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FPV in HD

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Das Steuern einer Drohne mithilfe einer digitalen Videobrille macht mit guter Bildqualität deutlich mehr Spaß als mit analogem Equipment. TechStage zeigt Alternativen zur DJI FPV und erklärt, was man zum Fliegen in HD braucht.

Dieser Ratgeber gehört zur Themenwelt Drohnen und RC-Spielzeug. Hier testen wir neben Videodrohnen wie der Mavic Air 2S (Testbericht) oder Mavic Mini 2 (Testbericht) auch FPV-Einsteigersets oder den 140 km/h schnellen FPV-Copter von DJI. Außerdem zeigen wir, was zum FPV-Fliegen nötig ist und wie man das Steuern einer Drohne am Simulator üben kann oder welche Drohnen für Anfänger geeignet sind.

Nachdem uns der Einzeltest der DJI FPV wieder richtig auf den Geschmack des Drohne-Fliegens gebracht hat, richten wir unser Augenmerk dieses Mal auf alternative Möglichkeiten, um eine Drohne aus Sicht des Fluggerätes in HD-Qualität zu steuern.

Mit der FPV-Drohne hat der Hersteller DJI ein teures, aber sehr interessantes Set geschnürt, welches durch gute Flugleistung und eine benutzerfreundliche Bedienung überzeugt. Typisch für Produkte des Herstellers: Der Kunde bekommt in einem Paket alles, was zum Fliegen nötig ist. Zudem sind die Fluggeräte sehr einfach in Betrieb zu nehmen und zu steuern. Hierzu verfügt die FPV über allerlei Dinge, die man bei klassischen Renn- oder Freestyle-Coptern meist vergeblich sucht: GPS, Hinderniserkennung, Kamera-Gimbal und Höhe-halten-Funktion. Zusätzlich bietet der Hersteller auch eine Art Versicherung, falls die Drohne zu Bruch gehen sollte. Diese Police ist zwar nicht günstig, sie beruhigt allerdings ungemein.

Das für uns überzeugendste Argument für die FPV bleibt allerdings die brillante und nahezu verzögerungsfreie HD-Bild-Übertragung auf die Videobrille des Piloten. Nun sind Landschaft und speziell Hindernisse endlich frühzeitig und genau zu erkennen.

Die Übertagungsqualität ist mittlerweile aber kein Alleinstellungsmerkmal mehr; und das ebenfalls dank DJI. Der Hersteller bietet neben seinen fertig aufgebauten Drohnen nämlich auch seine Video- und Steuertechnik in Modulbauweise. Die sogenannte Air Unit (AU) ist zu den meisten Standard-Komponenten aus dem klassischen DIY-FPV-Bereich kompatibel und kann so theoretisch in jeder Drohne genutzt werden. Mittlerweile bietet DJI seine Übertragungseinheit zusätzlich als Lizenzprodukt beim Hersteller Caddx an. Dort heißt das Übertragungsmodul Vista. Anders als bei DJI verfügt der Hersteller über mehrere dazu kompatible Kameras. Die von der DJI-FPV bekannte Videobrille gibt es ebenfalls einzeln zu kaufen. Deren erste Version ist allerdings nur noch in Restbeständen verfügbar.

Wer nun gehofft hatte, schnell mal sein DJI-FPV-Paket durch zusätzliche Drohnen erweitern zu können, wird aber enttäuscht. Zwar ist auch die neue DJI-FPV-Videobrille (V2) zur Air Unit kompatibel, die Fernsteuerung ist es allerdings nicht. Wer eine Drohne mit der AU ansteuern will, braucht dazu entweder den Air-Unit-Sender von DJI oder eine andere Fernsteuerung plus einen zusätzlichen Empfänger im Copter. Beide Varianten haben ihren Reiz. Der Vorteil des DJI-Senders ist die Tatsache, dass kein zusätzlicher Empfänger benötigt wird, was weniger Verkabelung und minimal weniger Gewicht bedeuteten. Bei klassischen analogen Drohnen wird neben der Flugtechnik schließlich immer ein RC-Empfänger und ein Videosender verwendet. Bei der AU handelt es sich hingegen um ein 2in1 Modul. Nachteil des DJI-Senders ist dessen hoher Preis in Verbindung mit dem gewöhnungsbedürftigen Design. Bei der zweiten Variante wird zwar ein zusätzlicher Empfänger benötigt, dafür kann der Pilot seinen gewohnten Sender weiterverwenden.

Wie groß der Qualitätsunterschied im Vergleich zu analogen Systemen ist, zeigen zahlreiche Videos. Einen anschaulichen Vergleich haben wir beispielsweise hier gefunden:

Zum Fliegen in HD werden folgende Komponenten benötigt: DJI FPV-Brille (V1 oder V2 inklusive Akku), flugbereite Drohne inklusive Air Unit/Caddx Vista samt Kamera, entweder den DJI-Sender oder einen anderen RC-Sender samt geeigneten Empfänger an Bord der Drohne, Akku und Ladegerät.

Anbei einmal anschaulich das Equipment der DJI FPV neben einem Set mit Air Unit und dem DJI Air Unit Sender.

Können Drohnen mit DJI Air Unit die gleichen Dinge wie die DJI FPV? Nein! Die klassischen Renn- und Freestyle-Copter verfügen beispielsweise über keinerlei Sensoren zur Hinderniserkennung. Außerdem ist nur in Ausnahmefällen GPS an Bord. Selbst wenn, bietet das Modell weniger Komfort. Automatische Rückkehr zum Startpunkt ist zwar auch mit einer anderen Drohne samt GPS möglich, allerdings kommt das Fluggerät nur ungefähr zum Startpunkt zurück und muss dann vom Piloten gelandet werden. Auch das automatische Beibehalten der Flughöhe ist in der Regel nicht möglich. Zudem sind die FPV-Kameras üblicherweise nicht im Winkel verstellbar, wie beim Gimbal der DJI FPV. In Sachen Flugzeit können nur wenige Drohnen der FPV Paroli bieten – zumindest theoretisch. Das ist allerdings grundsätzlich vom verwendeten Set-up und dem eigenen Flugstil abhängig. Zum besseren Verständnis: Wer die DJI FPV gemütlich im Sportmodus fliegt, kommt auf eine Flugzeit von etwa 12 bis 15 Minuten. Wer die Drohne hingegen Vollgas im manuellen Modus bewegt, bekommt den Akku schon in nur knapp fünf bis sechs Minuten geleert.

Das alles ist allerdings nicht dramatisch. Im Gegenteil, geübte Piloten wollen sowieso selbst steuern, anstatt sich von Sensoren und Software unterstützen zu lassen. Zwei triftige Gründe hierfür: Die zusätzliche technische Ausstattung bedeutet Mehrgewicht und außerdem sind nur ohne solche Extras richtig coole Manöver möglich. Das hat auch DJI erkannt und bietet den manuellen Flugmodus auch bei der DJI FPV. Das Bildmaterial der FPV wird zwar einachsig per Gimbal stabilisiert, letztlich sind die Aufnahmen aber mit der Videoqualität der Air Unit vergleichbar. Für richtig bildgewaltige Aufnahmen sollte grundsätzlich eine zusätzliche Actioncam verwendet werden. Welche kleinen und leichten Alternativen es zur klassischen GoPro gibt, zeigt unser Ratgeber. Wie so ein Flug mit einer klassischen FPV-Drohne (geflogen mit Air Unit und DJI Sender) aussehen kann, zeigt folgendes Video, welches mit der Insta360 Go2 (Testbericht) aufgezeichnet wurde.

Durch die abgespeckte Ausstattung sind klassische Drohnen in der Regel leichter und deutlich agiler als die DJI FPV. In Sachen Haltbarkeit und Reparaturkosten sehen wir ebenfalls Vorteile bei klassischen FPV-Drohnen mit Carbon-Rahmen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die sogenannten Cine-Whoops, welche beispielsweise über massive Propellerschutzgehäuse verfügen. Immerhin gibt es für die DJI FPV mittlerweile die meisten Einzelteile auch einzeln zu kaufen. Was alles für das Modell verfügbar ist, zeigt unser Ratgeber Motoren, Arme, ESC & Rucksack: Ersatzteile und Zubehör für die DJI FPV.

Ein Hauptargument gegen die DJI FPV ist die Tatsache, dass die Auswahl an alternativen Flugmodellen schier unendlich groß ist und das Modell so deutlich besser auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt werden kann. Fertig aufgebaute HD-Drohnen, welche nur noch mit der eigenen Fernbedienung gekoppelt werden müssen (Bind and Fly = BNF) gibt es im Mini-Format für Flüge in Wohnung und Vorgarten, als ausgereifte Renn- und Freestyle-Variante mit viel Leistung oder als Long-Range-Modell mit besonders langer Flugdauer und GPS-Unterstützung.

Das kommt auf verschiedene Faktoren an. Um vergleichbare und faire Werte zu bekommen, haben wir zunächst mal ausgerechnet, was uns DJI HD-Brille, ein mittelpreisiger Sender inkl. Empfänger und ein Ladegerät kosten. Als Beispielprodukte nehmen wir DJI HD-Brille V2 für 659 Euro, den Mittelklasse-Sender Jumper T16 Pro mit einem FrSky R-XSR-Empfänger für 191 Euro und einen günstigen Lipo-Balancer für circa 40 Euro. In Summe ergibt diese Grundausstattung schon 890 Euro.

Zusätzlich brauchen wir noch eine Drohne samt HD-Einheit und einen dazu passenden Akku. Diese gibt es zwar besonders günstig aus China, allerdings fallen dann Steuern und Gebühren an. Wer seine Augen offen hält, findet entsprechende Angebote aber auch in europäischen Lagern der Versender. Als Mini-Variante haben wir beispielsweise den BetaFPV Beta85X HD im tschechischen Banggood-Lager für 252 Euro entdeckt. Als Akku nehmen wir einen 3S-Lipo mit einer Kapazität von 450 mAh. Dieser kostet etwa 15 Euro, was eine Summe von 267 Euro ergibt.

Als zweite Variante nehmen wir einen deutlich kräftigeren Copter. Den 3-Zoll Cinewhoop Eachine Cvatar 142 für 290 Euro und einen passenden Akku (6S 1050 mAH) für 45 Euro. Diese Kombination schlägt mit 335 Euro zu Buche.

Als Drittes nehmen wir ein Modell mit langer Flugzeit und GPS. Den HGLRC Rekon5 hatten wir kürzlich erst privat aus dem tschechischen Lager bestellt. Aktuell ist das Modell lediglich mit Versand aus Fernost für 310 Euro verfügbar. Ein geeigneter 4S Li-Ion Akku mit 3000 mAh für lange Flugzeit kostet aus dem tschechischen Lager etwa 30 Euro. Zusammen kommen wir auf 340 Euro – in diesem Fall kämen allerdings noch Steuern und Gebühren für die Drohne hinzu. Folgendes Video zeigt die Drohne in Aktion.

Unsere selbst zusammengestellten Sets, mit günstigen bis mittelpreisigen Komponenten kosten dementsprechend 1157 bis 1230 Euro inklusive eines Akkus. Verglichen mit der DJI FPV Combo, welche aktuell etwa 1350 Euro kostet, sind beide Varianten also ähnlich teuer.

Bei dieser Rechnung ist es außerdem wichtig, dass die zusätzliche Flug-Akkus der DJI FPV richtig ins Geld gehen. Ein Akku kostet aktuell etwa 160 Euro. Das Fly-More-Kit mit zwei Akkus und einem Mehrfach-Ladeadapter kostet knapp 300 Euro. Zum Vergleich, ein vergleichbarer sechszelliger Akku mit gleicher Kapazität kostet bei anderen Markenherstellern etwa 70 Euro. Spätestens wer viel Fliegen will, sollte dies in seine Kalkulation mit einbeziehen.

Falls jemand die Air Unit inklusive Kameramodul kaufen will, braucht Glück. Aktuell sind die originalen Module von DJI kaum noch zu finden. Die Sets von Caddx gibt es ab 112 Euro mit der kleinen Nebula-Nano-Kameraeinheit. Die Variante mit der Kamera Nebula Pro (bessere Bildqualität, mit der DJI Air Unit Kamera vergleichbar) kostet 148 Euro aus dem chinesischen Lager.

Letztlich kann die DJI Airunit oder das Pendant die Caddx Vista in jedem FPV-Copter genutzt werden, dementsprechend ist die Auswahl unüberschaubar. Wir wollen hier nur einige spannendsten BNF-Modelle nennen, die wir bei Banggood entdeckt haben.

Mini-Copter:

Cinewhoops:

Racing/Freestyle/Longrange:

Das Fliegen mit digitaler Übertragung und HD-Qualität bringt das FPV-Fliegen auf ein neues Level und macht extrem viel Spaß. Ob nun ein klassischer FPV-Copter mit Airunit, bzw Caddx Vista, oder das DJI-FPV-Set zum Einsatz kommt, ist letztlich egal. Preislich sind beide HD-Varianten ähnlich teuer.

Wer keine Lust auf Konfigurieren hat und auch auf Komfortfunktionen wie automatisches Höhe-Halten nicht verzichten will, der ist mit der DJI FPV Combo (Testbericht) am besten bedient. Eine Nutzung weiterer Copter ist mit der Fernbedienung aus dem Set (derzeit) allerdings nicht möglich. Lediglich die Videobrille kann auch mit anderen Fluggeräten zusammenarbeiten.

Wer spezielle Anforderungen an seine Drohne hat, wer seine Hardware selbst zusammenstellen und die Flugeigenschaften selbst einstellen will oder seinen vorhandenen Sender weiterverwenden möchte, der sollte zu Drohnen mit integrierter DJI Air Unit oder Caddx Vista greifen. Uns hat die deutlich bessere und stabilere Videoübertagung voll überzeugt und so sind wir aktuell wieder deutlich häufiger beim Fliegen.

Was in Sachen Flugrecht auf Drohnen-Piloten zukommt, zeigt unser Ratgeber EU-Drohnenverordnung: So fliegen Drohnen legal. Wem es bei Drohnen um perfekte Video- und Bildqualität statt um das Steuern der Drohne geht, der sollte sich unsere Bestenliste Videodrohnen ansehen. Wem das alles viel zu teuer für den Einstieg ist, dem raten wir zu einem günstigen FPV-Einsteiger-Set oder unserem Ratgeber zum Thema Drohnen unter 100 Euro.

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