenem Geschick nicht vonnöten.

Bei den meisten Lösungen bleibt der eigene Schlüssel und der installierte Schließzylinder erhalten. Zuvor sollten Interessierte allerdings die Kompatibilitätschecks bei den Herstellern absolvieren, um sicherzustellen, dass die Lösung auch funktioniert. Im Test mit einer Tür, die von der Innenseite nicht per Schlüssel, sondern mithilfe eines Drehknaufs geöffnet wird, funktionierte keines der Schlösser. In einem solchen Fall hilft nur der Austausch des Zylinders, was allerdings zusätzliche Kosten und Arbeit beim Einbau eines smarten Türschlosses zur Folge hat.

Wichtig ist auch, dass der verwendete Zylinder über eine sogenannte Sicherheitsfunktion verfügt, die garantiert, dass man ihn von Außen öffnen kann, wenn innen ein Schlüssel steckt. Sollte das nicht der Fall sein, können optional erhältliche und in der Länge anpassbare Sicherheitszylinder der Schlosshersteller das Problem lösen. Ansonsten kann bei den meisten Smart Locks, bei denen ein Schlüssel innen dauerhaft im Zylinder steckt, von außen nicht mehr mit einem weiteren Schlüssel aufgeschlossen werden. Außerdem benötigen alle Nachrüst-Schlösser Strom aus Batterie oder Akku. Normalerweise hält eine Ladung für 6 bis 12 Monate.

Die Haus- oder Wohnungstür einer Elektronik überlassen, die nicht nur ab-, sondern auch eigenständig komplett die Tür aufsperren kann? Allein dieser Gedanke behagt sicherlich vielen Menschen nicht. Und außerdem: Könnte ein solches Schloss nicht von außen gehackt werden? Die ehrliche Antwort: Ja, theoretisch können Smart Locks gehackt werden. Allerdings ist es wesentlich wahrscheinlicher, dass ein Einbrecher einfach ein Fenster einschlägt oder mit dem Brecheisen aufhebelt, als dass er die ausgefeilte Verschlüsselung knackt, mit der die Verbindung von Schloss zu Smartphone geschützt ist. Die Stiftung Warentest hat in der Vergangenheit bereits Smart Locks getestet und bescheinigte bis auf eine Ausnahme (nicht in diesem Vergleich) allen Schlössern hohe Sicherheit. Wer die Einbindung seines Smart Locks über das Internet mittels Bridge als potenzielles Sicherheitsrisiko scheut, kann auch darauf verzichten. Dann wird das Lock ausschließlich im Nahbereich per Bluetooth gesteuert.

Dabei fallen dann allerdings Komfortfunktionen wie die Nutzung von Sprachassistenten wie Amazon Alexa, Google Assistant oder Apples Siri weg. Genau die können theoretisch allerdings auch die größten Sicherheitsrisiken sein. Denn manche Schlösser lassen sich dann per Sprache nicht nur ver-, sondern (falls aktiviert) auch aufsperren. Dann wird zwar wie bei einem Tastenfeld ein Sicherheitscode abgefragt, der kann aber theoretisch von einem beobachtenden Dieb aufgeschnappt werden. Anschließend ist das Öffnen der Tür theoretisch mittels eines einfachen (lauten) Sprachbefehls von außen möglich. Auch hier dürfte aber gelten: Die meisten Einbrecher werden es wohl vorziehen, ungesehen und möglichst leise irgendwo auf der Hausrückseite einzubrechen, als vor dem Haus herumzuschreien. Vor dem Missbrauch eines gestohlenen Smartphones hilft darüber hinaus das, was jeder Nutzer eines Mobiltelefons ohnehin tun sollte: Sicherung durch die Verwendung von Sperrmethoden wie PIN oder Fingerabdruck.

Wir haben uns für diesen Vergleich die Nuki-Combo, bestehend aus Smart Lock 3.0 und Bridge angeschaut, zusammen mit dem Bluetooth-Türöffner Nuki Fob als weitere Zutrittssteuerung und dem Nuki Türsensor als zusätzliche Sicherheitskomponente. Alternativ gibt es noch das Nuki Smart Lock 3.0 Pro, das bereits standardmäßig mit WLAN ausgestattet ist und so eine Fernsteuerung erlaubt, während das Smart Lock 3.0 dafür die WLAN-Bridge des Herstellers benötigt. Wer ein Nuki Smart Lock in seine Smart-Home-Umgebung wie Homey Pro (Testbericht) oder Homee (Testbericht) verwenden möchte, benötigt zwingend die Nuki Bridge. In diesem Fall ist der Erwerb des Nuki Smart Lock 3.0 mit dazugehöriger Bridge sogar günstiger. Das Nuki Smart Lock 3.0 Pro mit WLAN unterstützt ohne Bridge nicht die für die Smart-Home-Integration nötige HTTP-API. Homekit-Nutzer können hingegen die Nuki-Schlösser direkt einbinden, sodass eine Bridge nicht nötig ist.

Das Smart Lock 3.0 des österreichischen Herstellers besteht komplett aus Kunststoff und ist nur in Weiß erhältlich, während das Smart Lock 3.0 Pro zusätzlich auch in Schwarz zur Auswahl steht. Es lässt sich extrem einfach an der Tür installieren, eine Bedienungsanleitung braucht es dafür nicht. Abhängig davon, wie weit der Schließzylinder innen hervorsteht, gibt es zwei Adapterplatten, von denen eine mittels beiliegendem Klebepad einfach auf Tür oder Türbeschlag geklebt wird. Das mag in der Theorie weniger stabil und langlebig als Anschrauben sein und auch ein späteres Entfernen dürfte mehr Kraftaufwand mit sich bringen. Aber mit etwas Hilfe durch Kleberestentferner sollte das rückstandslos gelingen. Zumindest im Testzeitraum hielt das Schloss darüber hinaus bombenfest. Der Schlüssel wird einfach in das vorhandene Schloss gesteckt, das Korpus des Nuki darüber gestülpt und eingerastet.

Die benötigte App für iPhone und Android-Smartphones ist kostenlos, persönliche Angaben sind für die Nutzung nicht nötig. Die App wirkt teilweise etwas verschachtelt, bietet aber umfangreiche Einstellungen für Freigabe und Automatismen wie automatisches Ab- oder Aufschließen per Geofencing. Im Betrieb erfolgt die direkte Kommunikation mit dem Nuki-Smart-Lock per Bluetooth über das Smartphone mit App oder eine kompatible Smartwatch. Bei Abwesenheit greift die App auf dem Smartphone außerdem auf Standortdaten zu, um nach dem Betreten eines festgelegten Geofencing-Bereichs bei Annäherung an das Schloss auf Bluetooth-Reichweite direkt öffnen zu können. Geofencing ist ein virtueller Bereich, der mithilfe von GPS-Daten einen Umkreis um das Türschloss definiert. Das funktioniert im Test problemlos. Alternativ zum Smartphone bietet Nuki auch einen Bluetooth-Schlüsselanhänger, den Nuki Fob, an. Der hat im Test ebenfalls problemlos funktioniert.

Wer das schlaue Schloss weiter in sein Smart Home einbinden will, kann das mittels der Bridge tun. Sie benötigt WLAN und Strom aus der Steckdose und muss in Bluetooth-Reichweite zum Schloss installiert werden. Dann versteht sich Nuki mit Sprachassistenten wie Amazon Alexa, Diensten wie IFTTT und smarten Türklingeln wie der Ring Video Dorbell (Testbericht). Außerdem arbeitet Nuki direkt mit Airbnb zusammen.

Beim Ausprobieren stellte sich das Nuki-Schloss als absolut zuverlässig heraus. Annäherung wurde stets schnell und verzögerungsfrei erkannt, die Verbindung jedes Mal verlässlich hergestellt. Das ausprobierte Keypad lässt sich in der App problemlos konfigurieren und erlaubt dann nicht nur Zugang per sechsstelligem Zahlencode (ohne Null), sondern auch das Abschließen. Für Mehrfamilienhäuser mit elektrischem Türöffner gibt es zudem einen automatischen Door-Opener, der die Außentür im Erdgeschoss bei Betätigung der Türklingel automatisch freigibt. An der Wohnungstür klappt der Zugang dann wieder nur per Bluetooth-Verbindung. Die Stromversorgung erfolgt über vier AA-Batterien, die eine Laufzeit bei acht Schließvorgängen pro Tag von mehreren Monaten bieten sollen. Optional gibt es noch ein 2500 mAh starkes Akku-Pack, das aus vier NiMH-Zellen besteht. Damit soll die Akkulaufzeit bis zu 12 Monate betragen. Das Aufladen kann direkt am montierten Akkupack, das links und rechts jeweils einen USB-C-Port aufweist, geschehen.

Auch der Anfang 2021 auf den Markt gekommene Homematic-IP-Türschlossantrieb von Hersteller eQ-3 besteht äußerlich ausschließlich aus Kunststoff, wirkt aber insgesamt etwas robuster, wenn auch einfacher. Durch seine weiße Farbgebung dürfte er zudem an vielen Türen weniger auffallen, ist aber insgesamt deutlich konservativer (aka langweiliger) als das Nuki geformt. Das Modell weist nicht eine, sondern gleich drei, dafür aber deutlich kleinere Tasten auf – je eine zum Auf- und Absperren sowie für die Verbindungsaufnahme zu Basisstation oder Accesspoint.

Der Türschlossantrieb funktioniert sehr ähnlich zu Nuki, wenn auch im Bedienumfang deutlich abgespeckt. Er gliedert sich zudem perfekt in das Smart Home-System Homematic IP (Testbericht) ein. Auch hier wird der eigene Schlüssel dauerhaft im bereits vorhandenen Schließzylinder belassen, der leicht überstehen muss. Daran wird ein beiliegender Adapterring angebracht, der entweder per Schrauben an der Tür oder bei ausreichendem Überstand des Zylinders fest an diesem fixiert wird. Anschließend wird der weiße Korpus des Schlosses darüber gestülpt und mit zwei seitlichen Schrauben befestigt. Das funktioniert grundsätzlich ebenfalls sehr einfach, bei Nuki aber tatsächlich noch etwas simpler. Außerdem ließ sich unser Testgerät mit wenig Kraft einfach vom Schließzylinder abziehen. Ohne manuellen Eingriff hielt es hingegen dauerhaft und problemlos.

Dem Türschlossantrieb für Homematic IP reichen drei AA-Batterien, einen Akku gibt es derzeit nicht. Als Zubehör gibt es eine Schlüsselbund-Fernbedienung und inzwischen auch ein Keybad. Das Schloss ist kompatibel zu anderen Homematic-IP-Komponenten und lässt sich direkt in Automationen einbinden. Vermisst haben wir allerdings Geofencing – automatisiertes Öffnen bei Ankunft funktioniert also nicht. Ansonsten war die Verbindung im Testzeitraum perfekt. Der eigentliche Schließvorgang geht ausreichend schnell vonstatten, allerdings hört man dem nicht übermäßig leisen Motor schwergängige Passagen des Schlossweges deutlich an.

Das kleinste und unserer Meinung nach insgesamt hochwertigste Smart Lock kommt von Branchenneuling Tedee. Tedee ist ein Zusammenschluss der Unternehmen Gerda und Predica. Mechanik und Akku stammen dabei von Gerda, der Rest von Predica. Das Unternehmen setzt als Werkstoff fast ausschließlich auf Metall – innen und außen. Entsprechend ist das Schloss nicht nur besonders leise und stark, sondern soll auch besonders langlebig sein. Das wirkt sich positiv auf die Nachhaltigkeit aus, die durch die Verwendung eines Akkus statt Batterien unterstrichen wird. Außerdem ist dadurch die geringe Baugröße möglich – das Modell ist in etwa so groß wie ein Golfball, nur etwas langgezogener und in zylindrischer Form. Im Lieferumfang befindet sich ein Kabel, an dessen einem Ende ein USB-A-Anschluss sitzt, während sich auf der anderen Seite ein magnetischer Anschluss befindet. Der passt auf einen kleinen Micro-USB-Adapter, der zur Not im Schloss stecken bleiben kann. Wer keine Steckdose für ein Smartphone-Ladegerät samt diesem Kabel in Reichweite hat, kann auch einfach eine Powerbank anstöpseln.

Grundsätzlich lässt sich der eigene Schließzylinder weiterverwenden, allerdings setzt das wegen der geringen Baugröße des Tedee Lock voraus, dass der Nutzer einen seiner passenden Schlüssel absägt – der Kopf findet im kleinen Gehäuse keinen Platz. Außerdem benötigt man dann den 29 Euro teuren Adapter. Alternativ bietet Tedee anpassbare Schließzylinder von Gerda für knapp 50 Euro an, bei deren Innenseite kein Schlüssel steckt, sondern ein eckiger Stift, der in eine Aussparung die Schlossinnenseite passt. Wir haben die Version mit anpassbarem Zylinder ausprobiert. Dessen Anpassung an die richtige Länge ist etwas fummelig und man sollte darauf achten, dass alle der winzigen Madenschrauben mithilfe des beiliegenden Werkzeugs vollständig angezogen sind. Die anschließende Installation des Schlosses ist dann innerhalb kürzester Zeit abgehakt.

Die App bietet ähnlich viele Funktionen wie bei Nuki, darunter Geofencing mit Auto-Unlock, automatisches Verschließen, Zeitpläne, temporäre und dauerhafte Zugänge für andere Personen und einiges mehr. Außerdem gibt es wie bei Nuki ein Widget, mit dem man schnell und direkt die Tür ansteuern kann, ohne erst die App aufrufen zu müssen. Für das Homematic-IP-Türschloss fehlt diese Funktion.

Im Test funktionierte das Tedee Lock genauso zuverlässig wie das Nuki Smart Lock und überzeugte dabei nicht nur mit niedriger Lautstärke und hoher Kraft, sondern auch mit der mit Abstand höchsten Drehgeschwindigkeit. Selbst Auto-Unlock mit zwei Android-Smartphones funktionierte nahezu perfekt, im mehrwöchigen Testbetrieb gab es lediglich einmal eine Verzögerung, ansonsten funktionierte das automatische Unlock zuverlässig. Mit einem iPhone sollte das sogar noch besser klappen, da in die Bridges ein iBeacon integriert ist. Daher sollte die Bridge dann auch möglichst nah beim Schloss platziert sein. Auto-Unlock funktioniert mit dem iPhone aber auch ohne die Bridge, das iBeacon ist einfach nur ein zusätzlicher Sicherungsmechanismus. Amazon Alexa und Google Assistant werden bereits unterstützt, ähnlich wie beim Schloss von Homematic IP ist der weitere Funktionsumfang (derzeit) aber noch eingeschränkt. Aktuell gibt es hauptsächlich eine Bridge zur Verbindung mit dem Internet – dann kann auch von Unterwegs für Bekannte die Tür geöffnet werden. Die Lösung ist kompatibel mit Homekit und anderen Smart-Home-Zentralen wie Homey Pro oder Fibaro. Hinzu kommt lediglich ein 90 Euro teures, recht großes Keypad mit Kolingelfunktion, mit der eine Push-nachricht an den Administrator der App geschickt wird. Ein Bluetooth-Öffner für den Schlüsselbund oder ein Öffner für Mehrfamilienhäuser wie bei Nuki fehlt.

Das Smart Lock Touch 41 von Welock mit Fingerabdrucksensor ersetzt den vorhandenen Schließzylinder. Das aus Edelstahl mit einer Zinklegierung gefertigte elektronische Türschloss ist für Türen mit einer Dicke von 50 bis 100 mm geeignet. Die Montage ist nach Ausbau des Original-Zylinders mithilfe des mitgelieferten Werkzeugs schnell erledigt. Einen Schlüssel für das Öffnen gibt es nicht. Stattdessen befinden sich an beiden Enden Drehregler, sodass man die Tür von außen und von innen öffnen und schließen kann. Damit man mit dem Drehknauf an der Außenseite das Schloss öffnen und schließen kann, muss man sich autorisieren. Das geschieht entweder über den dort integrierten Fingerabdrucksensor oder über die drei beiliegenden RFID-Karten. Die Energieversorgung realisiert Welock über drei AAA-Batterien, die allerdings nicht zum Lieferumfang zählen. Sollten die Batterien keine Energie mehr liefern, können Anwender im Notfall auch über eine Powerbank am Micro-USB-Port das Schloss betreiben.

Das Welock Touch 41 lässt sich dank eines zweizeiligen Text-Displays, das auch auf Deutsch umgestellt werden kann, ohne App bedienen. Fingerabdrücke und RFID-Karten können direkt am Gerät autorisiert werden, wobei drei Fingerabdrücke mit Administratorberechtigung und 97 Nutzerfingerabdrücke registriert werden können. Für die Autorisierung der drei mitgelieferten RFID-Karten kann man auch die App, für die man sich registrieren muss, nutzen. Sie erscheint ein wenig altbacken und bietet nur wenig Funktionen respektive Einstellmöglichkeiten. Zwei der drei RFID-Karten ließen sich damit im Test nicht registrieren. Immerhin erschien der Hinweis, dass man sie direkt am Schloss autorisieren kann. Hierfür drückt man den Wake-Up-Button für fünf Sekunden, authentifiziert sich mit einem Admin-Fingerabdruck, drückt dann mehrmals den Wake-Up-Button und blättert damit bis zum Menü „Add Card“. Anschließend hält man die Karte über den Fingerabdrucksensor.

Wer das Schloss auch per Sprache bedienen möchte, muss noch das dazugehörige Gateway kaufen, damit das Schloss mit Amazon Alexa gekoppelt werden kann. Eine Unterstützung von Google Assistant ist in Arbeit. Zu anderen Smart-Home-Plattformen wie Homekit oder Homey Pro ist das Welock Touch 41 inkompatibel. Zudem soll es laut Hersteller trotz einer IP65-Wetterschutzklassifizierung nur an überdachten Türen betrieben werden.

Zu Halloween gewährt Welock mit dem Code „HALLO“ einen Rabatt von 25 Prozent, sodass das regulär für 179 Euro angebotene smarte Türschloss bereits für 134,25 Euro erhältlich ist. Nach Halloween sparen TechStage-Leser mit dem Code „GET2020 Prozent Rabatt, sodass das Touch 41 dann 143,20 Euro kostet. Die Rabattaktion zu Halloween gilt auch für andere Schlösser des Herstellers. Sie endet am 31.10.2022.

Das Linus Smart Lock von Sicherheitsspezialist Yale ist ein echter Brocken. Dank hohem Sicherheitslevel schreckt es nicht nur Einbrecher ab, sondern könnte vermutlich zur Not auch effektiv gegen sie eingesetzt werden: Über 600 Gramm Metall will niemand freiwillig an den Kopf bekommen. Es wirkt durch das hohe Gewicht und die robuste Materialwahl extrem hochwertig, bleibt aber mit seiner großen und vergleichsweise klobigen Bauform in unseren Augen stilistisch hinter dem Tedee Lock zurück. Die hochwertige Verarbeitung hat ihren Vorteil: Bei Kraft, Geschwindigkeit und Lautstärke schneidet das Modell deutlich besser als Nuki und das Homematic-IP-Schloss ab und muss sich nur knapp dem Tedee-Smart-Lock geschlagen geben.

Außerdem ist die Montage sehr einfach. Die Rückplatte des Yale Linus lässt sich einfach durch das Abspreizen zweier Metall-Ärmchen vom Schloss abnehmen, sie wird anschließend bei ausreichendem Überstand des Schließzylinders daran festgeschraubt, alternativ wie bei Nuki geklebt. Wichtig dabei: Überstand und Schlüssel dürfen eingesteckt nicht mehr als 40 Millimeter vom Türblatt abstehen, sonst kann das Schloss nicht daran anliegen. Dann hilft nur der Griff zum optional erwerbbaren, in der Länge anpassbaren Schließzylinder von Yale. Ein kleiner Magnet wird wie bei Nuki auf Batteriefach-Höhe neben das Schloss auf den Türrahmen geklebt und verrät dem Gerät, ob die Tür angelehnt oder tatsächlich geschlossen ist.

Die Einrichtung und Kalibrierung des Yale Linus in der App Yale Access geht schnell von der Hand. Ebenfalls wie bei Nuki kann, muss man aber nicht viel in der App einstellen. Zum Funktionsumfang gehören wie bei den meisten Konkurrenten Features wie Auto-Lock, Auto-Unlock, Freigabe für andere Personen und einiges mehr. Smart Alerts bieten wie bei Nuki Push-Nachrichten, wenn die Tür geöffnet wird oder über einen bestimmten Zeitraum nur angelehnt und nicht geschlossen ist. Wie bei Tedee und beim Homematic IP Türschlossantrieb lässt sich der Schlüssel im Inneren auch komplett ohne Motorunterstützung händisch drehen – gut, wenn die vier AA-Batterien mal komplett leer sein sollten. Apropos Batterien: Der runde Deckel, der das Batteriefach abdeckt, wird magnetisch am Schloss gehalten und lässt sich entfernen, indem man ihn am einen Ende leicht eindrückt, wodurch er sich am anderen Ende hebt. Bis wir das herausgefunden haben, dauerte es etwas. Eine Beschreibung oder Anleitung in Papierform fehlt im Lieferumfang des Yale Linus nämlich.

Im Test überzeugte uns das Yale Linus mit zuverlässigem, vergleichsweise leisem Betrieb. Auto-Unlock funktionierte fast immer, zweimal standen wird im Testbetrieb dann doch vor verschlossener Tür und mussten manuell nachhelfen. Etwas zuverlässiger arbeiten in dieser Hinsicht das Tedee Lock und das Nuki Smart Lock 3.0. Für Homekit ist die knapp 100 Euro teure optional erhältliche Bridge nicht nötig, wohl aber für die Integration von Amazon Alexa und Google Assistant. IFTTT funktioniert ebenfalls, zudem gibt es ein – im Vergleich zu Nukis Lösung sehr klobiges – Keypad.

Smarte Türschlösser sind eine echte Bereicherung für den Alltag, vor allem die Auto-Unlock-Funktion via Geofencing hat uns gefallen. Sie funktionierte im Test nahezu perfekt, hauptsächlich Nuki und Tedee taten sich hier rühmlich hervor, aber auch das Yale Linus kam dabei nur auf eine sehr geringe Ausfallquote. Ungewollte Öffnungen, also quasi Fehlfunktionen, hatten wir im Testbetrieb mit keinem der Schlösser. Zum Betatester wird also kein Käufer.

Das Nuki-Schloss bietet die beste Integration ins eigene Smart Home und das meiste Zubehör. Außerdem ist es mit rund 169 Euro mit am günstigsten. Wer es außer in Homekit in andere Smart-Home-Lösungen wie Homey Pro integrieren möchte, benötigt allerdings die etwa 100 Euro teure Bridge. Nicht so gut haben uns das wenig wertige, aus Kunststoff gefertigte Gehäuse und der laute Motor gefallen. Kunststoff als Werkstoff und fast ähnlich laute Arbeit kann man auch dem Türschlossantrieb für Homematic IP vorwerfen, außerdem beherrscht er kein Auto-Unlock. Das raubt dem Schloss eine wichtige Komfortfunktion. Dafür ist das Modell mit rund 150 Euro mit eines der günstigsten Geräte im Testfeld und für Nutzer von Homematic IP ist die Lösung ohnehin konkurrenzlos. Wer noch keinen Homematic IP Access Point nutzt, kauft das Set für knapp 190 Euro.

Das Welock Touch 41 richtet sich an Anwender, die ein Türschloss suchen, das den vorhandenen Zylinder vollständig ersetzt und per Fingerabdruck und mit RFID-Karten autorisiert werden kann. Benutzer können es dank eines zweizeiligen Displays nahezu ohne App bedienen und konfigurieren. Auf Features wie Geofencing muss man beim Welock Touch 41 verzichten. Dafür kostet es mit aktuell etwa 134 Euro auch am wenigsten von den hier vorgestellten smarten Türschlössern.

Das Yale Linus kommt deutlich wertiger als die Kunststoff-Konkurrenz zum Käufer, ist aber ziemlich groß und enorm schwer. Dafür arbeitet es recht leise, bietet alle wichtigen Funktionen und mit einem Keypad über die Bridge hinaus weiteres spannendes Zubehör. Mit rund 200 Euro ist es zudem kaum teurer als das Nuki Smart Lock. Bleibt noch das Tedee Lock. Das gefällt uns aufgrund seiner hohen Wertigkeit und der im Vergleich geradezu winzigen Bauweise am besten. Es bietet zudem alle wesentlichen Funktionen inklusive Auto-Unlock. Formfaktor und Qualität lässt sich der Hersteller allerdings gut bezahlen: fast 280 Euro kostet das schicke Gerät und wer die Integration in ein Smart Home inklusive Sprachsteuerung wünscht, benötigt außerdem die 100 Euro teure Bridge. Inzwischen gibt es mit dem Keypad auch Zubehör.

Eine gute Ergänzung zu einem Smart Lock sind Video-Türklingeln. Die besten Sieben haben wir in dieser Bestenliste zusammengefasst. Außerdem zeigen wir die besten Überwachungskameras für Innen und Außen ab 40 Euro. Weitere Tipps geben wir in unserem Ratgeber: Technik gegen Dämmerungseinbrüche.

Hinweis: Eine frühere Version enthielt veraltete Angaben zum Zubehör von Homematic IP.

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