TechStage | Tests, Ratgeber und Kaufberatungen zu Smartphones, Smart Home, Computer und Technik, die Spaß macht

RAM-Ratgeber

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Strom für draußen: Verlängerungskabel, Gartensteckdose oder Solar?

Licht, Alarm & Heizhandschuhe: Herbst-Gadgets für das Fahrrad

Universelle USB-C Docking Stationen ab 30 Euro: Bequem Monitore & Co anschließen

Überflüssig oder genial: Kuriose China-Gadgets unter 30 Euro

Der Arbeitsspeicher verrichtet im PC eine wichtige Aufgabe. TechStage zeigt, wie viel RAM man mindestens haben sollte und erklärt wichtige Begriffe.

Sieht man auf den aktuellen Markt für PC-Komponenten, dann gibt es zwei Lager: CPUs und Grafikkarten sind völlig überteuert, dafür fallen die Preise für Komponenten wie NVMe-SSDs (NVMe wird günstig: Schnellen Speicher einfach nachrüsten), Arbeitsspeicher und Gehäuse (Ratgeber Gehäuse: Das sollte ein gutes PC-Gehäuse können). In diesem Beitrag werfen wir einen genaueren Blick auf RAM. Wir erklären nicht nur die Bedeutung der verschiedenen Begriffe, sondern zeigen auch, wie viel Leistung man mit welcher Kapazität bekommt.

Wer neuen Arbeitsspeicher kauft und sofort einbauen möchte, der sollte zunächst das BIOS des Mainboards aktualisieren. Das gilt vor allem dann, wenn das Mainboard bereits etwas älter ist. Das BIOS ist dabei inzwischen ein extrem komplexes Stück Software, das etwa die Unterstützung für CPUs oder eben RAM regelt. Da mit jedem Update normalerweise neue Funktionen hinzukommen oder Fehler behoben werden, sollte man vor einem Upgrade auf die neueste Version aufrüsten. Das ist inzwischen erfreulich einfach. Meist muss man die Update-Datei nur auf einen USB-Stick (idealerweise FAT-Formatiert) kopieren, einstecken, neu ins BIOS booten und anschließend die Update-Routine starten. Oft haben die Mainboards sogar einen Notfallmodus, der direkt ein BIOS einspielen kann. Es hilft, das Handbuch oder die Online-Dokumentation des Mainboards zu konsultieren. Normalerweise sind die Updates kumulativ, sprich, es reicht, die jeweils jüngste Version einzuspielen. Allerdings sollte man vorab kurz in der Readme-Datei prüfen, ob es keine größeren Probleme oder eine bestimmte Reihenfolge gibt.

Sieht man sich die technischen Daten zu RAM an, bekommt man meist folgende Information: DDRX-XXXX, beispielsweise DDR4-3200. Der aktuelle Standard ist DDR4-Arbeitsspeicher, er unterscheidet sich von seinen Vorgängern durch die Anzahl der PINs sowie einen höheren Speichertakt und bessere Transferraten. Hier ist man aber normalerweise fest daran gebunden, was das eigene Mainboard unterstützt. Sprich, wenn nur DDR4-RAM kompatibel ist, dann muss man sich Alternativen gar nicht erst ansehen.

Die meisten Desktop-PCs nutzen den DIMM-Formfaktor, bei dem die einzelnen Riegel etwas mehr als 13 cm lang sind. Notebooks und sehr kompakte PCs setzen dagegen auf die SO-DIMM-Bauform. Diese ist deutlich schmaler, gehen dafür aber mehr in die Höhe. DIMMs passen nicht in SO-DIMM-Steckplätze und umgekehrt.

Die dritte Option ist ECC, das Kürzel steht für Error Correcting Code. Entsprechend handelt es sich dabei um RAM mit einer integrierten Fehlerkorrektur. Für Gaming-Systeme oder normale Desktops ist das meist unnötig. ECC ist zudem oft langsamer getaktet oder teurer im Vergleich zu Nicht-ECC-RAM. Außerdem kann man ECC und Nicht-ECC nicht mischen, sind beide Varianten verbaut, wird ECC deaktiviert. Kurz: Wer zockt, der braucht kein ECC.

Nach der DDR-Bezeichnung folgt der Takt, etwa DDR4-3200. Hersteller geben ihn meist in MHz an. Die Faustregel hier ist, dass je höher die Zahl ist, desto schneller können Daten verarbeitet werden. Allerdings heißt ein hoher Takt auf dem RAM nicht, dass das System ihn auch voll nutzen kann. Denn nicht alle Mainboards kommen mit den schnelleren Riegeln zurecht. Hier kommt das oben erwähnte BIOS-Update ins Spiel. Die Mainboard-Hersteller sollten regelmäßig die BIOS-Daten aktualisieren, damit der RAM jeweils auch komplett unterstützt wird.

Zusätzlich muss man als Nutzer selbst überprüfen, ob die korrekte Geschwindigkeit eingestellt ist. Es bringt wenig, wenn man Geld für einen DDR4-3200-RAM in die Hand nimmt, der auf dem Board aber nur mit 2133 MHz läuft. Man kann Riegel mit unterschiedlichem Takt mischen, allerdings fällt das System dann auf den langsamsten Takt zurück.

Wie wirken sich die Einstellungen in der Praxis aus? Wir haben ein schnelles DDR4-3200-Set mit 16 GByte in unseren Test-PC eingebaut und künstlich gedrosselt. Hier die Ergebnisse aus den Benchmarks von 3DMark und Total War Troy: Siege.

16 GByte RAM, Dual Channel3DMark (Punkte)Total War Troy: Siege-Benchmark (fps)
2133462667,7
2666463966,8
2800464668
3000465468,1
3200467768,3
System: Ryzen 3 3300X, Zotac Geforce 1660 GTX, MSI B450 Gaming Pro Carbon AC, RAM: Corsair Vengeance RGB Pro SL, DDDR4-3200

Hier sieht man klar: Je höher der Takt, desto besser werden die Ergebnisse. Es bringt entsprechend wenig, wenn man den RAM „untertaktet“, man sollte ihn so schnell laufen lassen, wie möglich. Den größten Sprung hatten wir im Test beim Wechsel auf 2800, entsprechend würden wir keinen langsameren Arbeitsspeicher empfehlen.

Die CAS-Latenz steht auf jedem RAM-Riegel, meist ist sie eine von vier Nummern, die durch Bindestriche getrennt sind, beispielsweise 16-18-18-36. Sie steht für die Column Address Strobe Latency und beschreibt, vereinfacht gesagt, die Verzögerung zwischen der Adressierung der Daten auf dem RAM-Baustein und wann diese bereitgestellt sind. Die CL ist dabei normalerweise die erste Zahl auf dem RAM-Riegel, in unserem Fall also die 16. Die Angabe erfolgt in Taktzyklen, nicht in konkreten Zeitangaben. Diese Zyklen können sich je nach System unterscheiden, liegen aber meist im niedrigen Nanosekunden-Bereich. Die nachfolgenden Zahlen beschreiben weiter technische Daten der RAM-Zellen, etwa, wie schnell sie nach einer Adressierung wieder zur Verfügung stehen.

Die Auswirkungen der CL ist deutlich geringer als beispielsweise die gewählte Taktfrequenz, sie sollte bei der Kaufentscheidung eher eine untergeordnete Rolle spielen.

Die meisten Mainboards bieten Dual-Channel-Funktion. Damit können zwei RAM-Riegel parallel betrieben werden und Aufgaben gewissermaßen gleichzeitig abarbeiten. Der Vorteil liegt auf der Hand, theoretisch verdoppelt sich die zur Verfügung stehende Speicherbandbreite und ähnlich wie bei RAID-Systemen bei Festplatten lässt sich die Arbeitsaufgabe beschleunigen.

Damit Dual-Channel funktionieren kann, muss man aber ein paar Dinge beachten. Zunächst sollte man identischen RAM verwenden, etwa Kits, die aus zwei baugleichen Riegeln bestehen. Zudem muss das Feature im BIOS aktiviert sein, das sollte eigentlich automatisch passieren. Zuletzt muss man aufpassen, wo man die Riegel einsetzt, zumindest, wenn mehr als zwei RAM-Slots auf dem Mainboard sind. Meist ist die richtige Konfiguration auf dem Mainboard aufgedruckt, alternativ hilft ein Blick ins Handbuch. Meist sind beispielsweise der erste und dritte oder der zweite und vierte Slot, nicht aber zwei nebeneinander liegende für Dual-Channel ausgelegt.

Wie wirkt sich Dual-Channel in der Praxis aus? Wir haben es mit dem Benchmark Procyon getestet. Der stellt einen Bildbearbeitungs-Workflow mit Photoshop und Lightroom nach und kann auch mit viel RAM etwas anfangen. Die Zahlen sind dabei klar, 16 GByte in der Dual-Channel-Konfiguration bringen fast 300 Punkte mehr im Benchmark als wenn man die beiden RAM-Module im Single Channel laufen. Bei vielen Spiele-Benchmarks waren die Ergebnisse deutlich weniger aussagekräftig. Hier liegen die Benchmark-Ergebnisse im einstelligen FPS-Bereich, wenn überhaupt. Den größten Unterschied hatten wir tatsächlich, wenn wir neben den Benchmark noch das Kommunikations-Tool Discord laufen ließen. Auch dann war der Unterschied aber marginal.

16 GByte RAMProcyon Metro: Exodus & Discord Average FPS
Dual Channel520173,81
Single Channel498972,23
Benchmark: Metro: Exodus 1440p, Normal. Discord verbunden im Sprachchat

Was bedeutet das konkret? Wo immer möglich sollte man Dual-Channel nutzen, denn die Funktion kostet nichts und ist Bestandteil zu ziemlich jedes Boards. Anwendungen, die RAM-Hungrig sind und auf den Zugriff optimiert sind, profitieren eindeutig davon.

Wo liegt der Sweet-Spot beim RAM? Wir haben mehrere Spiele und mit anderen Tools zahlreiche Benchmarks durchgeführt, mit 8 GByte, 16 GByte, 24 GByte und 32 GByte RAM. Dabei nutzten wir identische Riegel, vier Corsair Vengeance RGB Pro SL, DDR4-3200.

Die schnelle Antwort ist: 16 GByte RAM als 2 x 8 GByte im Dual-Channel-Modus bringen unserer Meinung nach am meisten. 24 GByte oder 32 GByte machen sich dann bemerkbar, wenn man viele Bilder oder Videos editiert oder wenn man neben dem Spiel weitere Applikationen, etwa Browser, nutzt. Wer also nebenbei etwa Trade-Routen in Elite: Dangerous recherchiert oder Wikis geöffnet hat und parallel noch in Discord unterwegs ist, dem raten wir gleich zu 32 GByte.

RAM DDR4-3200Total War Troy: Battle (Average FPSTotal War Troy: Campaign (Average FPS)Total War Troy: Siege (Average FPS)Metro: Exodus (Average FPS)3D Mark TimeSpy (Punkte)PC Mark Applickations (Punkte)Procyon (Punkte)
32 GByte (Dual-Channel)56,977,868,343,334681101915687
24 GByte (Dual Channel)56,277,768,243,534674101755535
16 GByte (Dual Channel56,777,768,343,474677101575201
8 GByte55,477,167,143,52461994553340
Benchmark integriert in A Total War Story: Troy, Einstellungen Grafik High, 1440p)Benchmark Metro Exodus, Grafikeinstellungen Normal, 1440pBenchmark testet 3D AnwendungenBenchmark testet Office-AnwendungenBenchmark testet Arbeitsablauf in Photoshop und Lightroom

Die günstigsten 16-GByte-Kits kosten derzeit um die 75 Euro. Wer eine RGB-Beleuchtung möchte, legt mindestens 89 Euro hin. Für das Geld bekommt man meist bereits DDR4-3200-Module, entsprechend zügig dürften sie laufen. Wer 32 GByte RAM möchte, meist gibt es hier Kits bestehend aus zwei 16-GByte-Riegeln, zahlt ab etwa 145 Euro. Ein Sprung auf 64-GByte-Kits ist dann noch mal teurer, hier beginnen die Preise bei etwa 258 Euro. Im Preisvergleich zeigen wir die Kits ab mindestens DDR4-2800.

Neben den Kits kann man natürlich auch einzelne Riegel kaufen. Die Auswahl an Einzelmodulen reicht von 4 GByte bis 128 GByte, die Preise reichen von etwa 30 Euro bis über 1300 Euro für ein 128 GByte-RAM-Modul. Auch hier würden wir zu Speicher mit mindestens DDR4-2800 ragen.

Arbeitsspeicher ist wichtig, in unseren Test zeigt sich aber, dass der Leistungszuwachs nach 16 GByte im Dual-Channel-Modus abflacht. Es fehlen dann einfach die Spiele, die mit so viel RAM auch umgehen können. Man sollte nicht vergessen, dass viele aktuelle Games mit den Beschränkungen von Konsolen entwickelt werden. Diese haben meist vergleichsweise wenig Arbeitsspeicher, die Xbox Series X (Testbericht) und Playstation 5 (Testbericht) bieten 16 GByte, ihre Vorgänger haben deutlich weniger.

Beim PC ist das etwas anders, gerade Mods für Minecraft oder Skyrim können einen deutlichen RAM-Hunger entwickeln. Dennoch, beim Zocken erledigt die Grafikkarte die Hauptarbeit, gefolgt vom Prozessor. Danach folgen Datenspeicher und RAM. Allerdings ist es gerade lächerlich teuer, eine neue GPU oder CPU zu erwerben, wie unser Ratgeber: Diese PC-Komponenten sollte man jetzt nicht aufrüsten zeigt. Beide Komponenten sind knapp und entsprechend teuer.

Das gilt nicht für den Arbeits- oder Massenspeicher. Bei Letzterem fallen vor allem die Preise für schnelle NVMe-SSDs, hier würden wir jedem ein Upgrade empfehlen. Selbst langsame NVMes sind deutlich schneller als klassische SSDs, die durch den SATA-Port begrenzt sind. Mehr dazu im Artikel NVMe wird günstig: Schnellen Speicher einfach nachrüsten.

Und der RAM? Unterhalb von 8 GByte macht es keinen Spaß, wir würden ein Kit aus zweimal 8 GByte im Dual-Channel-Modus empfehlen. Dann hat man genügend Reserven und kann selbst Speicherfresser wie Google Chrome parallel zu einem Spiel laufen lassen. 24 GByte oder 32 GByte bringt mehr Puffer, wer ein günstiges Angebot findet, der kann in jedem Fall zuschlagen.

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.