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Ratgeber: Dias, Fotos und Negative richtig digitalisieren

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Alte Fotos verblassen mit der Zeit, auch Dias altern. Außerdem fehlt es immer häufiger an passenden Projektoren. TechStage zeigt, wie man alte Medien günstig digitalisiert.

Das Schwarz-Weiß-Foto vom Großvater oder die Urlaubs-Dias, die die Mutter im ersten gemeinsamen Urlaub am Strand aufgenommen hat. All das sind liebe und einzigartige Erinnerungsstücke, an denen langsam, aber sicher der Zahn der Zeit in Form von Umwelteinflüssen wie Temperatur, Licht oder Luftfeuchtigkeit nagt. Abhilfe verspricht hier Digitalisierung. Richtig gesichert, etwa als lokales Backup und zusätzlich in einer Cloud, verändert sich deren Qualität nicht mehr und diese in Bild und/oder Ton gebannten Momente bleiben selbst im hohen Alter noch erhalten.

Bis dahin ist es aber mitunter ein langer und oft auch teurer Weg. In diesem Ratgeber geben wir Tipps zum richtigen Digitalisieren von Dias, negativen und Fotos. Wir zeigen unterschiedlich gute sowie verschieden teure Methoden, um ans Ziel zu kommen. Ratgeber zum Digitalisieren von Film- und Audiomaterial folgen in Kürze. Die Frage, ob dadurch “die Seele” der ursprünglichen Medien auf Papier und Celluloid verloren geht, ignorieren wir an dieser Stelle absichtlich.

Als Dia oder Diapositiv bezeichnet man (meist gerahmte) kleine Durchlichtbilder, die mittels eines Projektors auf eine große Leinwand projiziert werden. So ein Projektor ist unhandlich und laut, die Leinwand muss meist erst aufgebaut werden und hunderte von Dias nehmen im Schrank Platz weg – kurzum: Dias sind aus heutiger Sicht und in einer Zeit, in der große Fernseher mit 55 Zoll und mehr (Kaufberatung UHD-TVs ) immer weniger kosten, unpraktisch. Hinzu kommt, dass Dias verstauben und entsprechende Partikel beim Projizieren sichtbar sind und störende Artefakte bilden. Auch sogenannte Newton-Ringe, die durch Interferenz am Luftspalt zwischen zwei reflektierenden, nahezu parallelen Oberflächen entstehen (Dia und Diaglas), stören als regenbogenfarbige Klekse.

Richtig digitalisiert entfallen all die oben genannten Schritte und Probleme, selbst tausende Digitalbilder nehmen nur eine überschaubare Menge an Speicher in einem Computer in Anspruch. Bis dahin ist es aber ein langer Weg, der grundsätzlich auf drei Arten beschritten werden kann: Komplett DIY, Eigenleistung mit einem Scanner oder Abgabe an einen Profi.

Vor dem Digitalisieren sollte Schmutz und Staub beseitigt werden, denn der ist hinterher auf der Digitalfotografie sichtbar. Gegen Staub hilft Druckluft, die es als Druckluftsprays im Handel gibt. Wichtig ist hierbei, dass es sich um reine Luft ohne chemische Zusätze handelt, um die Dias nicht zu beschädigen. Gegen hartnäckigere Verschmutzung hilft ein antistatisches Mikrofasertuch. Alternativ gibt es weiche Anti-Statik-Bürsten oder Gerätschaften, bei denen man beide Seiten gleichzeitig reinigt, indem man die entrahmten Dias hindurchschiebt.

Reicht das nicht aus, hilft ein Wasserbad in destilliertem Wasser, in das eine Netzmittellösung zum besseren Abfließen des Wassers gegeben werden sollte. Auch hier müssen die Dias zuvor aus dem Rahmen entfernt werden. Anschließend müssen sie gut trocknen, am besten hängend. Gegen Schimmel, der vor allem bei Diarahmen mit Glaseinsatz auftaucht, hilft nur Entrahmen, ggf. Trocknen lassen und vorsichtig mehrfach mit einem Wattestäbchen säubern. Dabei sollte nur sehr dezenter Druck ausgeübt werden, da sonst die Deckschicht des Dias beschädigt werden kann. Ähnliches gilt bei Negativen, die vor allem Staub anziehen. Sie sollten vor der Digitalisierung ebenfalls gereinigt werden.

Die günstigste Möglichkeit ist das Abfotografieren von Dias – zumindest, wenn man ohnehin schon eine gute Kamera besitzt. Optimal ist hier eine Vollformat-DSLR, die Bilder im RAW-Format aufnehmen kann. Theoretisch kann man auch gute Smartphone-Kameras verwenden, hier könnte aber der geringere Dynamik-Umfang zum Problem werden. Tipp: Einfach mal ausprobieren und eventuell den Nachtmodus und unbedingt ein Stativ verwenden.

Am einfachsten und günstigsten ist das direkte Abfotografieren der Leinwand, auf die das Dia vom Projektor wie bei der normalen Dia-Präsentation geworfen wird. Dabei benötigt man ein Stativ für die Kamera, ein lichtstarkes Objektiv und einen abgedunkelten Raum. Allerdings ist hier die Qualität bei Bildschärfe, Dynamik und Kontrast am schlechtesten. Außerdem sieht man hinterher die Struktur der Leinwand, auch Unebenheiten wie Wellen oder Knicke des Leinwandmaterials sieht man später.

Vor- und Nachteile Abfotografieren Leinwand

  • Qualität schlecht
  • Arbeitsaufwand gering
  • Zeitaufwand gering
  • Nachbearbeitung sehr aufwändig (falls überhaupt lohnenswert)

Besser geht es ohne Leinwand. Benötigt werden eine Hintergrundbeleuchtung, außerdem eine Möglichkeit, Dias zwischen Lampe und Kamera fest zu positionieren und ein Stativ samt Kamera und Makroobjektiv. Als Lichtquelle eignen sich am besten LED-Leuchtmittel. Sie haben im Gegensatz zu herkömmlichen Leuchtmitteln kein für die Kamera sichtbares Flackern und lassen sich dimmen. Bei älteren Leuchten kann dieses Flackern später als Bildstörungen auf dem Foto zu sehen sein. Die LED-Lampe sollte über einen Schirm verfügen, um das Licht zu zerstreuen und diffus abzustrahlen. Optimal ist die zusätzliche Verwendung einer Mattscheibe. Mittels einfacher Baumarktklemmen kann man darauf sogar ganz einfach die Dias fixieren. Anschließend muss die Kamera so ausgerichtet werden, dass sie das Dia im Vollformat aufnimmt. Wichtig ist die gerade Ausrichtung, für die richtigen Einstellungen sollte man sich etwas Zeit nehmen.

Abfotografieren funktioniert natürlich auch bei Fotos. Hier ist auf ausreichend Licht und Reflexionen bei glänzenden Fotos zu achten. Das Foto sollte auf einfarbigem Hintergrund liegen, zudem sollte etwas mehr als das eigentliche Foto aufgenommen werden. Später am Rechner werden die Bilder dann auf ihr ursprüngliches Maß geschnitten.

Etwas komfortabler wird es mit speziellen Dia-Duplikatvorsätzen, wie sie Rocoh/Pentax, Nikon oder die Zubehörhersteller Kaiser und Somikon im Angebot haben. Sie werden direkt an der Kamera installiert, sodass man ohne den oben beschriebenen umständlichen Aufbau auskommt. So oder so erfordert das Digitalisieren per Abfotografieren im Nachgang viel Anpassung und Retusche am Rechner und sollte daher optimalerweise im RAW-Formate geschehen. Entsprechende Bearbeitung setzt allerdings Erfahrung und Übung im Umgang mit Bildbearbeitung voraus.

Vor- und Nachteile Abfotografieren

Abfotografieren lohnt sich nur, wenn man bereits eine gute Kamera besitzt und nur wenige Dias digitalisiert werden sollen. Der Aufbau zum Fotografieren ist (außer direkt von der Leinwand) aufwändig und fummelig, die Nachbearbeitung der Bilder benötigt wie auch das Fotografieren selbst viel Zeit. Außerdem benötigt Bildbearbeitung – gerade im RAW-Format – Einarbeitungszeit.

  • Bei Vorhandensein von guter Kamera sehr günstig
  • gute Qualität bei richtiger Anwendung (nicht von Leinwand)
  • nur bei wenigen Bildern empfehlenswert
  • sehr zeitaufwändig während Aufnahmen
  • zeitaufwändig bei Nachbearbeitung

Es geht aber auch einfacher. Wer zu Hause seine Dias mittels technischer Geräte selbst digitalisieren will, hat grundlegend zwei Möglichkeiten: Einen Flachbett-Scanner oder einen Dia- oder Filmscanner. Besitzer eines Flachbett-Scanners werden die vorhandene Technik nutzen wollen. Dabei sollte ein zusätzlicher Durchlichtaufsatz verwendet werden, sofern der Scanner nicht bereits einen integriert hat. Der erleichtert den Scann-Vorgang und hilft, Überbelichtung zu vermeiden. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen dennoch nicht optimal. Das liegt häufig an zu niedriger Auflösung des Scanners, außerdem kommt es zusätzlich neben den bereits oben angesprochenen Problemen mit Staub vermehrt zu Newton-Ringen und Reflexionen durch die Scanner-Scheibe.

Außerdem kann das Licht des Scanners nicht justiert, die Helligkeit nicht geregelt werden. Zudem kommt es nach mehreren Bildern wegen der entstehenden Hitze zum Verformen der Dias, was diese nachhaltig beschädigen kann oder zumindest für schlechte Scann-Ergebnisse sorgt. Für Negative reicht ein Flachbett-Scanner meist erst recht nicht aus. Das liegt einerseits an der Auflösung, die mindestens 1800 dpi, besser aber 2800 dpi betragen sollte, und am zu geringen Dichteumfang der Scans. Das führt insbesondere bei besonders hellen oder dunklen Aufnahmen zu Problemen. Auch bei Fotos kommen viele Flachbett-Scanner wegen zu niedriger Auflösung und Dichte an ihre Grenzen, da sie ursprünglich für Dokumente ausgelegt wurden.

Vor- und Nachteile Flachbett-Scanner

Diese Methode lohnt sich entsprechend nur, wenn man bereits einen Flachbett-Scanner besitzt, wenig Anspruch an die Qualität legt, nur wenige Dias digitalisieren will und viel Zeit und Erfahrung im Umgang mit Bildbearbeitung hat.

  • Qualität meist schlecht
  • zeitaufwändig während Scans
  • zeitaufwändig bei Nachbearbeitung

Als Alternative bieten diverse Hersteller Dia- und/oder Negativ-Scanner an. Es gibt sie schon im unteren bis mittleren zweistelligen Euro-Bereich bei Discountern und sie erfreuen sich entsprechend hoher Beliebtheit. Am günstigsten sind Scan-Gerüste für Smartphones. Dabei wird das Smartphone oben aufgelegt, unten kommt ein Dia in eine Vorrichtung und wird von einer einfachen Lampe beleuchtet. Das Ganze ist offen und einfach gestaltet und setzt eine dunkle Umgebung voraus. Richtige Dia-Scanner sind hochwertiger und arbeiten ähnlich wie ein Diaprojektor. Lichtquelle und Haltemöglichkeiten sind hier direkt integriert. Das Licht ist normalerweise einstellbar.

Teurere Modelle können ganze Dia- und Negativstreifen automatisch als Einzelbilder einscannen oder Dia-Schienen aufnehmen, auf denen Einzeldias bereits in Reihen hintereinander einsortiert sind. Manche Modelle erkennen sogar per Infrarot-Scan Verschmutzung automatisch und rechnen sie heraus. Das gilt bisweilen auch für gröbere Verschmutzungen oder Beschädigungen im Bild. Entsprechende Modelle sind dann aber schnell so teuer, dass sich die Anschaffung für Privatanwender selten lohnt. Die Anwendung ist normalerweise selbsterklärend oder zumindest mit einem Blick in die Anleitung kein Problem auch für Laien. Was bleibt, ist Zeitaufwand und am besten noch Zeit für Nachbearbeitung am Rechner.

Tipp zum Kostensenken: Nachdem alle Dias eingescannt sind, wird der Diascanner in den meisten Fällen nicht mehr gebraucht, da keine weiteren Dias dazukommen werden. Daher: weiterverkaufen. Entsprechend kann die Anschaffung zuvor ebenfalls gebraucht sinnvoll sein.

Vor- und Nachteile Dia-Scanner

Dia- oder Filmscanner erleichtern die Arbeit, außerdem sind viele Modelle sehr günstig in der Anschaffung. Gebraucht wird es sogar noch günstiger. Es bleibt allerdings der immer noch recht hohe Zeitaufwand und die bisweilen aufwändige Nachbearbeitung per Bild-Software. Teurere Modelle übernehmen das teilweise oder gleich ganz, kosten dann aber auch ein Vielfaches der Einsteigermodelle und verlangen deutlich mehr Einarbeitungszeit für den Gebrauch des Scanners und der Software. So oder so lohnt eine Anschaffung nur, wenn man viele Dias digitalisieren möchte.

  • Anschaffung schon sehr günstig möglich (ggf. durch Gebrauchtkauf und Weiterverkauf)
  • Arbeitsaufwand niedriger als bei vorherigen Lösungen
  • immer noch hoher Zeitaufwand
  • ggf. Zeitaufwand für nachbearbeitung

Am wenigsten Arbeit macht die Abgabe an professionelle Dienstleister. Wer keinen örtlichen Anbieter findet, wird im Internet schnell fündig. Bei Anbietern wie Mediafix oder Cewe lassen sich allerhand Einstellungen zur Verbesserung der Bildqualität wählen. Das geht von der Säuberung per Luftdruck oder manueller Feuchtreinigung bis hin zur individuellen Bildbearbeitung durch Mediengestalter. Dann werden aus den versprochenen 6 Cent, die ohnehin nur bei großen Mengen zu digitalisierender Dias erreicht werden, pro Dia schnell 2 Euro und mehr.

Vor- und Nachteile Abgabe an Profi

Das geht gerade bei größeren Dia-Sammlungen richtig ins Geld. Dafür entfällt bis auf das Abschicken der Dias in geeigneten Behältern jegliche Arbeit und die Qualität ist je nach gewählten Optionen sehr gut.

  • nahezu kein Aufwand
  • je nach Menge sehr teuer
  • je nach Ausgabe sehr gute Qualität

Wie so oft im Leben gilt auch beim Digitalisieren von Dias: Entweder man muss viel Zeit oder viel Geld investieren, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Bei der ersten Methode kommt man meist günstig weg: Fotos, Dias und Negative lassen sich mit wenig Kosten (sofern eine bestimmte Ausrüstung wie Kamera und Stativ vorhanden ist), aber sehr viel Arbeit einzeln ablichten und anschließend nachbearbeiten. Oder man beauftragt einen Profi mit dieser Arbeit, dann ist das Ergebnis meist besser und der eigene Zeitaufwand tendiert gegen Null. Dafür steigt der Kostenfaktor antiproportional.

Aber es gibt zum Glück einen Mittelweg: Diascanner. Die erlauben bei überschaubarer Ausgabe eine deutliche Reduzierung des Arbeits- und Zeitaufwands bei gleichzeitig ordentlicher Qualität. Zusätzliche digitale Nachbearbeitung kann dann noch erfolgen, muss es aber in den meisten Fällen nicht. Die Kosten halten sich dabei in Grenzen, alternativ zum Neukauf bleibt der Gebrauchtkauf und der Wiederverkauf nach getaner Arbeit.

Über eines sollten sich Hobby-Digitalisierer alter Aufnahmen generell bewusst sein: Wer Bilder moderner Smartphones gewohnt ist, bei denen es nicht darum geht, ob, sondern wie scharf Aufnahmen letztendlich sind, wird vom Ergebnis meist enttäuscht sein. Das liegt einfach daran, dass heute selbst 200-Euro-Smartphones knackigere Aufnahmen machen, als die Durchschnittskamera von 1970 - zumindest die, die in den meisten Mittelklasse-Haushalten im Umlauf waren.

Einen Überblick über die besagten Smartphones bietet unsere Top 10: Die besten Smartphones bis 200 Euro . Die besten Kamera-Smartphones haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

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