Sat-TV: Alles, was Sie über Satellitenschüsseln, LNBs, Receiver, Sat-IP & Co. wissen müssen

SAT-Schüssel mit 45 cm Durchmesser

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Über 45 Prozent der Haushalte empfangen das Fernsehsignal über Satellit. Was für einen optimalen Empfang nötig und sonst noch wichtig ist, klären wir in diesem Beitrag.

Etwa 17 Millionen Haushalte hierzulande nutzen eine Sat-Anlage. Diese besteht in der Regel aus einer Satellitenschüssel, deren Signale über einen rauscharmen Signalumsetzer (Low Noise Block, kurz LNB) per Koaxialkabel an einen Receiver für den Empfang am Fernsehgerät übermittelt werden. Moderne TV-Geräte (Themenwelt) integrieren inzwischen Receiver, die alle relevanten digitalen Signale wie DVB-C (Kabel), DVB-T2 (Terrestrisch) und DVB-S2 (Satellit) empfangen können. Einen zusätzlichen Receiver muss man also nicht mehr anschaffen. Es sei denn, man will das Satellitensignal noch anderen Geräte wie Smartphones oder Tablets bereitstellen. Dann werden Sat-IP-kompatible Geräte benötigt.

Was man bei der Anschaffung, Montage und Betrieb einer Sat-Anlage benötigt, wie man Sat-IP umsetzt und auch mobil Satellitensignale empfängt, erklären wir in diesem Ratgeber.

Autovergleiche sind oft Fehl am Platz, wenn es um Technik geht. Doch in diesem Fall machen wir eine Ausnahme: Was beim Auto der Hubraum, ist beim Empfang von Sat-TV die Satellitenschüssel. Je größer sie ist, desto unproblematischer ist der Empfang. An einem sonnigen Tag sorgen auch kompakte Satellitenschüssel für ein tadelloses Fernsehbild. Doch wenn im Sommer Gewitter aufziehen, es im Winter schneit oder ein SAT-Empfang in einem Land gewünscht ist, das am Rand der Ausleuchtungszone des heimischen Satellitensignals liegt (siehe Astra, Eutelsat), ist eine Satellitenschüssel mit großem Durchmesser für einen störungsfreien Empfang erforderlich.

Satellitenbetreiber Astra empfiehlt für Sat-Empfang im Kernbereich der Ausleuchtungszone seines Satelliten Astra 19,2° Ost eine Satellitenschüssel mit einem Durchmesser von 60 Zentimeter. Bei 120 Zentimetern soll der Empfang von Astra sogar noch von den Kanaren bis zum Nordkap und von Island bis in die Türkei möglich sein.

Vor dem störenden Einfluss auf den Empfang durch zu viel Schnee haben einige Hersteller auch Heizungen für Satellitenschüsseln entwickelt. Mit über 400 Euro ist der Preis für diese allerdings sehr hoch. Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, den Empfang störenden widrigen Wetterbedingungen zu begegnen: Deutlich günstiger sind Abdeckung von LNBs, sodass deren Empfang nicht durch Eis und Schnee beeinträchtigt wird.

Der rauscharme Signalumsetzer (LNB) wandelt Satellitenfrequenzen von etwa 10,7 bis 11,75 oder 11,8 bis 12,75 GHz auf den Bereich zwischen 950 und 2150 MHz um. Dadurch wird eine Übertragung per Koaxialkabel an den Satellitenreceiver ermöglicht.

Je nachdem, wie viele Empfangsgeräte das Satellitensignal empfangen sollen, kommen unterschiedliche LNBs zum Einsatz. Mit einem Single-LNB kann nur ein Empfänger versorgt werden. Twin- oder Doppel-LNBs sind in der Regel eine Kombination aus zwei Single-LNBs, die maximal zwei Empfangsgeräte versorgen können. Quad- und Octo-LNBs bieten vier respektive acht Anschlüsse zur Versorgung der entsprechenden Anzahl von Receivern.

Eine Sonderform sind Quattro-LNBs, die über einen Multiswitch respektive Multischalter mit Strom versorgt werden und über diesen eine Vielzahl von Receivern mit Satellitensignalen versorgen können. Ein Monoblock-LNB kann mit einer Schüssel zwei unterschiedliche Siganle empfangen. Dafür sind in dem Gerät zwei LNBs integriert.

Die Auswahl eines LNBs richtet sich in erster Linie nach der Anzahl von Receivern, die damit betrieben werden sollten. Ein Quattro-LNB mit Multischalter ist also in erster Linie für Häuser mit mehreren Wohnungen interessant. In der Regel fährt man mit Quad-LNBs oder Octo-LNBs jedoch besser, weil keine eigene Stromversorgung nötig ist. Bei Octo-LNBs kann allerdings die Stromversorgung beim Anschluss eines einzigen Receivers nicht ausreichend sein.

Ein guter LNB ist heutzutage kein Hexenwerk. Die meisten Geräte von Markenherstellern bieten eine Unterdrückung von Störsignalen mit einem Rauschmaß von unter 0,3 dB, was insbesondere bei hohen Auflösungen für einen störungsfreien Empfang sorgt.

Für die Montage einer Satellitenanlage werden neben Satellitenschüssel und LNB außerdem noch Koaxialkabel, Stecker, Steckdosen und Halterungen benötigt. In Sachen Koaxialkabel sollte man auf eine gute Abschirmung achten. Für digitalen Satellitenempfang sollte die Schirmungsdämpfung mindestens 90 dB betragen. Höhere Werte erreichen Kabel mit vierfacher Abschirmung. Ein Qualitätskriterium ist überdies die Dämpfung. Je geringer die Dämpfung, desto besser kommt das Signal am Receiver an. Sie ist abhängig von der Frequenz und von der Länge des Kabels. Je länger das Kabel, desto höher ist die Dämpfung. 30 dB bei 2 GHz auf 100 Meter sind ein guter Wert respektive 14 dB bei 450 MHz.

Die Signalqualität kann durch Knicke im Kabel und Verlängerungen beeinträchtigt werden. Entsprechend sollte auf eine fachgerechte Verlegung geachtet und bei Verlängerungen auch auf eine angemessene Qualität von Steckern und Kupplungen geachtet werden.

Sat-Anlagen sind nicht nur für den stationären Einsatz geeignet. Angebote von sogenannten Camping-Sat-Anlagen erschließen auch eine mobile Verwendung. Bereits ab 65 Euro erhalten Anwender ein vollständiges Sat-Paket mit 40-cm-Schüssel, Digital-Receiver und allem für die Inbetriebnahme nötigen Zubehörs. Spezielle Sat-Bundles gibt es allerdings nicht nur für den mobilen Einsatzzweck, sondern auch für den stationären Einsatz. Oft umfassen diese lediglich Sat-Spiegel und LNB. Für 69 Euro gibt es etwa von Durasat einen von der Fachpresse mit "Sehr gut" bewerteten 90-cm-Sat-Spiegel inklusive darauf optimierten Twin-LNB. Der gleiche Hersteller hat für knapp 135 Euro auch eine Sat-Anlage mit 90-cm-Satellitenschüssel für 16 Teilnehmer im Angebot.

Für Mieter oder Eigentümer, die für die Installation einer Sat-Anlage die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft benötigen, sind kleinere Anlagen mit 45-cm-Spiegel interessant, da diese wegen der geringen Größe weniger auffallen und daher die Chance auf Zustimmung der WEG haben. Entsprechende Anlagen hat etwa Technisat für etwas über 60 Euro mit Single-LNB im Angebot. Auch Bundles für mehrere Teilnehmer und der Möglichkeit, Signale von bis zu vier Satelliten zu empfangen, gehören dazu.

Sat-IP ist ein von Astra-Betreiber SES 2012 vorgestelltes Protokoll, das digitale Satelliten-Signale in ein lokales Netzwerk überführt. Da inzwischen allerdings die Fernsehsender den digitalen Vertriebsweg ihrer Inhalte entdeckt haben und Streamingdienste zum Alltag gehören, ist Sat-IP zu einem Nischenthema geworden. Als nahezu einziger TV-Gerätehersteller bietet lediglich Panasonic Sat-IP kompatible Geräte, die nötig sind, um die von einem Sat-IP-Server bereitgestellte Streams zu empfangen. Für Tablets und Smartphones existieren entsprechende Clients.

Noch immer empfängt die Mehrheit hierzulande das TV-Signal über einen Satelliten. Die Investitionskosten sind zwar höher als bei Kabelfernsehen, dafür fallen so gut wie keine laufenden Kosten an. Außerdem leben noch viele Menschen in Gegenden ohne Kabelanschluss, sodass eine Alternative für den TV-Empfang nicht zur Verfügung steht und der Empfang über Satellit die einzige Lösung ist.

Wer die einzelnen Komponenten wie Satellitenschüsseln und LNBs nicht selbst aussuchen möchte, kann auch zu einer Komplettanlage greifen, deren Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Diese gibt es auch für den mobilen Einsatz, etwa fürs Camping. Derartige Lösungen sind vorwiegend für den Urlaub im Ausland interessant, wo hiesige Streamingangebote oft wegen Geo-Sperren nicht empfangen werden können.

Weitere Informationen gibt es in unseren Themenwelten Fernseher und Streaming. Besonders populär sind die Beiträge Ambilight an jedem TV ab 15 Euro nachrüsten und Top 5 der Streaming-Sticks mit 4K ab 60 Euro.

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