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Fenster verdunkeln und beschatten leicht gemacht: TechStage zeigt, wie einfach Gardinen, Rollläden und Rollos smart werden. Je nach Ausführung ist das nicht einmal teuer.

Im Winter braucht man sie zur Verdunklung gegen ungewollte Blicke, im Sommer sollen sie die Sonne aussperren: Die Rede ist von Gardine, Rollladen oder Rollo. Wenn schon Licht (Vergleich: 6 smarte RGB-Leuchtmittel) und vielleicht sogar andere Komponenten im Haus (Die besten smarten Heizkörperthermostate 2021) smart sind und automatisch, per Stimme oder App gesteuert werden, dann sollte das auch bei Fenstern so sein. Denn Rollläden halten nicht nur ungewollte Blicke fern, sondern bieten auch zusätzlichen Einbruchschutz und helfen, Energie zu sparen. Auch Gardinen oder Rollos beschränken sich nicht nur auf Sichtschutz. Je nach Ausführung halten sie auch warme Sonnenstrahlen ab. Entsprechend heizen sich Räume im Hochsommer weit weniger auf. Wer allerdings das Zuziehen morgens vergisst, kommt abends trotzdem in eine brütend heiße Wohnung. Wir schlagen verschiedene Lösungen vor, die das verhindern.

Rollos und Plisses

Je nach Bundesland und Lage hat längst nicht jede Wohnung Rollläden. Mieter und Eigenheimbewohner können dann nur auf Gardinen und Rollos zurückgreifen. Denn die nachträgliche Installation von Rollläden ist teuer und aufwändig und Aufsatz-Rollläden gefallen optisch nicht jedem und müssen in Mehrfamilienhäusern von den anderen Eigentumsparteien abgenickt werden.

Natürlich bieten Sonnenschutzgardinen- und Rollos auch manuell betrieben Schutz gegen heiße Sonneneinstrahlung und Helligkeit, zuverlässiger und einfacher geht das aber mit automatischen und smarten Komponenten. Wer keine Stromkabel verlegen will, greift zu akkubetriebenen Produkten, die je nach Hersteller und Nutzungshäufigkeit meist ein halbes bis ganzes Jahr ohne Nachladen auskommen sollen.

Bei Rollos stolpern Interessenten vermutlich zuerst über zwei Ikea-Produkte: Fyrtur und Kadrilj. Hinter beiden Ikea-typisch etwas skurillen Namen verstecken sich Akku-betriebene Rollos, die automatisch hoch- und runterfahren und per App oder Sprache gesteuert werden. Dank Zigbee-Funkstandard lassen sie sich nicht nur in das Tradfri-Universum, also das Smart-Home-System von Ikea, einbinden, sondern mit entsprechenden Hilfsmitteln wie anderen passenden Bridges auch universell per automatischer Regeln steuern. Der Unterschied zwischen den Modellen, die es in Breiten von 60 bis 140 Zentimeter gibt: Kadrilj ist Blick-, aber nicht lichtundurchlässig, Fyrtur beides.

Auch von anderen Anbietern gibt es smarte Rollos, etwa von Erfal. Der Hersteller verkauft unter dem Label “Powered by Homematic IP” Rollos und Doppelrollos, die mit dem Smart-Home-System von ELV kompatibel sind. Homematic IP haben wir hier (Testbericht) ausführlich getestet. Unter Doppelrollos versteht der Hersteller hintereinander verlaufende Stoffbahnen mit abwechselnd blickdichten und blicklichten horizontalen Streifen, die nicht nur in der Länge wie bei herkömmlichen Rollos verstellt werden können, sondern durch gegeneinander Verschieben der beiden Stoffbahnen auch von blickdicht bis blickdurchlässig reichen.

Wer schon ein Rollo besitzt und das smart machen möchte, kann Motoren nachrüsten. Die werden entweder wie bei einem Rollladen in die Welle des Rollos eingeschoben, einfacher und universeller klappt das mit Motoren, die an der Fensterlaibung platziert werden und den seitlichen Kettenzug als Steuerungsoption nutzen. Ersteres wird überwiegend von Markenherstellern wie Somfy oder Velux angeboten, letzteres ist meist günstiger und wird stark von asiatischen, hierzulande unbekannten Anbietern wie QiChan, Jinqii oder RetroFun vertrieben. Solche Antriebe verfügen normalerweise über App-Steuerung und lassen sich per Sprache bedienen.

Wer Plissee-Stoff schöner findet, wird ebenfalls fündig. Sobald es um motorgesteuerte Plisses geht, lassen sie sich allerdings nur noch wie ein Rollo bedienen und nicht mehr oben und unten in der Höhe verstellen – es geht dann lediglich um die Stoffart, also glatt gegen gefaltet. Entsprechende Anbieter wie Yoolax findet man bei Amazon, ein Anbieter von maßgenauen, smarten Plisses ist etwa Sonevo mit Sitz in Berlin.

Gardinen

Auch bei Gardinen gibt es Stoffe, die Licht durchlassen und welche, die Helligkeit komplett blocken – letztere sind als Sonnenschutz besonders geeignet. Wer die bequem und von unterwegs bedienen können will, hat wenig Auswahl. Aber es gibt Lösungen, einige davon sind sogar überraschend günstig.

Eine kommt aus Fernost von Switchbot. Der Switchbot Curtain ist im Prinzip ein kleiner Motor in einem etwa Smartphone-großen (aber dickeren) Gehäuse, der in den Vorhang auf die Vorhangschiene eingehängt wird. Alternativ gibt es auch Ausführungen mit U- und I-Schiene. Per App wird die Laufzeit von komplett geöffnet bis ganz geschlossen eingerichtet, die Kommunikation erfolgt hier zwischen Smartphone und Switchbot Curtain per Bluetooth. Dank Unterstützung für Sprachassistenten (Vergleichstest) darf das Telefon zur späteren Bedienung allerdings in der Hosentasche bleiben und kann über die Apps der Assistenten auch von unterwegs bedient oder in Automatismen eingebunden werden. Switchbot Curtain kann entweder allein seinen Vorhang von einer Seite auf- und zuziehen, er arbeitet aber auch im Verbund, wenn ein größerer Vorhang zur Mitte hin geschlossen werden soll. Werden die Gardinen mit der Hand betätigt, erkennt der Switchbot Curtain dies und führt die Öffnungs- oder Schließbewegung fort.

Der Akku soll rund ein Dreiviertel Jahr halten, geladen wird anschließend über USB C. Verlängern lässt sich die Laufzeit mittels Solar-Panels, die theoretisch Nachladen ganz erübrigen. Nach Angaben des Herstellers kann jeder Switchbot Curtain Vorhänge mit bis zu 8 Kilogramm bewegen und ist damit auch für schwere Verdunklungsvorhänge geeignet.

Alternativ gibt es komplette automatisierte Schienensysteme für Vorhänge. Bei Pearl etwa bekommen Käufer die motorisch betriebene Gardinenstange Carlo Milano für Gardienen bis etwa 2,8 Meter, die den installierten Stoff mittig schließt und per Fernbedienung oder kostenloser App betätigt werden kann. Über die App lassen sich dann wie gewohnt Sprachassistenten einbinden und Automatisierungen erstellen. Auch andere Hersteller (Abalon, HC) mischen bei solchen Systemen mit, die dann teilweise sogar um Ecken herum funktionieren. Teilweise sind entsprechende Vorhangschienen bis zu einer Gesamtlänge von sogar 8 Metern möglich. Auch hier gibt es meist Apps-Steuerung und die Integration von Sprachassistenten ist möglich.

Rollläden

Kommen wir zu Rollläden. Wer bereits welche besitzt, sollte im ersten Schritt darüber nachdenken, manuelle Rollläden zu automatisieren. Das ist heute mit motorgesteuerten Gurtwicklern ohne großen Aufwand möglich. Sie setzen weiterhin auf den typischen Rollladengurt, anstatt selbst Hand anlegen zu müssen, übernimmt die bisweilen anstrengende Arbeit allerdings ein Motor. Der elektrische Gurtwickler wird anstelle des mechanischen eingesetzt, unter Umständen kann dazu eine Erweiterung des bereits vorhandenen Schachts in der Wand nötig sein. Das eigentliche Einbauen ist hingegen für halbwegs handwerklich begabte Nutzer kein Problem.

Größtes Hindernis ist hier womöglich der Strombedarf, zur Nutzung muss ein 230V-Anschluss vorhanden sein. Wer ein entsprechendes Kabel nicht offen zur nächsten Steckdose führen will, kann sich mittels Kabelkanälen behelfen oder muss die Wand aufstemmen. Dafür wird mit vergleichsweise wenig Aufwand jeder Rollladen mindestens “dumm” automatisiert, da selbst einfache Modelle Programmierung von Zeitplänen und teilweise sogar automatische Steuerung des Lichtschutzes nach Sonnenauf- und Untergang ermöglichen. Noch komfortabler wird es mit smarten Gurtwicklern, die wie zuvor beschriebene Produkte über eine App verfügen und Sprachsteuerung erlauben.

Wer bereits über elektrische Rollläden verfügt, deren Motor nicht in einem offen sichtbaren Gurtwickler steckt, sondern in der Rollladenwelle im Rollladenkasten, kann auch diese aufrüsten. Dazu gibt es drei Wege: Den Wechsel der Rohrmotoren auf welche mit Funk, das Hinzufügen von smarten Unterputzaktuatoren und den Tausch der herkömmlichen Schaltwippen gegen smarte.

Entsprechende Austausch-Rohrmotoren lohnen sich in erster Linie dann, wenn die Rollladenkästen gerade eh offen sind (etwa bei der Renovierung) oder wenn die eingebauten Motoren Ermüdungserscheinungen zeigen. Entsprechende smarte Motoren werden in erster Linie von Markenherstellern wie Somfy oder Schellenberg angeboten und gehören zu den teuersten Lösungen, wenn es um das Smart-Machen der Rollläden geht. Günstiger wird es mit Unterputzaktoren von Drittanbietern wie Fibaro oder Homematic IP. Mit etwas Glück passen die hinter die alten Schaltwippen zur Rolladensteuerung und erlauben dann die Integration ins Smart Home. Wenn das nicht passt, müssen hingegen zusätzliche Leerdosen eingeplant werden – im normalen Wohnbetrieb ist diese staubige Angelegenheit nicht einfach so nebenher zu erledigen. Hier kommen Schaltaktoren ins Spiel, die anstelle des alten Schalters eingebaut werden und dann über die alte Schaltwippe und eine App gesteuert werden können - sofern es sich bei der ursprünglich eingebauten Schalterserie um Markenschalter wie von Gira oder Busch Jaeger handelt. Bei “Baumarktschaltern” passen solche Modelle nicht.

Auch hierfür gibt es allerdings eine Lösung, etwa bei Amazon: Einfach den ganzen Schalter samt Wippe austauschen. Günstige Modelle wie der Luminea NX-4667-675 sehen dank Glasscheibe, Touch-Steuerung und beleuchteten Tasten für auf, ab und Stopp modern aus und wirken trotz niedrigem zweistelligen Eurobereich überraschend hochwertig. Sie verfügen wie andere Geräte zuvor über App-Steuerung und lassen sich anschließend per Sprache bedienen.

Das Problem dabei: Der genannte Schalter ist schick, aber zu groß für herkömmliche Schalter-Rahmen, er ersetzt beides. Das funktioniert bei einzeln positionierten Schaltern, nicht aber bei Schaltern, die neben- oder untereinander in einem Mehrfachrahmen installiert sind. Auch hier gibt es etliche Alternativen, die dann auch nicht nur per WLAN, sondern auch mit anderen Smart-Home-Technologien funken.

Fazit

Gardinen, Rollos und Rollläden sind wichtiger Bestandteil des eigenen Heims, entsprechend lohnt sich eine “Versmartung” auch hier absolut. Denn das erlaubt eine Steuerung von unterwegs, wenn man mal wieder im Hochsommer vergessen hat, den Lichtschutz herunterzulassen und erhöht zudem die Sicherheit. Außerdem spart ein geschlossener Rollladen im Winter Heizkosten.

Im Vordergrund dürfte aber für die Meisten der Komfortgewinn stehen – und der ist mit vergleichsweise wenig Geld einfach zu erhalten und je nach Wohnungs- oder Hausgröße beträchtlich. Wichtig ist es wie immer beim Thema Smart Home, auf die Kompatibilität der Komponenten zu achten. Was noch zu beachten ist, haben wir in unserem Ratgeber Smart Home: Mit wenige Geld zum Erfolg zusammengefasst. Außerdem haben wir Komplettsysteme wie Samsung Smart Things (Testbericht) und Homematic IP (Testbericht) ausprobiert.

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