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Ratgeber Luftentfeuchter: Es muss nicht immer smart sein

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Gute Luftentfeuchter gibt es unter 150 Euro. Teuer wird es mit Aktivkohlefilter und Homekit-Anbindung. Für wen das Sinn ergibt, zeigt dieser Ratgeber.

Die Luftfeuchtigkeit sollte in Wohnräumen in einem Bereich zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Ohne aktive Regulierung schwankt sie jedoch stark. Besonders Keller, Schlafzimmer und Badezimmer sind häufig zu feucht, was die Anzahl der für Allergiker und Asthmatiker kritischen Hausstaubmilben erhöht. Außerdem steigt ab einer Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent rasant die Gefahr von Schimmelbildung. Auch die kann gesundheitlich kritisch sein. Zudem kann Schimmel dauerhaft die Bausubstanz beschädigen oder zum Beispiel Dokumente und Klamotten befallen. Das Bundesumweltamt empfiehlt zu Feuchtigkeitsregulierung regelmäßiges Lüften und gibt hier Tipps . Doch nicht immer kann oder will man das Fenster öffnen. Dann hilft zum Beispiel ein Luftentfeuchter.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen technischen Verfahren: der Luftentfeuchtung durch Absorption und durch Kondensation.

Das Absorptionsverfahren nutzt das Dampfdruckgefälle zwischen der zu entfeuchtenden Luft und einem hygroskopischen Absorptionsmittel, um der Luft Wasser zu entziehen. Dafür führen die Geräte die Feuchtluft an einem Trockenrad vorbei, welches mit stark hygroskopischen Stoffen wie dem vielen Verpackungen beiligendem Silikagel beschichtet ist. Diese Stoffe entziehen der Luft die Wassermoleküle. An anderer Stelle erhitzt das Gerät das Trockenrad, wodurch es die aufgenommene Flüssigkeit wieder abgibt.

In Kondensationstrocknern saugt ein Ventilator Umgebungsluft an und kühlt sie an einer Oberfläche schlagartig ab. Die nun kühlere Luft kann weniger Wasser aufnehmen und gibt die überschüssige Flüssigkeit durch Kondensation ab. Das Prinzip kann man im Sommer an kalten Wasserflaschen beobachten, an deren Oberfläche sich kondensiertes Wasser sammelt.

Die Kondensationstrocker, auch Kältetrockner genannt, arbeiten meist mit leistungsstarker und effektiver Kompressortechnik oder mit Peltier-Technik, die eine kompaktere Bauweise ermöglicht und leiser ist, aber weniger Wirkleistung zeigt.

Kondensationsluftentfeuchter mit Kompressortechnik arbeiten ähnlich einem Kühlschrank. Eine Kompressionskälteanlage befördert ein Kühlmittel in einem geschlossenen Kreislauf zwischen Verflüssiger und Verdampfer hin und her. Am Verflüssiger verdichtet sich das Mittel und heizt sich deshalb stark auf, am Verdampfer entspannt es sich und kühlt heftig ab.

Dabei werden Geräte mit Kompressortechnik für das häusliche Umfeld innerhalb einer Temperaturspanne von 15 bis 25 Grad am häufigsten eingesetzt. Sie sind vergleichsweise günstig und bieten dennoch einen guten Wirkungsgrad. Wir haben uns zwei dieser Geräte besorgt, eines gut 150 Euro, das zweite über 400 Euro, und vergleichen, für wen sich welches Gerät eignet.

Wir haben exemplarisch für die Mittelklasse den nicht mehr erhältlichen Inventor Premium getestet, welcher den unten im Preisvergleich verlinkten Geräten in den wichtigen Kennzahlen ähnelt. Er soll an einem Tag bis zu 21 Liter Wasser aus der Luft holen, sein Wassertank fasst vier Liter.

Ein Hydrometer ist integriert. So kann der Nutzer bestimmen, dass sich der Luftentfeuchter abschaltet, sobald er einen Wert, zum Beispiel 45 Prozent Luftfeuchtigkeit, unterschreitet. Außerdem hat er einen rudimentären Timer und einen Trocknermodus, um zum Beispiel nasse Wäsche im Zimmer azuhängen zu können.

Beim ersten Anschalten zuckten wir aufgrund der massiven Geräuschentwicklung etwas zusammen. Der Turbo-Modus verstärkt die Geräuschkulisse weiter. Inventor selbst spricht von 47 db. An Schlaf wäre neben einem solchen Luftentfeuchter kaum zu denken. Selbst Fernsehen macht so nur noch bedingt Spaß. Diesen Luftentfeuchter sollte man nur starten, wenn man sich gerade nicht im Raum aufhält.

Dafür holt der 332-W-Luftentfeuchter ordentlich Wasser aus der Luft. Wir ließen ihn in einem etwa 40 Kubikmeter großen Zimmer mit einer Temperatur von 19 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 66 Prozent laufen. Nach etwa 20 Stunden sind 2,5 Liter im Tank.

Wie in der Preiskategorie üblich kommt auch der Inventor mit einem Schwimmer, der das Gerät bei vollem Wassertank abschaltet. Alternativ kann auf seiner Rückseite ein Drainageschlauch das Kondenswasser dauerhaft ableiten.

Hier einige preislich und bezüglich ihrer Kennzahlen vergleichbare Alternativen:

Der Luftenfeuchter mit dem wenig einprägsamen Namen Delonghi Tasciugo Ariadry Pure DDSX220WF holt laut Herstellerangaben an einem Tag ebenfalls 21 Liter Wasser aus der Luft. Sein Wassertank fasst fünf Liter, die Leistungsaufnahme beträgt 490 W und die maximale Lautstärke liegt bei 44 db.

Zusätzlich bringt er einen 4-fach Hepa-Filter mit. Der Aktivkohlefilter soll die allermeisten Partikel aus der Luft filtern und unter anderem auch Gerüche entfernen. Außerdem reduziert ein Silberfilter Bakterien.

Auch hier gibt ein Hydrometer zum Bestimmen der minimalen Luftfeuchtigkeit, unterhalb schaltet er sich ab, beziehungsweise nicht ein. Der Trockner bietet eine Touchsteuerung, allerdings ziehen wir physische Knöpfe mit haptischen Feedback vor, denn es kommt immer mal wieder vor, dass das Gerät eine Eingabe nicht annimmt und man sie wiederholen muss.

Die Geräuschentwicklung ist in der untersten Stufe moderat. Unempfindliche Naturen schlafen daneben problemlos ein. Beim Fernsehen stört der Geräuschpegel kaum. Auf höchster Stufe fängt das Trocknungsgerät zwar ordentlich zu röhren an, ist aber auch da noch deutlich ruhiger als sein Mittelklasse-Konkurrent Inventor Premium.

Im Test stellen wir das Delonghi-Modell neben den Inventor Premium und lassen ihn gleichzeitig zu den oben genannten Bedingungen auf voller Stufe laufen. Überraschenderweise holt er jedoch statt der 2,5 Liter von Inventor Premium nur 1,5 Liter aus der Luft, obwohl er auf dem Papier eine etwas höhere Leistungsaufnahme hat.

Die getrocknete Luft gibt der DDSX220WF über eine motorgesteuerte Klappe ab, die auf Wunsch dauerhaft hoch und wieder runter fährt, um die Luft dynamisch im gesamten Raum zu verteilen.

Das Besondere am Delonghi Tasciugo Ariadry Pure DDSX220WF ist seine Homekit-Unterstützung. Dass Homekit nun endlich sinnvoll ist, erläutern wir im Beitrag Apple Homekit: Endlich gute Smarthome-Steuerung . Damit kann man den Luftentfeuchter nicht nur per iOS-App-Steuern, man kann ihn auch mit Sensoren anderer Hersteller wie etwa Aquara (Smart Home von Xiaomi im Test) verbinden und logische Routinen erstellen. Steigt zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit zu einer gewissen Tageszeit über einen bestimmten wert, legt der Delonghi los. Oder man gibt Homekit die Anweisung, den Luftentfeuchter zu starten, sobald man das Haus verlässt. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Wer sich jedoch nicht im Apple-Kosmos bewegt, hat Pech gehabt. Es fehlt nicht nur eine Verknüpfung mit Alexa (Amazon Echo: Alle Geräte im Vergleich ) oder den Google Assistant, es gibt noch nicht einmal eine Android-App. Laut DeLonghi soll sich das im dritten Quartal 2020 ändern.

Muss ein Luftentfeuchter smart sein? Aktuell genügt den meisten Anwendern wohl ein dummer Luftentfeuchter. Im Falle des 400 Euro teuren Delonghi Tasciugo Ariadry Pure DDSX220WF ist der Aufpreis für die Homekit-Kompatibilität zumindest zu hoch. Android-Nutzer schauen ohnehin in die Röhre. Günstige Smart-Home-Luftentfeuchter sind Mangelware.

Wenn es rein um das Entfeuchten von Räumen geht, erfüllen auch Geräte um die 150 Euro ihren Zweck. Im Test holt der Mittelklasse-Luftentfeuchter Inventor Premium sogar mehr Wasser aus der Luft, als das 400-Euro-Gerät, ist allerdings deutlich lauter und hat keinen Aktivkohlefilter. Wer lediglich seinen Keller entfeuchten will, dem ist das egal. Wer den Luftentfeuchter dagegen im Schlafzimmer oder Wohnzimmer nutzen möchte, während er sich in den Räumen aufhält, sollte etwas mehr Geld in die Hand nehmen und ein geräuscharmes Gerät wählen.

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