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Ratgeber: Das kostet ein gutes Smartphone
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Smartphones gibt es von unter 100 bis über 1000 Euro, aber wie viel Geld muss man wirklich für ein gutes Smartphone ausgeben? TechStage gibt die Antwort.

Quad-Cam, Octa-Core, Gigabyte, Megapixel – Hersteller werben gern mit schönen Worten und Superlativen, dabei sollte sich längst rumgesprochen haben, dass mehr nicht immer auch besser ist. Und selbst wenn das doch einmal zutrifft, bleibt die Frage, ob der dafür zwangsläufige Aufpreis gerechtfertigt ist. Soweit so gut, aber was darf ein ordentliches Smartphone denn jetzt kosten?

Das hängt vom persönlichen Geschmack und Anspruch ab. Muss es unbedingt Marktführer Samsung sein? Dann wird oftmals ein „Namensbonus“ fällig, der den Preis in die Höhe treibt. Ist auf jeden Fall ein bestimmtes Design nötig? Das schränkt die Auswahl ein und steigert voraussichtlich ebenfalls die Kosten. Wie viel Speicher brauche ich? Welche Auflösung? Wer viel will, muss tief in die Tasche greifen. Entspannter wird die Lage im Portemonnaie, wenn die Ansprüche nicht zu hoch liegen und Kompromissbereitschaft besteht.

Eine für alle Leser zutreffende Mindestanforderung zu formulieren ist unmöglich. Während Minimalisten vermutlich in erster Linie mit ihrem Smartphone telefonieren und chatten wollen, sollen bei anderen vielleicht sogar aktuelle 3D-Spiele flüssig und auf bester Grafik laufen. Entsprechend wird es sicherlich Interessenten geben, die mit Spezifikationen unter den von uns genannten auskommen. Da die Hardware allerdings wenigstens ein, am besten aber sogar zwei Jahre lang nutzbar sein sollte, haben wir auf den folgenden Zeilen das zusammengefasst, was wir als zwingend nötige Untergrenze erachten.

Anmerkung: Unsere Mindestanforderungen orientieren sich an der Mittelklasse. Die darin enthaltene Technik reicht aus, um heute und auch in zwei Jahren noch im Alltag flüssig verwendet werden zu können und berücksichtigt so weit wie möglich die aktuelle Entwicklung bei Smartphones.

Ob 5 oder knapp 7 Zoll: Die Größe des Touchscreens ist letztendlich Geschmackssache. Wer ein "kleines handy" sucht, sollte nicht nur auf die Screen-Größe achten, denn ein aktuelles Modell mit 6 Zoll ist dank geschrumpfter Komponenten und schmalerer Ränder rings um den Screen deutlich kleiner, als ein 6-Zöller vor einigen Jahren. Auflösung und Panel-Technologie sollten Interessenten hingegen mehr Aufmerksamkeit schenken. So darf in unseren Augen die Auflösung Full-HD Plus nicht unterschreiten, nur damit ist eine ausreichende Bildschärfe gewährleistet. In Zahlen: Als grober Richtwert darf eine anzupeilende Bildschärfe von etwa 350 bis 400 Pixel pro Zoll gelten (PPI), weit darunter sollte heute kein Smartphone mehr liegen.

Bei der Technik entscheidet neben dem Geldbeutel auch wieder der persönliche Geschmack, nämlich bei der Frage OLED oder LCD. OLED bietet satte Farben, perfektes Schwarz und hervorragende Blickwinkelstabilität, zudem spart diese Technik zumindest auf dem Papier bei Darstellung dunkler Inhalte Strom. Die meisten OLED-Phones bieten zudem ein hilfreiches Always-on-Display. LCDs stellen im Schnitt Weiß besser dar und zeigen natürlichere Farben, außerdem ist diese Technologie etwas günstiger.

Vergleichsweise neu sind Displays mit Bildwiederholungsraten jenseits der herkömmlichen 60 Hertz. Das lässt bewegte Inhalte, etwa beim Scrollen in Menüs oder auch beim Zocken, flüssiger und souveräner erscheinen. LCDs wiesen aktuell in der unteren Preisklasse höhere Raten von bis zu 120 Hertz auf, OLED meist 90 Hertz. Entsprechende Smartphones kosten natürlich oft extra, zudem verbraucht die höhere Bildzahl mehr Strom. Zwingend nötig sind solche Screens nicht, eher nice to have.

Beim Betriebssystem sind Android und iOS führend. Generell sollte auf eine möglichst aktuelle Version des OS geachtet werden, Modelle, die heute noch Android 8 oder älter installiert haben, sollten keine Berücksichtigung mehr finden. Bei Android kommt außerdem ein anderer Umstand hinzu: Huawei nutzt bei seinen aktuellen Modellen zwar noch Android, darf aber keine Google-Dienste und somit auch keinen Play Store verwenden. Das macht entsprechende Samrtphones nach wie vor weniger bequem nutzbar.

Neueste Spitzen-Smartphones haben gern mal 512 GByte internen Speicher und 12 GByte Arbeitsspeicher, Normalnutzer brauchen aber beides nicht. Die Untergrenze für internen Speicher sehen wir derzeit bei 64 GByte. Eine Erweiterungsmöglichkeit ist dann allerdings wichtig, bei den meisten - aber nicht bei allen - Modellen ist die per Micro-SD-Karte gegeben. Denn 64 GByte sind schnell mit Betriebssystem und einigen weiteren Apps gefüllt. Im Optimalfall sollte daher der Blick zu Modellen mit 128 GByte Speicherplatz gehen, sofern der Geldbeutel es hergibt. Die Notwendigkeit zu viel Speicher hängt neben der eigenen Nutzung und Erwartungshaltung allerdings auch immer vom eigenen Mobilfunktarif ab. Denn wer viel Datenvolumen pro Monat zur Verfügung hat, kann unterwegs streamen und muss dann Filme, Serien und Musik nicht in den eigenen Datenspeicher kopieren. Passende Tarife haben wir daher in unserem Ratgeber Ab 30 Euro: Mobilfunktarife mit unimmitiertem Datenvolumen zusammengefasst.

Beim Arbeitsspeicher sollten aktuell 4 GByte nicht mehr unterschritten werden, um auch in ein oder gar zwei Jahren noch uneingeschränkte Nutzbarkeit zu gewährleisten. Natürlich laufen heute die meisten Apps mit weniger RAM, vor allem, wenn etwa Android One oder gar Android Go ohne spezifische Hersteller-Nutzeroberflächen auf den Modellen installiert ist. Eine Auflistung der besten Smartphones mit Android One haben wir übrigens hier zusammengestellt. Erfahrungsgemäß steigt der Speicherhunger von Software allerdings anstatt zu sinken, daher sind aus heutiger Sicht weniger als 4 GByte für ein solides Smartphone nicht empfehlenswert.

Vereinfacht gesagt reicht heute jeder Octa-Core, also jede CPU mit acht Kernen, aus, um flüssige Darstellung in nahezu allen Lebenslagen zu gewährleisten - auch für normale Spiele. Wer mehr Power braucht, weil er etwa anfordernde 3D-Spiele wie PUBG auf bester Grafik spielen möchte, sollte darauf achten, einen Qualcomm-Prozessor der oberen Mittel- oder am besten gleich der Oberklasse zu bekommen. Entsprechende Snapdragon-Chipsätze beginnen meist mit der Anfangsziffer 6 oder höher, etwa Snapdragon 675 oder Snapdragon 765G. Prozessoren mit der Anfangsziffer 4 oder gar 2 sind hingegen unteren Mittelklasse oder Einstiegschipsätze, deren Leistungspotenzial nicht sicher ausreicht, um auch in zwei Jahren noch befriedigend nutzbar zu sein. Auch Kirin-Chips von Huawei und Exynos-Chipsätze von Samsung sind eine gute Wahl. Bei Huawei beginnen die für unsere Empfehlung passenden Chipsätze mit den Ziffern 7, 8 und 9, bei Samsung mit 96, 98, 99 oder sind vierstellig.

Neben Qualcomm gibt es als weiteren großen Chipsatz-Anbieter noch Mediatek. Da dieses Unternehmen allerdings dafür bekannt ist, grundsätzlich seltener Anpassungsarbeiten am Quellcode für bestehende Chipsätze vorzunehmen, ist die Chance, große Versions-Updates bei Android-Smartphones zu kommen, bei Qualcomm, Samsung und Huawei klar höher. Schade, zumal die Chipsätze von Mediatek technisch teilweise ähnlich gut wie ihre Pendants sind. Vielleicht ändert sich das mit den neuen Dimensity-Chips.

Digitalkameras in Smartphones leben neben Hardware vor allem von der Kamera-Software. Die Bildqualität lässt sich ohne ausführliche Tests der entsprechenden Kamera allerdings in erster Linie an der Hardware abschätzen. Mehr Megapixel stehen dabei nicht zwingend für bessere Bilder und mehr Kameraobjektive ebenfalls nicht. Dennoch lässt sich als grober Leitfaden festhalten, dass Smartphones mit weniger als drei Linsen und wenigstens 12 Megapixel bei der Hauptkamera nicht mehr gekauft werden sollten.

Denn diese Konstellationen versprechen im Optimalfall eine Hauptkamera plus Tele- und Weitwinkelobjektiv mit ausreichendem Detailgrad. Damit sollten Nutzer für die meisten Alltagssituationen gewappnet sein. Ein weiteres Indiz für eine ordentliche Bildqualität vor allem bei wenig Licht ist die Blendenöffnung jeder Linse. Sie wird im Format f/X.X angegeben, wobei die Zahl besser ist, je kleiner sie ausfällt. Als Obergrenze sollten Blendenöffnungen von f/2.0 stehen. F/2.4 oder schlechter ist schon heute nicht mehr zeitgemäß.

Bei der Anzahl der Linsen sollten Objektive, die ausschließlich für besseres künstliches Bokeh zuständig sind, nicht mitgerechnet werden. Gleiches gilt für Makrolinsen mit geringer Auflösung. In unseren Tests überzeugte keine Makrolinse mit 2 Megapixel und auch bei 5 Megapixel ist viel Raum nach oben. Stattdessen sollten Interessenten, die Wert auf gute Bildqualität legen, auf die Anwesenheit eines optischen Bildstabilisators achten. Passende Geräte finden sich in unserem Ratgeber: Smartphones mit optischem Bildstabilisator unter 300 Euro.

Auch beim Akku gilt: Eine hohe mAh-Angabe ist nur ein Indiz, aber kein sicherer Beweis für lange Akkulaufzeiten. Dennoch sollten moderne Android-Smartphone nicht deutlich weniger als 3500 mAh aufweisen. Bei iPhones geht es auch darunter. Wir empfehlen außerdem auf hohe Ladeleistung zu achten. Als Richtwert sehen wir einen Mindestwert von 20 Watt. Je höher der Wert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass selbst kurzes Zwischenladen den Akku spürbar wieder füllt.

Grundsätzlich bieten günstige Smartphones auf den ersten Blick fast alles, was auch teure Modelle können. So haben heute alle Smartphones WLAN, funkten im Nahbereich per Bluetooth und wissen dank GPS genau, wo sie sich gerade befinden. Teurere Modelle bieten aber meist schnellere oder verbesserte Versionen an. Statt WLAN n mit 2,4 GHz ist dann etwa der ac-Standard mit zusätzlichem 5-GHz-Band oder schon Wifi 6 eingebaut, Bluetooth 4 ist durch Bluetooth 5.1 ersetzt und Topmodelle funken nicht nur im 4G-Netz, sondern schon mit 5G.

Ist das alles nötig? Grundsätzlich nicht, auch wenn die neueren Versionen natürlich abseits von Übertragungsgeschwindigkeiten meist weitere Boni wie etwa weniger Stromverbrauch bieten oder im Falle von WLAN weniger Störanfälligkeit durch andere Geräte im gleichen Frequenzspektrum versprechen. Grundsätzlich dürften die meisten Nutzer gerade abseits von Ballungsräumen aber auch mit 2,4-GHz-WLANs auskommen und der mobile Datenstandard 5G ist in Deutschland auf absehbare Zeit ohnehin noch nicht flächendeckend nutzbar. Wer das nicht glaubt, sollte einen Blick auf die Netzabdeckungskarten der Netzbetreiber Vodafone und Telekom (Links zu den Karten) werfen. Dabei muss man nur 5G allein anwählen und kurz etwas hineinzommen - schon wird klar, wie fragmentarisch 5G auch im Jahr 2021 noch abgedeckt ist. Telefonica o2 zeigt Kunden erst gar keine Netzabdeckungskarte, aus der die tatsächliche 5G-Abdeckung hervorgeht. Dennoch kann die Berücksichtigung von 5G schon jetzt sinnvoll sein, denn in ein oder zwei Jahren sollte der Netzausbau endlich ausreichend fortgeschritten sein.

Weitere Gimmicks wie unsichtbar im Display versteckte Fingerabdrucksensoren sind zwar schick, funktionieren meist aber sogar etwas schlechter als herkömmliche Sensoren. Das ändert sich aber mit zunehmender Verbreitung der In-Display-Sensoren, die längst auch in der Mittelklasse starke Verbreitung gefunden haben. Dennoch gilt bei vielen Zusatz-Features: Vor dem Kauf genau klären, was einem besonders wichtig ist.

Grundsätzlich lohnt ein Blick auf die Topmodelle aus dem Vorjahr. Besonders, wenn der Nachfolger angekündigt oder am besten schon verfügbar ist, fallen die Preise der alten Modelle. Schlecht sind die darum aber noch lange nicht. Diese älteren Geräte sollten die nächsten zwei Jahre zumindest noch mit Sicherheits-Updates versorgt werden, meist ist auch noch ein großes Versions-Update drin. Die Hardware reicht zudem auf jeden Fall für die nächste Zeit. Meist liegt der Preis dieser ehemaligen Topmodelle allerdings immer noch um 500 Euro. Dafür gibt es dann sehr viele Features, aber es geht auch billiger.

Seit einiger Zeit kommen immer mehr chinesische Marken auf den europäischen Markt, allen voran Xiaomi, aber auch Oppo, Vivo oder Realme. Diese Marken bieten im direkten Vergleich sehr viel gute Technik für überraschend wenig Geld, da sich diese Hersteller hierzulande zu etablieren versuchen. Für Modelle aus dem Vorjahr gilt das, was gerade generell zu Vorjahres-Topmodellen gesagt wurde, noch mehr. Für rund 300 Euro bekommt man hier Geräte, die bis auf ganz wenige Ausnahmen keine Wünsche offenlassen.

Alternativ lohnt bisweilen ein Blick auf neue Mittelklassemodelle. Sowohl Hard-, als auch Software dürfte die nächsten beiden Jahre keine Probleme machen und mancher Hersteller wie etwa Samsung führt technische Neuerungen mittlerweile gern zuerst in der Mittelklasse ein. Flüssige Bedienung ist hier selbstverständlich, die Kameras sind so gut wie vor zwei oder drei Jahren in Topmodellen und schick ist die „neue Mittelklasse“ heute auch. Entsprechend findet man inzwischen für 200 bis 300 Euro richtig gute Smartphones.

Unsere Auswahl an Beispiel-Smartphones, die wir im Sinne der eingangs gestellten Frage als „gut“ befunden haben, weist bereits auf einen durchschnittlichen Kaufpreis hin, den Interessenten für ein ordentliches Smartphone ausgeben sollten: etwa 250 bis 350 Euro. Natürlich können Interessenten auch deutlich mehr zahlen und bekommen dann noch mehr für ihr Geld. Als wirklich nötig erachten wir aber Ausgaben deutlich jenseits der 300-Euro-Marke nicht. In diesem Preisbereich tummeln sich zwar vor allem Mittelklassegeräte, aber sogar ehemalige Spitzenmodelle findet man für dieses Geld. Da sollte für jeden etwas dabei sein.

Natürlich sind auch 350 Euro viel Geld. Wer weniger ausgeben möchte, sollte einmal einen Blick auf unseren Ratgeber: Wie viel Smartphone gibt es bis 100 Euro?, die Bestenliste: Top-10 der Smartphones bis 200 Euro oder Smartphones mit optischem Bildstabilisator bis 300 Euro werfen.

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