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Eine RTX-3080-Grafikkarte von Gigabyte kostet Anfang Juli 2021 knapp 30 Prozent weniger als einen Monat zuvor. Fallen die Preise für Grafikkarten endlich? Kann ich eine Grafikkarte kaufen, selbst wenn sie fürs Mining genutzt wurde? Oder sollte ich lieber andere Hardware aufrüsten? TechStage versucht, diese Fragen zu klären.

Die neuen Nvidia-Karten waren Ende 2020 ein echter Knaller. Deutlich schneller als die Vorgänger, zu fairen UVPs und noch dazu passend zu Gaming-Highlights wie Cyberpunk 2077. Kurz darauf legte AMD nach, auch hier gab es einen soliden Leistungszuwachs zu einem spannenden Preispunkt. Doch leider schoss der steigende Preis für verschiedene Coins dazwischen. Die Grafikkarten wurden gekauft wie wild, es gab eine Knappheit, die Preise für GPUs erreichten ein Vielfaches der Preisempfehlung – wenn sie überhaupt erhältlich waren. Letzteres lag auch an Corona, Verknappung bei der Lieferung und Engpässen bei der Chipproduktion.

Jetzt gibt es erste Anzeichen, dass sich der Trend wieder umdreht. Die Preise für GPUs steigen nicht mehr, teilweise gehen sie zurück Richtung UVP. TechStage dröselt die Ereignisse auf, zeigt Parallelen zum Crypto-Hype von 2018 und klärt die Frage, ob man als Gamer eine für Mining benutzte Grafikkarte kaufen sollte. Zudem sehen wir uns andere Komponenten im PC an und geben Tipps, wo sich das Upgrade aktuell lohnt.

Für den Preisverlauf und als Beispiel nutzen wir die Gigabyte GeForce RTX 3080 Gaming OC 10G als Vertreterin für die aktuelle Grafikkartengeneration. Im Zeitraum vom 02.06.2021 bis zum heutigen 02.07.2021 fiel der Preis von knapp 1950 Euro auf 1350 Euro, sprich etwa um 30 Prozent. Sie ist damit eine gute Stellvertreterin für die meisten aktuellen Grafikkarten. Natürlich gibt es, je nach Ausführung und Version, unterschiedliche Preispunkte, dennoch bemerken wir seit knapp einem Monat, dass die Preise nicht mehr zulegen, sondern nach unten gehen. Zugleich scheinen es mehr Grafikkarten in den Handel zu schaffen, noch vor einem Quartal war das Angebot deutlich begrenzter.

Moment, Krypto-Mining? Grafikkartenknappheit? War das nicht alles schon mal da? Tatsächlich erinnert die aktuelle Situation stark an 2017/2018. Auch damals schossen die Preise für Kryptowährungen in die Höhe, auch damals sprach sich schnell herum, dass man mit den aktuellen Grafikkarten gut schürfen kann. Besonders die Mittelklasse wurde gekauft wie irre, die Produktion kam nicht hinterher, normale Gamer hatten das Nachsehen. Ende 2018 kam dann der Crash und die Mining-GPUs landeten haufenweise auf Ebay.

Es sieht nun so aus, als würde sich die Geschichte wiederholen. Die Preise für Ethereum und Bitcoin sind zwar höher als 2017 oder 2018, allerdings ist es auch deutlich schwieriger geworden, die neuen Coins zu berechnen. Gleichzeitig gibt es politischen Gegenwind. China, eins der Länder mit den größten Crypto-Farmen, geht massiv gegen Kryptowährung vor (Telepolis Härteres Vorgehen in China: Kryptowährungen unter Druck). Gleiches gilt für Indien, Iran und Venezuela – alles Mininig-Länder, da dort der Strom relativ günstig zu bekommen war. Ethereum stellt zudem auf Proof of Stake um, ein Konzept, das Mining überflüssig oder zumindest weniger attraktiv machen soll. (heise online Kryptowährung Ethereum: Energiefressendes Mining soll noch 2021 aufhören)

Wie wirkt sich das konkret auf die Preise für Grafikkarten aus? Sie beginnen zu fallen, zumindest langsam. Mit den neuen Karten Ende 2020 haben sowohl Nvidia wie auch AMD die Branche ordentlich durchgemischt. Die Ampere-Architektur von Nvidia und RDN2 von AMD liefern einen deutlichen Geschwindigkeitszuwachs zu den Vorgängern. Kombiniert mit eigentlich ganz vernünftigen Preisen entsteht so ein enorm gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zumindest, wenn es keine Kryptominer gäbe.

Die Preise gehen nach unten, das ist allerdings relativ, denn noch immer sind sie viel zu hoch. Das gilt nicht nur für die aktuelle Generation von AMD und Nvidia, sondern auch für vergleichsweise uralte Karten. Die Zotac Gaming GeForce RTX 3080 AMP Holo etwa kostetet bei ihrer Einführung im September 2020 knapp 800 Euro, also etwa 100 Euro über der Founders Edition von Nvidia, ein erwartbarer Preis. Sie stieg dann schnell im Preis über 1000 Euro (und war kaum verfügbar), bis sie schließlich im Mai 2021 ihren Höchstpreis von fast 2500 Euro erreichte. Seitdem fällt sie wieder, ist aktuell mit fast 1200 Euro aber immer noch weit über der UVP von Zotac.

Es zeichnet sich zwar ein leichter Hoffnungsschimmer ab, wer derzeit aber nicht unbedingt eine neue Grafikkarte braucht, der sollte noch warten.

Skeptisch sind wir derzeit bei den Ti-Versionen. Nvidia hat diese im Treiber gedrosselt, so dass sie fürs Mining nichts taugen. Sie sind nicht nur ziemlich teuer, die ersten Meldungen geistern durchs Web, dass der Anti-Mining-Schutz bereits umgangen wurde.

Es hat einen Grund, warum Crypto-Miner Grafikkarten aus dem Consumer-Bereich gegenüber den dedizierten Mining-Systemen bevorzugen. Sobald sich das Schürfen nach Ethereum und Co nicht mehr lohnt, kann man diese Karten gebraucht verkaufen und so einen Großteil des Investments zurückbekommen. Was bedeutet das für die Kunden? Kann eine Grafikkarte „schlecht werden“, wenn sie drei, sechs oder zwölf Monate lang Kryptowährung berechnet hat?

Wir haben uns aktuelle und historische Debatten zu dem Thema angesehen und können klar sagen: Es kommt darauf an. Denn tatsächlich ist das gar nicht so einfach zu sagen. Zunächst, Grafikkarten sind keine Autos oder Kaffeemaschinen, es gibt kaum mechanische Teile. Es spricht nichts gegen gebrauchte Grafikkarten, selbst wenn sie in einer Mining-Farm schuften mussten. Allerdings sollte man mehrere Dinge beim Kauf beachten:

  1. Preis: Eine gebrauchte Grafikkarte sollte man deutlich unter der ursprünglichen Preisempfehlung kaufen. Die Preisempfehlung ist dabei ausdrücklich nicht der Straßenpreis. Eine gebrauchte Karte sollte unterhalb des UVP über den Ladentisch gehen. Denn man verliert im Gebrauchtmarkt die Garantie und kann nicht sicher sein, wie gut die Karte behandelt wurde.
  2. Technischer Defekt der Kühlung: Dabei kommen wir gleich zu der Komponente, die wahrscheinlich am ehesten defekt ist: der oder die Lüfter auf der Karte. Sie sind die einzigen mechanischen Bauteile, beim Einsatz in einer Mining-Farm laufen die Lüfter ständig auf Volllast. Das kann die Kugellager angreifen, wodurch die Lüfter weniger rund laufen und die Kühlleistung sich verschlechtert. Die gute Nachricht: Lüfter lassen sich einfach wechseln. Entweder, indem man den kompletten Kühlkörper durch einen alternativen Lüfter oder eine Wasserkühlung ersetzt, oder indem man den Ventilator an sich austauscht. Ersatzteile gibt es auf Ebay, Amazon und Co für wenig Geld. Dabei sollte man gleich auch die Wärmeleitpaste zwischen der GPU und dem Lüfter erneuern. Man entfernt sie am besten mit etwas Reinigungsalkohol, anschließend kann man neue Pads aufkleben oder (wenig) Wärmeleitpaste aus der Tube aufdrücken.
  3. Sicherheit beim Kauf: Gerade wer im Web kauft, der muss extra aufpassen. Vorkasse sollte man möglichst vermeiden. Die Chance, dass das Geld weg ist, ist einfach zu groß. Paypal und der Käuferschutz von Ebay können helfen, wenn auch nicht immer. Die Öffnung des Pakets sollte man idealerweise mit einem Video dokumentieren, falls man etwa einfach einen Stein oder nur die Packung zugeschickt bekommt. Gewerbliche Verkäufer (mit Impressum und einer Anschrift, die man kurz in Google Maps geprüft hat) sollte man privaten Verkäufen vorziehen – auch wenn das im Gebrauchtbereich wahrscheinlich kaum möglich ist.
  4. Angepasste Firmware: Vor dem Kauf kann an leider überhaupt nicht überprüfen, ob die Firmware der Karte manipuliert wurde. Daher sollte man nach dem Einbau und dem erfolgreichen Start das Grafikkarten-BIOS mit den Windows-Tools wie dem Gerätemanager und einem Programm wie CPU-Z überprüfen. Der jeweilige Treiber sollte zum Gerät passen, das BIOS kann man etwa auf der Seite von TechPowerUp checken, auch wenn dort nicht alle BIOS-Versionen hinterlegt sind.

Nach dem Kauf sollte man die Karte zunächst optisch prüfen und den Lüfter säubern, Druckluft reicht hier aus. Wichtig ist es, einen Blick auf die Kondensatoren zu werfen. Diese sehen normalerweise aus wie kleine Röhren, sind sie aufgebläht, dürften sie defekt sein. Ist die Karte offensichtlich in Ordnung, kann man sie einbauen. Nicht vergessen, vor allem RTX 3080 und RTX 3090 brauchen relativ viel Strom, das Netzteil muss also genügend Leistung haben.

Ist der erste Start erfolgreich und wird die Karte erkannt, sollte man zunächst die aktuellen Treiber von der Herstellerseite einspielen. Anschließend lohnt sich ein Burn-In-Test. Dabei wird die Grafikkarte stark belastet, dennoch sollten keine Grafikfehler oder Warnungen auftauchen. Wir empfehlen dafür den kostenlosen Benchmark MSI Kombustor. Diesen nutzen wir in unserem Vergleich der Grafikkarten, um die Temperatur und die Lautstärke der Lüfter nach 15 Minuten Volllast zu messen. Normalerweise sollte die Grafikkarte das gut abkönnen, vor allem sollte die Temperatur schnell sinken, sobald der Benchmark endet. Zur Info: Eine RTX 3080 kann leicht 80 Grad in dem Benchmark erreichen.

Wir haben im Web zudem ein sehr anschauliches Video gefunden, was passieren kann, wenn eine Grafikkarte lange für Mining genutzt wurde. In dem Video stellen die Macher zwei RTX 2080 Ti gegenüber, eine war neu gekauft, eine wurde eineinhalb Jahre für Mining verwendet.

Man sieht zunächst einen deutlichen Unterschied bei den durchschnittlichen Frames pro Sekunde. Spannend wird es aber, wenn man in die oberste Zeile mit der Temperatur schaut. Dort ist die Mininig-GPU deutlich heißer, was sich direkt auf einen niedrigeren Takt auswirkt – und damit die FPS nach unten zieht. Dieser Punkt zieht sich durch alle Tests und unterstreicht unseren Eindruck, dass vor allem Lüfter und die Wärmeleitpaste unter langem Cryptomining leidet. Gut, dass sich dies, wie oben erwähnt, vergleichsweise leicht beheben lässt.

Also, kann man eine gebrauchte Grafikkarte aus einer Bitcoin Mining Farm kaufen? Wer sich an die Tipps oben hält, nicht in Vorauskasse geht und bereit ist, die Lüfter notfalls auszutauschen, der kann zuschlagen – wenn der Preis stimmt. Abraten würden wir von einer gebrauchten RTX 30XX mit TI-Zusatz. Wenn die günstig im Gebrauchtmarkt landet, dann könnte es sein, dass ein angehender Miner die Firmware umflashen wollte und das Vorhaben schiefging.

Wir haben einen Suchfilter für Ebay erstellt, der die aktuellen Grafikkarten und die spannenden Vorgänger-Modelle beinhaltet. Tatsächlich sind dort einige gute Angebote, gerade für die RTX 20XX-Serie zu bekommen. Mit etwas Vorsicht kann man also gut punkten.

Das Geld brennt in der Tasche und der PC soll aufgerüstet werden? Da gibt es tatsächlich ein paar sehr gute Optionen statt einer GPU. Unser erster Tipp ist der Massenspeicher. Denn schneller M.2 NVMe-Speicher fällt seit über einem Jahr kontinuierlich im Preis. Inzwischen bekommt man 1 TByte NVMe regelmäßig unter 90 Euro. 2 TByte kosten aktuell knapp 170 Euro. Da lohnt es sich kaum noch, klassischen SATA-SSD-Speicher zu kaufen. Denn NVMe ist größtenteils direkt an den PCIe-Bus angeschlossen und deutlich schneller als SATA. Das merkt man beim Start von Windows nur leicht, im Alltag hilft es aber deutlich. Wichtig ist nur, dass das eigene Mainboard ein oder mehrere M.2-Schnittstellen mit PCIe besitzt. Mehr dazu zeigen wir im großen Ratgeber: NVMe nachrüsten und Windows umziehen.

Das nächste spannende Feld ist die CPU, vor allem die aktuelle Generation von AMD. Die neuen Ryzen-5000-CPUs sind nicht nur zügig, vor allem beim Zocken, sondern inzwischen alle unterhalb der Preisempfehlung von AMD zu bekommen (heise online Gaming-Prozessoren: Alle Ryzen-5000-CPUs unterschreiten AMDs Preisempfehlung). Wichtig ist dann zu prüfen, ob das aktuelle Mainboard die CPUs auch aufnehmen kann. Wenn ein BIOS-Update nicht hilft, dann raten wir zu einem neuen Mainboard. Das sollte dann idealerweise gleich PCIe 4.0 mitbringen, damit die nächste Grafikkarte ihre Power voll ausspielen kann.

Ebenfalls spannend ist mehr Arbeitsspeicher. In unserem Ratgeber: RAM Upgrade haben wir mehrere Kombinationen getestet und es sollten aktuell nicht weniger als 16 GByte RAM sein. 24 oder 32 ist sogar noch besser, einfach, weil mehr Ressourcen zur Verfügung stehen. DDR4 sollte es sein, am besten im Dual-Channel-Betrieb.

Wer nicht nur innen, sondern auch außen aufrüsten möchte, der sollte sich vielleicht ein neues Gehäuse zulegen. Unser Tipp ist es, ein Gehäuse mit USB-C-Anschluss an der Front zu kaufen. Denn der Port wird immer wichtiger und weiter verbreitet, da ist es einfach praktisch, möglichst viele Steckplätze zu haben. In unserem Ratgeber zu Gehäusen haben wir Mini- und Midi-Tower aus drei verschiedenen Preisklassen ausprobiert, alle drei haben USB-C an der Front.

Seien wir ehrlich: Ethereum, Bitcoin und Co haben längst ihrer hehren Ziele verloren und sind Spekulationsobjekte für Hedgefonds, Milliardäre und alle, die schnell reich werden wollen. Das ist schade, aber die Realität. Das bedeutet leider auch, dass sich die Geschichte wiederholt und die darunter leiden, die neuen Grafikkarten für ihr Hobby suchen. Zumindest scheinen nun die regulierenden Behörden aufgewacht zu sein.

Die aktuell fallenden Preise für Grafikkarten geben Grund zur Hoffnung. Aber derzeit kosten einfach alle Grafikkarten noch mehr als ihre UVP, entsprechend können wir nicht wirklich zum Kauf raten. Beim Zweitmarkt sieht es besser aus. Wer gewillt ist, die Lüfter oder den kompletten Kühler zu wechseln und einen guten Preis bekommt, der kann hier zugreifen. Natürlich immer vorausgesetzt, man beachtet die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beim Kauf gebrauchter Hardware übers Internet.

Wer gerne etwas aufrüsten möchte, aber bei der Grafikkarte noch abwarten kann, dem empfehlen wir andere Komponenten. NVMe-Speicher (Ratgeber) ist schnell, einfach nachzurüsten und fällt im Preis. Ähnlich sieht es bei der CPU aus, wobei man da aufs passende Mainboard (Ratgeber AMD-Mainboards) aufpassen möchte. RAM (Ratgeber) bringt ebenfalls einen kleinen Boost, vor allem, wenn man weniger als 16 GByte hat. Und, nicht vergessen, das Gehäuse (Ratgeber). Gerade, wenn man dort beim ersten Kauf gespart hat, kann man sich jetzt mal ein richtig cooles Case leisten. Schließlich steckt einiges an Kohle in den meisten Gaming-PCs, da kann man die Komponenten auch schön in Szene setzen.

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